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Monsieur

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Veröffentlicht am 17.02.2025

Medizin, Politik und Obsession

Stadt der Hunde
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Leon de Winter ist bekannt für seine thematische und stilistische Vielseitigkeit, die sich von Roman zu Roman stark unterscheiden kann. Dennoch besitzen seine Werke einen unverkennbaren Stil, der sich ...

Leon de Winter ist bekannt für seine thematische und stilistische Vielseitigkeit, die sich von Roman zu Roman stark unterscheiden kann. Dennoch besitzen seine Werke einen unverkennbaren Stil, der sich in der klaren Sprache, seinen oft ambivalenten Protagonisten und einer wiederkehrenden Auseinandersetzung mit politischen und gesellschaftlichen Themen zeigt. Auch sein neuer Roman "Stadt der Hunde", der am 22. Januar im Diogenes Verlag erschienen ist, fügt sich in dieses Muster ein.
Im Zentrum der Geschichte steht Jaap Hollander, ein niederländischer Jude, der sich nicht ausschließlich mit seinem Herkunftsland, den Niederlanden, verbunden fühlt. Gleichermaßen zieht es ihn immer wieder nach Tel Aviv und insbesondere in die Wüste Negev, wo seine Tochter vor Jahren spurlos verschwand. Als ehemaliger Gehirnchirurg im Ruhestand wagt er eine erneute Reise an diesen Ort, um nach Hinweisen auf ihr Schicksal zu suchen. Doch diese Reise nimmt eine unerwartete Wendung: Ein Scheich bittet ihn, eine lebensrettende Gehirnoperation an seiner Tochter durchzuführen – Jaap ist ihre letzte Hoffnung. Der Chirurg willigt ein, jedoch nicht aus idealistischen oder humanitären Gründen. Vielmehr reizt ihn die immense Bezahlung, die ihm weitere Mittel zur Suche nach seiner Tochter verschaffen könnte.
Mit dieser Ausgangslage entfaltet sich eine Geschichte voller Unwägbarkeiten und überraschender Wendungen. Die Operation selbst stellt ein riskantes Unterfangen dar, dessen Ausgang lange unklar bleibt. Doch auch darüber hinaus bleibt der Roman spannend: Ein Scheitern hätte weitreichende politische Konsequenzen, während selbst ein Erfolg nicht frei von Risiken ist.
Gleichzeitig ist "Stadt der Hunde" nicht nur ein politischer Thriller, sondern auch eine tiefgehende Charakterstudie. Seine Obsession, das Verschwinden seiner Tochter aufzuklären, hat Jaap an den Rand des Wahnsinns getrieben. Seine Skrupellosigkeit und seine Besessenheit verleihen ihm eine zwiespältige Natur. Als renommierter Chirurg war er einst weltweit angesehen, doch privat fiel er durch seine Affären und seinen Charme auf. De Winter zeichnet ihn als vielschichtige Figur, die sowohl fasziniert als auch irritiert.
Bemerkenswert ist, dass der Roman selbst dann noch mit unerwarteten Entwicklungen aufwartet, als die Operation längst abgeschlossen ist und die unmittelbaren Konsequenzen geklärt scheinen. Dies trägt dazu bei, dass der Leser nicht nur in die Handlung hineingezogen wird, sondern auch einen tiefen Einblick in die Psyche des Protagonisten erhält – eine Qualität, die in dieser Intensität selten in der Literatur zu finden ist.
Insgesamt ist „Stadt der Hunde“ zu den stärkeren Romanen des Autors zu zählen, der die Praktiken eines Gehirnchirurgen mit politischen Spannungen in Israel und menschlichen inneren Konflikten auf eine leichtfüßige Art kombiniert.

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Veröffentlicht am 30.01.2025

Klapper und Bär, ein merkwürdiges Gespann

Klapper
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Romane über Außenseiter sind ein beliebtes Genre in der Jugendliteratur. Ihre sympathischen Protagonisten, die mit Menschlichkeit und oft verschrobener Eigenart aufwarten, schaffen es nicht nur, das Herz ...

Romane über Außenseiter sind ein beliebtes Genre in der Jugendliteratur. Ihre sympathischen Protagonisten, die mit Menschlichkeit und oft verschrobener Eigenart aufwarten, schaffen es nicht nur, das Herz der Leser zu erwärmen, sondern ermöglichen – wenn geschickt geschrieben – tiefgehende Einblicke in menschliche Beziehungen und gesellschaftliche Missstände. Kurt Prödels Roman „Klapper“, der am 30. Januar im Park x Ullstein Verlag erschien, reiht sich in diese Tradition ein. Mit dem Protagonisten Klapper, einem jugendlichen Computer-Nerd, bietet die Geschichte eine feinfühlige, wenn auch nicht bahnbrechende Perspektive auf das Außenseiterdasein und Selbstfindung.
Der titelgebende Klapper ist das klassische Beispiel eines sozial isolierten Jugendlichen: Ohne Freunde verbringt er fast seine gesamte Zeit in seinem Zimmer. Er duscht selten, trägt T-Shirts von umstrittenen Bands und vertieft sich stundenlang in Computerspiele – das Leben eines typischen Nerds, wie man es sich vorstellt. Doch Klappers eintöniges Leben verändert sich, als er Bär, die Neue in seiner Klasse, kennenlernt. Auch sie ist eine Außenseiterin, doch mit einem entscheidenden Unterschied: Bär hat es gelernt, sich gegen die Anfeindungen ihrer Umwelt zu behaupten. Diese Gegensätze zwischen den beiden werden früh in der Geschichte deutlich, etwa in einer Szene, in der Bär Klapper in einer brenzligen Mobbing-Situation zur Seite steht. Ihre Freundschaft entwickelt sich langsam und wirkt authentisch, geprägt durch gemeinsame Interessen und das gegenseitige Verstehen der jeweiligen Andersartigkeit.
Trotz dieser Annäherung bleibt Klapper im Kern derjenige, der er immer war. Die Beziehung zu Bär löst in ihm zwar eine Art „Erwachen“ aus, doch statt einer radikalen Verwandlung geht es hier vielmehr um dezente Veränderungen: Klapper bleibt ein verschlossener und verschrobener Typ, lernt aber, sich zumindest einem anderen Menschen zu öffnen. Dadurch verzichtet der Roman auf das oft überstrapazierte Narrativ der „Normalisierung“ von Außenseitern. Vielmehr ist „Klapper“ eine Geschichte über Selbstakzeptanz und das Erlernen, mit der eigenen Unangepasstheit umzugehen, auch wenn das soziale Konflikte mit sich bringt.
Das Thema Mobbing wird in „Klapper“ zwar angeschnitten, spielt jedoch eine untergeordnete Rolle. Die entsprechenden Szenen dienen weniger als kritische Auseinandersetzung mit dem Thema, sondern vielmehr dazu, Bärs Stärke und Klappers Schwächen hervorzuheben. Diese Unterschiede zwischen den beiden Protagonisten verleihen der Geschichte eine zusätzliche Dimension. Gleichzeitig zeigen sich in der Darstellung von Bär jedoch auch Brüche: Ihre robuste und selbstbewusste Fassade täuscht darüber hinweg, dass sie in ihrem privaten Umfeld großen Herausforderungen gegenübersteht.
Bärs familiäre Situation ist angespannt, auch wenn ihr Zuhause nach außen hin als harmonisch erscheint. Klapper erfährt von den Problemen in ihrer Familie nach und nach, etwa bei gemeinsamen Abendessen mit ihren Eltern. Besonders Bärs Rolle als Ersatzmutter für ihre Geschwister verdeutlicht die Belastung, die auf ihr liegt. Ihre Eltern vernachlässigen ihre Pflichten, weshalb Bär öfter der Schule fernbleibt. Im Gegensatz dazu wächst Klapper behüteter auf, obwohl auch bei ihm zu Hause nicht alles glatt läuft: Seine Mutter leidet unter einer ernsthaften psychischen Erkrankung, die Klapper jedoch lange nicht wahrnimmt. Diese Unwissenheit spiegelt seine distanzierte Beziehung zu seiner Mutter wider und verdeutlicht zugleich sein Wesen, Schwierigkeiten lieber zu ignorieren, statt sich mit ihnen auseinanderzusetzen – ein Verhalten, das im Kontrast zu Bärs Tatkraft steht.
Die Konstellation der beiden Protagonisten ist raffiniert, da sie trotz ihrer ähnlichen Außenseiterrolle unterschiedliche Eigenschaften und familiäre Hintergründe aufweisen. Dies verhindert, dass der Roman in stereotype Darstellungen abrutscht, auch wenn einige Klischees, insbesondere bei Klapper, aufgegriffen werden. Der Autor bedient sich gängiger Nerd-Stereotype – von mangelnder Körperhygiene bis hin zu Vorurteilen über Videospieler –, doch durch die Einblicke in Klappers familiären Hintergrund gewinnt sein Charakter an Tiefe. Der Leser bekommt die Möglichkeit, hinter die Oberfläche der Klischees zu blicken und Klapper in seiner ganzen Komplexität zu verstehen.
Prödels Schreibstil ist angenehm zugänglich, und der Roman erfüllt die Erwartungen, die man an eine solche Geschichte stellt. „Klapper“ erzählt von einem ganz gewöhnlichen Jugendlichen, der Schwierigkeiten hat, sich anzupassen, und seinen Platz im Leben sucht. Es ist eine Alltagsgeschichte, die durch die Begegnung mit einer anderen ungewöhnlichen Person Fahrt aufnimmt. In der literarischen Landschaft der Jugendbücher über Außenseiter kann „Klapper“ keine neuen Maßstäbe setzen, doch er reiht sich solide in dieses Genre ein. Mit seinen liebenswert verschrobenen Figuren und einer ausgewogenen Mischung aus heiteren und melancholischen Momenten schafft es der Roman, den Leser zu unterhalten. Die Geschichte ist mal humorvoll, mal nachdenklich und am Ende sogar ein wenig traurig. Vor allem aber ist sie ein ehrliches Porträt zweier Jugendlicher, die auf ihre Weise versuchen, mit den Herausforderungen des Lebens klarzukommen.

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Veröffentlicht am 29.01.2025

Altbekanntes in neuem Gewand: Ein Einzel- und Kollektivschicksal

Portrait meiner Mutter mit Geistern
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Auch im Jahr 2025 scheint die literarische Auseinandersetzung mit dem Zweiten Weltkrieg und der Nachkriegsgeneration noch nicht abgeschlossen zu sein – so zumindest legt es Rabea Edel mit ihrem Roman „Porträt ...

Auch im Jahr 2025 scheint die literarische Auseinandersetzung mit dem Zweiten Weltkrieg und der Nachkriegsgeneration noch nicht abgeschlossen zu sein – so zumindest legt es Rabea Edel mit ihrem Roman „Porträt meiner Mutter mit Geistern“ nahe. Doch angesichts der Fülle an Geschichten, die bereits über diese Epoche erzählt wurden, stellt sich zwangsläufig die Frage: Was hat dieses Werk zu bieten, das nicht schon gesagt wurde?
Die Handlung dreht sich um die Protagonistin Raisa, die in den 1990er Jahren gemeinsam mit ihrer Mutter Martha aufwächst. Der Vater ist abwesend, und Martha hüllt sich in Schweigen, was seine Geschichte betrifft. Diese Leerstelle ist zentral für Raisas Kindheit und prägt die Beziehung zu ihrer Mutter. Erst als Martha zu erzählen beginnt, entfaltet sich eine vielschichtige Familiengeschichte, die von Liebe, Verlust und den Narben der Nachkriegszeit gezeichnet ist.
Stilistisch geht Edel dabei ungewöhnliche Wege. Obwohl es sich um einen Roman handelt, wirkt das Werk streckenweise wie eine Biografie. Auffällig ist das nahezu vollständige Fehlen ausführlicher Gefühlsbeschreibungen. Emotionen werden lediglich angedeutet, was den Lesern Raum für eigene Interpretationen lässt, aber auch eine gewisse Distanz schafft. Besonders die Szenen aus Raisas Perspektive, in denen sie ihre Freundschaft mit dem Nachbarsjungen Mat erlebt, kommen einer klassischen Erzählweise am nächsten. Diese Passagen wirken lebendig und vermitteln ein Gefühl von unbeschwerter Kindheit, die jedoch zunehmend von der düsteren Vergangenheit überschattet wird.
Der Fokus des Romans liegt jedoch nicht auf Raisas Erleben, sondern auf der Geschichte ihrer Mutter Martha. Edel wählt eine distanzierte Erzählweise in der dritten Person, die sich weniger um persönliche Reflexionen als um die Schilderung historischer Stationen bemüht. Diese narrative Entscheidung könnte damit zusammenhängen, dass das Werk zumindest teilweise auf wahren Begebenheiten basiert. Edel verarbeitet in „Porträt meiner Mutter mit Geistern“ offenbar auch die Biografie ihrer eigenen Familie, um den Lebensweg unerschrockener Frauen zu skizzieren, deren Leben vom Krieg und den Nachkriegsjahren geprägt wurden.
So wird Marthas Lebensgeschichte zu einem Spiegelbild ihrer Generation. Ihre Erlebnisse, so spezifisch sie auch erscheinen mögen, repräsentieren das kollektive Schicksal vieler Frauen dieser Zeit. Doch genau hier liegt auch eine Schwäche des Romans: Für Leser, die bereits andere Werke zu diesem Thema kennen, fühlt sich „Porträt meiner Mutter mit Geistern“ nicht neu an. Die Stationen in Marthas Leben scheinen vertraut, fast archetypisch – ein Schicksal, das in der Literatur schon oft beschrieben wurde.
Auf der Makro-Ebene überzeugt der Roman dennoch. Er vermittelt ein beeindruckendes Gesamtbild der Nachkriegszeit und lädt dazu ein, die Geschichte aus einem übergeordneten Blickwinkel zu betrachten. Im Detail jedoch, auf der Mikro-Ebene, fehlt es dem Werk an Originalität und erzählerischer Finesse, um es von ähnlichen Büchern abzuheben. Die distanzierte Erzählweise und das Fehlen eines innovativen Blickwinkels machen es schwer, sich emotional tief auf die Geschichte einzulassen.
Dennoch bleibt „Porträt meiner Mutter mit Geistern“ ein bedeutsames Werk. Es dokumentiert eine tragische Lebensgeschichte und erinnert an die Narben, die eine Generation von Frauen geprägt haben – eine Erinnerung, die auch heute noch von Relevanz ist. Wer sich für die Nachkriegsgeneration interessiert und bereit ist, Altbekanntes in einem neuen Gewand zu lesen, wird diesem Roman mit Sicherheit etwas abgewinnen können.

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Veröffentlicht am 29.01.2025

Flucht aus der Abhängigkeit

Monique bricht aus
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Bereits des Öfteren hat der französische Schriftsteller Édouard Louis über seine eigene Familie geschrieben - nicht selten zum Unmut seiner Angehörigen. In seinem neuesten literarischen Werk „Monique bricht ...

Bereits des Öfteren hat der französische Schriftsteller Édouard Louis über seine eigene Familie geschrieben - nicht selten zum Unmut seiner Angehörigen. In seinem neuesten literarischen Werk „Monique bricht aus“, der am 29. Januar 2025 im S. Fischer Verlag erschienen ist, rückt er erneut seine Mutter Monique in den Mittelpunkt.
Die Geschichte beginnt mit einem Hilferuf: Monique, die Protagonistin, ruft verzweifelt ihren Sohn an. Sie hat es zwar geschafft, einer früheren unglücklichen Ehe zu entkommen, findet sich jedoch nun in einer ähnlich bedrückenden Beziehung wieder. Ihr aktueller Partner bedroht und schikaniert sie, bis das Zusammenleben für sie unerträglich wird. Gemeinsam mit ihrem Sohn entwickelt sie einen Plan, um ihrer unhaltbaren Lebenssituation zu entfliehen. Der Roman schildert, wie Monique nicht nur den Mut findet, auszuziehen, sondern sich Schritt für Schritt ein unabhängiges Leben aufbaut – zum ersten Mal überhaupt.
Louis’ Schreibstil bleibt, wie in seinen vorherigen Werken, simpel und zugänglich, aber keineswegs oberflächlich. Mit wenigen, aber präzisen Worten zeichnet er ein Porträt einer Frau, die Zeit ihres Lebens unterdrückt wurde – zuerst von einem patriarchalen Gesellschaftssystem, dann durch ihre Partner. Doch diesmal ist Moniques Geschichte keine von Resignation, sondern von Befreiung. Der Leser begleitet Monique auf einer Reise der Selbstentdeckung und Transformation, bei der sie zur Hauptfigur ihres eigenen Lebens wird. Diese Veränderung, die Louis einfühlsam und dennoch schonungslos beschreibt, verlangt dem Leser Respekt ab, während sie zugleich als Hoffnungsschimmer für andere Frauen in ähnlichen Situationen dient.
Besonders bemerkenswert ist die autobiografische Dimension des Romans. Louis greift auf reale Ereignisse aus dem Leben seiner Mutter zurück, was der Erzählung eine außergewöhnliche Authentizität verleiht. Diese intime Nähe zur Wirklichkeit macht "Monique bricht aus" zu weit mehr als einem fiktionalen Werk. Sie gibt dem Buch eine Intensität und Tiefe, die in einem rein fiktionalen Roman nur schwer zu erreichen wären. Louis’ ungeschönter Blick auf die Umstände seiner Mutter erlaubt dem Leser, die Welt durch die Augen einer Frau zu sehen, die jahrzehntelang keine Kontrolle über ihr eigenes Leben hatte.
Monique wird anfänglich als eingeschüchterte und abhängige Frau beschrieben, die kaum Hoffnung auf ein besseres Leben hat. Doch Louis zeigt mit feiner Beobachtungsgabe, wie sie langsam mutiger und selbstbestimmter wird. Monique entdeckt neue Freuden, etwa in der Freiheit, ihre eigenen Mahlzeiten zu wählen und unbekannte Gerichte zu probieren. Diese kleinen, alltäglichen Veränderungen symbolisieren ihren wachsenden Selbstwert und ihre Emanzipation. Die größte Verwandlung erlebt sie jedoch am Ende, als sie eine neue Haltung gegenüber dem literarischen Werk ihres Sohnes entwickelt – ein Zeichen dafür, dass sie nicht nur ihr Leben, sondern auch ihre Perspektive auf sich selbst und ihre Umwelt grundlegend überdacht hat.
Trotz des kompakten Umfangs von 160 Seiten gelingt es Louis, Moniques Charakter nicht nur plastisch darzustellen, sondern auch zu analysieren. Diese Darstellung wird durch seine eigene Biografie bereichert, da er seine Kindheit und Jugend mit ihr verbracht hat. Seine erwachsene Sicht auf diese Zeit ist differenziert: Neben Vorwürfen und Bitterkeit schwingt auch Verständnis mit. Dieser Umschwung in der Wahrnehmung des Autors ist ebenso faszinierend wie die Transformation seiner Mutter, und zeugt von einer emotionalen Tiefe.
Louis’ Klarheit und Schnörkellosigkeit machen "Monique bricht aus" zu einer beeindruckenden literarischen Leistung. Der Roman illustriert, wie vermeintlich kleine Schritte – gepaart mit ein wenig Unterstützung – ausreichen können, um aus einer hoffnungslosen Lage auszubrechen. Die Botschaft ist klar: Freiheit ist oft greifbarer, als man denkt, wenn man den Mut findet, sie zu ergreifen. Diese Phrase, die schnell abgedroschen wirken kann, wirkt in diesem Fall durch den biografischen Charakter der Lektüre glaubhaft und nachvollziehbar.
Zusammenfassend ist "Monique bricht aus" nicht nur eine Biografie über Édouard Louis’ Mutter, sondern auch ein universell gültiger Appell für Emanzipation und Selbstermächtigung. Louis zeigt, wie Literatur eine Brücke zwischen dem Individuellen und dem Allgemeinen schlagen kann, und beweist einmal mehr, dass die Perspektive junger Autoren eine unverzichtbare Bereicherung für die Buchwelt ist.

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Veröffentlicht am 28.01.2025

Der zweite Teil bietet noch mehr Krimi

Baskerville Hall - Das geheimnisvolle Internat der besonderen Talente: Das Zeichen der Fünf
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Mit „Baskerville Hall - Das geheimnisvolle Internat der besonderen Talente“ ist der amerikanischen Autorin Ali Standish ein unterhaltsamer und vor allem ideenreicher Auftakt in eine Kinderbuchreihe gelungen, ...

Mit „Baskerville Hall - Das geheimnisvolle Internat der besonderen Talente“ ist der amerikanischen Autorin Ali Standish ein unterhaltsamer und vor allem ideenreicher Auftakt in eine Kinderbuchreihe gelungen, die mehr oder weniger im Universum von Arthur Conan Doyle spielt. Seit dem 28. Januar 2025 liegt nun endlich die lang ersehnte Fortsetzung „Baskerville Hall - Das geheimnisvolle Internat der besonderen Talente: Das Zeichen der Fünf“ in deutscher Übersetzung im Hanser Verlag vor. Fans der Reihe sind natürlich gespannt, ob es der Autorin gelingt, das Universum rund um Arthur Doyle und seine Freunde im Internat Baskerville Hall angemessen fortzuführen.
Der erste Band der Reihe konnte mit zahlreichen lustigen Einfällen und einer faszinierenden Erzählwelt punkten, auch wenn er kleinere Schwächen aufwies. Das Gespann rund um den Hauptprotagonisten Arthur Doyle – bestehend aus Mary Morstan, Irene Eagle, Jimmie Moriarty und Grover Kumar – versprach viel Potenzial. Nun kehrt Arthur für sein zweites großes Abenteuer an die Schule Baskerville Hall zurück, diesmal weniger extravagant als im ersten Teil. Doch kaum ist er angekommen und hat sich wieder mit seinen Freunden zusammengefunden, nehmen erneut seltsame Vorkommnisse ihren Lauf.
Arthur findet seinen Lehrer Professor Holmes reglos in dessen Zimmer vor. Zum Glück ist der Professor nicht tot, sondern liegt nur im Koma. Dennoch ist für Arthur sofort klar: Holmes wurde vergiftet. Doch es bleibt nicht bei diesem einen Fall. Nach und nach deckt Arthur ein Geheimnis auf, das vor vielen Jahren seinen Anfang nahm. Dieses Geheimnis steht nicht nur mit einem rätselhaften Zeichen in Verbindung, sondern hängt auch mit den Ereignissen aus dem letzten Abenteuer zusammen.
Ali Standish gelingt es, Arthur und somit die Leser schnell und ohne viel Aufhebens zurück ins Internat zu bringen, wo die Handlung zügig Fahrt aufnimmt. Allerdings fehlt diesmal ein entscheidender Reiz, der den ersten Band so spannend gemacht hat: das Ankommen und Erkunden des Internats. Gemeinsam mit den Protagonisten konnte man im ersten Teil eine fremde und neue Welt entdecken, die sich durch viele Eigenheiten auszeichnete. Da der Handlungsort im zweiten Band jedoch weitgehend bekannt ist, fällt diese Art der Spannung weg. Zudem bringt der zweite Band kaum neue Örtlichkeiten oder Figuren mit sich. Das Personal ist bereits bekannt, und Standish konzentriert sich in erster Linie auf die Entwicklung der Charaktere.
In diesem Punkt zeigt die Autorin allerdings ihre Stärken. Vor allem das zunehmende Misstrauen zwischen Arthur und seinen Freunden sorgt für Dramatik und bringt das Gefüge der Gruppe ins Wanken. Die Handlung selbst weist deutlich mehr kriminalistische Züge auf als im ersten Band. Die vermeintlichen Mordversuche und Arthurs Recherchen erinnern an klassische Kriminalgeschichten, nur eben in einer für Kinder geeigneten Form. Vor allem im Mittelteil wirkt die Geschichte dadurch weniger magisch und rätselhaft, als man es aus dem ersten Teil gewohnt ist. Dennoch baut sie eine gewisse Spannung auf, und junge Leser dürften ihren Spaß daran haben, herumzurätseln, wie sich die verschiedenen Puzzlestücke am Ende zusammenfügen.
Fans des ersten Teils können sich auf jeden Fall auf eine gelungene Fortsetzung freuen, auch wenn der zweite Band nicht vollends an die Qualität seines Vorgängers heranreicht. Hauptgrund dafür ist das Fehlen wirklich neuer Elemente. Zudem zeigt sich, dass das Figurenensemble in seiner Gesamtheit etwas zu umfangreich angelegt ist. Während die vielen unterschiedlichen Charaktere im ersten Band mit ihren Eigenheiten und ihrer Eigenwilligkeit für viel Unterhaltung sorgten, kann ihr Potenzial in einem einzigen Folgeband nicht voll ausgeschöpft werden. Hier fehlt es schlichtweg an Kapazität. Umso mehr kann man jedoch in den kommenden Bänden von ihrer Entwicklung erwarten.
Somit sollte die Reihe „Baskerville Hall“ auch weiterhin auf dem Radar ihrer Leserschaft stehen. Für den dritten Teil dürfte die Autorin jedoch gerne mit etwas Unerwartetem überraschen, um das Universum rund um Arthur Doyle und Baskerville Hall erneut mit frischen Ideen zu bereichern.

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