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Veröffentlicht am 03.05.2026

Wenn Götter prüfen und Chaos zum Kompass wird

Aftermyth – Penelope und die Prüfung der Götter
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Schon nach wenigen Seiten entwickelt sich ein Sog, dem man sich kaum entziehen kann. Tracy Wolff schreibt zugänglich, dynamisch und mit genau der richtigen Mischung aus Leichtigkeit und Spannung, sodass ...

Schon nach wenigen Seiten entwickelt sich ein Sog, dem man sich kaum entziehen kann. Tracy Wolff schreibt zugänglich, dynamisch und mit genau der richtigen Mischung aus Leichtigkeit und Spannung, sodass die Seiten förmlich verfliegen. Besonders die Verbindung aus moderner Geschichte und griechischer Mythologie sorgt für eine Atmosphäre, die gleichzeitig verspielt und geheimnisvoll wirkt. Mit Penelope steht eine Protagonistin im Mittelpunkt, die sich wohltuend von klassischen Rollenbildern abhebt. Sie ist nicht die Heldin, die von Anfang an alles im Griff hat, sondern stolpert immer wieder in Situationen, die sie herausfordern, überfordern und gleichzeitig wachsen lassen. Gerade dieser ständige Kontrast zwischen Plan und Realität macht ihre Entwicklung greifbar. Anfangs noch stark von Erwartungen geprägt, beginnt sie nach und nach, sich davon zu lösen und ihren eigenen Weg zu gehen, was der Geschichte eine spürbare emotionale Tiefe verleiht.

Das Setting rund um die Anaximander-Akademie lebt von seinen Ideen. Häuser, die verschiedenen Göttern zugeordnet sind, Prüfungen, die alles abverlangen, und kleine, kreative Details lassen die Welt lebendig wirken und schaffen diesen typischen Academy-Vibe, der sofort vertraut erscheint. Gleichzeitig merkt man an einigen Stellen, dass das Potenzial noch längst nicht ausgeschöpft ist, da viele Aspekte eher angerissen als wirklich vertieft werden und man sich stellenweise mehr Hintergrundwissen gewünscht hätte, besonders in Bezug auf die Welt außerhalb der Akademie. Die Handlung bleibt durchgehend in Bewegung, ein Hindernis folgt auf das nächste, Überraschungen reihen sich aneinander und sorgen dafür, dass kaum Ruhe einkehren kann, was das Buch sehr kurzweilig macht, stellenweise aber auch etwas überwältigend wirkt, da kaum Zeit bleibt, einzelne Momente wirklich sacken zu lassen. Neben der Handlung überzeugen vor allem die Figurenkonstellationen, insbesondere die Freundschaften, die warm, authentisch und nahbar wirken und der Geschichte eine emotionale Basis geben.

Was am Ende besonders nachhallt, ist die Botschaft hinter all dem Chaos. Es geht darum, sich von Erwartungen zu lösen, den eigenen Platz zu finden und den Mut zu haben, gegen vorgegebene Wege anzutreten. Genau diese Thematik zieht sich spürbar durch die gesamte Geschichte und gibt ihr eine zusätzliche Ebene. Ein Auftakt, der durch Tempo, Atmosphäre und Figuren überzeugt, auch wenn nicht jede Stelle vollständig ausgereift wirkt, und der definitiv Lust auf die kommenden Bände macht.

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.04.2026

Manchmal wächst man genau an den Entscheidungen, die am meisten wehtun und genau darin liegt die Wahrheit dieser Geschichte

Homesick
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Mit Homesick erzählt Silvia Saunders eine Geschichte, die sich auf den ersten Blick leicht und fast schon unbeschwert liest, dabei aber eine emotionale Tiefe entwickelt, die sich erst nach und nach entfaltet. ...

Mit Homesick erzählt Silvia Saunders eine Geschichte, die sich auf den ersten Blick leicht und fast schon unbeschwert liest, dabei aber eine emotionale Tiefe entwickelt, die sich erst nach und nach entfaltet. Besonders der Schreibstil trägt viel dazu bei, dass man schnell in die Handlung eintaucht. Er ist zugänglich, flüssig und gleichzeitig sensibel genug, um auch die leiseren Zwischentöne spürbar zu machen. Genau dadurch entsteht eine Nähe zu Mara, die den gesamten Roman trägt.

Mara als Protagonistin wirkt von Beginn an authentisch und greifbar. Ihre Gedanken sind nachvollziehbar, ihre Unsicherheiten realistisch und ihre Reaktionen wirken nie überzogen. Gerade im Umgang mit ihrem Umfeld zeigen sich immer wieder kleine Momente, die deutlich machen, wie sehr sie darum kämpft, ernst genommen zu werden und ihren eigenen Platz zu finden. Diese alltäglichen Erfahrungen werden nicht überdramatisiert, sondern ruhig erzählt, was sie umso glaubwürdiger macht. Im Zentrum der Geschichte steht jedoch die Beziehung zu Tom, die von Anfang an von einer gewissen Schwere begleitet wird. Seine Depressionen sind dabei kein bloßes Randthema, sondern beeinflussen die Dynamik zwischen den beiden spürbar. Hinzu kommt die schwierige Beziehung zu seiner Mutter, die immer wieder Grenzen überschreitet und damit eine zusätzliche Belastung darstellt. Lange bleibt die Hoffnung bestehen, dass beide einen Weg finden könnten, doch je weiter die Handlung voranschreitet, desto deutlicher wird, dass Liebe allein nicht immer ausreicht, um zwei Menschen zusammenzuhalten.

Besonders im letzten Teil des Buches wird Maras Entwicklung sehr deutlich. Sie beginnt, sich selbst stärker wahrzunehmen, ihre eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen und Grenzen zu setzen, die sie zuvor vielleicht übergangen hätte. Diese Entwicklung wirkt weder überstürzt noch konstruiert, sondern ergibt sich logisch aus allem, was zuvor passiert ist. Gerade die Erkenntnis, dass eine Beziehung auch ohne Streit oder Verrat enden kann, sondern schlicht daran, dass zwei Lebensrealitäten nicht mehr zusammenpassen, verleiht der Geschichte eine besondere Ehrlichkeit. Auch die Nebenhandlungen fügen sich stimmig ein und unterstützen Maras Weg. Veränderungen im beruflichen Umfeld wirken wie ein zusätzlicher Impuls, sich neu zu orientieren und sich wieder stärker an dem auszurichten, was ihr wirklich wichtig ist. Dadurch entsteht das Bild einer jungen Frau, die sich Schritt für Schritt von äußeren Erwartungen löst und beginnt, ihr eigenes Leben bewusst zu gestalten.

Am Ende bleibt vor allem das Gefühl, dass Homesick mehr ist als eine Liebesgeschichte. Es ist ein Roman über das Erwachsenwerden, über Selbstfindung und über die schwierige, aber notwendige Entscheidung, etwas loszulassen, obwohl noch Gefühle da sind. Genau diese leisen, realistischen Töne machen das Buch so besonders und sorgen dafür, dass es noch lange nachwirkt.

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Veröffentlicht am 29.04.2026

Wunderschön verpackt, inhaltlich enttäuschend

Der Sommer, der uns blieb
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Optisch ist dieses Buch kaum zu übersehen. Cover, Farbschnitt und die liebevollen Details im Inneren wirken durchdacht und hochwertig, fast wie ein kleines Sammlerstück, das sofort Lust aufs Lesen macht. ...

Optisch ist dieses Buch kaum zu übersehen. Cover, Farbschnitt und die liebevollen Details im Inneren wirken durchdacht und hochwertig, fast wie ein kleines Sammlerstück, das sofort Lust aufs Lesen macht. Genau diese starke äußere Wirkung steht jedoch in einem deutlichen Kontrast zu dem, was sich zwischen den Seiten entfaltet. Im Mittelpunkt stehen Britta, Pia und Martin, deren Freundschaft vor vielen Jahren an einem entscheidenden Sommer zerbrochen ist. Die Handlung bewegt sich zwischen Gegenwart und Vergangenheit und versucht, die Ereignisse von damals nach und nach aufzuarbeiten, während unterschiedliche Perspektiven einen umfassenderen Blick ermöglichen sollen.

Was auf dem Papier nach einer intensiven, emotional aufgeladenen Geschichte klingt, bleibt in der Umsetzung überraschend blass. Viele Entwicklungen sind früh vorhersehbar, wodurch Spannung kaum entstehen kann und wichtige Wendepunkte ihre Wirkung verlieren. Noch schwerer wiegt für mich jedoch der Schreibstil, der es mir durchgehend erschwert hat, wirklich in die Geschichte einzutauchen. Formulierungen wirken stellenweise holprig, wenig ausgearbeitet und lassen oft die Tiefe vermissen, die es gebraucht hätte, um die komplexen Themen glaubhaft zu transportieren. Gerade emotionale Szenen verlieren dadurch an Gewicht und schaffen es nicht, die notwendige Intensität aufzubauen.

Auch auf Figurenebene bleibt vieles unausgeschöpft. Britta bringt noch am ehesten eine gewisse Nahbarkeit mit, während Pia und Martin häufig distanziert wirken und in ihrem Verhalten nur bedingt nachvollziehbar sind. Die Dynamik zwischen ihnen hätte deutlich mehr Raum für Konflikte, ehrliche Auseinandersetzung und Entwicklung gebraucht, stattdessen verläuft die Annäherung stellenweise zu glatt und wirkt im Verhältnis zur gemeinsamen Vergangenheit wenig überzeugend. Hinzu kommt, dass sich die Geschichte zum Ende hin spürbar zieht, ohne dabei neue Impulse zu setzen, wodurch sich das Leseerlebnis insgesamt eher zäh anfühlt.

So bleibt ein Roman, der äußerlich beeindruckt, inhaltlich jedoch weder emotional noch sprachlich überzeugen kann und sein eigentlich starkes Grundthema nicht ausschöpft. Ein visuelles Highlight mit interessanter Ausgangsidee, das durch einen schwachen Schreibstil, vorhersehbare Entwicklungen und fehlende emotionale Tiefe deutlich hinter den Erwartungen zurückbleibt. Für mich leider eine Enttäuschung.

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Veröffentlicht am 26.04.2026

Zwischen Fäden und Wundern

Die Sternensocke
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Zwischen bunten Fäden und leisen Wundern entfaltet sich mit Die Sternensocke eine Geschichte, die viel sanfter wirkt, als man es auf den ersten Blick erwartet.

Im Mittelpunkt steht Fadi, eine kleine Socke ...

Zwischen bunten Fäden und leisen Wundern entfaltet sich mit Die Sternensocke eine Geschichte, die viel sanfter wirkt, als man es auf den ersten Blick erwartet.

Im Mittelpunkt steht Fadi, eine kleine Socke mit drei bunten Kringeln und einem bemerkenswert großen Herzen. Auf dem Weg in die Sockenschublade wird ihre Reise zu etwas viel Größerem, denn sie begegnet Figuren, die Hilfe brauchen und denen sie sich ganz selbstverständlich zuwendet. Dabei entsteht eine Abfolge von Momenten, die für Kinder leicht greifbar sind und gleichzeitig eine erstaunliche emotionale Tiefe entwickeln. Besonders berührend ist, wie selbstverständlich Fadi gibt, ohne innezuhalten oder abzuwägen, und dabei immer mehr von sich selbst verliert, bis schließlich nur noch ein Hauch von ihr übrig bleibt.

Was diese Geschichte so besonders macht, ist die Art, wie sie ihre Botschaft transportiert. Das Motiv des Gebens schwingt durch jede Seite und erinnert in seiner Wirkung stellenweise an Die Sterntaler, wird hier jedoch viel ruhiger und moderner erzählt. Statt erhobenem Zeigefinger entsteht ein Gefühl von Wärme und Hoffnung, das sich ganz unaufdringlich entfaltet. Kinder erleben, dass Mitgefühl und Hilfsbereitschaft etwas verändern können, während gleichzeitig die Idee mitschwingt, dass Gutes oft auf unerwartete Weise zurückkommt.

Unterstützt wird diese Wirkung durch die Gestaltung, die sich bewusst auf das Wesentliche konzentriert. Die Illustrationen sind farbenfroh, ohne überladen zu wirken, und lassen Raum zum Entdecken. Gerade jüngere Kinder können hier schnell in die Bilder eintauchen und beginnen, die Geschichte aktiv mitzugestalten, weil so viel über die visuelle Ebene transportiert wird. Auch sprachlich bleibt das Buch zugänglich, da der Text klar und verständlich gehalten ist und sich wunderbar zum Vorlesen eignet.

Am Ende bleibt vor allem dieses leise, warme Gefühl zurück, das man sonst oft nur von klassischen Weihnachtsgeschichten kennt. Die Sternensocke verbindet eine kindgerechte Erzählweise mit einer berührenden Botschaft und schafft damit ein Bilderbuch, das nicht nur für Kinder ab drei Jahren funktioniert, sondern auch den Vorlesemoment selbst zu etwas Besonderem macht.

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Veröffentlicht am 08.04.2026

Zwischen Musik, Verlust und verbotenen Gefühlen

Blue Sparrow Girls – The Melody of You and Me
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Mit Blue Sparrow Girls – The Melody of You and Me hat Laura Willud für mich genau die Art von New Adult Roman geschrieben, die man kaum aus der Hand legen kann, sobald man einmal richtig angekommen ist. ...

Mit Blue Sparrow Girls – The Melody of You and Me hat Laura Willud für mich genau die Art von New Adult Roman geschrieben, die man kaum aus der Hand legen kann, sobald man einmal richtig angekommen ist. Ich habe das Buch wirklich verschlungen, auch wenn ich zu Beginn einen kleinen Moment gebraucht habe, um vollständig in die Geschichte hineinzufinden. Doch sobald dieser Punkt überwunden war, hat mich die Geschichte komplett abgeholt. Im Mittelpunkt steht Olive, die nach dem Tod ihrer Mutter nach Nashville zieht, um ihrer Trauer nicht nur räumlich zu entkommen, sondern auch, um sich als Songwriterin ein neues Leben aufzubauen. Genau dieser emotionale Hintergrund gibt der Geschichte von Anfang an eine Tiefe, die spürbar bleibt. Olive wirkt in ihrem Schmerz, in ihrer Unsicherheit und in dem Versuch, trotz allem weiterzumachen, unglaublich greifbar. Ihre Entwicklung fühlte sich für mich zu keiner Zeit aufgesetzt an, sondern ehrlich und nachvollziehbar.

Besonders gelungen fand ich die gesamte Dynamik rund um die beiden WGs. Die Idee mit den verfeindeten Nachbar-WGs bringt sofort Spannung in die Geschichte, ohne konstruiert zu wirken, und genau daraus entwickelt sich dann dieser verbotene Reiz, der das Buch so mitreißend macht. Die goldene Regel, sich nicht in den Nachbarn zu verlieben, sorgt natürlich genau für die Art von Konflikt, die man in solchen Geschichten lieben kann. Dass ausgerechnet Drew derjenige ist, zu dem Olive sich hingezogen fühlt, macht das Ganze noch intensiver. Zwischen den beiden entsteht ein Knistern, das die Autorin wirklich schön aufgebaut hat: nicht zu überladen, sondern mit genau der richtigen Mischung aus heimlichen Momenten, emotionaler Nähe, Unsicherheiten und Herzschmerz. Auch der Spice-Anteil war für mich stimmig dosiert, weil er sich organisch in die Geschichte eingefügt hat. Dazu kommt, dass ich auch die Nebenfiguren wirklich mochte. Jules und Emily bringen beide einen ganz eigenen Flair mit in die Handlung und sorgen dafür, dass sich die WG nicht nur wie Kulisse, sondern wie ein echter Lebensraum anfühlt.

Was dieses Buch für mich aber besonders gemacht hat, ist die Rolle der Musik. Nashville ist hier nicht einfach nur ein hübsches Setting, sondern ein Teil der Atmosphäre und der emotionalen Wirkung der Geschichte. Musik wird zum Ausdruck von Trauer, Sehnsucht, Hoffnung und all den Dingen, die Olive nicht immer direkt aussprechen kann. Dadurch bekommt die Liebesgeschichte nochmal eine ganz eigene Note, die sich weich, intensiv und sehr stimmungsvoll anfühlt. Für mich ist Blue Sparrow Girls – The Melody of You and Me deshalb nicht nur eine süße oder spannende Liebesgeschichte, sondern auch eine Geschichte über Verlust, Selbstfindung und den Versuch, nach einem schweren Einschnitt wieder so etwas wie Halt zu finden. Ich habe mich den Figuren sehr nah gefühlt, hatte endlich mal wieder richtig Spaß mit einem New Adult Roman und freue mich jetzt schon sehr auf den nächsten Band rund um Jules und Caleb, weil dieser Auftakt definitiv Lust auf mehr gemacht hat.

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