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Veröffentlicht am 08.03.2026

Wenn in dir mehr steckt als nur ein Geheimnis

Dragonborn (Band 1) - Das Erbe des Feuers
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Der Einstieg in Dragonborn – Das Erbe des Feuers von Struan Murray hat mich überraschend schnell abgeholt. Schon auf den ersten Seiten merkt man, dass sich unter Alex’ bisherigem Leben etwas verbirgt, ...

Der Einstieg in Dragonborn – Das Erbe des Feuers von Struan Murray hat mich überraschend schnell abgeholt. Schon auf den ersten Seiten merkt man, dass sich unter Alex’ bisherigem Leben etwas verbirgt, das größer ist als sie selbst zunächst begreift. Besonders mochte ich an ihr, dass sie trotz aller Unsicherheit versucht, stark zu bleiben und ihre Mutter zu schützen. Gleichzeitig spürt man sehr deutlich ihre Neugier und ihren Wunsch, endlich Antworten zu bekommen. Genau diese Mischung macht sie zu einer Figur, in die man sich beim Lesen sehr leicht hineinversetzen kann.

Die Geschichte führt uns an zwei zentrale Orte. Zum einen lernen wir Undwin kennen, eine Stadt in der sogenannten Außenanderswelt, die bewusst vor der menschlichen Zivilisation verborgen gehalten wird. Von dort aus öffnet sich nach und nach der Blick auf eine ganz andere Realität. Der eigentliche Mittelpunkt der Handlung ist jedoch Skralla, eine Insel, auf der Drachen ausgebildet werden. Für Alex bedeutet dieser Ort einen massiven Kulturschock. Alles ist neu, vieles wirkt zunächst chaotisch und fremd, und genau dadurch fühlt sich ihre Perspektive sehr authentisch an.

Was mich besonders begeistert hat, ist der Aufbau der Welt hinter der Geschichte. Obwohl wir nur einen kleinen Teil davon kennenlernen, merkt man schnell, dass dieses Universum viel größer angelegt ist. Hinter allem steht ein komplexer Hintergrund aus alten Konflikten, einem großen Krieg, magischen Wesen wie Feen und Zauberern sowie geheimnisvollen Durchwegen zwischen den Welten. Gleichzeitig schafft es das Buch, diese vielen Elemente verständlich zu erklären. Gerade für jüngere Leserinnen und Leser ab etwa zwölf Jahren bleibt die Welt dadurch greifbar und nachvollziehbar, ohne dass sie an Faszination verliert.

Auch die Figuren tragen viel zur Spannung bei. Neben Alex begegnen wir Charakteren, die sehr unterschiedlich wirken und nicht immer sofort einzuordnen sind. Manche bringen Leichtigkeit in die Geschichte, andere hinterlassen eher ein Gefühl von Misstrauen. Genau diese Dynamik sorgt dafür, dass man beim Lesen ständig über mögliche Hintergründe und Geheimnisse nachdenkt. Dazu kommen einige Wendungen, die man so vielleicht nicht unbedingt erwartet und die der Geschichte immer wieder neue Energie geben.

Am Ende bleibt vor allem der Eindruck einer lebendigen Fantasywelt, die gerade erst begonnen hat, sich zu entfalten. Viele Fragen bleiben bewusst offen und genau das macht neugierig darauf, welche Geheimnisse diese Welt noch bereithält. Dragonborn – Das Erbe des Feuers ist damit ein sehr gelungener Auftakt, der junge Fantasyfans mit Drachen, Magie und einer mutigen Protagonistin sicher gut in seinen Bann ziehen kann.

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Veröffentlicht am 07.03.2026

Zwischen Freiheit und Verlorensein

Open Hearts
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Manchmal beginnt eine Geschichte genau dort, wo das Leben gerade auseinanderfällt. Misty steht plötzlich wieder am Anfang. Nach der Trennung landet sie zurück in ihrem alten Kinderzimmer und fühlt sich, ...

Manchmal beginnt eine Geschichte genau dort, wo das Leben gerade auseinanderfällt. Misty steht plötzlich wieder am Anfang. Nach der Trennung landet sie zurück in ihrem alten Kinderzimmer und fühlt sich, als wäre sie im Leben ihrer eigenen Generation einen Schritt zu spät. Genau in dieser Phase begegnet sie Christopher und damit auch einer Beziehungsform, die so gar nicht zu ihren ursprünglichen Vorstellungen passt.

Was diesen Roman spannend macht, ist weniger eine klassische Liebesgeschichte als vielmehr die Frage, wie unterschiedlich Menschen Beziehungen definieren. Die offene Partnerschaft wird hier weder romantisiert noch verurteilt. Stattdessen entsteht ein Blick auf verschiedene Lebensentwürfe und darauf, wie kompliziert Nähe sein kann, wenn Erwartungen nicht zusammenpassen. Christopher wirkt dabei oft sehr kontrolliert und rational, während Misty deutlich suchender durch die Geschichte geht. Gerade diese Dynamik sorgt immer wieder für Reibung und lässt viele Gespräche etwas unausgeglichen erscheinen.

Mit Misty hatte ich persönlich ein eher wechselhaftes Verhältnis. Anfangs wirkt sie nahbar und humorvoll, doch im Verlauf der Geschichte trifft sie Entscheidungen, die ich nicht immer nachvollziehen konnte. Gleichzeitig steckt genau darin vielleicht auch der Kern des Buches. Es geht weniger darum, perfekte Figuren zu zeigen, sondern Menschen, die sich ausprobieren, scheitern und erst langsam verstehen, was sie eigentlich wollen. Manche Handlungsstränge wirkten für mich etwas unfertig und kleinere Ungereimtheiten haben meinen Lesefluss gelegentlich gestört.

Trotzdem bleibt etwas von dieser Geschichte hängen. Nicht unbedingt wegen großer romantischer Momente, sondern wegen der Fragen, die sie aufwirft. Wie viel Freiheit verträgt Liebe und wie leicht verliert man sich selbst, wenn man versucht in ein Leben zu passen, das eigentlich nicht zu einem gehört.

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Veröffentlicht am 05.03.2026

Ein Sommer, der alles verändert hat

Kala
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Manchmal reicht ein Sommer, um alles zu verändern. Und manchmal reicht ein einziger Name, um fünfzehn Jahre später noch immer alles zum Einsturz zu bringen. „Kala“ von Colin Walsh beginnt im Sommer 2003 ...

Manchmal reicht ein Sommer, um alles zu verändern. Und manchmal reicht ein einziger Name, um fünfzehn Jahre später noch immer alles zum Einsturz zu bringen. „Kala“ von Colin Walsh beginnt im Sommer 2003 in Kinlough, einer irischen Kleinstadt, in der jeder jeden kennt – oder zumindest glaubt, es zu tun. Kala, Joe, Helen und Mush sind jung, ungestüm, voller Sehnsucht nach mehr als diesem Ort. Dann verschwindet Kala spurlos. Fünfzehn Jahre später führt eine Hochzeit die Zurückgebliebenen zurück in ihre Heimat – und mit dem Fund menschlicher Überreste wird klar, dass die Vergangenheit nie begraben war.

Was mich besonders gepackt hat, ist diese Erzählweise zwischen Damals und Heute. Die Perspektiven wechseln zwischen Helen, Joe und Mush, und mit jeder Stimme verschiebt sich das Bild ein Stück. Erinnerungen überlagern die Gegenwart, Wahrheiten bröckeln, neue Abgründe tun sich auf. Anfangs musste ich mich kurz sortieren – die Zeitsprünge und Perspektivwechsel fordern Aufmerksamkeit. Doch genau das macht den Reiz aus. Man spürt die Unbeholfenheit der Jugend, erste Liebe, Alkohol, Gruppendynamiken, dieses brennende Gefühl, dass das Leben endlich beginnen muss. Und dann sieht man dieselben Menschen als Erwachsene – gezeichnet von Entscheidungen, Schuld, Verlust. Nichts bleibt eindeutig. Niemand bleibt unschuldig.

Die Spannung baut sich leise auf. Es ist kein Thriller, der sofort lossprintet, sondern einer, der unter die Haut kriecht. Gerade der erste Teil nimmt sich Zeit für Atmosphäre und Figurenzeichnung. Manche Passagen hätten für meinen Geschmack etwas straffer sein dürfen, weil vieles lange angedeutet wird, bevor es greifbar wird. Aber sobald die dunklen Strukturen hinter der Fassade der Stadt sichtbar werden, entwickelt die Geschichte eine Wucht, der man sich kaum entziehen kann. Es geht nicht nur um Kalas Tod, sondern um ein Geflecht aus Schweigen, Loyalität und Verdrängung – und darum, wie weit eine Gemeinschaft bereit ist zu gehen, um ihr eigenes Bild aufrechtzuerhalten.

Auch das Cover passt erschreckend gut zur Stimmung: dieses scheinbar harmlose Polaroid, das beim genaueren Hinsehen etwas Zerstörtes, Durchgestrichenes trägt. Genau so fühlt sich der Roman an – idyllisch auf den ersten Blick, zutiefst verstörend darunter. Für mich ist „Kala“ ein starkes Debüt mit kleinen Längen, aber großer emotionaler Intensität. Wer atmosphärische, charaktergetriebene Spannung mag, irisches Kleinstadtflair schätzt und Geschichten liebt, in denen sich Vergangenheit und Gegenwart schmerzhaft ineinander verschlingen, sollte hier unbedingt zugreifen.

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Veröffentlicht am 01.03.2026

Ein Abenteuer voller Herz und Licht

Lightfall 1: Das verlorene Licht
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Mit Lightfall ist Tim Probert eine Graphic Novel gelungen, die mich wirklich von der ersten Seite an gepackt hat. Die Geschichte verbindet auf sehr stimmige Weise Abenteuer, Humor und emotionale Tiefe ...

Mit Lightfall ist Tim Probert eine Graphic Novel gelungen, die mich wirklich von der ersten Seite an gepackt hat. Die Geschichte verbindet auf sehr stimmige Weise Abenteuer, Humor und emotionale Tiefe und schafft es dabei, nie überladen zu wirken. Im Zentrum stehen Bea und Cad, zwei Figuren, die unterschiedlicher kaum sein könnten und gerade dadurch so wunderbar harmonieren. Bea denkt viel nach, hinterfragt Situationen und sorgt sich oft, während Cad mit einer bemerkenswerten Offenheit durchs Leben geht. Er begegnet Herausforderungen mit einer Leichtigkeit, die nie naiv wirkt, sondern von echter Empathie getragen ist. Genau das macht ihn für mich zu meinem absoluten Lieblingscharakter. Seine Hilfsbereitschaft fühlt sich ehrlich und selbstverständlich an, was der Geschichte eine besondere Wärme verleiht.

Die Handlung entwickelt sich kontinuierlich weiter und gewinnt im Verlauf spürbar an Intensität. Spannende Momente wechseln sich mit ruhigeren, gefühlvollen Szenen ab, sodass ein sehr ausgewogenes Erzähltempo entsteht. Neue Figuren bringen zusätzliche Facetten in die Geschichte und sorgen dafür, dass die Welt größer und vielschichtiger wirkt. Gleichzeitig werden immer wieder kleine Hinweise und Andeutungen eingestreut, die neugierig machen und Lust auf mehr wecken. Man spürt, dass hinter allem ein größeres Geheimnis liegt, das sich erst nach und nach entfalten wird.

Ein absolutes Highlight sind für mich die Illustrationen. Sie sind atmosphärisch, detailreich und gleichzeitig unglaublich ausdrucksstark. Besonders die Mimik der Figuren transportiert so viele Emotionen, dass man sich ihnen sofort verbunden fühlt. Humorvolle Details lockern ernste Situationen auf und verleihen der Geschichte eine angenehme Leichtigkeit. Die Bildsprache trägt maßgeblich dazu bei, dass die Welt lebendig wird und lange im Gedächtnis bleibt.

Das Ende ist bewusst offen gehalten. Auch wenn ich persönlich bei Kinder- und Jugendgeschichten einen etwas stärkeren Abschluss schätze, passt dieses offene Weitererzählen zur Konzeption der Reihe. Es hinterlässt viele Fragen, aber auch eine große Vorfreude auf das, was noch kommt. Für mich ist Lightfall ein rundum gelungenes Fantasyabenteuer mit Herz, Spannung und einer ganz eigenen Magie. Ich freue mich schon jetzt sehr auf die Fortsetzung und darauf, Bea und Cad weiter begleiten zu dürfen.

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Veröffentlicht am 23.02.2026

Zwischen gestern und vielleicht

Wenn heute unser Morgen wäre
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Wenn heute unser Morgen wäre – Sophie Herbst
Manchmal liest man ein Buch und manchmal trifft es einen so tief, dass es noch lange nachhallt. Wenn heute unser Morgen wäre von Sophie Herbst ist genau so ...

Wenn heute unser Morgen wäre – Sophie Herbst
Manchmal liest man ein Buch und manchmal trifft es einen so tief, dass es noch lange nachhallt. Wenn heute unser Morgen wäre von Sophie Herbst ist genau so eine Geschichte für mich geworden. Eine, die sich zunächst leise anfühlt. Cozy. Slow Burn. Fast zart. Und die einen dann mit einer Wucht trifft, auf die man emotional eigentlich nie vorbereitet ist. Für mich sind das ganz klare fünf von fünf Sternen, wenn ich ehrlich bin sogar eher eine zehn von zehn.

Im Mittelpunkt stehen Grace und Calum, zwei Jugendliche, die sich vermeintlich nicht ausstehen können und ausgerechnet gemeinsam ein Musikprojekt entwickeln müssen. Was nach einem typischen Schulsetting klingt, entfaltet schnell eine Tiefe, die ich so nicht erwartet habe. Calum ist ehrgeizig und verschlossen, kontrolliert in allem, was er tut. Ein Junge, der seine eigene Leidenschaft für Musik beiseitegeschoben hat, um den Erwartungen seines Vaters gerecht zu werden. Seit seine Mutter die Familie verlassen hat, fühlt er sich verantwortlich, stark sein zu müssen und zu funktionieren. Und dann ist da Grace, die zunächst warm und lebendig wirkt, aber eine Schwere mit sich trägt, die sich erst nach und nach offenbart. Nicht nur der Verlust ihrer besten Freundin Lou steht im Raum, auch ihr eigener Kampf gegen Krebs wird Teil dieser Geschichte.

Und genau hier verändert sich alles.

Was mich beim Lesen besonders bewegt hat, war die Tatsache, wie jung diese Figuren eigentlich sind. Sechzehn, siebzehn Jahre alt und sie müssen sich mit Themen auseinandersetzen, von denen man denkt, dass sie in diesem Alter niemand tragen sollte. Während des Lesens vergisst man das fast, weil die Geschichte so intensiv ist und emotional so dicht. Erst im Nachhinein wird einem bewusst, wie erschreckend es ist, dass junge Menschen solche Schicksale bewältigen müssen. Und genau darin zeigt sich für mich die Stärke der Autorin. Sie dramatisiert nichts künstlich, sie romantisiert keine Krankheit und sie konstruiert kein Leid für den Effekt. Sie erzählt ehrlich, einfühlsam und unaufgeregt. Gerade dadurch wirkt alles so unglaublich stark.

Die Figuren fühlen sich nie überzeichnet an. Calum ist kein klischeehafter Bad Boy, sondern ein junger Mensch mit Angst, mit Loyalität und mit inneren Konflikten. Seine Entwicklung wirkt organisch und nachvollziehbar. Grace ist stark, aber nicht, weil sie unerschütterlich wäre, sondern weil sie fühlt, zweifelt, lacht und kämpft. Und selbst Nebenfiguren wie Lou tragen die Geschichte mit einer Bedeutung, die weit über einzelne Szenen hinausgeht. Niemand ist bloß Beiwerk. Jede Figur hat Gewicht und jede Beziehung hinterlässt Spuren.

Der Schreibstil ist dabei zugänglich und flüssig, fast leicht, und trotzdem liegt das Gelesene schwer im Magen. Man kommt schnell hinein, man verschlingt die Seiten und dennoch musste ich das Buch immer wieder zur Seite legen, um durchzuatmen und zu verarbeiten, was da gerade passiert. Es ist keine komplizierte, verkopfte Geschichte und doch ist sie tiefgründig. Philosophische Gedanken, leise Zitate und diese ganz großen Fragen nach Verantwortung, Erwartungen und der eigenen Lebenszeit ziehen sich durch das Buch. Man spürt, dass hier Herzblut drinsteckt. Dass es mehr ist als nur eine erdachte Handlung. Es fühlt sich persönlich an und wahrhaftig.

Dieses Buch ist keine leichte Kost. Es tut weh. Es konfrontiert. Man ahnt beim Lesen, dass gewisse Dinge passieren könnten und hofft inständig, dass sie es nicht tun. Und wenn sie dann doch eintreten, sitzt man da und weint. Ich zumindest habe an manchen Stellen wirklich geheult wie ein Schlosshund. Nicht, weil es manipulativ geschrieben ist, sondern weil es ehrlich ist. Weil es die Realität nicht weichzeichnet. Für mich ist Wenn heute unser Morgen wäre eine Geschichte über Liebe, ja, aber vor allem ist es eine Geschichte über das Leben selbst. Über Entscheidungen, über verpasste Chancen, über Mut und darüber, dass Zeit etwas Kostbares ist, das wir viel zu oft als selbstverständlich betrachten.

Es ist eines dieser Bücher, die bleiben. Die nachhallen. Die sensibilisieren. Und genau deshalb würde ich es jedem ans Herz legen, der bereit ist, sich emotional wirklich einzulassen, auch wenn es weh tut.

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