Profilbild von Nijura

Nijura

Lesejury Star
offline

Nijura ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Nijura über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.07.2026

Dystopisches Psychospiel, das leider enttäuscht

Insel der Ratten
0

Die Story: Nach einer verheerenden Pandemie versinkt die Welt im Chaos. Während sich der schwerreiche Unternehmer Colin Lowe auf eine sichere Insel rettet, tyrannisiert sein Sohn Brad das Festland. Als ...

Die Story: Nach einer verheerenden Pandemie versinkt die Welt im Chaos. Während sich der schwerreiche Unternehmer Colin Lowe auf eine sichere Insel rettet, tyrannisiert sein Sohn Brad das Festland. Als Brad die Tochter von Colins bestem Freund Will entführt, beginnt ein gnadenloser Rachefeldzug.

Die Sprecher: Ein echtes Highlight des Hörbuchs ist die Besetzung mit zwei Sprechern. Oliver Siebeck und Jenny Laura Bischoff harmonieren hervorragend miteinander. Der abwechselnde Einsatz der beiden Stimmen bringt eine tolle Dynamik in die Geschichte und sorgt dafür, dass die unterschiedlichen Perspektiven lebendig und greifbar werden.

Die größten Mankos: Das dystopische Setting dient leider nur als blasse Pappkulisse. Jo Nesbø vernachlässigt das Worldbuilding fast vollständig; man erfährt viel zu wenig über die veränderte Umwelt oder die gesellschaftlichen Strukturen.
Besonders geärgert hat mich jedoch der Umgang mit den schwerwiegenden Traumata: Die Vergewaltigung von Wills Frau und der spätere Tod seiner Tochter werden vom Autor erschreckend oberflächlich abgehandelt. Dass Will auf diese grausamen Schicksalsschläge völlig emotionslos reagiert, wirkt absolut unglaubwürdig und nimmt der Geschichte jegliche psychologische Tiefe. Die kurze Laufzeit von knapp über 4 Stunden wird zwar für das menschliche Drama genutzt, bleibt dabei aber unbegreiflich kalt und oberflächlich.

Fazit: Wer einen packenden, kurzen Thriller über Rache sucht und sich an einem hervorragend vertonten Sprecher-Wechsel erfreuen kann, wird solide unterhalten. Wer jedoch eine tiefgründige, atmosphärische Endzeitwelt und emotional nachvollziehbare Charaktere erwartet, wird enttäuscht zurückgelassen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.07.2026

Erfüllt leider nicht meine Erwartungen

Time for Tacheles
0

„Time for Tacheles“ bietet zwar gewohnt gewitzte Denkanstöße, bleibt aber leider hinter Nicole Staudingers früheren Werken zurück. Als großer Fan ihrer bisherigen Bücher habe ich mich sehr auf diesen Titel ...

„Time for Tacheles“ bietet zwar gewohnt gewitzte Denkanstöße, bleibt aber leider hinter Nicole Staudingers früheren Werken zurück. Als großer Fan ihrer bisherigen Bücher habe ich mich sehr auf diesen Titel gefreut. Während mich ihre anderen Werke durchgehend gefesselt und inspiriert haben, verliert sich dieses Buch streckenweise in etlichen Wiederholungen.

Besonders das extrem in die Länge gezogene Kapitel über die Redegewandtheit vor vielen Leuten hat mich enttäuscht – dieses Thema hat mich persönlich kaum interessiert und nahm für meinen Geschmack viel zu viel Raum ein.

Staudingers direkte, humorvolle Art blitzt zwar immer wieder durch, aber wer die messerscharfe Struktur und den gewohnten Tiefgang ihrer früheren Ratgeber sucht, wird hier eventuell enttäuscht. Für mich leider ihr schwächstes Buch.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.06.2026

Ein träger Start im Schatten eines Meisterwerks

Die Mitternachtsreise
0

Das Cover ist optisch eng an den Vorgänger „Die Mitternachtsbibliothek“ angelehnt, dennoch finde es tatsächlich noch um einiges hübscher. Es wirkt warm und heimelig.

Nach dem absolut großartigen Erfolg ...

Das Cover ist optisch eng an den Vorgänger „Die Mitternachtsbibliothek“ angelehnt, dennoch finde es tatsächlich noch um einiges hübscher. Es wirkt warm und heimelig.

Nach dem absolut großartigen Erfolg von „Die Mitternachtsbibliothek“ waren meine Erwartungen an Matt Haigs „Die Mitternachtsreise“ riesig. Ich hatte auf eine ähnlich tiefgründige, magische und von der ersten Seite an fesselnde Geschichte im selben unverkennbaren Stil gehofft. Leider wurde diese Vorfreude zunächst ziemlich gedämpft.

Die erste Hälfte des Buches war für mich eine echte Enttäuschung. Wo Die Mitternachtsbibliothek sofort eine unglaubliche Sogwirkung entfaltete, plätschert Die Mitternachtsreise anfangs ziemlich langweilig vor sich hin.
Die Handlung kam einfach nicht in die Gänge. Die Charaktere blieben flach, und ich musste mich streckenweise wirklich zwingen weiterzulesen, weil die vertraute Leichtigkeit und der philosophische Tiefgang, den ich an Haig so schätze, komplett fehlten.

Die Rettung ab der Hälfte: Wer kurz davor ist, das Buch wegzulegen, sollte ihm aber noch eine Chance geben. Ab der Mitte wird es wesentlich besser.
Als hätte Matt Haig plötzlich seinen alten Rhythmus wiedergefunden, nimmt die Geschichte ab der zweiten Hälfte spürbar an Fahrt auf. Die Erzählung verliert ihre lähmende Bravheit, die Emotionen werden echter und die Handlung entwickelt endlich die Dynamik, die ich mir von Anfang an gewünscht hätte. Die zweite Hälfte tröstet über vieles hinweg.

Fazit
Wer einen direkten Nachfolger im Stil der Mitternachtsbibliothek erwartet, wird in der ersten Buchhälfte eine herbe Enttäuschung erleben – hier fehlt dem Buch einfach der gewohnte Zauber. Wer sich jedoch durch die ersten zähen Kapitel gekämpft hat, wird ab der Mitte mit einer deutlich stärkeren, packenden Story belohnt. Insgesamt gut, reicht aber bei Weitem nicht an das große Vorbild heran.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.03.2026

Spannender Thriller um Liebe, Geheimnisse und Vergangenes

The Exes
0

The Exes von Leodora Darlington erzählt die Geschichte von Natalie, deren bisherige Beziehungen von Enttäuschungen geprägt waren. Als James in ihr Leben tritt, scheint endlich alles anders zu werden – ...

The Exes von Leodora Darlington erzählt die Geschichte von Natalie, deren bisherige Beziehungen von Enttäuschungen geprägt waren. Als James in ihr Leben tritt, scheint endlich alles anders zu werden – sie träumt von einer eigenen Familie und einer glücklichen Zukunft. Doch plötzlich droht ihre dunkle Vergangenheit ans Licht zu kommen: Alle drei Exfreunde sind tot, und es deutet nichts auf natürliche Todesursachen hin.

Die Geschichte wird hauptsächlich aus Natalies Sicht erzählt, ergänzt durch Einblicke aus James‘ Perspektive sowie der ihrer Schwester Claire. Durch diese Mischung gewinnt die Handlung an Tiefe. Natalie selbst ist eine facettenreiche Figur: Sie wirkt gleichzeitig verletzlich und geheimnisvoll, sodass ich als Hörerin immer wieder zwischen Sympathie und Misstrauen schwankte.

Im Hörbuch verleiht Sandrine Mittelstädt Natalie eine Stimme, die diese Ambivalenz perfekt transportiert. Ihre Darstellung macht es leicht, sich in Natalie hineinzuversetzen, ohne die Spannung zu verlieren, ob sie Opfer oder Täterin ist.
Ein großer Teil der Handlung spielt in der Vergangenheit und beleuchtet Natalies frühere Beziehungen, ihre Eltern und ihre Schwester Claire. Nach und nach fügen sich die Ereignisse wie ein Puzzle zusammen, wodurch die Hintergründe der mysteriösen Todesfälle nach und nach aufgedeckt werden.

Obwohl ich anfangs glaubte, das Geheimnis durchschaut zu haben, überraschten mich mehrere Plottwists. Sie waren nachvollziehbar, logisch in die Handlung eingebunden und veränderten den Verlauf der Geschichte entscheidend. Auch das Ende hielt noch eine unerwartete Wendung bereit, die die Spannung perfekt abrundete.

Fazit:
The Exes ist ein fesselnder Thriller, der geschickt Spannung, psychologische Tiefe und emotionale Verstrickungen miteinander verbindet. Die Mischung aus sympathischen, unsympathischen und geheimnisvollen Figuren, überraschenden Wendungen und einem packenden Plot macht das Buch sowohl für Thriller-Fans als auch für Liebhaber psychologisch komplexer Geschichten lesenswert.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.03.2026

Besessen vom perfekten Haus

Tödliches Angebot
0

Margo wohnt mit ihrem Mann in einer kleinen Wohnung. Sie haben ihr Reihenhaus verkauft, damit sie genügend Geld haben, um auf dem Immobilienmarkt ein größeres Haus kaufen zu können. Sie möchten gerne eine ...

Margo wohnt mit ihrem Mann in einer kleinen Wohnung. Sie haben ihr Reihenhaus verkauft, damit sie genügend Geld haben, um auf dem Immobilienmarkt ein größeres Haus kaufen zu können. Sie möchten gerne eine Familie gründen, dafür war das Reihenhaus nicht geeignet. Doch leider gestaltet sich der Hauskauf problematisch, sie haben schon etliche Gebote abgegeben, aber leider erhielt immer ein anderer Interessent den Zuschlag.
Da erfährt Margo von einem Haus, dass noch nicht auf dem Markt ist, vielleicht ist das ihre große Chance! Doch leider stellen sich ihr hier ungeahnte Hindernisse in den Weg.
Aber Margo kann jetzt nicht aufgeben, dieses Haus will sie haben, koste es was es wolle!


Meine Meinung:

Das Cover hat mich nicht überzeugt, doch die Inhaltsangabe hat mich neugierig gemacht – und das Hörbuch war wirklich großartig! Rebecca Veil liest die Handlung aus Margos Sicht warm und einfühlsam. Margo wirkt sympathisch, und ich konnte ihre Motivation gut nachempfinden, auch wenn sie zunehmend immer psychopathischer wird. Ihre Lage spitzt sich eklatant zu. Margo ist Ende 30, die biologische Uhr tickt und ein bezahlbares Haus ist schwer zu kriegen. Probleme auf der Arbeit und ein untreuer Ehemann sorgen für weiteren Stress. Die Geschichte entwickelt sich langsam, bleibt aber durchweg spannend und unterhaltsam. Ich konnte nur schwer zwischendurch eine Pause machen.


Das Finale ist stark und überraschend, auch wenn der Klappentext das irgendwie schon erahnen ließ.


Fazit: Ein spannendes Hörbuch mit einer sehr speziellen Protagonistin Ich fands mega!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere