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Nilchen

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.12.2024

Endgame Kapitalismus

Lieferdienst
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Auf weniger als 200 Seiten zeigt uns Tom Hillenbrand wie eine düstere Zukunft aussehen kann wo alle Boten mit Hoverboards all die Waren an uns liefern, die wir Tag ein Tag ausgeliefert bekommen. Zwar eine ...

Auf weniger als 200 Seiten zeigt uns Tom Hillenbrand wie eine düstere Zukunft aussehen kann wo alle Boten mit Hoverboards all die Waren an uns liefern, die wir Tag ein Tag ausgeliefert bekommen. Zwar eine Kapitalismus 2.0 Dystopie, ja auch der Tod spielt eine Rolle, aber dennoch heiter.
Der Ort des Geschehens ist Neu-Berlin, da leider das erste Berlin einer Katastrophe zum Opfer gefallen ist. Nun also ein neues Berlin, dass in der Brandenburger Peripherie entstanden ist. In dieser schönen neuen Welt, kommt ein bekannter Lieferant ums Leben und die Krimikomponente ist im Gang.
Was mich aber weitaus mehr begeistert hat, ist die humorvolle Art, wie Tom Hillenbrand, dass was uns jetzt schon als Gesellschaft negativ belastet, auf die Spitze zu treiben. Herrlich komisch und augenöffnend.
Fazit: Wer gerne kurzweilig & amüsant liest und noch einen Mord verträgt in der Zukunft, sollte dies hier lesen!

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Veröffentlicht am 26.12.2024

Posthumer Ruhm

Die Entflammten
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Wie gelang Vincent van Gogh erst nach seinem Tod zu seinem Ruhm? Eine große Rolle spielte die Witwe seines Bruders, Jo Gogh-Bonger, denn sie fasst den Plan ihn berühmt zu machen, braucht sie doch das Geld ...

Wie gelang Vincent van Gogh erst nach seinem Tod zu seinem Ruhm? Eine große Rolle spielte die Witwe seines Bruders, Jo Gogh-Bonger, denn sie fasst den Plan ihn berühmt zu machen, braucht sie doch das Geld zum Überleben. Erst starb Vincent an sich selbst, dann ihr Mann (Vincents Bruder) Theo an der Syphilis.
Die Schweizer Autorin Simone Meier hat in ihrem Roman diesen historischen Grundriss genutzt und ihn zum Mittelpunkt ihres Romans gemacht, in dem es auch um eine zweitere Protagonistin geht, die in der Gegenwart lebt: Gina. Sie ist Kunststudentin und will sich der Geschichte Jos widmen. Bei ihren Recherchen taucht sie nicht nur ein in die Orte, an denen Jo lebte, wie Paris auf dem Montmartre, auch gedanklich wird ihr Leben kurzzeitig von Jo dominiert. Selbst halluzinierende Begegnungen gibt es. Aber keine Sorger, der Roman ist stringent erzählt und voller literarischer Finesse.
Es ist ein Roman voller Kunst, Kunstschaffender und deren Hängepartien, wenn der Ruhm und Erfolg entweder ausbleibt oder die Kreativität austrocknet und es an den Einzelnen zerrt. Es ist ein Familienroman. Denn die Beziehungen aller Art, werden hinreißend auf den Punkt gebracht und portraitiert. Auch ist es ein Roman des Scheiterns und wie neue Energie und Mut das Weitertreiben die Menschen stärker macht.
Ich habe diesen Roman sehr gerne gelesen, auf vielen Ebenen eine bereichernde Lektüre. Erstaunlich ist die Kompaktheit der Geschichte auf weniger als 300 Seiten. Da sitzt jeder Satz.

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Veröffentlicht am 22.12.2024

Tolle Wiederentdeckung

Der lange Schatten
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Ich bin immer für Neuauflagen von Romanen zu haben, die schon sehr lange bekannt sind, aber in Vergessenheit geraten, obwohl sie mächtig gut sind. Genauso ist es bei Celia Fremlins Roman Der lange Schatten ...

Ich bin immer für Neuauflagen von Romanen zu haben, die schon sehr lange bekannt sind, aber in Vergessenheit geraten, obwohl sie mächtig gut sind. Genauso ist es bei Celia Fremlins Roman Der lange Schatten (The Long Shadow, 1975), in der deutschen Übersetzung von Sabine Roth, ist ein wahres Meisterwerk der psychologischen Spannungsliteratur. Fremlin, bekannt für ihre feinsinnigen, oft beklemmenden Erzählungen, fängt in diesem Roman die dunklen Abgründe des menschlichen Geistes auf subtile und gleichzeitig fesselnde Weise ein. Die Übersetzerin Sabine Roth hat es hervorragend geschafft, den präzisen Stil und die unterschwellige Bedrohlichkeit der Originalsprache in das Deutsche zu übertragen. Und das schöne ist, in ihrer Biografie steht, dass sie 16 Romane schrieb und wir uns auch gleich in 2025 auf die nächste Neuauflage freuen können: „Onkel Paul“ (ET 17. Juni 2025).
Jetzt aber erst einmal zu „Der langr Schatten“. Die Geschichte ist trotz ihres Erscheinungsjahres 1975 erstaunlich zeitlos. Sie beleuchtet universelle Themen wie Schuld, Reue und die Komplexität zwischenmenschlicher Beziehungen. Das zentrale Motiv, das Leben nach einem Verlust und die fortwährenden Schatten der Vergangenheit, bleibt auch heute hochaktuell. Fremlin zeigt eindringlich, wie tief die Spuren, die ein Trauma hinterlässt, in die Gegenwart hineinragen können.
Dort ist die Trauernde, sie verlor ihren Mann Ivor und nun ruft da diese Person an. Ungefragt dringt sie in ihre Trauer ein und bringt Anschuldigungen mit.
Der Roman beeindruckt zudem durch seine Vielschichtigkeit. Er ist nicht nur ein Kriminalroman, sondern auch ein kluger Blick auf soziale Dynamiken und die Psychologie der Figuren. Die langsame, fast unmerkliche Eskalation der Handlung hat mich unaufhaltsam mitgezogen und irgendwann traut man keiner Figur mehr und steckt in einer latenten Habachtstellung beim Lesen.
Fazit: Für alle die gerne wiederentdecken und alle die psychologische Spannung einem Thriller vorziehen!

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Veröffentlicht am 22.12.2024

CozyCrime ohne Handy

Love Me Like It's Yesterday
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Eine CozyRomance, die nicht nur eine sich anbahnende Liebesbeziehung im Fokus hat, sondern auch ein sehr ernstes Thema: Hate im Netz, social media mobbing und vor allem im Schutz der Anonymität des Internets ...

Eine CozyRomance, die nicht nur eine sich anbahnende Liebesbeziehung im Fokus hat, sondern auch ein sehr ernstes Thema: Hate im Netz, social media mobbing und vor allem im Schutz der Anonymität des Internets anderen das Leben zur Hölle machen.
Durch diese Kombination dieser beiden Themen und wie sie in die Geschichte integriert sind, macht das Lesen spannender, kurzweilig und doch ist es am Ende eine romantische Geschichte.
Da ist zum einen Juno, eine Möbelrestaurateurin, die weder Handy hat oder sonst irgendwie in den sozialen Medien präsent ist, obwohl sie mit 36 Jahren nicht zu einer Altersklasse gehört, die da raus ist. Dann gibt es da Taro, der einen YouTube-Kanal unterhält und aus psychologischer Sicht erläutert wie man mit Frauen umgeht und vor allem so flirtet, dass es nachhaltig was wird. Passt das?
Mit über 500 Seiten wirklich ein dickes Buch und hier ist auch mein einziger Kritikpunkt, nach knapp 350 Seiten gab es ein Tief, da hab ich in der Tat mal den einen und anderen Absatz überlesen. Da zog es sich ein wenig.
Davon mal abgesehen, hat es mich bestens unterhalten und zugleich auch wieder etwas mehr sensibilisiert was das Thema Social Media und seine Auswirkungen anbelangt.

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Veröffentlicht am 22.12.2024

Nicht ihr bestes Buch

Vielleicht hat das Leben Besseres vor
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Manchmal greift man zu einem Buch in der Hoffnung, alte Bekannte wiederzutreffen – genau dieses Gefühl hatte ich bei Anne Gesthuysens neuem Roman Vielleicht hat das Leben Besseres vor. Doch obwohl mir ...

Manchmal greift man zu einem Buch in der Hoffnung, alte Bekannte wiederzutreffen – genau dieses Gefühl hatte ich bei Anne Gesthuysens neuem Roman Vielleicht hat das Leben Besseres vor. Doch obwohl mir der typische rheinische Humor der Autorin vertraut ist und ich die Dorfidylle wiedererkennen konnte, ließ mich die Geschichte diesmal etwas enttäuscht zurück. Die Charaktere wirkten häufig stereotyp, und das Lokalkolorit des Niederrheins wurde eher schematisch und wenig überraschend dargestellt. Insgesamt wirkte die Handlung auf mich vorhersehbar und zu schablonenhaft, um wirklich fesselnd zu sein.
Zwar schätze ich den leichten, humorvollen Schreibstil der Autorin sowie ihre Fähigkeit, ernste Themen mit einer gewissen Leichtigkeit zu erzählen. Dennoch konnte dies für mich die Schwächen der Handlung nicht ausgleichen. Besonders störte mich, dass zu viele Zufälle und Unglücke auf eine einzige Person konzentriert wurden, was die Glaubwürdigkeit beeinträchtigte.
Positiv hervorzuheben ist jedoch, wie lebendig Anne Gesthuysen die Dorfgemeinschaft mit ihren typischen Klatsch- und Tratschgeschichten einfängt. Ihr rheinischer Humor und die detailreiche Schilderung der dörflichen Idylle sind auch in diesem Buch wieder präsent und machen es dann doch zu einer unterhaltsamen Lektüre – gerade für ein gemütliches Wochenende. Wer den Vorgängerband Wir sind schließlich wer gelesen hat, wird die vertraute Atmosphäre sofort wiedererkennen. Aber auch ohne Vorkenntnisse ist der Roman problemlos lesbar.
Trotz meiner Kritik hat das Buch einen gewissen Charme, der vor allem durch Gesthuysens Erzählstil getragen wird. Insgesamt gebe ich dem Roman drei von fünf Sternen: unterhaltsam, aber leider zu klischeehaft und stellenweise unglaubwürdig, um wirklich zu begeistern.

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