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Nilchen

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.09.2023

Die kleinen Nachtigallen

Der Tanz auf dem Vulkan
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Historisch packend hat Marie Vieux-Chauvet bereits 1957 des letzten Jahrhunderts über die Geschichte Haitis geschrieben. Auf Französisch, nun endlich hervorragend übersetzt von Nathalie Lemmens auch für ...

Historisch packend hat Marie Vieux-Chauvet bereits 1957 des letzten Jahrhunderts über die Geschichte Haitis geschrieben. Auf Französisch, nun endlich hervorragend übersetzt von Nathalie Lemmens auch für uns zu lesen. Beispielsweise bleiben kreolische Begriffe wie im Original stehen. Der Roman bringt uns das Haiti Ende des 18. Jahrhundert näher, wo es noch die französische Kolonie Saint-Domingue war. Der sprichwörtliche „Tanz auf dem Vulkan“ sind die brodelnden sozialen Unruhen, die dann 1804 in der Revolution mündete und Haiti gegründet wurden.
Die gesellschaftlichen Dynamiken werden von Marie Vieux-Chauvet gekonnt rausgearbeitet. Ist es denn nicht nur der offensichtliche Rassismus Weißen gegenüber den Schwarzen, sondern macht sie deutlich das Klasse und Stand eine Unterdrückung anderer möglich macht und es auch arme Weiße und vereinzelte schwarze Großgrundbesitzer gibt. Sehr differenziert und gut ausgeleuchtet werden diese Zerrungen und demütigenden Unterdrückungen. Das braucht viele einzelne Personen im Roman, über die man einen Überblick behalten muss, aber es gelingt.
Der „Tanz auf dem Vulkan“ handelt hauptsächlich von den Schwestern Minette und Lise, die als Mulattinnen bezeichnet werden, nicht weiß, nicht schwarz. Dieser rassistische Begriff wird hier von der Autorin bewusst eingesetzt um die gesellschaftliche Position in den damaligen Verhältnissen zu verdeutlichen. Die Töchter einer Sklavin schlagen sich durch und singen hervorragend. So gelangt die Ältere, Minette, der beiden am Theater in Port-au-Prince , wo sie sich ihren Platz, ihre Gage und dessen Auszahlung sehr hart erkämpfen muss.
Die im US-Exil schreibende Marie Vieux-Chauvet hat auch mit diesem Roman, genau wie mit „Töchter Haitis“ einen sehr lesenswerten Roman geschrieben. Unbedingt entdecken!!!

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Veröffentlicht am 16.09.2023

Drei Schicksale verbunden über die Zeit gebettet in deutscher Geschichte

Das Licht zwischen den Schatten
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Über 800 Seiten einer deutschen Familiengeschichte gewidmet! Das ist mal ein dickes Brett was es da zu bohren galt und ich nehme es vorweg, es hätten auch gut 300 Seiten weniger sein können. Die verzahnte ...

Über 800 Seiten einer deutschen Familiengeschichte gewidmet! Das ist mal ein dickes Brett was es da zu bohren galt und ich nehme es vorweg, es hätten auch gut 300 Seiten weniger sein können. Die verzahnte Geschichte der drei Protagonisten wäre locker mit 500 Seiten auch gut geworden und hätte dann eventuell die vielen Längen zu Beginn nicht gehabt. Eine gute Geschichte, die auch gut geschrieben ist, bloß der Biß fällt leider zu Beginn und der Spannungsbogen baut sich sehr langsam auf und dann rast er steil nach oben.
Die Geschichten, die hier erzählt und zum Ende auch verzahnt werden umspannen drei Perioden der deutschen Geschichte: Wir lernen Konrad kenne. Sein Vater kehrt als Held aus dem 1. Weltkrieg zurück und die Familie steigt wirtschaftlich auf. Er lernt seine zukünftige jüdische Frau Selma kennen und dann kommen die Nazis an die Macht. Dann ist da Brigitte, die am Ende des 2. Weltkrieg sehr jung ist und die Hirnwaschung der Nazis noch verdauen muss und erst peu a peu merkt was das für ein Terrorregime war. Auch wird sie zur Flucht in die BRD von ihren Eltern gezwungen und gelangt zur RAF. Zu guter Letzt ist da noch André, ein Hochleistungssportler des Kunstspringens in der DDR der 80er Jahren, der bei einer Adoptivfamilie wohnt. Er hat seine Eltern bei einem Autounfall verloren.
Alles drei schon alleine spannende Lebensgeschichten und empathisch gut erzählt und zum Schluss folgt natürlich die Zusammenführung der Geschichten! Schreiben kann Michaela Beck unterhaltsam gut, es gelingt ihr sehr die einzelnen Figuren auszugestalten und Beweggründe ihres Handelns und ihrer Gedanken nachzuvollziehen.
Fazit: Gelungen, aber zu lang.

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Veröffentlicht am 16.09.2023

Prokrastination par excellence

Kleine Probleme
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Ich gehöre ganz klar zur Kategorie To-Do-Listenerstellerin! Und wer noch? Lars! Der Protagonist des neuen Romans von Nele Pollatschek. Eigentlich will der End-Vierziger einen Roman schreiben, kommt aber ...

Ich gehöre ganz klar zur Kategorie To-Do-Listenerstellerin! Und wer noch? Lars! Der Protagonist des neuen Romans von Nele Pollatschek. Eigentlich will der End-Vierziger einen Roman schreiben, kommt aber nicht so recht voran und schiebt alles auf und macht Listen.
„und ehe man es sich versieht, sieht man, wenn man jetzt tatsächlich hinsähe, dann müsste man das ganze Leben aufräumen, also sieht man besser nicht hin.“
Vor lauter Listen schreiben, hat er dann leider auch die ganzen Dinge nicht erledigt und schwups ist es Ende des Jahres und Silvester da. Ausgerechnet jetzt krempelt er seine Ärmel hoch, denn eine Sache will er gerne wieder in seinem Leben gerade rücken die er verbockt hat und legt los. Wie geht er es an? Klar! Eine Liste!!! Und die arbeitet er akribisch ab. Wird es schaffen bis Mitternacht? Lest selbst!
Der dünne Romane von knapp 200 Seiten ist herrlich leicht geschrieben, liest sich super und macht doch die großen Fragen des Lebens auf. Chaos, Aufschieberitis hin oder her, der Kern des Wesens zählt und hier hat die Autorin mir ein Highlight des Jahres 2023 gewährt mit ihrem feinsinnigen Humor und der zugleich auftreten Schwermut.
Fazit: 100% Empfehlung!

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Veröffentlicht am 16.09.2023

Verkanntes Juwel!

Zeit der Schuld
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Wie konnte dieses Buch in den Neuerscheinungen untergehen? Was ein tolles Buch, dass in keine Schublade passt, es steht Roman drauf, ist aber auch spannend, denn der Auftakt ist kriminell! Im Mittelpunkt ...

Wie konnte dieses Buch in den Neuerscheinungen untergehen? Was ein tolles Buch, dass in keine Schublade passt, es steht Roman drauf, ist aber auch spannend, denn der Auftakt ist kriminell! Im Mittelpunkt stehen die drei Protagonisten Sunny Wadia, der Leibeigene Ajay und Sunnys Freundin Neda, die sich das barbarische Verhalten ihres Freundes nicht gutheißen kann. Sunny, der unerschöpflich Reiche Erbe eines indischen Imperiums rast in der Nacht mit seinem Mercedes über Menschen, die keine Bleibe haben und unter der Brücke hausen. Viele Tode und wer wird als Schuldiger deklariert? Sein Bediensteter Ajay. Schon hier schlägt die indischstämmige Autorin Deepti Kapoor die erste Brücke zwischen ganz unten und ganz oben. Sie zeigt uns die krasse Verteilung des Geldes über die Schichten und Kasten hinweg. Wie erbarmungslos die Oberschicht das Fußvolk behandelt. Die Autorin zeigt Missstände auf und verarbeitet spannend ihre Erfahrungen als Journalistin. Der Roman mit seinen gut 700 Seiten bezieht sich auf die Zeit von ca 1990 bis 2008.
Das Buch wurde sehr gut aus dem Englischen ins Deutsche übertrage von Astrid Finke. Für Geografie-Liebhaber ist vorne auch eine kleine Karte abgedruckt um die Orte des Romans besser einordnen zu können.
Ich kann es euch nur sehr ans Herz legen, wer sich für Indien und die sozialen Verhältnisse dort interessiert macht mit diesem Roman einen guten Fang!

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Veröffentlicht am 16.09.2023

Nicht überzeugt

Julian und Anisa und das Wunder vom Wacholderpark
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Mich hat das Buch überhaupt nicht mitgezogen, es ist zwar eine sehr liebe und nette Geschichte über eine Freundschaft, ach, auch über die erste Verliebtheit und dann der finale Schlusspunkt mit dem großen ...

Mich hat das Buch überhaupt nicht mitgezogen, es ist zwar eine sehr liebe und nette Geschichte über eine Freundschaft, ach, auch über die erste Verliebtheit und dann der finale Schlusspunkt mit dem großen Fussballspiel, aber es war für mich null mitreißend geschrieben. Trotz der kurzen 131 Seiten und dem Thema Fußball, ist es aus meiner Sicht Benjamin Lebert nicht gelungen eine kindgerechte Sprache zu entwickeln. Aber solide, kann, muss aber nicht.

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