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Nilchen

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.10.2021

Abgefahrene Lektüre

Das neue Herz
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Die Skandinavier:innen sind ja bekannt dafür gerne mal Neues auszuprobieren und landen oft einen Nerv. Lina Wolff macht genau das aus meiner Sicht, denn dieser ganze Roman ist wie ein Ritt. Als ob wir ...

Die Skandinavier:innen sind ja bekannt dafür gerne mal Neues auszuprobieren und landen oft einen Nerv. Lina Wolff macht genau das aus meiner Sicht, denn dieser ganze Roman ist wie ein Ritt. Als ob wir reiten lernen und bis zum Galopp alles an einem Tag durchziehen – es wird immer schneller. Nach der Lektüre klappen wir das Buch zu und sind geplättet!
Wir begeben uns mit einer blockierten Schriftstellerin nach Madrid, die Reißaus nimmt um wieder schreiben zu können. Sie nimmt einen Job an in dem sie einen Dementen pflegt. Auch trifft sie auf einen Mann, der ihr eine Geschichte liefern will, wenn sie ihn aufnimmt für ein paar Tage. Und hier nimmt die Geschichte Anlauf auf den Abgrund. Denn die Story, die er zu erzählen hat, ist inklusiver alter Nonne schon grenzwertig und es geht danach noch turbulenter weiter.
Abstrus geht es rund. Klar, Lina Wolff schöpft ihre Möglichkeiten aus und gibt den Frauen alle Macht in die Hand und spinnt ihre Fäden. Hier darf man aus meiner Sicht nicht vergessen, dass es ein Roman ist: Fiktion die überzeichnet. Fiktion, die auslebt was das Leben vielleicht nicht zu bieten hat. Fiktion, die andere Welten aufmacht.
Daher ist auch der Titel „Das neue Herz“ hier gut getroffen á la neue Runde neues Glück. Es gibt aufeinander folgende Veränderungen, die wie Spiralen immer enger werden. Aus meiner Sicht gutgeschrieben und abgefahren spannend. Aber in der Tat kein leichter Stoff und nicht was für die breite Mitte. Fände ich auch schade, wenn es nur noch weichgespülte Literatur gäbe.
Wer immer noch nicht weiß ob es was sein könnte: Es sind knappe 270 Seiten, die lesen sich schnell weg, kein dicker Schinken. Also, auf in ein Abenteuer der besonderen Art!

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Veröffentlicht am 26.10.2021

Eine Liebe im Wandel der Zeitenwende

Kairos
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Katharina und Hans sind ein Paar. Hans ist Schriftsteller im Kreis seinesgleichen und weit über 50. Er trifft auf die weitaus jüngere Katharina, die erst 19 Jahre alt ist als sie sich 1986 verlieben. Er ...

Katharina und Hans sind ein Paar. Hans ist Schriftsteller im Kreis seinesgleichen und weit über 50. Er trifft auf die weitaus jüngere Katharina, die erst 19 Jahre alt ist als sie sich 1986 verlieben. Er genießt die Privilegien dieser Zeit in intellektuellen Kreisen und das macht sie sich zu Nutze um sich Wissen zu erschließen – sie genießt das intellektuelle Kapital das zu damaliger Zeit rar war. Denn es ist die Zeit der DDR, aber der Bruch naht, denn es ist bereits das Ende der DDR eingeläutet. Wir erleben mit ihrer Beziehung das Ende der DDR mit. Nicht nur politisch geht die DDR den Bach runter, auch ihre private Zweisamkeit wird aus den Angeln gehoben. Es steht zwar die Paarbeziehung im Vordergrund der Geschichte, aber auch das zeitgeschichtliche Portrait der Wendezeit aus DDR-Perspektive ist bereichernd geschrieben.
Dieser Roman von Jenny Erpenbeck mit dem sinnbildlichen Titel ‚Kairos‘ ist zum einen ein gelungenes historisches Werk mit Blick auf die Zeit der Wiedervereinigung und illustriert gekonnt die Beziehung der beiden vor dieser Kulisse. Kairos, der günstige Zeitpunkt, den man nicht verpassen sollte. Ich interpretiere es im Sinne der weiblichen Protagonistin, die den Augenblick genutzt hat und sich mit Hans zu liieren um für sich eine vorteilhafte Situation zu schaffen, die mit veränderten Verhältnissen wieder kippt.
(Ost)Berlin ist in diesem Buch großartig in Szene gesetzt. Es erschließt sich mir wie eine neue Welt, die ich nie kennengelernt habe, bin ich doch im anderen Teil der Stadt groß geworden.
Mir hat der Roman gut gefallen, es lass sich stringent und gut. Ob und wieweit hier die DDR und ihr Ende in seiner Dramaturgie richtig dargestellt wurde, maße ich mir kein Urteil an, denn ich habe zwar die Wende erlebt, aber aus westlicher Sicht und als Kind.
Fazit: Nicht von der Alter Mann-Junge Frau-Beziehung irritieren lassen, dieser Roman kann so viel mehr!

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Veröffentlicht am 20.10.2021

Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft

Wenn ich wiederkomme
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Es gibt diese gegensätzlichen Ausrichtungen, die sich scheinbar gut ergänzen, aber Lücken aufreißen um welche zu schließen. Die einen haben Zeit und Kraft zum Anpacken bei den Alten und Kleinen, aber kein ...

Es gibt diese gegensätzlichen Ausrichtungen, die sich scheinbar gut ergänzen, aber Lücken aufreißen um welche zu schließen. Die einen haben Zeit und Kraft zum Anpacken bei den Alten und Kleinen, aber kein Geld. Und die anderen haben das Geld, aber keine Zeit zum Betreuen und Kümmern.
Auch hier in „Wenn ich wiederkomme“ geht es um Daniela, die aus Rumänien kommt mit vielen Hoffnungen im Gepäck nach Italien aufbricht um Geld zu verdienen. Sie hinterlässt mit gutem Zureden ihr eigenes Leben, der Mann und die beiden Kinder, für eine Weile und wird schmerzlich vermisst, vor allem von ihrem Sohn Manu. Aus dessen Perspektive wir die Geschichte zuerst geschildert bekommen. Er klagt an und durch die Unwissenheit glaubt er seine Mutter führt ein tolles Leben ohne sie in der Ferne Italiens. Aber das ist mit Nichten so, sie rackert und arbeitet 24h am Tag als Altenpflegerin. Wird förmlich ausgebeutet. Und für was? Das die Großeltern die Kinder erziehen und die Kernfamilie sich immer fremder wird. Die Heimat irgendwann keine mehr ist?
Marco Balzano beschreibt dieses Einzelschicksal grandios und richtet das Augenmerk so auf die Herr scharren von Osteuropäerinnen ohne die Mitteleuropa schon lange im Pflegechaos versunken wäre. Er kombiniert diese strukturelle Misere literarisch gekonnt mit einer spannenden und gut erzählten Geschichte. Wirklich lesenswert und macht nachdenklich, was wir für unsere Gesellschaft der humanere, der richtige Weg wäre mit dem Thema Pflege umzugehen.

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Veröffentlicht am 20.10.2021

Ein Buch für Nichtleser!

Mein Bruder der Elbenritter hat nicht mehr alle Ziegel auf dem Dach
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Finn ist 10 Jahre alt und ein ganz normales Einzelkind. Aber eines kann er gar nicht und macht es zu seinem größten Geheimnis: Er kann nicht lesen! Er hat Tricks auf Lager und selbst seine Eltern und die ...

Finn ist 10 Jahre alt und ein ganz normales Einzelkind. Aber eines kann er gar nicht und macht es zu seinem größten Geheimnis: Er kann nicht lesen! Er hat Tricks auf Lager und selbst seine Eltern und die Lehrerin merken nichts!
Und dann stolpert ein zweites Problem in sein Leben: Yuki! Seine Eltern beschließen ein Pflegekind aufzunehmen, ähnlich alt wie Finn. Yuki kommt in seine Klasse, umschwärmt die Eltern mit Tanz und Charme und gibt den belesenen Jungen. Das stinkt Finn gewaltig. Als Yuri ihm dann eröffnet er sei ein Elbe, eine besondere Form eines Elfen, und er bräuchte Finns Hilfe den Schlüssel zur Märchenwelt zu finden um zu verschwinden, steigt Finn in die Geschichte ein: er will ihn ja loswerden. Und so begehen die beiden einen Raub und es endet in einer spektakulären Verfolgungsjagd. Wie sollte es anders sein, dieses Abenteuer schweißt die beiden zusammen und ändert auch Finns Blick.
Es gibt zwar einen Krankenhausaufenthalt, aber im Grunde eine nette Geschichte über zwei die sich gesucht und gefunden haben. Der eine sucht Halt im Leben und muss die Flucht aus der Märchenwelt abschütteln und der Andere suchte Halt um sich zu trauen auch Unzulänglichkeiten zu äußern mit dem guten Gefühl trotzdem geliebt zu werden.
Keine Sorge, Finn gibt zum Schluss auch zu, dass er nicht lesen kann und es wird pädagogisch gut gelöst, weil die Lehrerin sogleich einen guten Plan hat Finn zu unterstützen!
Wir fanden dieses Kinderbuch großartig! Es ist wunderbar geschrieben und eignet sich hervorragend zum Vorlesen in die Grundschulzeit. Dieses Gefühl etwas nicht zu können wird hier sehr gut thematisiert. Kindern, die schlecht lesen oder sonstigen Förderbedarf haben, wird hier Raum gegeben nicht alleine zu sein. Die Altersangabe mit ab 8 Jahren halte ich für sinnvoll, sollte den Kindern doch klar sein, dass es keine Elfen & Hexen gibt und keiner über Dächer springen kann. Daher klare Empfehlung zum Vorlesen in der Grundschulzeit.
Uns haben auch die wenigen, aber gut akzentuierten Illustrationen gefallen, die in den kurzen Kapiteln die Geschichte unterstreichen.
Ungewöhnlich an diesem Buch ist, dass es mit dem literarischen Kniff beginnt eine Szene zu erzählen die erst nach ca 70% der Geschichte passiert und dann springt es nach ein paar Seiten wieder zurück zum echten Start der Story. Es kann recht irritierend sein, aber macht natürlich Lust herauszufinden wie es dazu kam!
Elbisch gut und eine super Eltern-Kind-Vorlese-Abenteuer!!! Mädchen spielen hier so gut wie keine Rolle, aber da der Büchermarkt auch die Kehrseite genügend bedient, finde ich das mehr als ok, wenn es Jungs zum lesen bringt und/oder mehr Interesse an fiktionalen Geschichten!

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Veröffentlicht am 19.10.2021

Motivator zur Veränderung

Power Hour
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Alles begann mit einem Podcast. Adrienne Herbert, die Powerfrau aus London mit vielen Kompetenzen, spricht über ihre Herzensangelegenheit: sich selbst Zeit nehmen um die eigenen Ziele zu definieren und ...

Alles begann mit einem Podcast. Adrienne Herbert, die Powerfrau aus London mit vielen Kompetenzen, spricht über ihre Herzensangelegenheit: sich selbst Zeit nehmen um die eigenen Ziele zu definieren und sich selbst empowern. Sie ist damit erfolgreich und natürlich lässt sich vieles Gesagte auch gut in ein Buch zusammenfassen und tada! Hier ist es und heißt natürlich: Power Hour! Genauso wie der Podcast. Im Original übrigens bereits im letzten Jahr erschienen. Aber keine Sorge, denn die Inhalte sind zeitlos! Apropos zeitlos, so fühlen wir uns doch alle. Der Tag könnte gut und gerne 48h statt lapidare 24h haben und wir würden immer noch nach MEHR schreien. Und da liegt auch der größte Schatz vergraben den wir haben: Unsere Zeit. Etwas was man nicht horten, nicht zurückspulen und nicht vermehren kann: schlicht und einfach unsere Lebenszeit. Kein Geschenk ist größer als jemandem unsere Aufmerksamkeit zu geben. Und wem geben wir sie am wenigsten? Uns selbst! Genau. Ihr merkt, keine neuen Weisheiten, aber nett zusammengefasst um mal wieder die wichtigen Dinge in den Fokus zu rücken.
Im Buch geht sie darauf ein und welche Stellschrauben besonders wichtig sind wie Ziele setzen, mit Gewohnheiten brechen, Macht der Bewegung – richtig die vielen Selfcarethemen wie dein Handeln muss zu deinen Zielen passen. Nicht neu, aber wahr. Es changiert von alltäglichen Stellschrauben wie dem Schlaf bis hin zu übergeordneten Aussagen, dass dein Handeln dein Leben bestimmt. Eine bunte Mischung.
Es gab bei mir keine Aha-Erlebnisse, aber irgendwie ist dann doch was hängen geblieben und ich versuch mir meine PowerHour nun wirklich aus dem Alltag zu schneiden ohne zu viel Zeit zu verplempern und fokussiert zielgerichtet zu handeln. Schauen wir mal wie nachhaltig das Ergebnis sein wird.

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