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Nilchen

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Veröffentlicht am 04.12.2021

Huanying!

China. Der illustrierte Guide
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Mal wieder ein Buch, in das man verzückt versinken kann ist ‚China – Der illustrierte Guide‘. Es erwartet den Betrachter eine Einladung ins Reich der Mitte, dass mit kurzen informativen Texten und äußerst ...

Mal wieder ein Buch, in das man verzückt versinken kann ist ‚China – Der illustrierte Guide‘. Es erwartet den Betrachter eine Einladung ins Reich der Mitte, dass mit kurzen informativen Texten und äußerst tollen Illustrationen viel Wissen vermittelt.
Ich kenne China durch mehrere Reisen, die nun mehr als 10 Jahre zurückliegen. Ich konnte einiges wiedererkennen und mich an Begegnungen erinnern, aber habe trotzdem noch neues gelernt (z.B. das komplizierteste Zeichen besteht aus 57 Strichen!) und Aha-Momente gehabt (z.B. bei der Anlage von chinesischen Gärten nach Ji Cheng).
Die italienische Autorin Giulia Ziggiotti, ist eine vielseitig bewanderte Person was das Land angeht, denn sie ist die Gründerin der AGIC – Gesellschaft junger Italiener in China (2013) und ist außerdem hochaktiv im chinesisch-italienischen Austausch, besonders im Bereich Bildung. Daher erscheint dieses Buch als naheliegende Ergänzung aus ihrer Feder für uns westliche Welt. Im Original heißt das Buch auf Italienisch übrigens ‚Chinamania‘.
Wunderbar ergibt sich aus dem Buch ein interessantes Gesamtbild Chinas. Es ist gegliedert in 8 Abschnitte: ‚Peking‘, ‚Werte und Kultur‘, ‚Reisen durch China‘, ‚Sich kennenlernen, Begrüßen und verstehen‘, ‚Essen und Trinken’, ‚Sport und Freizeit‘, ‚Mode und Trends‘ sowie ‚Feiertage und Feste‘. Darin werde in Summe 100 Themen erläutert. Ich finde es eine tolle Mischung, weil es Traditionen mit der Modernen verbindet, das Verständnis erhöht und einfach viel Lust darauf macht China zu entdecken und mit der Bevölkerung in Kontakt zu treten.
Das Buch ist ein buntes Potpourri und ist für alle und jeden geeignet, weil man weder Vielleser sein muss noch Vorwissen mitbringen muss. Ich finde es ist ein schönes Geschenk auch für Jugendliche und junge Erwachsene die sich dem Reich der Mitte näher wollen und hier einen schönen ersten positiven Eindruck erlangen können!

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Veröffentlicht am 03.12.2021

Lebenslange Wut

Animal
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„Wir haben keine Ahnung wie viel schlimmer es wird. Das ist das größte Geschenk im Leben.“ (S. 109)

Puuuhh, dieses Buch ist wahrlich keine leichte Kost, eher der Schweinebraten unter den Romanen, der ...

„Wir haben keine Ahnung wie viel schlimmer es wird. Das ist das größte Geschenk im Leben.“ (S. 109)

Puuuhh, dieses Buch ist wahrlich keine leichte Kost, eher der Schweinebraten unter den Romanen, der einem lange und unangenehm im Magen liegt, aber gegessen hat man ihn dann doch gerne und wollte ihn nicht missen. Das beschreibt in etwas mein persönliches Verhältnis zu diesem Buch.

„Ironischerweise ist man dann am ehesten bereit zu sterben, wenn das Leben gerade am schönsten ist.“ (S. 164)

Es gibt einzelne Happen, die einem auf der Zunge zergehen, aber recht viele von denen ich Sodbrennen bekomme.

„So viel Kraft steckt in unserer Besessenheit. Wenn wir sie doch nur nutzen könnten. Wenn wir sie nur umleiten würden.“ (S. 203)

Klar, der Roman will anprangern, aufdecken und uns aus unserer Komfortzone locken mit dem Griff im Nacken damit wir da hinschauen wo es weh tut. Will uns zeigen wie die Welt wirklich tickt für einige von uns, die keine rosigen Zeiten der Kindheit erlebt haben.

„Mein Kopf war eine Schlangengrube. Ich konnte nicht allein da drin überleben.“ (S. 158)

Ein Roman bei dem die Bezeichnung ‚düster‘ nicht daher geplappert ist, es ist ein dunkler innerer Ort der Protagonistin Joan, den wir mit ihr betreten. Schonungslos ehrlich.

„Frauen haben die Oberhand. Für diese Erkenntnis habe ich ein halbes Leben gebraucht.“ (S. 193)

Aber das Ende scheint der versöhnliche Beginn zu sein, wie der Moment nach einem stürmigen, langanhaltenden Gewitter wenn die ersten Sonnenstrahlen sich Bahnen brechen.

„Grausamkeit steht einer Frau besser als das perfekte Kleid.“ (S. 80)

Lisa Taddeo schreibt gut, aus meiner Sicht literarisch großartig. Das Buch beschäftigt sich neben dem zwar simplen, aber einnehmenden Plot mit einer viel allumfassenderen Frage wie Frauen in der Gesellschaft gesehen werden und legt somit die nichtvorhandene Gleichberechtigung auf eine subtile Art frei. Auch ist die Protagonistin fortwährend damit beschäftig sich Gedanken um ihre Schönheit, ihre oberflächliche Wirkung ihres Aussehens zu machen anstatt ihrer inneren Wunden der Kindheit zu heilen. Auch wenn das eine mit dem anderen stark zusammenhängt.

„Vieles an ihr war widersprüchlich, aber das traf auf die meisten schönen Frauen zu.“ (S. 219)

Die deutsche Ausgabe des Piper Verlages mit dem dissonanten Farbschnitt passt perfekt zum Inhalt! Es sticht einem ins Auge, wie der Text wehtut.

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Veröffentlicht am 01.12.2021

Schwedische Familienaufstellung

Gesammelte Werke
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Man könnte meinen, dass die Autor:innen während der Pandemie zu viel Zeit zum Schreiben hatten, wenn solche dicken Wälzer das Endergebnis sind wie „Gesammelte Werke“ (874 Seiten) von Lydia Sandgren, erschienen ...

Man könnte meinen, dass die Autor:innen während der Pandemie zu viel Zeit zum Schreiben hatten, wenn solche dicken Wälzer das Endergebnis sind wie „Gesammelte Werke“ (874 Seiten) von Lydia Sandgren, erschienen im Mare Verlag. Aber ich kann dem entschieden entgegensetzen, dass an dem Debüt der nun praktizierenden Psychologin 10 Jahre lang gefeilt wurde! Hier steckt jede Menge Herzblut drin. Noch dazu, ist dieses Buch ein Erstlingswerk und Lydia Sandgren erlaubt sich den ersten Schabernack mit dem Titel, denn es sind nicht „Gesammelte Werke“ sondern der Titel des Romans lautet so.
Es geht um einen Göteborger Verleger namens Martin Berg und dessen Familie. Er und seine Frau Cecilia haben 2 Kinder miteinander, Rakel und Elis. Cecilia ist das glatte Gegenteil ihres Mannes, eine Wissenschaftlerin mit Struktur und Hang zum Rationalen. Nach Elis Geburt wurde Cecilia depressiv und verschwand eines Tages. Mit Mitte 20 findet Rakel ein eingesendeten Manuskript, in dem ihre Mutter verschriftlich wieder auftaucht und beginnt die Spur zu diesem Autor aufzunehmen.
Das ist der Hauptstrang des Romans. Der Roman hat diese Gegenwartsebene, die im Jahr 2012 angesiedelt ist, dann ein weiterer in der Vergangenheit zu Martins Gymnasialzeiten. Eingestreut ist ein dritter Part mit Interviews. Neben der Familienkonstellation gibt es noch eine Schlüsselfigur im Roman und zwar Gustav, ein befreundeter Künstler des Paares.
Die Schwedin hat diesen Roman mit erstaunlicher Detailtiefe geschrieben, aber bei weitem nicht alles wird beschrieben! Trotz der Länge gibt es Interpretationsspielraum. Ich habe mich gefragt, wie die Autorin das geschafft hat in 10 Jahren hier nicht den Faden zu verlieren und so rund zu schreiben. Zum Ende hin ging der Autorin eventuell schon die Puste aus, da wird es dann nicht mehr so stringent und hätte vielleicht noch mal etwas Nacharbeit Bedarf mit dem Lektorat.
Fazit: Ein schönes Geschenk für Literaturliebhaber, denn auch die Literatur selbst ist hier allgegenwärtig ein Thema und zudem ein schöner Roman.

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Veröffentlicht am 29.11.2021

Wahrlich eine Vogelperspektive

Lahme Ente, blindes Huhn
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Es beginnt wie ein Witz: Treffen eine lahme Ente und ein blindes Huhn in einem Hinterhof aufeinander. Sagt das blinde Huhn zur lahmen Ente: „Bring mich bitte zu dem Ort wo geheime Wünsche erfüllt werden…..“ ...

Es beginnt wie ein Witz: Treffen eine lahme Ente und ein blindes Huhn in einem Hinterhof aufeinander. Sagt das blinde Huhn zur lahmen Ente: „Bring mich bitte zu dem Ort wo geheime Wünsche erfüllt werden…..“ Tja, nur ist es kein kurzer Witz, sondern ein ziemlich lustiges Buch von Ulrich Hub, den vielleicht einige Leser:innen von „Das letzte Schaf“ erinnern (wenn nicht unbedingt in der Weihnachtszeit besorgen!!!). Wieder wahnwitzig in Szene gesetzt von Jörg Mühle, so bekannt, dass man ihn keineswegs vorstellen müsste.
Nun, also die lahme Ente wird kurzerhand vom blinden Huhn zum Gehilfen auserkoren mit ihr diese wichtige Reise anzutreten. Wirklich ulkig wie die beiden sich nach scheinbar wenigen Metern in die Haare bekommen, sich ständig streiten wie ein altes Ehepaar. Herrlich! Ob die beiden am besagten Ziel ankommen, lass ich lieber mal offen, sonst ist der halbe Spaß im Eimer.
Wir haben herzlich gelacht und uns köstlich amüsiert. Ein Buch, dass zum Glück die Altersklassen sprengt. Sieht es doch aus wie ein Kinderbuch und ist auch in einem erschienen: Carlsen. „Lahme Ente, blindes Huhn“ ist aus meiner Sicht erst mit einer Sensibilisierung der Sprache wirklich komisch und wir Großen haben sehr viel Freude am Vorlesen. Falls ihr zum Buch greifen solltet, ich habe die lahme Ente mit „Kurt Krömers“ unbestechlichem Gleichmut vorgetragen und das hektische Huhn war eher eine „Barbara Schöneberger“ im Vortragsmodus!
Knapp 82 Seiten ist es erfrischend kurz als Buchhappen oder als Vorlesespaß beste Unterhaltung.
Fazit: Zu Recht lautet es ganz zu Beginn: „Das Ziel ist im Weg“.

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Veröffentlicht am 24.11.2021

Viele Fragen führen in die Pubertät

Ringo, ich und ein komplett ahnungsloser Sommer
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Asta, ein Mädchen, fast 13 Jahre alt, verbringt den Sommer mit ihren Eltern immer in einem kleinen Kaff am Ende der Welt namens Geschrey. Hier inszenieren ihre Eltern jeden Sommer ein Theaterstück auf ...


Asta, ein Mädchen, fast 13 Jahre alt, verbringt den Sommer mit ihren Eltern immer in einem kleinen Kaff am Ende der Welt namens Geschrey. Hier inszenieren ihre Eltern jeden Sommer ein Theaterstück auf der Waldbühne und in diesem Jahr soll Asta mitspielen. Sie kann ihr Glück kaum fassen! Außerdem kann sie es kaum erwarten Ringo wiederzusehen, ihr bester Buddy im Ort mit dem sie, wie jeden Sommer, jede Minute am See verbringen will.
Tja, und dann kommt doch alles anders – wie das Leben so spielt. Asta bekommt kein Wort heraus, Ringo und sie sind sich irgendwie anders nahe als in den Sommern davor und die Geschichte wird auf ihre Art für Asta turbulent, vor allem was ihr Innenleben angeht. Aber wer hier an eine Liebesgeschichte denkt, hat falsch getippt. Es geht eher um die Phase im Leben, bevor man merkt, dass man auch Menschen außerhalb der Kernfamilie so richtig doll lieben kann.
Dieses feinfühlig geschriebene Buch ist eine großartige Lektüre für Kinder, die im Begriff sind Luft zu holen um in die Pubertät einzutauchen und nicht vorhaben für lange Zeit wieder an die Oberfläche zu kommen.
Judith Burger schreibt wunderbar aus der Ich-Erzählerinnen-Perspektive von Asta. Zart und authentisch ist der Text mit all den emotionalen Achterbahnfahrten, die dieses Alter begleitet. Vor allem schreibt sie so gekonnt wie eine Leidenschaft sich entwickelt, wie es auf einmal für ein bestimmtes Thema in sich zu brennen beginnt, für den einen ist es das Schauspielern für die andere das Tauchen.
„Ringo, ich und ein komplett ahnungsloser Sommer“ ist ein gut geschriebener Roman für Kinder im Alter von 11 bis 14 Jahren, je nachdem in welcher Lebensphase sich das Kind befindet. Vor allem hat er auch einen literarisch ansprechenden Text, wenn Ringo sehr philosophisch daherkommt und alles und sich selbst jederzeit mit Fragen löchert wo noch keine Antworten sind.

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