Hinter dem Gold: Die verborgene Geschichte um den „Schrein der Könige“
Der Schrein der KönigeIm 12. Jahrhundert in einer Zeit, in der Christen bereit sind für ihren Glauben zu Sterben, gelingt es Bischof Reinald von Dassel eine der wichtigsten christlichen Reliquien - die Gebeine der Heiligen ...
Im 12. Jahrhundert in einer Zeit, in der Christen bereit sind für ihren Glauben zu Sterben, gelingt es Bischof Reinald von Dassel eine der wichtigsten christlichen Reliquien - die Gebeine der Heiligen Drei Könige - nach Köln zu bringen. Der Glanz, der von diesen Reliquien ausgeht, soll auf die Kölner Erzdiözese übergehen und sich in einem neu zu erschaffenen „Schrein der Könige“ widerspiegeln. Doch wer soll diesen Schrein anfertigen, dessen Ruhm auf den Erbauer überstrahlt und eine Arbeit für Jahrzehnte darstellt? Insbesondere die Kölner Goldschmiede erhoffen sich berücksichtigt zu werden, oder erhält Nicolaus von Verdun, ein Künstler seines Fachs, den Auftrag? Der „Schrein der Könige“ bedeutet Glorie und Macht. Entsprechend gibt es nicht nur kirchliche, sondern auch weltliche Persönlichkeiten, die den Schrein für sich einsetzen wollen, koste es was es wolle.
Vor diesem historischen Hintergrund spielt dieser Roman. Alles beginnt mit dem Tod von Nicolaus Ehefrau und zweier seiner Kinder. In diesem Moment, in dem Nicolaus sämtliches Gottvertrauen verliert, erscheint bei ihm der Kölner Geistliche Jilles und bietet ihm die Aussicht auf eine Arbeit an dem „Schrein der Könige“ zur Ehre Gottes an. Entscheidet sich Nicolaus für Gott und die Arbeit und gibt er dafür sein und das Leben seiner Kinder in Verdun auf? Und was passiert mit seinem Sohn Louis, respektiert dieser die Entscheidung seines Vaters? Macht, Kriege, Bigotterie aber auch Hoffnung und Liebe werden in einem fesselnden historischen Roman verpackt.
Sabine Weiss ist eine deutsche Autorin, die Germanistik und Geschichte studiert hat, bevor sie als Journalistin tätig war. Als Autorin ist sie ihrer großen Leserschar nicht nur durch spannende Krimis, sondern auch durch gut recherchierte historische Romane bekannt. Insbesondere in der Trilogie „Krone der Welt“, „Gold und Ehre“ und „Blüte der Zeit“ zeigt sich ihr enormes historisches Wissen, welches in diesen Romanen ein Großteil der Story ausmacht und dadurch das Fiktive mit dem Historischen wunderbar verwebt.
Im „Schrein der Könige“ legt sie ihren Fokus in erster Linie auf die Erstellung des Dreikönigenschreins und baut dort herum eine fiktive historische Geschichte. Leider streift sie die wichtigen weltlichen historischen Ereignisse dieser Zeit nur sehr zaghaft. Das ist vermutlich dem geschuldet, dass hierfür mehr als nur ein Roman mit etwas mehr als 500 Seiten notwendig wäre. Im „Schrein der Könige“ legt Sabine Weiss den Fokus etwas weniger auf den geschichtlichen Hintergrund, als darauf den Leser emotional mit diesem Roman gefangen zu nehmen. Trotzdem sind historische Details in diesem Roman gut eingearbeitet und bilden eine Mischung aus realer Historie und spannender Fiktion, wobei die Grenzen zwischen Wahrheit und erfundener Geschichte fließend sind.
Und so empfindet der Leser die Hauptfigur Nicolaus von Verdun wie einen lieben Freund. Mit ihm möchte man lachen, lieben oder zweifelt mit ihm, wenn das Schicksal ihn wieder einmal vor eine schwere Prüfung stellt. Seinen Sohn Louis möchte man packen und schütteln, wenn er wieder einmal etwas Unbedachtes tut, worunter nicht nur seine Familie, sondern auch alle, die ihn umgeben, leiden müssen. Die Geschichte nimmt manchmal ungeahnte Wendungen, die der Spannung sehr gut tun.
Ein Personenregister zu Beginn des Buches sorgt für den nötigen Überblick über die Protagonisten. In ihrem Nachwort gibt Sabine Weiss wichtige Informationen, so dass dem Leser neben einem spannenden Roman auch wichtige geschichtliche Hintergründe vermittelt werden. Sabine Weiss schreibt lebendig, spannend und ausdrucksstark, gerne folgt ihr der Leser. Dank ihres gekonnten Schreibstils zieht sie den Leser immer mehr in den Bann, sodass sich das Buch zu einem spannenden Roman entwickelt.
Fazit:
„Der Schrein der Könige“ ist ein abwechslungsreicher, gut ausgefeilter historischer Roman und bietet einige Überraschungen. Sabine Weiss gelingt es überzeugend, den Leser zu fesseln und auf eine emotionale Reise mitzunehmen. Gerne hätte der historische Part in diesem Roman noch etwas ausgeprägter sein dürfen.