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Veröffentlicht am 09.07.2023

Spannendes Wiedersehen mit geliebten Charakteren

Outlander - Das Schwärmen von tausend Bienen
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1779 sind Brianna, Roger und die Kinder zurück in Frasers Ridge, wo man gedacht hatte, sie nie wiederzusehen – um so größer ist die Freude. Claires und Jamies neues Haus wächst zunehmend und auch das Gemeindehaus ...

1779 sind Brianna, Roger und die Kinder zurück in Frasers Ridge, wo man gedacht hatte, sie nie wiederzusehen – um so größer ist die Freude. Claires und Jamies neues Haus wächst zunehmend und auch das Gemeindehaus kann bald seinen Dienst aufnehmen, sonntags teilen die verschiedenen Glaubensgemeinschaften es sich, wobei es zum Zusammenhalt der Bewohner dient, dass man, wenn man schon einmal da ist, und ja sonst nichts Interessantes zu tun hat, man sich direkt alle Gottesdienste zu Gemüte führt.

Doch noch ist der Krieg nicht zu Ende, und die Einwohner von Frasers Ridge sind teilweise Rebellen und teilweise Royalisten. Vor allem der neu hinzugezogene Kapitän Cunningham ist königstreu durch und durch, und im Laufe des Romans wird es auch hier zu Problemen kommen.

Auf einen Brief John Greys hin, reisen Roger, Brianna und ihre Kinder nach Savannah, nicht ohne einen Zwischenstop in Charles Town, wo sie Germain bei Marsali und Fergus abliefern. In Savannah trifft Brianna auch ihren Halbbruder William, der sich nach erfolgloser Suche nach seinem Cousin Ben vorübergehend hier aufhält. Gleichzeitig erfüllt Brianna einen brisanten Auftrag ihres Vaters.

Auch Ian ist mit Frau, Mutter und Sohn unterwegs. Sie reisen nach New York, da Ian nach seiner ersten Frau, der Mohawk Emily sehen möchte.

Es ist für mich immer wieder ein Nachhausekommen, wenn ich einen neuen Band der Reihe aufschlage. Dieser ist bereits der neunte Band. Ich bin der Familie Jamie Frasers inzwischen sehr verbunden, vor allem in den Büchern. Ich schaue auch die Serie, kann mich dort aber nicht für jede:n Schauspieler:in erwärmen. Zum Glück sehe ich diese beim Lesen größtenteils nicht vor mir, sondern für mich passendere Gesichter. Der einzige, der sich komplett durchgesetzt hat, ist der John-Grey-Darsteller David Berry, der für mich perfekt passt.

Doch zurück zum Roman. Wie immer erzählt Diana Gabaldon sehr ausführlich. Wir sind dadurch wirklich mitten im Leben der Charaktere, und durch den bildhaften Erzählstil springt das Kopfkino sofort an. Ich mag es auch, wenn z. B. Claire, die als einzige in Ich-Form erzählt, ausführlich über Krankheiten und mögliche Heilungsformen referiert, auch wenn es manchmal blutig und/oder eklig wird. Die Bücher sind dick, aber haben für mich keinerlei Längen, zumal viel Historisches integriert ist.

Natürlich gibt es neben Claire wieder eine ganze Reihe anderer Perspektiven, Jamie, Roger, Brianna, Ian, Rachel, John, William – alle sind vertreten, und so erhält man umfassende Einblicke, da die Perspektiven auch oft ineinander übergehen. Es passiert wieder sehr viel, und oft ist es richtig spannend, manche:r gerät in Lebensgefahr, es gibt Tote und neues Leben. Und mancher Charakter taucht auf, mit dem man nicht (mehr) gerechnet hätte. Und auch die Bienen aus dem Titel spielen natürlich eine Rolle.

Am Ende gibt es einen Cliffhanger, und ich hoffe, es dauert nicht mehr allzu lange, bis Band 10 erscheint. Auch die Anmerkungen der Autorin im Anhang sind lesenswert.

Band 9 der Reihe hat mich, wie schon die Vorgängerbände, wieder sofort abgeholt. Mir wird bei dieser Familiengeschichte einfach nie langweilig, und ich könnte immer weiter lesen. Wer die Familie um Claire und Jamie mag, und die bisherigen Bände kennt, macht auch hier nichts falsch. Alle anderen sollten besser mit Band 1 starten.

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Veröffentlicht am 03.07.2023

Mystisch, poetisch und berührend

Als wir Vögel waren
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Darwin ist ein Rastafari, daher muss er sich von Toten fernhalten. Seine einzige Chance auf einen Job ist allerdings die des Totengräbers, und so trennt er sich von Dreads, Bart und Mütze und nimmt den ...

Darwin ist ein Rastafari, daher muss er sich von Toten fernhalten. Seine einzige Chance auf einen Job ist allerdings die des Totengräbers, und so trennt er sich von Dreads, Bart und Mütze und nimmt den Job an.

Yejide stammt aus einer Familie mit einem mythologischen Hintergrund. Die Frauen der Familie haben eine besondere Beziehung zu Toten, und nach dem Tod ihrer Mutter, ist es nun an ihr, deren Platz einzunehmen.

Die Autorin ist selbst auf Trinidad geboren, der Roman wurde im Original in trinidad-kreolischem Englisch verfasst, auch das Titelbild weist nicht nur mit seinen Farben auf die Karibik hin, sondern macht auch Lust, nach dem Buch zu greifen. Der Autorin gelingt es gut, eine besondere Atmosphäre zu schaffen, sie einen sehr bildreichen, manchmal fast poetischen Sprachstil und erzählt abwechselnd aus Darwins und Yejides Perspektive.

Darwins Szenen sind dabei leichter zu lesen. Ich empfehle jenen, die sich nicht mit Rastafari auskennen, sich zu diesem Thema ein bisschen zu belesen, Darwin ist dann leichter zu verstehen. Mir kam er schnell nahe, und ich mochte ihn schon nach wenigen Seiten. Er hat es nicht leicht auf dem Friedhof, aber nicht nur wegen seines kulturellen/religiösen Hintergrundes, auch seine Kollegen machen es ihm nicht immer leicht, und erst nach und nach erkennt man, dass hinter ihnen mehr steckt, als zunächst gedacht, und es wird noch richtig spannend.

Bei Yejide ist es schwieriger, ihre Szenen sind voller Mystik (hier erklärt sich dann auch der Titel), und als Leser:in versteht man nicht immer die Hintergründe, vieles kann man deuten und erahnen, aber bis zum Ende bleibt manches unklar. Ich hätte mir hierzu ein erklärendes Nachwort gewünscht, zumal ich auch nichts ergoogeln konnte. Handelt es sich hier um eine tatsächliche karibische Mythologie oder ist es eine fiktive, von der Autorin erdachte? Für mich wird das leider nicht klar. Und mit Yejide geht es mir teilweise ähnlich, ich kann sie nicht ganz greifen, komme ihr nicht so nahe wie Darwin.

Im Laufe des Romans treffen Darwin und Yejide aufeinander, und schon das erste, noch nicht körperliche, Zusammentreffen zeigt, dass es eine besondere Verbindung zwischen ihnen geben muss. Als sie sich dann tatsächlich treffen, wird das in kurzen Abschnitten aus ihren abwechselnden Perspektiven beschrieben, was ich erzählerisch sehr gelungen finde. Sprachlich und erzählerisch ist der Roman überhaupt sehr gelungen.

Neben den beiden Hauptcharakteren gibt es relativ wenige weitere Personen. Ich könnte nicht bei jedem Namen eine konkrete Charakterisierung liefern, doch einige sind wichtiger als andere, und diese finde ich gut gezeichnet, so dass ich mir ein deutliches Bild von ihnen machen konnte. Auch die Orte kommen gut zur Geltung, was dem bildhaften Erzählstil geschuldet ist, vor allem den Friedhof, auf dem Darwin arbeitet, kann man sich gut vorstellen.

„Als wir Vögel waren“ ist kein Roman für zwischendurch, man muss ihm Aufmerksamkeit schenken und offen sein für seine Mystik.

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Veröffentlicht am 02.07.2023

Leo Wechslers Ausflug ins Zeitungsviertel

Schatten in der Friedrichstadt
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Berlin 1928: Ein bekannter, aber nicht sehr beliebter Journalist fällt vom Dach des Ullstein-Hauses. Unfall, Selbstmord, oder gar Mord? Leo Wechsler und sein Team stellen schnell fest, dass Moritz Graf ...

Berlin 1928: Ein bekannter, aber nicht sehr beliebter Journalist fällt vom Dach des Ullstein-Hauses. Unfall, Selbstmord, oder gar Mord? Leo Wechsler und sein Team stellen schnell fest, dass Moritz Graf gestoßen wurde. Die Suche nach dem Täter ist jedoch nicht einfach, auch wenn der Verdacht nahe, dass die geplante Reportage des Toten zur Tat geführt haben könnte. Leider fehlt das Notizbuch des Journalisten, und damit sämtliche Hinweise, woran er zuletzt gearbeitet hat.

Doch nicht nur das macht Leo zu schaffen, denn er gerät in Fokus eines rechten Verlagshauses, das eine regelrechte Hetzkampagne gegen ihn startet – manches kommt einem leider sehr aktuell vor ...

Susanne Goga nimmt uns dieses Mal mit ins Zeitungsviertel Berlins, und wieder tauchen (nicht nur) in diesem Zusammenhang – einige bekannte Namen, wie Billie(y) Wilder oder Erich Maria Remarque, auf. Der Autorin gelingt es wieder gut, die Atmosphäre dieses Umfelds einzufangen, wie überhaupt die der damaligen Zeit. Neben dem Zeitungsmilieu spielt auch Obdachlosigkeit und Obdachlosenunterkünfte eine Rolle, sowie der zunehmende Nationalsozialismus. Im Nachwort kann man nachlesen, wer oder was fiktiv bzw. historisch belegt ist.

Auch Leos Privatleben spielt natürlich wieder seine Rolle, dieses Mal gibt es u. a. gute Nachrichten von Leos Schwester Ilse zu vermelden. Und auch Robert Walther, dessen Verhältnis zu Leo seit dem letzten Band sehr distanziert geworden ist, wird nicht vergessen.

Am Ende ist der Kriminalfall natürlich zufriedenstellend gelöst, als Leser:in konnte man gut miträtseln. Anderes bleibt offen, was aber passend ist, und vielleicht in weiteren Bänden noch einmal aufgenommen wird. Ich hoffe sehr, dass die Reihe bald weitergeht.

Leo Wechslers achter Fall führt ins Zeitungsmilieu, bietet einen interessanten Kriminalfall, fängt die Atmosphäre der damaligen Zeit gut ein, und ist, wie die ganze Reihe, wieder lesenswert.

Veröffentlicht am 02.07.2023

Lesenswerter Roman mit einer guten Botschaft

In all seinen Farben
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Robins Leben läuft gerade nicht so gut, sein Wunschtraum hat sich nicht erfüllt und die Beziehung zu seinem Freund Connor ist schwierig. Connor hat sich, im Gegensatz zu Robin, noch nicht geoutet, im Gegenteil, ...

Robins Leben läuft gerade nicht so gut, sein Wunschtraum hat sich nicht erfüllt und die Beziehung zu seinem Freund Connor ist schwierig. Connor hat sich, im Gegensatz zu Robin, noch nicht geoutet, im Gegenteil, sein Freundeskreis ist homophob, und hat es vor allem auf Robin abgesehen.

Als seine besten Freunde Natalie und Greg Robin an seinem 18. Geburtstag zu einer Dragshow einladen, ist das für ihn eine Offenbarung, er weiß nun, was er möchte und hat wieder eine Vorstellung von seiner Zukunft. Doch ganz so einfach macht es ihm sein Umfeld dann doch nicht.

Ich bin ein großer Drag-Fan, und so habe ich mich gefreut, einmal einen Roman zu lesen, der in diesem Umfeld spielt. Der Autor ist selbst Drag-Queen, der Roman somit auf gewisse Weise autobiographisch, wie man auch in Interviews lesen kann.

Mich haben vor allem die Szenen im Club unterhalten und berührt. Die verschiedenen, größtenteils fiktiven, Drag-Künstler im Roman haben mir gut gefallen. Auch Robin selbst mochte ich sehr gerne, ich konnte mich gut in ihn hineinversetzen, auch wenn seine Lebenswelt meiner doch sehr wenig gleicht. Der Autor hat ihn mir sehr nahegebracht und ihn lebendig werden lassen. Robin hat das Glück, einige gute Freunde und weitere Menschen zu haben, die ihm zur Seite stehen, und ihn so akzeptieren, wie er ist. Gern mochte ich auch Seth, einen neuen Schüler an Robins Schule, der seine eigenen Probleme mitbringt, aber auch eine Unterstützung für Robin sein kann.

Es gibt aber auch Szenen, die mich gestört, zum Teil auch geärgert haben, und das nicht nur, wenn Connor und seine Freunde aufgetauchen. Auch seine Vertrauenspersonen verändern sich im späteren Verlauf in meinen Augen negativ. Ich kann nicht nachvollziehen, warum auch sie Robin Steine in den Weg legen müssen bzw. ihm gegenüber weniger verständnisvoll auftreten. Für mich ist das tatsächlich ein Charakterbruch. Sicher hat auch Robin Fehler gemacht, aber das Verhalten dieser wichtigsten Menschen in seinem Leben erscheint mir hier sehr übertrieben. Womöglich sollte das Dramatik erzeugen, ist aber gar nicht nötig, Probleme gibt es ja sonst auch schon genug.

In meinen Augen hat es dem Roman nicht gut getan, aber auch nur wenig geschadet, denn er ist weiterhin lesenswert, und seine Botschaft von Selbstfindung, Akzeptanz und Toleranz bleibt bestehen – in diesem Zusammenhang finde ich auch den deutschen Titel sehr passend gewählt.

„In all seinen Farben“ ist ein Roman, dem ich viele Leser:innen wünsche. Hier wird die Lebenswelt einer queeren Person auf einfühlsame Weise dargestellt, aber auch Nöte und Ängste nicht ausgespart. Und man erhält einen guten Einblick in die Drag-Kunst.

Veröffentlicht am 18.06.2023

Lässt mich zwiegespalten zurück

Institut für gute Mütter
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Überfordert lässt Frida ihre 18 Monate alte Tochter Harriet zweieinhalb Stunden alleine zu Hause. Als sie wiederkommt, ist Harriet in Obhut genommen, ein Nachbar hat Frida angezeigt. Aufgrund eines neuen ...

Überfordert lässt Frida ihre 18 Monate alte Tochter Harriet zweieinhalb Stunden alleine zu Hause. Als sie wiederkommt, ist Harriet in Obhut genommen, ein Nachbar hat Frida angezeigt. Aufgrund eines neuen Gesetzes werden Frida die Elternrechte entzogen, ein Jahr lang muss sie nun, zusammen mit anderen Müttern, lernen, eine gute Mutter zu sein.

Selbst Mutter von – bereits erwachsenen – Kindern, war dieser Roman für mich ein Auf und Ab der Gefühle. Natürlich geht es gar nicht, was Frida gemacht hat, aber, was dann mit ihr gemacht wurde, geht ebenfalls nicht. Zusammen mit anderen Müttern wird sie regelrecht inhaftiert, das Anwesen von einem elektrischen Zaun umgeben, Kameras überall, in Uniformen gesteckt. Zum Üben erhält jede Mutter eine mit KI ausgestattete lebensechte Puppe, die dem jeweiligen Kind ähnelt. Der Kontakt zu ihren echten Kindern wird willkürlich gehandhabt, meistens eingeschränkt. Da fragt man sich schnell, wer den Kindern wirklich schadet.

Beim Lesen hat man dauernd ein ungutes Gefühl. Erzählt wird durchgehend aus Fridas Perspektive, was das ungute Gefühl noch verstärkt, man begleitet sie regelrecht durch ihre Verzweiflung, aber auch durch ihre Hoffnungen. Auch wenn Frida es als „schlechten Tag“ abtut, ihr Vergehen ist letztlich schlimmer als das mancher der anderen Mütter, mit denen sie nun zusammenlebt, und sie hätte wohl wirklich Hilfe gebraucht, nur eben auf eine andere Art, als sie hier bekommt.

Frida ist kein einfacher Mensch, und so sind auch meine Gefühle für sie nicht immer gleich, letztlich kommt sie mir nicht so nahe, wie ich mir das gewünscht hätte. Die meisten der anderen Mütter allerdings auch nicht. Das Personal der Anstalt überhaupt nicht, immerhin sind sie es, die die Willkür ausüben, die Mütter klein machen, und Dinge von ihnen verlangen, die oft fraglich und meistens kaum machbar sind. Muttersein wird hier als etwas dargestellt, das es gar nicht geben kann. Derweil werden die Kinder dieser Mütter, die man angeblich schützen will, bei Verwandten, oft aber auch bei Pflegeeltern untergebracht und ihnen der Kontakt zu ihrer Mutter genauso verwehrt, wie deren zu ihnen.

Der Roman ist eine Art Dystopie, etwas, was hoffentlich nie eintritt, hat aber auch eine ungute Aktualität, wenn man sich gesellschaftliche Entwicklungen anschaut, die leider im Moment oft eher rückwärtsgewandt wirken. Gut gefallen hat mir das Ende, denn es ist offen, und passt für mich sehr gut zum Rest der Geschichte.

Ich bin bei diesem Roman etwas uneins mit mir selbst. Natürlich hat er auf gewisse Weise meine Emotionen angesprochen, leider aber nicht immer für die Protagonistin, mir taten vor allem die Kinder (die echten wie die unechten) leid. Ich hätte mir eine andere Protagonistin gewünscht, mit der ich mehr hätte fühlen können. Andererseits lässt mich der Roman mit einem unguten Gefühl zurück, weil es derzeit (global) tatsächlich Tendenzen in eine ungute Richtung gibt. Außerdem: Mütter alleine auf ihr Muttersein zu reduzieren kann es einfach nicht sein, und nicht an allem ist die Mutter schuld. Wenn Jessamine Chan manche:n zum Nachdenken gebracht hat, hat der Roman schon einen Zweck erfüllt.

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