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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.05.2026

ein Highlight!

Das Signal
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Ich mochte alle Bücher, die ich bisher von Ursula Poznanski gelesen habe, total gerne. Aber dieses hier ist ein Jahreshighlight!
Nicht nur ist die Schreibweise wie gewohnt fesselnd, auch der Plot ist außergewöhnlich ...

Ich mochte alle Bücher, die ich bisher von Ursula Poznanski gelesen habe, total gerne. Aber dieses hier ist ein Jahreshighlight!
Nicht nur ist die Schreibweise wie gewohnt fesselnd, auch der Plot ist außergewöhnlich und packt einen total; und mir gefällt, wie aktuelle Technik eine große Rolle spielt. In diesem Fall: Highend GPS-Tracker.

Denn Viola Decker, die vor kurzem mit ihrem Mann Adam in ein neues, großes Haus mit Weinkeller an den Stadtrand von Wien gezogen ist, verliert bei einem Unfall im sanierungsbedürftigen Keller ein Bein.
Adam hat nach ihrer Rückkehr aus dem Spital eine Pflegerin organisiert; Olga wurde ihm von einer Bekannten empfohlen. Doch Viola kommt sich von Olga überwacht vor und nachdem sie nicht aus dem Haus kann, da sie auf Rollstuhl und Krücken angewiesen ist, bestellt sie aus Spaß kleine Tracker, um die Wege ihres Mannes zu verfolgen, damit sie auf diese Weise virtuell "aus dem Haus kommt" und so ein bisschen an seinem Leben - das ja weitergeht wie bisher - teilhaben kann.
Doch bald merkt sie: Adam belügt sie! Denn wenn er ihr erzählt, wo er war: die Tracker sagen etwas anderes.

Die gesamte Stimmung ist sehr beklemmend, man fühlt richtig mit Viola mit. Einerseits ihre Schmerzen und die Schwierigkeiten aufgrund des fehlenden Beins, dann die Überwachung durch die Pflegerin, die still und abweisend ist, und die gefühlte Bedrohung durch ums Haus schleichende Personen. Und dann ist da ja auch noch Adam, der sie anlügt.
Warum macht er das? Das psychologische Spiel, das Adam spielt, ist beklemmend.
Die Auflösung hat sich mir dann zwar mit der Zeit erschlossen, war dennoch authentisch und überzeugend.


Fazit:
Eine sympathische Protagonistin mit Handycap kämpft gegen das Psychospiel ihres Mannes. Ein Highlight!

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Veröffentlicht am 29.04.2026

ein außergewöhnlicher, spannender Plot

Giftiger Grund
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In dieser außergewöhnlichen Geschichte begleiten wir zwei junge Menschen, die irgendwann aufeinandertreffen: einerseits ist das der 26jährige Joran, der fast 7 Jahre im Gefängnis saß. Wegen einer Jugenddummheit, ...


In dieser außergewöhnlichen Geschichte begleiten wir zwei junge Menschen, die irgendwann aufeinandertreffen: einerseits ist das der 26jährige Joran, der fast 7 Jahre im Gefängnis saß. Wegen einer Jugenddummheit, durch die ungewollt ein Mensch verletzt wurde.
Und dann ist da Charu, die aus Geldmangel bei ihrer älteren Schwester eingezogen ist und ihr weniges Geld mit Social Media verdient: sie postet Aufnahmen von Sonnenaufgängen an Lost Places im Zeitraffer, dekoriert immer mit einer selbst gebastelten Glitzerkatze, ihrem Markenzeichen.

Als Charu genau jene Tankstelle für ihr nächstes Video auswählt, bei der vor 7 Jahren Joran das Pech ereilt hat, nimmt die Geschichte ihren Lauf.
Denn Joran, von seinem Vater verstoßen und ohne Glück in der Jobsuche, will in einem Schacht in der Nähe der Tankstelle nach dem Geld suchen (heiße 700 Euro), das er damals dort versteckt hat. Ohne zu ahnen, dass der Schacht bereits von seinem einen Freund "belegt" ist, der vor 7 Jahren mit dabei war. Und der von Marvin, dem dritten im Bunde von damals bereits, dort gefunden wurde.

Und Charu entdeckt auf ihren Aufnahmen ein kleines Mädchen, das mitten in der Nacht in die Waschanlage der Tankstelle kommt und es sich dort auf einer Matratze gemütlich macht. Wo sie auch Charus Glitzerkatze entdeckt und mitnimmt. Sie muss ständig an das Kind denken, und warum es mitten in der Nacht zu einer verlassenen Tankstelle geht.

Die Geschichte zieht einen so in ihren Bann, denn sie ist nicht nur lebendig und mitreißend geschrieben, mit einer durchgehend beklemmenden Atmosphäre, sondern hat auch so einen außergewöhnlichen Plot, der einem noch nie untergekommen ist.
Die Figuren sind auch alle so detailliert gezeichnet, wie es mir noch nicht oft untergekommen ist. Man kann sich in alle so gut hineinversetzen (auch in die unguten, leider.)
Charu hat es auch nicht leicht im Leben; sie musste gezwungenermaßen bei ihrer Schwester einziehen und hat Stress mit deren Freund. Ich fand soo traurig, als die Schwester ihr nicht geglaubt hat.
Aber ganz besonders habe ich mit Joran mitgefiebert, denn man bekommt an seinem Beispiel sehr gut vorgehalten, dass verurteilten Straftätern misstraut wird. Dass man ihnen nicht glaubt. Egal, wie gut und ehrlich sie es meinen. Und dass diese dann oft ungewollt (aber von der Umwelt dazu "gezwungen") doch wieder in alte Verhaltensmuster verfallen. Doch ich hätte ihn sooo gerne öfter mal geschüttelt: wach auf! Lass dir doch nicht alles gefallen! Verteidige dich (verbal)!
Zu Edda, dem kleinen Mädchen, bekommt man nur langsam Zugang. Sie verhält sich auch sehr abweisend - den Grund dafür erfährt man im Laufe der Geschichte.
Und dann entwickelt sich die Geschichte in eine Richtung, mit der ich nicht gerechnet hätte, und es gibt einen spannenden und actionreichen Showdown (und auch ein paar Leichen ;)
Nur den Schluss hätte ich mir ein klein wenig abgeschlossener gewünscht. Dennoch hat mich die Geschichte so gefesselt, dass ich unbedingt mehr von diesem Autor lesen möchte!


Fazit:
Diese Geschichte überzeugt mit einem spannenden und außergewöhnlichen Plot, lebendigen Charakteren und einer überraschenden Wendung am Schluss.

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Veröffentlicht am 27.04.2026

Zum runden Geburtstag eine Leiche

Mordseeparty
5

Der 40. Geburtstag von Caro Falk steht an, und dafür ist eine große Party geplant! Sogar ihre Schwestern reisen schon eine Woche vorher an - und zwar genau an dem Tag, an dem eine nackte männliche Leiche ...

Der 40. Geburtstag von Caro Falk steht an, und dafür ist eine große Party geplant! Sogar ihre Schwestern reisen schon eine Woche vorher an - und zwar genau an dem Tag, an dem eine nackte männliche Leiche auf der Seehundbank vor dem Nordstrand gefunden wird.
Klar, dass Caro und Jan wieder ermitteln; sehr zum Missfallen von Kommissar Bachmann, der jedoch in jedem Band etwas mehr auftaut. Ich denke, Caro und er können tatsächlich irgendwann sowas wie Freunde werden!
Schnell stellt sich heraus, dass der Tote Uwe Petersen ist, ein auf der Insel verhasster Borkumer, der nach einer schlimmen Kindheit ganz aus eigener Kraft ein erfolgreicher Geschäftsmann wurde, doch kürzlich in Insolvenz gehen musste.
Er wurde eigentlich von allen Insulanern gehasst, denn er war unhöflich, arrogant, egoistisch und auch gewalttätig; vor allem Frauen gegenüber; auch seinen Angestellten. Der Fund auf der Seehundinsel ist auch sehr aussagekräftig, denn er wurde mal beschuldigt, die Seehunde vergiftet zu haben.
Somit bekommt man eine große Menge Tatverdächtiger (sowohl männlich, als auch weiblich) präsentiert. Man selbst schwenkt immer von einer/m Verdächtigen zur/m nächsten, denn viele hatten ein stichhaltiges Motiv.

Ich fand das Buch wieder toll, der Schreibstil ist so lebendig und mitreißend, und die Einschübe aus Tätersicht (auch gleich im Prolog) sind wieder spannend, aus denen man sich trotzdem keinen Reim machen kann.
Leider fand ich diesmal das Hin- und Her zwischen Caro und Jan etwas zäh - gerade aus Sicht von Caro! Denn ihre Schwester Conny findet Jan toll und flirtet viel mit ihm. Was Caro zwar nicht passt, aber trotzdem ist sie sich immer noch nicht (!!) über ihre Gefühle Jan gegenüber sicher.
Caros Gedanken übers Älterwerden konnte ich nachvollziehen, die hatte ich vor dem 40er auch. Aber ich finde sehr gut, dass sie zu dem richtigen Ergebnis kommt: die inneren Werte zählen! (und auf Borkum hält eine aufwändige Frisur im starken Inselwind sowieso nicht ;)

Toll finde ich auch die Zeichnung des Opfers: ein Mann, der auf der ganzen Insel nicht gemocht bzw. sogar gehasst wird; der eine schwere Kindheit hatte, von den anderen Kindern gemobbt wurde; auch in beruflicher Hinsicht hat er sich alles erarbeiten müssen, wurde sehr erfolgreich, um dann plötzlich vor dem Nichts zu stehen.
Ich kann die negativen Gefühle der anderen Inselbewohner nachvollziehen: auch wenn Uwe Petersen mir richtig leid tut, was er als Kind erleben musste, aber wie er sich als Erwachsener verhalten hat, geht gar nicht.
Leider hat mich die Auflösung bzw. das Motiv für den Mord nicht so ganz überzeugen können.


Fazit:
In Band 7 feiert Caro runden Geburtstag und ist zuvor mal wieder live bei einem Leichenfund dabei. Die sympathischen Protagonisten, die süße Hündin Aila, der lebendige Schreibstil, die Urlaubsatmosphäre und der Humor dieser Reihe überzeugen! Die Auflösung hat mich leider nicht ganz abholen können.

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Auftakt der humorvollen Reihe um Frankensteins Urururenkelin

Little Miss Frankenstein - Alpaka oder Lama, Hauptsache Drama!
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Die Geschichte um Frankensteins Monster ist wohl jedem bekannt; und hier wird dieses Thema witzig und kindgerecht aufgearbeitet, und zwar in Form von Nelly - Penelope Frankenstein, die 12jährige Ur-ur-ur-Enkelin ...

Die Geschichte um Frankensteins Monster ist wohl jedem bekannt; und hier wird dieses Thema witzig und kindgerecht aufgearbeitet, und zwar in Form von Nelly - Penelope Frankenstein, die 12jährige Ur-ur-ur-Enkelin DES berühmten Dr. Frankensteins. Auf deren Familie natürlich seitdem ein Trauma liegt.
Grusel kommt auch noch hinzu, denn Nelly lebt mit ihren Eltern auf einem etwas abgelegenen Schloss, in dem es spukt.
Bis eines Tages eine von Nellys Erfindungen - dann doch klappt (naja, zumindest teilweise so, wie sie sich das vorgestellt hat): sie hat ihr rotbraunes Lieblings-Alpaka von der Weide nebenan wiederbelebt, indem sie es im Gewitter unter eine Eiche gezogen hat, in die dann auch der Blitz eingeschlagen hat. Juhu, es hat geklappt! Das Alpaka lebt wieder! Doch womit Nelly nicht gerechnet hat: das Tier kann nun plötzlich sprechen!
Es heißt Montserrat und möchte stäääändig Kokos-Limetten-Cocktails haben, das ist nämlich Montserrats Lieblingsgetränk. Klar, dass mit einem aufgeweckten, tollpatschigen und dauer-plappernden Alpaka sehr viel Chaos entsteht! Ich mag Montserrats lustigen und chaotischen Charakter und ihren trockenen Humor total gerne!
Und auch klar, dass Nellys Eltern alles andere als begeistert sind, denn sie wollen überhaupt nicht, dass Nelly Dinge erfindet (aus Angst vor dem, was in der Vergangenheit passiert ist - was man ja auch irgendwie nachvollziehen kann). Doch Nelly erfindet keine schlechten oder bösen Dinge, nur ihre Erfindungen funktionieren halt leider nie so, wie sie sich das vorgestellt hat.
Sehr witzig sind die Einschübe ihres Erfinderinnen-Tagebuchs, die - ebenso wie die restliche Geschichte - mit lustigen Illustrationen geschmückt sind. Natürlich gehen viele Erfindungen schief, nichts klappt so, wie sie sich das vorgestellt hat. Dabei sollten diese Dinge doch ihres und das Leben ihrer Eltern erleichtern, zB der Hausaufgabenstift oder die magische Wäscheleine.
Dann sind da noch Nellys beste Freunde Lou und Jamal, die sich wegen des Geistes nicht auf ihr Schloss trauen. Doch die beiden halten immer zu ihr, besonders als Montserrat in Gefahr gerät. Gemeinsam sind sie nämlich die Kokos-Limetten-Gang!
Tja und der Geist... ohne Montserrat hätten sie wohl nie erfahren, warum er im Schloss spukt! Ich freue mich schon sehr auf die Fortsetzung!
Die Themen Freundschaft, Familie, Hilfsbereitschaft und Mut sind wesentliche Themen in dieser Geschichte - und sich so zu lieben, wie man ist und das beste aus sich herausholen zu wollen.


Fazit:
Ein klassisches Thema humorvoll und kindgerecht umgesetzt; mit witzigen Illustrationen. Nelly ist ein tolles Mädchen, aber Alpakadame Montserrat ist einfach göttlich!

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Veröffentlicht am 08.04.2026

historisch detaillierter, bewegender Krimi im Nachkriegsberlin

Die weiße Nacht
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Berlin, Dezember 1946: Die Fotografin Marielouise Faber, von allen nur Lou genannt, findet bei ihren morgendlichen Spaziergängen durch das zerstörte, winterliche Berlin, auf der Suche nach Fotomotiven, ...


Berlin, Dezember 1946: Die Fotografin Marielouise Faber, von allen nur Lou genannt, findet bei ihren morgendlichen Spaziergängen durch das zerstörte, winterliche Berlin, auf der Suche nach Fotomotiven, eine weibliche Leiche in einer Ruine. Die Hände wie zum Schlaf gefaltet.
Kriminalkommissar Alfred König, der kürzlich erst zum Leiter der neu gegründeten Kriminalpolizei ernannt wurde, benötigt zur Aufklärung des Falls Lous Fotos.
Und es tauchen noch weitere Leichen auf.

Der Schreibstil ist so mitreißend, vor allem die Atmosphäre nach dem Krieg ist so lebendig dargestellt und ausführlich beschrieben, dass der Fall der ersten toten Frau total in den Hintergrund rückt. Das hat mich überhaupt nicht gestört, denn ich konnte mich so gut in das Nachkriegs-Berlin hineinversetzen! Man friert und hungert mit den Bewohnern Berlins, denn es gibt kaum etwas zu essen. Selbst mit Lebensmittelmarken erhält man fast nichts. Der Strom geht nur sporadisch, es ist klirrend kalt, sämtliche Bäume wurden schon gefällt und sogar in den Wohnungen ist es kalt.
Das zerstörte Berlin ist auch bildlich beschrieben mit den zerfallenen Ruinen, dazwischen einige intakte Häuser. Und überall darauf weißer Schnee. Und die vielen Suchtexte nach Verwandten und Bekannten. Man spürt richtig die Trostlosigkeit, und dass kaum jemand Hoffnung hat.
Der Schwarzmarkt hingegen blüht, und dort lernt man den wiffen Lauser Justus kennen, der mit amerikanischen Lucky Strikes handelt. Justus hab ich sofort in mein Herz geschlossen!
Lou natürlich auch, sie ist eine willensstarke Frau und hat ihr Herz am rechten Fleck. Genau deshalb geht ihr die Tote, und besonders deren Haltung bei der Aufbahrung in der Ruine, nicht mehr aus dem Kopf, und sie will König unbedingt helfen, den Fall zu lösen. Sie findet auch viele Puzzlestückchen, da sie die Leute im Grätzel kennt.
König hat zwar Macken, die aber nicht verwunderlich sind bei seiner Vergangenheit. Die Wege der beiden kreuzen sich auch so immer wieder.
Wobei ehrlich gesagt Lous Mitarbeit gar nicht nötig gewesen wäre, denn König ist auch auf die Lösung gekommen, als Lous Hinweise ihn nicht erreicht haben. Trotzdem war die Zusammenarbeit der beiden wundervoll zu verfolgen.
Die Auflösung ist sooo traurig, authentisch, bewegend und nachvollziehbar. Ich kann den Grund für die Taten tatsächlich verstehen.
Man kann in diesem Buch zwar nicht richtig Täter und Motiv miträtseln, ist aber beim Aufdecken der einzelnen Puzzlestückchen dabei und ich fand es sehr spannend und realistisch.
Das Einzige, was mich etwas gestört hat (und deshalb auch der halbe Stern Abzug) ist, dass sehr oft Königs Gedanken über seine Vergangenheit und seine Schuldgefühle wiederholt wurden.


Fazit:
Eine authentische und lebendige Zeichnung des klirrendkalten Winters 1946 im Nachkriegsberlin; zwei sympathische Protagonisten; ein authentischer und bewegender Fall. Ich freue mich schon auf eine Fortsetzung!

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