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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.05.2022

Nicht das erwartete Sommer-Highlight

Ein französischer Sommer
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Ich hatte ein Buch erwartet, dass sich in eine Reihe mit "Bonjour Tristesse" stellen kann, aber da waren meine Erwartungen wohl leider zu hoch bzw. "Ein französischer Sommer" konnte dem nicht mal annährend ...

Ich hatte ein Buch erwartet, dass sich in eine Reihe mit "Bonjour Tristesse" stellen kann, aber da waren meine Erwartungen wohl leider zu hoch bzw. "Ein französischer Sommer" konnte dem nicht mal annährend gerecht werden. Inhaltlich stehen die Studentin Leah und der erfolgreiche ältere Schriftsteller Michael, der in Leah eine neue Assistentin gefunden hat - aber nicht aufgrund ihrer Qualitäten, sondern weil sie ihn an jemanden erinnert. Wie erwartet ist das Verhältnis zwischen den beiden kein reines Arbeitsverhältnis und als Leah Michael und seine Familie in ein Ferienhaus an die französische Küste begleitet, kommt auch noch ein großes Geheimnis dazu.

Die ersten Seiten haben mir eigentlich ganz gut gefallen, die Sprache war angenehm, der Inhalt interessant. Aber schon sehr schnell wurde mir alles zu zäh, zu viele Nebenstränge und Nebencharaktäre, die einfach keine Rolle spielten und mich auch nicht weiter interessiert haben. Michael ist als Protagonist einfach nur unsympathisch, zum Teil fast von abstoßend in seinen Gedanken und Handlungen, was ich an sich gar nicht schlimm finde, ich mag unsympathische Figuren, gestört hat es mich nur, weil ich eine andere Erwartung an ihn gehabt habe.

Für einen Feel-Good-Sommerroman ist das Buch leider zu zäh und zu gewollt literarisch und um wirklich literarisch interessant zu sein, war es mir zu belanglos. Irgendwie war es weder Fisch noch Fleisch und ich konnte keine richtige Verbindung zu der Handlung aufbauen. Cover und Klappentext haben da definitiv mehr versprochen als der Inhalt zu bieten hatte und dementsprechend hat mich das Buch leider eher enttäuscht zurückgelassen.

Veröffentlicht am 01.05.2022

Klassiker in tollem Gewand

Die Forsyte Saga
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Viel zu lange bin ich um die „Forsyte-Saga“ herumgeschlichen und hab mich nicht wirklich an dieses Mammutwert herangetraut. Ein Grund dafür war definitiv der Umfang, umso erfreuter war ich, dass die neue ...

Viel zu lange bin ich um die „Forsyte-Saga“ herumgeschlichen und hab mich nicht wirklich an dieses Mammutwert herangetraut. Ein Grund dafür war definitiv der Umfang, umso erfreuter war ich, dass die neue Reclam-Ausgabe in drei handliche Bücher unterteilt ist. Dadurch hat es auf mich nicht mehr ganz so erschlagend gewirkt und ich hatte auch gezielte Stellen, an denen ich eine kleine Lektürepause einlegen und etwas leichtere Kost einschieben konnte. Das hat mir wirklich gut gefallen! Generell ist diese Ausgabe im Schuber ein kleiner Augenschmaus mit Lesebändchen und Stammbaum, die insgesamt sehr wertig daherkommt, also perfekt zu so einem Klassiker passt und das Lesen dadurch noch ein bisschen schöner macht.

John Galsworthy wurde für dieses Machwerk damals mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet und ich finde, zu Recht! Das Buch atmet den Zeitgeist der damaligen Jahrhundertwende und lässt diese Zeit und ihre Gesellschaft unglaublich realistisch vor dem Auge des Lesers entstehen.

Im Fokus stehen dabei ganz klar die Charaktere der Geschichte. Über mehrere Generationen hinweg begleiten wir die Familie Forsyte, lieben und leiden mit ihr und werden Zeuge ihres schleichenden Verfalls, der auch vor den Nachkommen keinen Halt macht. Der Stammbaum war hier wirklich eine große Hilfe, um den Überblick nicht zur verlieren, weil die Familie sehr umfangreich ist und gerade, wenn man, so wie ich, zwischen den einzelnen Büchern eine kleine Pause einlegt, hilft er sehr.

Das Ganze geht mit ordentlich Drama und jeder Menge Tragödien einher, jedoch im Erzähltempo der damaligen Zeit – das erzählerische Tempo von Downton Abbey, darf man hier natürlich nicht erwarten, alles entwickelt sich deutlich gemächlicher, übt aber gerade deshalb einen ganz besonderen Sog aus. Es ist ein Schmöker, aber einer für den man ein bisschen Konzentration braucht, der sich aber für einen Klassiker doch recht süffig liest.

Insgesamt bin ich sehr froh, dieses Werkt mit der neuen Ausgabe endlich angegangen zu sein. Ein tolles Stück Literatur und Zeitgeschehen, das ein bisschen Zeit und Konzentration braucht, das sich aber definitiv lohnt.

Veröffentlicht am 06.04.2022

Ein ganz spezieller Humor

New York und der Rest der Welt
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"New York und der Rest der Welt" ist eine humoristische Sammlung verschiedenster Textgattungen. Da gibt es Fragebögen, Aufzählungen, Gedankenspiele, Typisierungen und und und. Allein schon diese Vielfalt ...

"New York und der Rest der Welt" ist eine humoristische Sammlung verschiedenster Textgattungen. Da gibt es Fragebögen, Aufzählungen, Gedankenspiele, Typisierungen und und und. Allein schon diese Vielfalt an Textformen macht Freude. Das war auch der Punkt, der es für mich am interessantesten gemacht hat, weil ich immer neugierig war, was als nächstes kommt.

Inhaltlich geht es genauso bunt zu, auch wenn natürlich New York im Fokus steht, aber auch von allem anderen ist genug dabei. Fran Lebowitz hat ihren ganz eigenen Schreibstil, sehr sarakastisch, teilweise fast schon böse, nicht immer lustig, aber immer öfter. Ein bisschen hat es mich stellenweise sogar an den Humor von Loriot erinnert, wenn gerade einmal wieder stark überzeichnet wurde.

Für mich ist es ein Buch zum immer mal wieder in die Hand nehmen und blättern und weniger eins, das man in einem Rutsch durchliest. Das habe ich versucht, habe dabei aber schnell gemerkt, dass die Texte sich dafür dann vielleicht im Stil doch zu ähnlich sind. Ich glaube, isoliert wirken sie einfach besser und machen mehr Spaß.

Veröffentlicht am 06.04.2022

Hollywoods Abgründe

Die sieben Männer der Evelyn Hugo
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Monique Grant kann es nicht fassen, dass Evelyn Hugo, eine der größten Filmikonen, ausgerechnet ihr, ihre Lebensgeschichte erzählen möchte. Und so breitet die Schauspielerin ihr schillerndes und manchmal ...

Monique Grant kann es nicht fassen, dass Evelyn Hugo, eine der größten Filmikonen, ausgerechnet ihr, ihre Lebensgeschichte erzählen möchte. Und so breitet die Schauspielerin ihr schillerndes und manchmal so ganz und gar nicht glamouröses Leben aus und lässt uns in ihre Untiefen abtauchen.

Das Buch ist in sieben Teile, benannt nach den sieben Ehemännern von Evelyn, unterteilt. Innerhalb dieser Teile wechselt die Erzählperspektive zwischen Evelyn und Monique, beide erzählen in der Ich-Form, dabei gelingt es der Autorin grandios beiden eine so eigene Stimme zu geben, dass eine Verwechslung ausgeschlossen ist.

Evelyns Leben ist wild und chaotisch, es war jede Menge los auf ihrem Weg an die Spitze Hollywoods, aber im Zentrum stand eigentlich immer ihre große Liebe und die ist auch der Dreh- und Angelpunkt des Romans. Wer das ist, verrate ich natürlich nicht, aber es ist eine ganz tolle, rohe und leidenschaftliche Liebe, die mir sehr gut gefallen hat.

Es war immer wieder erschreckend zu sehen, mit was für Hindernissen Evelyn zu kämpfen hatte. Fast immer waren es Menschen, die sie zu unrecht schlecht behandelt haben. Das war manchmal harter Tobak, aber Evelyn ist so eine starke Figur, dass ich mit ihr beim Lesen alles bestehen konnte. Diese Stärke hat mir wirklich gut gefallen.

Das Setting Hollywood und die Filmwelt hat mir wirklich super gefallen. Die Autorin lässt hier eine ganz eigene Welt entstehen, von der man teilweise nur hoffen kann, dass sie heute anders funktioniert, was ich aber befürchte, nicht wirklich der Fall sein wird.

All in all - hat mir dieses Buch ein paar sehr unterhaltsame und vergnügliche Lesestunden bereitet.

Veröffentlicht am 25.03.2022

Gefangen im gläsernen Palast

Die Kinder sind Könige
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Wieder einmal hat Delphine de Vigang es geschafft, ein aktuelles Thema in einen spannenden Roman umzuwandeln. Dieses Mal stehen Kinder-Influencer im Fokus, die von ihren Eltern schon mit sehr jungen Jahren ...

Wieder einmal hat Delphine de Vigang es geschafft, ein aktuelles Thema in einen spannenden Roman umzuwandeln. Dieses Mal stehen Kinder-Influencer im Fokus, die von ihren Eltern schon mit sehr jungen Jahren vor die Kamera gestellt werden und die ähnlich wie in der Truman-Show in aller Öffentlichkeit aufwachsen. In diesem Buch sind das die Geschwister Jimmy und Kimmy, deren Mutter Melanie ihnen sehr früh mit einem YouTube-Kanal zu Berühmtheit verholfen hat. Doch dann verschwindet Kimmy plötzliche und die Polizei steht vor der großen Herausforderung ein Kind zu suchen, von dem eine anonyme Masse private Einblicke kennt.

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Melanie und der Polizistin Clara erzählt, was es sehr spannend macht, da wir so einmal die Seite der verzweifelten Eltern und gleichzeitig die Suche bei der Polizei mitbekommen. Die Handlung verläuft stringend, macht aber große Sprünge zurück in die Vergangenheit und wir erfahren, wie Melanie zu ihrer Internetberühmtheit gekommen ist und wie Clara zur Polizeit kam. Zwischen den Kapiteln gibt es immer einen Auszug aus den Polizeiakten, was wirklich spannend zu lesen war. Wie immer hat mich auch De Vigangs Schreibstil wieder begeistert, recht nüchtern und klar, aber gleichzeitig auch fesselnd.

Das Thema ist wirklich wichtig und gleichzeitig auch sehr schockierend. Natürlich war mir die Thematik vorher schon bekannt, aber ich glaube, dass ich erst durch dieses Buch die Tragweite, die eine solche Darstellung im Netz für die Kinder haben kann, begriffen habe. De Vignag schafft es grandios, das Gefühl von Erschöpfung und Druck, Erfolg und Einsamkeit darzustellen und ich habe, vor allem auf der Gefühlsebene, viel dazugelernt.

"Die Kinder sind Könige" ist ein hochaktueller Roman, der auf einen Missstand aufmerksam macht, dem bedeutend mehr Beachtung geschenkt werden sollte. Vielleicht kann dieses Buch ja ein bisschen dazu beitragen, es wäre wünschenswert.