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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.05.2019

Ein schöner Sommerroman

Der Wind nimmt uns mit
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Inhalt: Maya, 32, ist Reisebloggerin und reist um die ganze Welt. Ihr Ziel ist es, in einem Jahr 52 verschiedene Länder gesehen zu haben. Nur nach La Gomera will sie auf keinen Fall, denn dort lebt ihre ...

Inhalt: Maya, 32, ist Reisebloggerin und reist um die ganze Welt. Ihr Ziel ist es, in einem Jahr 52 verschiedene Länder gesehen zu haben. Nur nach La Gomera will sie auf keinen Fall, denn dort lebt ihre Adoptivmutter Karoline mit der sie nichts mehr zu tun haben will, denn Karoline hat Maya verschwiegen, dass sie nicht ihr leibliches Kind ist. Nur durch einen Zufall hat Maya diese für sie unverzeihbare Lüge aufgedeckt. Doch dann wird sie nach einem One-Night-Stand ungewollt schwanger und macht sich auf die Suche nach Tobi, dem Vater des ungeborenen Kindes, der sich ausgerechnet auf La Gomera aufhält... Meine Meinung: Durch den leichten und angenehmen Schreibstil von Katharina Herzog fällt ein Eintauchen in das Buch leicht. Sie erzählt die Geschichte auf zwei verschiedenen Zeitebenen, was mir gut gefallen hat. Dass Mayas Geschichte etwas vorhersehbar ist, hat mich nicht gestört. Durch Karolines Erlebnisse in der Vergangenheit wird Stück für Stück erklärt, warum sie auf La Gomera wohnt und wie es damals zu Mayas Adoption kam. Ich mochte Karoline sehr gern, vielleicht sogar lieber als Maya, denn Mayas Lebenseinstellung hat mir nicht gefallen. Auch konnte ich ihr Vorhaben, Tobi so dringend zu suchen, um ihm von dem Kind zu erzählen, nicht nachvollziehen, da ihr Entschluss feststand, das Kind nicht zu bekommen. Deshalb wurde Maya mir sympathischer, als sie sich im Laufe der Geschichte insgesamt positiv weiterentwickelt hat. Die skurrilen Künstler und Aussteiger auf La Gomera waren mir leider etwas zu überzogen beschrieben, auch wenn sie mich manchmal schmunzeln ließen.

Fazit: „Der Wind nimmt uns mit“ ist ein leichter und angenehm zu lesender Sommerroman, eine kleine Reise nach La Gomera, mit schönen und Fernweh erzeugenden Beschreibungen der Insel, der mich trotz kleiner Kritikpunkte gut unterhalten hat.

Veröffentlicht am 25.04.2019

Ein Wohlfühlroman

Das Honigmädchen
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Meine Meinung: Wie auch in Claudia Winters anderen Romanen spielt auch „Das Honigmädchen“ in einem wunderschönen Setting. Durch die bildhafte Erzählweise konnte ich mir das kleine Dörfchen Loursacq mit ...

Meine Meinung: Wie auch in Claudia Winters anderen Romanen spielt auch „Das Honigmädchen“ in einem wunderschönen Setting. Durch die bildhafte Erzählweise konnte ich mir das kleine Dörfchen Loursacq mit Henris Haus, Grundstück und den Bienenstöcken, richtig gut vorstellen. Ich konnte das Summen der Bienen beim Lesen hören und den Duft des Honigs, der Lavedelfelder und Manons Köstlichkeiten in der Küche riechen. Auch die eigensinnigen, aber durchaus liebenswerten Bewohner des Dorfes, mit ihren Stärken und Schwächen, ihrem Humor und ihrem (im wahrsten Sinne des Wortes) Kampfgeist, werden glaubhaft und warmherzig beschrieben. Besonders der knurrige Henri ist mir schnell ans Herz gewachsen. Aber auch die drei deutschen Protagonisten, Camilla, Marie und Tobias, sind Sympathieträger, obwohl mir Maries Verhalten zuerst etwas zu übertrieben war. Es war schön, ihre langsame Entschleunigung des hektischen Lebens in Deutschland mitzuerleben und ich wäre gerne dabei gewesen.
Dieser Wohlfühl-Sommer-Urlaubsroman ist nicht nur eine Liebesgeschichte zwischen Mann und Frau, sondern handelt vorrangig um die Liebe zwischen Mutter und Tochter. Aber auch die Liebe zu den Bienen kommt nicht zu kurz, was ich sehr interessant fand.

Veröffentlicht am 25.04.2019

Mord auf Föhr

Kalte See
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Inhalt: Mitten in der Hochsaison wird auf der Insel Föhr die erdrosselte Leiche einer jungen Frau gefunden. Kommissar Krumme und seine junge Assistentin Pat werden aus Husum zur Verstärkung der Polizei ...

Inhalt: Mitten in der Hochsaison wird auf der Insel Föhr die erdrosselte Leiche einer jungen Frau gefunden. Kommissar Krumme und seine junge Assistentin Pat werden aus Husum zur Verstärkung der Polizei angefordert. Um die vielen Touristen auf der Insel nicht in Panik zu versetzen, ermitteln sie sehr diskret. Zu Krummes Überraschung taucht plötzlich sein Freund Harke auf, der auf seine eigene, ungewöhnliche Weise versucht zu helfen.

Meine Meinung: „Kalte See“ ist bereits der dritte Fall (von insgesamt fünf) von Kommissar Krumme, den ich gelesen habe. Obwohl jeder Fall in sich abgeschlossen ist, ist es sicher von Vorteil, schon etwas Vorwissen zu den Charakteren zu haben. Zudem sollte man darauf gefasst sein, dass etwas leicht Übersinnliches eine Rolle spielt.
Das Buch beginnt sofort mit der Krimihandlung und so bekommt der Leser auch Einblick in die früheren Taten des Mörders. Auch im weiteren Verlauf der Geschichte wechselt die Perspektive zwischen Täter und Ermittler. Das macht die Handlung temporeich. Auch durch den leichten, flüssigen und angenehmen Schreibstil, sowie durch Krummes teilweise humorvolle private Episoden, lassen sich die knapp 350 Seiten des Buches fast schon zu schnell lesen. Krumme ist ein schon etwas älterer und knurriger Ermittler, der aber trotzdem sehr liebenswert ist und sein Herz am rechten Fleck hat. Auch die anderen, schon bekannten Charaktere, werden vom Autor warmherzig und sympathisch beschrieben.

Fazit: Ein solider Nordsee-Krimi mit bekannten Charakteren und Insel-Feeling. Ich freue mich schon auf Krummes nächsten Fall.

Veröffentlicht am 19.04.2019

Zwei Frauen

Das Leuchten jenes Sommers
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Inhalt: August 1939. Die 16-jährige Maddy lebt zurückgezogen auf dem alten, malerisch gelegenen Anwesen Summerhill in Cornwall. Seitdem sie und ihre sechs Jahre ältere Schwester Georgiana schon früh zu ...


Inhalt: August 1939. Die 16-jährige Maddy lebt zurückgezogen auf dem alten, malerisch gelegenen Anwesen Summerhill in Cornwall. Seitdem sie und ihre sechs Jahre ältere Schwester Georgiana schon früh zu Waisen geworden sind, führt eine Tante den Haushalt. Doch für Maddy ist Georgiana seit vielen Jahren schon Mutterersatz und beide Schwestern lieben sich sehr. Aber als Georgiana von einer längeren Reise zurückkehrt und ihren neuen Freund Victor mitbringt, scheint sich das Verhältnis der Schwestern zu ändern.
Siebzig Jahre später erhält die junge Fotografin Chloe den Auftrag, Maddy, die inzwischen eine bekannte Kinderbuchautorin ist, zu fotografieren. Gegen den Willen ihres Mannes fährt Chloe nach Summerhill und ist fasziniert von der alten Dame. Nach und nach erfährt sie von ihr Einzelheiten von den Erlebnissen jenes ereignisreichen Sommers vor so langer Zeit.

Meine Meinung: Nikola Scott erzählt die Geschichte auf zwei verschiedenen Zeitebenen, die mir beide von Anfang an richtig gut gefallen haben. Auch Maddy und Chloe mochte ich sofort sehr gerne. Sie haben einige Gemeinsamkeiten: Beide Frauen sind sehr früh zu Waisen geworden und haben eine Schwester / bzw. einen Bruder, an der / dem sie sehr hängen und beide haben Probleme mit einem dominanten Mann. Die vorsichtige Annäherung dieser beiden Frauen fand ich sehr schön zu lesen. Vor allem Chloe gewinnt durch ihre Zeit mit Maddy immer mehr Selbstsicherheit und Stärke. Sie stammt aus einfachen Verhältnissen und hat einen schwerbehinderten Bruder, dessen Lebensdauer leider stark begrenzt ist. Seit zwei Jahren ist sie mit dem gut verdienenden Arzt Aidan verheiratet und hat gerade erfahren, dass sie schwanger ist. Doch glücklich ist sie darüber nicht, denn Aidan schränkt sie mit seiner besitzergreifenden und erdrückenden Liebe stark ein.
Maddy, deren Geschichte in der Ich-Form erzählt wird, ist immer noch von dem schrecklichen Unfalltod ihres Vaters, den sie mitangesehen hat, traumatisiert. Sie freut sich sehr auf Georgianas Rückkehr und ist nicht gerade begeistert über den überraschenden Besuch. Bald geschehen Dinge, die das Verhältnis der Schwestern stark beeinflussen.
Ich finde den Schreibstil von Nikola Scott absolut fesselnd und mitreißend. Beide Geschichten sind spannend und dramatisch und in Maddys Geschichte gibt es auch noch eine interessante Nebenhandlung.

Fazit: Für mich war „Das Leuchten jenes Sommers“ ein echter Pageturner und hat mir sogar noch besser gefallen als der erste Roman der Autorin "Zeit der Schwalben" (und den fand ich schon toll!)

Veröffentlicht am 15.04.2019

Luzies Tagebuch

Die Fliedertochter
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Inhalt: Berlin 1936. Luzie Kühn ist Halbjüdin und wächst nach dem Tod ihrer Eltern bei ihren liebevollen jüdischen Großeltern auf. Um in Nazi-Deutschland nicht als Halbjüdin enttarnt zu werden, flüchtet ...

Inhalt: Berlin 1936. Luzie Kühn ist Halbjüdin und wächst nach dem Tod ihrer Eltern bei ihren liebevollen jüdischen Großeltern auf. Um in Nazi-Deutschland nicht als Halbjüdin enttarnt zu werden, flüchtet Luzie zu Verwandten nach Österreich. Sie träumt von einer Karriere als Sängerin. Doch schon bald ändert sich in Österreich die politische Lage und auch in Wien ist Luzie nicht mehr vor den Nazis sicher.
Berlin 2018. Paulina Wilke wird von ihrer großmütterlichen Freundin Antonia gebeten, für sie ein Erbstück aus Wien abzuholen. Dieses Erbstück entpuppt sich als das Tagebuch von Luzie Kühn und bald wird Paulina von den Einträgen so sehr in den Bann gezogen, dass sie sich Luzie sehr nah fühlt.

Meine Meinung: Zu diesem Buch gibt es fast nur positive Rezensionen, aber ich habe tatsächlich über hundert Seiten gebraucht, mich mit der Geschichte, dem Erzählstil und auch den Protagonisten anzufreunden. Doch ganz allmählich zog mich dann doch die dramatische und spannende Geschichte in der Vergangenheit völlig in ihren Bann. Die Situation in Österreich und Luzies Erlebnisse sind erschreckend und beklemmend. Es ist Teresa Simon gut gelungen, historische Ereignisse und Informationen in die Geschichte einfließen zu lassen. Luzie führt in Wien ein für die Zeit ziemlich unkonventionelles Leben, fällt dadurch auf und macht sich angreifbar. Doch zum Glück gibt es auch tolle Menschen, die fest zu ihr halten, obwohl sie so selbst in Gefahr geraten könnten. Die Geschichte in der Gegenwart fand ich dagegen schwächer und teilweise zu konstruiert.
Nicht alle Charaktere haben mir von Anfang an gefallen, vor allem Moritz und Belá mochte ich nicht. Auch Luzie war mir zuerst nicht besonders sympathisch, aber je mehr sie erlebte, desto lieber mochte ich sie und konnte mitfühlen. Luzies Großeltern, den katholischen Priester, Marie und Peter fand ich sofort sympathisch.

Fazit: Eine Geschichte, die nach einiger Zeit rasant an Fahrt zunimmt und unter die Haut geht. Teresa Simon schildert in unterhaltsamer Romanform erschreckende und erschütternde Kriegsgeschehnisse sehr glaubhaft.