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Veröffentlicht am 04.01.2021

Zeitreisen per Labyrinth

Lea und das Labyrinth der Zeit
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Die 14-jährige Lea muss in den Ferien zu ihrer Tante und ihrem Onkel auf das Land fahren, obwohl sie doch viel lieber bei der Einweihung des neuen Jugendclubs gewesen wäre. Der Urlaub wird für sie erst ...

Die 14-jährige Lea muss in den Ferien zu ihrer Tante und ihrem Onkel auf das Land fahren, obwohl sie doch viel lieber bei der Einweihung des neuen Jugendclubs gewesen wäre. Der Urlaub wird für sie erst interessant, als sie erfährt, dass ein Wolf gesichtet wurde.

Das Buch liest sich gemischt --- Leas Kommunikation mit ihrer besten Freundin Sarah per Smartphone liest sich flüssig, die anderen Teile dagegen lesen sich sehr träge. Der Spannungsbogen im Buch folgt zwar dem üblichen Auf und Ab, aber einige Teile der Handlung erscheinen mir nachträglich eingeflickt zu sein, um die Spannung zu erhöhen. Sie sind leider nicht mit der Geschichte verwoben und wirken daher wie Fremdkörper. Auch erscheinen die einzelnen Charaktere ziemlich flach und zum Teil klischeehaft; nicht nur bei den Nebenfiguren, sondern auch bei den Hauptfiguren Lea und Moritz, die zudem nicht so recht miteinander interagieren. Allerdings kann die Art Interaktion zwischen Lea und Moritz ihrem pubertären Alter geschuldet sein, da zwischen 14 und 16 Jahren nun mal Welten liegen.

Fazit

Bei dem Buch „Lea und das Labyrinth der Zeit“ handelt es sich um das erste Jugendbuch, das ich von Michael Engler gelesen habe. Die der Geschichte zugrunde liegende Idee, dem Reisen in der Zeit mittels eines begehbaren Labyrinths, gefällt mir sehr gut und das Buch erfüllt die Erwartung, die durch die Schlagworte „Zeitreisen, zarte Gefühle und eine dunkle Bedrohung“ umrissene Handlung geweckt werden, aber die Umsetzung der Idee erscheint mir etwas zu träge.

Der Prolog macht zudem den Eindruck, als ob er für eine ganz andere Geschichte geschrieben wurde, auch wenn man ein paar Begriffe aus dem Prolog mit Teilen aus der Geschichte in Verbindung bringen kann. Am Ende werden ein paar der Fragen, die im Buch aufgeworfen wurden, beantwortet, aber gleichzeitig werden auch wieder neue Fragen aufgeworfen. Daher erscheint mir das Buch wie der Beginn einer mehrteiligen Reihe, auch wenn die Geschichte selbst mit den Worten „ENDE“ endet. Falls es sich tatsächlich um einen Mehrteiler handelt, werde ich den zweiten Teil vermutlich lesen, um zu sehen, ob es eine Weiterentwicklung der Charaktere gibt, aber das wäre, ehrlich gesagt, auch der einzige Grund.

  • Cover
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Fantasie
Veröffentlicht am 19.10.2020

Die Sattlerin und der Dichter

Die Gabe der Sattlerin
1

Ende Juli 1781 verlässt die 19-jährige Sattlerin Charlotte die elterliche Sattlerei und gelangt auf Umwegen und wider Willen zum Hofgestüt Marbach, wo der württembergische Herzog Carl Eugen die edelsten ...

Ende Juli 1781 verlässt die 19-jährige Sattlerin Charlotte die elterliche Sattlerei und gelangt auf Umwegen und wider Willen zum Hofgestüt Marbach, wo der württembergische Herzog Carl Eugen die edelsten Pferde der Welt züchtet. Damit sie bleiben darf, muss Charlotte einen prunkvollen Sattel für seinen Lieblingshengst fertigen. Gleichzeitig gelangt auch Friedrich Schiller als Medicus im Grenadier-Regiment von General von Augé zum Hofgestüt um dort als Pferdearzt zu arbeiten, obwohl er eigentlich in Ruhe sein Buch „Die Räuber“ für eine Theateraufführung umschreiben will und mit Pferden so gar nichts am Hut hat. Können sich Charlotte und Schiller dort behaupten?

Bei dem Roman „Die Gabe der Sattlerin“ handelt es sich um den vierten historischen Roman von Ralf H. Dorweiler. Er liest sich sehr flüssig, hat überraschende und interessante Wendungen, und eine angenehme Spannung. Der Roman bedient sehr viele Erwartungen; er enthält eine Liebesgeschichte, geschichtliche Informationen über die Zeit um 1781, Studien über das Gebaren von Adligen und die Lebensweise der ländlichen Bevölkerung und des damaligen Mittelstandes. Zudem kommen auch Situationskomik bzw. Tragikomik nicht zu kurz, wie man z.B. an einer Szene mit Schillers Audienz bei Carl Eugen sehen kann. Die Zitate aus den Werken von Schiller, mit denen jedes Kapitel eingeleitet wird, passen sehr gut zum Inhalt des jeweiligen Kapitels. Und für Leser, die Schillers Räuber noch nicht kennen, ist sogar eine Kurzzusammenfassung des Inhalts der Räuber enthalten.

Die Protagonisten sind sehr bildhaft beschrieben und es wird auch sehr schön mit Klischees gespielt. Ihre Charaktereigenschaften sind nicht überzeichnet, sodass es keine extrem guten oder abgrund bösen Personen gibt: Der Vater ermuntert Charlotte, ihren eigenen Weg zu gehen, ungeachtet der Konsequenzen, die sich für die Familie ergeben könnten; ihr "Ex-Verlobter", lässt sie zwar verfolgen, aber anscheinend nicht, um sie für die Schmach, die ihm angetan wurde, zu bestrafen; sie stößt auf wildfremde Personen, die ihr hilfreich zur Seite stehen - auch wenn sie von ihnen zum Teil durchschaut wird; sogar die Räuber sind anscheinend nicht wirklich böse, sondern eher kumpelhaft - auch wenn ihre Verhaltensweise (naturgemäß) etwas rau ist.

Die Handlung an sich ist absolut nachvollziehbar und ich habe auch kaum Brüche in der Logik wahrgenommen. Die gestelzte Redeweise am Hof von Carl Eugen in Verbindung der Tatsache, dass man die Bezahlung von Untergebenen auch mal vergessen kann bzw. sie als Bagatelle abtut, passt zum Selbstbild des Adels und gibt der Handlung einen realistischen Anstrich.

Fazit:
Es handelt sich hier um das erste Buch, das ich von Ralf H. Dorweiler gelesen habe. Das Lesen des Romans hat mich sehr gut unterhalten, so dass ich ihn fast in einem Rutsch durchgelesen habe. Ich fühlte mich als Leser überall mitgenommen worden zu sein und konnte mein Wissen über die damalige Zeit, Schillers Werke, das Handwerk des Sattlers und über den Umgang mit Pferden deutlich erweitern. Ich denke, ich werde mir auch die anderen Romane von Ralf H. Dorweiler lesen.

  • Cover
  • Handlung
  • Charaktere
  • Erzählstil
  • Thema
Veröffentlicht am 25.08.2020

Wer erstach den armen Christoph?

Lady Arrington und die tödliche Melodie
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Lady Mary Elizabeth Arrington, eine britische Kriminalschriftstellerin in den 60-ern, steckt mitten in einer Schreibblockade. In einer kontroversen Diskussion zwischen ihrer Haushaltshilfe und ihrem Lektor, ...

Lady Mary Elizabeth Arrington, eine britische Kriminalschriftstellerin in den 60-ern, steckt mitten in einer Schreibblockade. In einer kontroversen Diskussion zwischen ihrer Haushaltshilfe und ihrem Lektor, die sich darüber entbrennt, ob diese Blockade besser in einem ruhigen Cottage in Wales oder doch eher auf einer Kreuzfahrt zu lösen ist, fällt die Entscheidung zu Gunsten einer Kreuzfahrt auf der Queen Anne. Lady Arrington kennt dieses Schiff bereits von einer früheren Kreuzfahrt, auf der sie bereits einen Mord aufklären durfte. Damals hatte sie für einigen Wirbel gesorgt, weswegen sie nun vom Kapitän einen persönlichen Betreuer (oder vielleicht doch eher Wachhund?) zur Seite gestellt bekommt. Als dann ein Mord geschieht, hat Lady Arrington nur wenige Tage Zeit, den Mörder zu überführen, was ihr nach einigem Hin und Her auch knapp vor Toresschluss gelingt.

Es handelt sich hier um den zweiten Fall, den Lady Arrington löst. Obwohl ich das erste Buch nicht gelesen habe, hatte ich keinerlei Probleme, die Charakter der Personen aufgrund der sehr bildhaften Beschreibungen zu erschließen. Es gibt wirklich sehr skurrile Figuren, die teilweise sehr stark überzeichnet wurden. Trotzdem hat man immer wieder das Gefühl, man wäre so jemandem in irgendeiner Form auch bereits im richtigen Leben begegnet, weswegen auch die überzeichneten Figuren dem Krimi in keinster Weise schaden.

Das Buch ist locker geschrieben und durch die genauen Beschreibungen der einzelnen Szenarien kam mein Kopfkino ganz von alleine in Gang. Während des Lesens bin ich auf der Zeitebene immer wieder in Richtung 'Miss Marple' abgedriftet anstatt zu 'Jessica Fletcher'. Kleine, im Text verstreute Hinweise auf moderne Geräte wie Smartphone u.ä. haben mich aber immer auf die richtige Ebene zurückgeholt. Manche Punkte wie z.B. die Rechtslage auf Schiffen auf Hoher See habe ich nachrecherchiert und finde sie realistisch in der Geschichte wiedergegeben.

In dem Krimi gibt es immer wieder überraschende Wendungen, die einen dazu zwingen, seine Meinung über die einzelnen Personen in der Handlung neu zu überdenken und diese neu zu bewerten. Auf meiner Liste der Verdächtigen gab es ein fleißiges auf und ab. Das Ende kommt etwas abrupt und erscheint daher doch ein bisschen konstruiert. Aber im Nachhinein kann man dann doch im Krimi die einen oder anderen Hinweise entdecken, die diesen Eindruck der Konstruiertheit abmildern.

Fazit:
Es handelt sich hier um meinen ersten Ausflug in die Cosy-Crimes und ich empfand es als sehr angenehm, dass das Buch nicht vor Blut trieft und auch keine Schockmomente notwendig waren, um eine Spannung zu erzeugen. Ich habe mich gut unterhalten gefühlt und freue mich bereits, Lady Arrington auch auf ihrer nächsten Kreuzfahrt zu begleiten. Bis dahin werde ich mir wohl den ersten Band zu Gemüte führen ...

  • Cover
  • Spannung
  • Handlung
  • Charaktere
  • Erzählstil