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Veröffentlicht am 21.07.2020

sehr gut herausgearbeitete Charaktere

Die Maitresse
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In Dresden bricht 1705 im Hause Hoym ein Feuer aus. Gräfin Cosel, die damals noch eine verheiratete Hoym war, behält einen kühlen Kopf, gibt gezielt Anweisungen und kann so das Schlimmste, dem Übergriff ...

In Dresden bricht 1705 im Hause Hoym ein Feuer aus. Gräfin Cosel, die damals noch eine verheiratete Hoym war, behält einen kühlen Kopf, gibt gezielt Anweisungen und kann so das Schlimmste, dem Übergriff auf andere Häuser verhindern. Friedrich August I., der damalige Kurfürst von Sachsen und König von Polen eilt zum Unglücksort und beobachtet die mutig agierende junge Frau. Er will sie näher kennenlernen. Damit beginnen für Gräfin Cosel Jahre der Liebe, des Glücks und enden mit jahrelanger Gefangenschaft.
Das Schicksal der Gräfin Cosel war mir bereits vor dem Lesen dieses Buchs bekannt, da ich bereits 1986 ein gleichnamiges Buch gelesen habe. Aber dieser Roman hier muss den Vergleich nicht scheuen. Birgit Jasmund hat in meinen Augen die damaligen Zustände in Europa insbesondere am sächsischen Hof wunderbar in diese Geschichte eingebettet. Besonders gefallen hat mir wie gut sie die Charaktere von der Cosel und von August dem Starken herausgearbeitet hat.
In meinen Augen ist die Gräfin Cosel bis ins hohe Alter und auch noch nach jahrelanger Gefangenschaft geblendet von ihrer bedingungslosen Liebe zu August von Sachsen. Wie sie sich immer wieder schönredet keine Maitresse, sondern die Ehefrau zur Linken. Welch Augenwäscherei und welch Selbstbetrug. Auf der anderen Seite ist sie aber auch geschickt genug ihm kostbare Dinge abzuschmeicheln und für die Sicherheit ihres eigenen Lebensstandards zu sorgen.
Friedrich August braucht Menschen um sich die ihn bewundern, so ist ihm die ihn anhimmelnde Cosel für eine gewisse Zeit recht angenehm. Mit Kritik kann er dagegen gar nicht umgehen, mit Schmeicheleien kommt man bei ihm dagegen wesentlich weiter. Das weiß auch Gräfin Cosel und setzt dies geschickt für ihre Zwecke ein. Ich fand die Geschichte um das Schicksal der Gräfin Cosel sehr unterhaltsam und kurzweilig. Damit gibt es von mir auch eine 100%ige Lese-Empfehlung und 5 Lese-Sterne.

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Veröffentlicht am 21.07.2020

bedingungslose Freundschaft – tolles Buch

Schatten der Welt
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Thorn (heute Polen) 1910: Carl und Artur gehen noch zur Schule und sind eng befreundet. Artur ist mit seinen 13 Jahren bereits sehr groß und weiß sich zu verteidigen, im Gegensatz zu Carl der eher schmächtig ...

Thorn (heute Polen) 1910: Carl und Artur gehen noch zur Schule und sind eng befreundet. Artur ist mit seinen 13 Jahren bereits sehr groß und weiß sich zu verteidigen, im Gegensatz zu Carl der eher schmächtig und ein wenig verträumt ist. Isi macht mit ihren spritzigen Ideen, wenn‘s brenzlig wird, das Trio perfekt. Isi ist eine Frau (Mädchen), die nicht nach den Regeln der Welt spielt und die bei Problemen nicht den Kopüf in den Sand steckt.
Auch wenn der Ernst des Lebens noch vor ihnen liegt, so zeigt sich Artur bereits jetzt sehr geschäftstüchtig. Zeitung an Leser vermieten, Kometenpillen gegen Erstickungsgefahr. Arturs Einfallsreichtum um an Geld zu kommen zeichnet sich durch „unverfrorenem Aktionismus“ aus und wird nur noch durch Isas Geschäftstüchtigkeit übertroffen. Carls macht zwar alles mit, ist aber mehr der Mitläufer. Das Geschäft ihres Lebens machen die drei mit Gasmasken gegen Kometen-Gifte. Hört sich unrealistisch an, habe ich beim Lesen auch so empfunden. Aber was danach kommt, wie Artur die technische Entwicklung richtig einschätzt und ihr Kometen-Geld in einen neuen Markt investiert, ist schon sehr realistisch. Der Autor zeigt auf, wie stark die Unterschiede zwischen Arm und Reich, die daraus resultierenden Ungerechtigkeiten bilden die Hintergründe dieses Romans.
In meinen Augen ist es Andreas Izquierdo sehr gut gelungen das schwindende Denkvermögen des an Alzheimer erkrankten Vaters von Carl in Worte zu fassen. Er vergleicht es mit einem Blick durch eine stark gesprungene Glasscheibe. Überhaupt hat mich der liebevolle Umgang zwischen Carl und seinem Vater stark berührt.
Mit Kriegsausbruch trennen sich die Wege der drei Freunde. Jeder muss seine eigenen Erfahrungen mit dem Krieg, dem Töten, dem Verlust und der Trauer machen. Es zeigt sich immer deutlicher, dass die, die vor Kriegsausbruch schon in Saus und Braus gelebt haben, dies immer noch tun und ihre Macht dazu nutzen noch mehr Reichtum anzusammeln. Menschlichkeit bleibt auf der Strecke.
Mir hat das Buch kurzweilige Lesestunden verschafft. Isi, Carl und Arthur habe ich in mein Herz geschlossen. Das Ende des Buches bedeutet für mich: es geht weiter mit den dreien – würde mich sehr freuen.
Von mir gibt’s 5 Lese-Sterne und eine uneingeschränkte Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 05.07.2020

Wissen Se ….. herrlich komisch

Ans Vorzelt kommen Geranien dran (Die Online-Omi 14)
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Renate Bergmann, 82 Jahre, lebt in Berlin Spandau. Sie ist für ihr Alter noch sehr rege und unternehmungslustig und so will sie nun gemeinsam mit Kurt und Ilse einen Campingurlaub machen. Eigentlich ist ...

Renate Bergmann, 82 Jahre, lebt in Berlin Spandau. Sie ist für ihr Alter noch sehr rege und unternehmungslustig und so will sie nun gemeinsam mit Kurt und Ilse einen Campingurlaub machen. Eigentlich ist es mehr betreutes Camping, denn das Wohnmobil wird von ihrem Neffen Stefan zum Platz gefahren und Kontrollen während des Aufenthaltes sind avisiert. Doch da bleibt Renate von genügend Zeit um ein „wenig“ Leben in das Campingleben zu bringen….
Es ist mein erstes Buch aus der schon recht zahlreichen Renate-Reihe und ich muss sagen: kurzweilig und humorvoll brachte es mich bereits auf den ersten Seiten zum Lachen. Eins ist Renate – eine absolute Plaudertasche, die vom Hundertsten zum Tausendsten kommt. Ja sie laminiert, ach nein lamentiert über Gott und die Welt. Jedem, ob er es hören will oder nicht, gibt sie ihre Lebensweisheiten zum Besten. Dabei steht sie auch der modernen Technik positiv gegenüber, kann mit dem Händi umgehen und kennt sich mit dem Interweb aus. 😉
Für mich war das Schmunzel-Lektüre, die ich gerne weiterempfehle, 4 Lese-Sterne inbegriffen.

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Veröffentlicht am 05.07.2020

Erzählstil gewöhnungsbedürftig, wird aber spannend

Ein Wort, um dich zu retten
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Ja ich habe mich mit dem Erzählstil des Autors am Anfang recht schwergetan. Da gibt es zu Beginn von Kapiteln sinnhafte Zitate von namhaften Persönlichkeiten, dann einige andeutende Worte des Ich-Erzählers ...

Ja ich habe mich mit dem Erzählstil des Autors am Anfang recht schwergetan. Da gibt es zu Beginn von Kapiteln sinnhafte Zitate von namhaften Persönlichkeiten, dann einige andeutende Worte des Ich-Erzählers und dann erst entrollt sich die eigentliche Geschichte des Romans. Da gibt es Nathan Fawles, ehemals erfolgreicher Schriftsteller, der nun auf der französischen Insel Beaumont völlig zurückgezogen lebt und die Schriftstellerei seit 20 Jahren an den Nagel gehängt hat. Aber auch die Menschen, sollten sie versuchen mit Fragen in ihn zu dringen weist er ab und führt auf seinem abgeschotteten Anwesen ein sehr einsames Leben. Nur Raphael Batille (24 Jahre und aufstrebender wenn auch noch völlig unerfahrener Schriftsteller) lässt sich von Nathans Abweisungen nicht entmutigen. Er hofft auf Tipps und Anregungen von Nathan zu seinem Erstlingswerk „Die Unnahbarkeit der Baumkronen“. Ganz andere Beweggründe hat Mathilde Monney, die ebenfalls versucht mit Nathan in Kontakt zu treten. Es entspinnt sich eine Geschichte um einen Fotoapparat der Jahrzehnte verschollen war, der einen Weg über die halbe Welt zurückgelegt hat und auf dessen Chip brisante Bilder über jahreslang gehütete Geheimnisse und schlussendlich das Geheimnis um Nathans Zurückgezogenheit zu finden sind. Insofern war die Geschichte sehr wendungsreich und nicht vorhersehbar, was ich gut fand. Wenn da nicht diese vielen Aus- und Abschweifungen gewesen wären. Insgesamt betrachtet gibt’s von mir 3,5 Lese-Sterne.

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Veröffentlicht am 05.07.2020

Späte Sühne mit etwas anderem Ermittlerteam

Die Toten von Marnow
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Die Rostocker Kripo wird zu einem Tatort gerufen, der so einige Rätsel aufgibt. Alexander Beck wird mit durchtrennter Kehle kopfüber über der Badewanne hängend aufgefunden. Doch der Tatort ist eigentlich ...

Die Rostocker Kripo wird zu einem Tatort gerufen, der so einige Rätsel aufgibt. Alexander Beck wird mit durchtrennter Kehle kopfüber über der Badewanne hängend aufgefunden. Doch der Tatort ist eigentlich das Wohnzimmer. Erst drei Stunden später wird er, das ergaben Spuren und Auswertungen der Rechtsmedizin, im Bad wie ein Tier zum Ausbluten aufgehangen. Dies soll nicht die einzige Ungereimtheit sein mit der sich Lona Mendt und Frank Elling auseinandersetzen müssen….
Ich muss sagen: dieses Buch mit den zwei Ermittlern, die sich oft nur durch Blicke verständigen, die nicht immer legale Mittel anwenden, sich gegenseitig decken und doch jeder für sich sein „Päckchen“ zu tragen hat, gefällt mir super. Sie wirken so lebendig.
Elling versucht durch Luxus, den er sich gar nicht leisten kann, seine Frau halten und seine Ehe zu retten. Wen wundert‘s, dass er da dem Bestechungsversuch nachgibt. Ehrlich gesagt, war ich im ersten Moment geschockt, konnte das gar nicht fassen. Trotzdem verbeißt Elling sich in den Mordfall, dem noch weitere folgen. Immer mehr ist Elling körperlich gezeichnet – zur Platzwunde am Kopf gesellt sich eine Kratzspur vom Streifschuss am Hals. Das bricht aber keineswegs seine Energien, seinen Willen die Zusammenhänge zwischen den Morden aufzudecken und diesen so verzwickten Fall aufzuklären.
Lona mag Elling, auch wenn sie es nicht so zeigen kann. Sie erkennt Ellings Potential, was er oft hinter seiner Fassade zu verstecken weiß. Langsam öffnet sie sich ihm gegenüber, legt ihr Trauma, dass sie hoffte mit Hannover hinter sich gelassen zu haben, das sie aber noch immer in ihren Träumen heimsucht, offen. Wen wundert da der Ausgang des Krimis – der natürlich nicht verraten wird.
Von mir gibt’s 5 Lese-Sterne und eine 100%ige Lese-Empfehlung.

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