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Veröffentlicht am 29.12.2025

Düsterer Thriller mit kleinen Längen

Der Kuckucksjunge
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Ein grauer Februartag, ein vibrierendes Handy – und zwei Worte, die einem den Atem stocken lassen. Von da an gibt es kein Zurück mehr. Lautlos, beharrlich und mit erschreckender Präzision zieht ein Täter ...

Ein grauer Februartag, ein vibrierendes Handy – und zwei Worte, die einem den Atem stocken lassen. Von da an gibt es kein Zurück mehr. Lautlos, beharrlich und mit erschreckender Präzision zieht ein Täter seine Kreise, kündigt sich an wie ein makabres Spiel und lässt seine Opfer wissen, dass ihre Zeit abläuft. Für Naia Thulin beginnt damit ein Wettlauf gegen die Uhr, bei dem jede neue Spur eher Fragen aufwirft als Antworten liefert – und bei dem sie ausgerechnet mit Mark Hess zusammenarbeiten muss, den sie nach den Ereignissen um den Kastanienmann längst hinter sich gelassen glaubte.

Die Ermittlungen greifen immer weiter um sich, verzweigen sich in alte Wunden und dunkle Kapitel der Vergangenheit. Je tiefer Naia gräbt, desto deutlicher wird, dass dieser Fall nicht nur in der Gegenwart spielt. Schatten aus längst vergangenen Ermittlungen, in die einst ihr eigener Vater verstrickt war, reichen bis ins Heute – und drohen alles zu verschlingen.

Parallel dazu folgt man Menschen, die bereits alles verloren haben, und spürt ihre Ohnmacht, ihre Wut und ihre verzweifelte Hoffnung auf Gerechtigkeit.

Wie schon zuvor versteht es Sveistrup, die Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln zu erzählen und so ein dichtes, beklemmendes Netz zu knüpfen, das sich Seite um Seite enger zieht. Die Spannung ist konstant hoch, der Nervenkitzel unverkennbar – auch wenn sich zwischendurch ein paar Längen einschleichen, die dem Umfang geschuldet sind. Dennoch: Wer „Der Kastanienmann“ verschlungen hat, wird auch hier wieder gefesselt mitgehen.

Fazit: Ein packender, düsterer Thriller mit hohem Spannungsniveau, starken Figuren und einer unheimlichen Atmosphäre. Trotz kleiner Längen überzeugt die Geschichte durch ihre verzahnte Handlung und ist für Fans des ersten Bandes ein absolut lohnendes Wiedersehen.

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Veröffentlicht am 18.12.2025

Blasse Figuren, nicht nachvollziehbare Zusammenhänge

Tiefe Schuld
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Der Tod eines wohlhabenden Hoteliers wirft Fragen auf und zwingt zwei entfremdete (Stief-) Geschwister, sich einer Vergangenheit zu stellen, die anders ist als erwartet. Was wie ein tragischer Unfall erscheint, ...

Der Tod eines wohlhabenden Hoteliers wirft Fragen auf und zwingt zwei entfremdete (Stief-) Geschwister, sich einer Vergangenheit zu stellen, die anders ist als erwartet. Was wie ein tragischer Unfall erscheint, entwickelt sich rasch zu einer Suche nach Wahrheit, Schuld und verdrängten Geheimnissen.

Schon auf den ersten Seiten liegt eine unterschwellige Unruhe in der Luft – als würde sich gleich etwas Unausweichliches ereignen. Der Roman liest sich flüssig und zieht einen mit leiser Spannung voran, während man unentwegt auf den großen Knall wartet. Doch genau der passiert leider sehr lange nicht.

Die Figuren bewegen sich wie Schatten durch die Handlung und bleiben bis zuletzt seltsam entrückt. Besonders die emotionalen Verbindungen, vor allem die Liebesgeschichte, wirken eher konstruiert als zwingend und lassen einen mit Distanz zurück.

Sehr treffend fasst ein später Gedankengang die Grundstimmung des Romans zusammen:

Zitat S. 226:
„Eine Geschichte kristallisiert sich heraus. Genau das habe ich früh in meiner Ausbildung in Bezug auf die Gestaltung eines Raums gelernt. Eine Säule ist nicht einfach eine Säule. Ein Stützpfeiler ist nicht einfach ein Stützpfeiler. Sie müssen nicht nur mit dem Rest des Gebäudes kommunizieren, sondern auch berücksichtigen, wozu dieses Gebäude dienen soll. Wen soll es beschützen, wenn ich mit meiner Arbeit fertig bin? Zu welchem Zweck muss es stabil sein? … Wen wollte mein Vater beschützen? Wo wollte er für Stabilität sorgen?“

Diese Metapher zieht sich sinnbildlich durch die gesamte Geschichte. Alles scheint tragend und bedeutungsvoll und doch bleibt lange unklar, was wirklich Gewicht hat.

Eine zweite Erzählebene schleicht sich leise in den Roman, rückblickend, rätselhaft, zunächst kaum greifbar. Erst ganz am Ende fügt sich dieses Puzzleteil schlagartig ein und verleiht dem Geschehen eine neue Bedeutung.

Die Auflösung trifft dann unerwartet und wirft ein anderes Licht auf alles, was zuvor nur vage schien.

Fazit: Trotz nicht immer nachvollziehbarer Zusammenhänge und stellenweise blasser Figuren bleibt ein Roman, der sich gut lesen lässt – getragen von einer dichten Stimmung und der nagenden Frage, wie gut wir die Menschen wirklich kennen, denen wir am nächsten stehen.

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Veröffentlicht am 16.12.2025

Für mich ein echtes Highlight

Der Freund – Ist er dein Traumpartner oder dein Killer?
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Dass ich ein Faible für die Geschichten dieser Autorin habe, ist längst kein Geheimnis mehr – und auch dieses Buch hat mich wieder gnadenlos in seinen Bann gezogen. Einmal angefangen, gab es kein Zurück ...

Dass ich ein Faible für die Geschichten dieser Autorin habe, ist längst kein Geheimnis mehr – und auch dieses Buch hat mich wieder gnadenlos in seinen Bann gezogen. Einmal angefangen, gab es kein Zurück mehr. Jede Seite zog mich tiefer hinein in eine Welt, in der Dates selten harmlos sind und Vertrauen schnell zur gefährlichsten Währung wird.

Im Mittelpunkt steht Sydney, eine Frau, die sich nach Nähe sehnt, aber immer wieder an die falschen Menschen gerät. Als sie endlich jemanden trifft, der all das verkörpert, was sie sich erhofft hat – er ist aufmerksam, charmant, scheinbar der Fels in der Brandung – fühlt sich das wie ein kleines Wunder an. Doch während in der Stadt ein grausames Verbrechen die Angst schürt und Sydney das Gefühl nicht loswird, beobachtet zu werden, beginnt dieses perfekte Bild zu bröckeln. Kleine Risse werden sichtbar, Zweifel schleichen sich ein, und plötzlich ist nichts mehr so sicher, wie es sein sollte.

Besonders spannend ist die Erzählweise: Die Handlung springt zwischen Sydneys Gegenwart und Toms Vergangenheit hin und her. Dadurch entsteht ein stetiges Unbehagen, das sich mit jeder neuen Enthüllung verstärkt.

Sydney ist eine Protagonistin, die man sofort ins Herz schließt – ehrlich, verletzlich und stark zugleich. Man wünscht ihr das Glück so sehr, dass man jede Warnung am liebsten ignorieren würde. Umso beklemmender ist es, nach und nach Einblicke in Toms Geschichte zu erhalten, die zeigen, wie tief alte Wunden reichen können und wie sehr der Wunsch nach Liebe einen Menschen verändern kann.

Der Schreibstil ist wie gewohnt packend, flüssig und gnadenlos spannend. Ich war mir zwischendurch sicher, den großen Kniff durchschaut zu haben, nur um am Ende eines Besseren belehrt zu werden. Mit einem finalen Twist reißt die Autorin alle Gewissheiten ein und hinterlässt ein sprachloses Staunen. Das Ende? Eiskalt, überraschend und absolut genial. Genau deshalb liebe ich McFaddens Bücher.

Fazit: Ein nervenaufreibender Thriller, der zeigt, wie trügerisch Nähe sein kann und dass hinter der perfekten Fassade oft dunkle Abgründe lauern. Für mich ein echtes Highlight und ein absolutes Muss für alle, die packende Stories lieben, bei denen man niemandem so ganz trauen sollte.

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Veröffentlicht am 16.12.2025

Motiv wie aus dem Nichts gegriffen

Es ist noch nicht vorbei
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Amy Jordans Debüt "Die dunklen Stunden" hat mich gespalten zurückgelassen: Es ist ein Thriller, der mich einerseits in seinen fesselnden Sog gezogen hat, mich aber andererseits durch die Frustration der ...

Amy Jordans Debüt "Die dunklen Stunden" hat mich gespalten zurückgelassen: Es ist ein Thriller, der mich einerseits in seinen fesselnden Sog gezogen hat, mich aber andererseits durch die Frustration der Ermittlungsarbeit fast zur Verzweiflung trieb.

Die Prämisse um Ermittlerin Julia Harte ist hochdramatisch: Der schlimmste Fall ihrer Karriere von 1994, der sie traumatisiert in den Ruhestand trieb, beginnt von Neuem, nachdem der ursprüngliche Täter gestorben ist. Es ist klar, dass der neue Killer eine direkte Verbindung zu Julia selbst sucht. Diese zutiefst persönliche und schuldgeplagte Verstrickung hat mich sofort in ihren Bann gezogen.

Die Erzählung auf zwei Zeitebenen – 1994 und 2024 – ist gut gelungen. Ich fand es spannend, die junge, unerfahrene Julia parallel zur älteren, vom Leben gezeichneten Harte zu verfolgen. Das Tempo ist perfekt; die kurzen Kapitel erzeugen einen unwiderstehlichen "Nur noch ein Kapitel"-Effekt. Julia selbst, schlagfertig und leidenschaftlich, ist eine großartige, starke Protagonistin, mit der ich unbedingt mitfiebern wollte.

Doch genau dieses Mitfiebern wurde durch gravierende Mängel in den Ermittlungen massiv gestört. Die ständige Ignoranz der Ermittler – ob damals oder heute – gegenüber dem Offensichtlichen hat mich ziemlich frustriert. Ich war als Leserin den Ermittlern oft meilenweit voraus, was die Spannung meistens leider untergrub. Das nervige Alphatiergehabe zwischen Harte und ihrem Kollegen DS Neil Armstrong, inklusive des endlosen Streits ums Vornamen-Ansprechen, war für mich außerdem ein unnötiger Störfaktor.

Zwar wartet das Ende mit überraschenden Wendungen auf, doch wirkte das Motiv für mich fast aus dem Nichts gegriffen – für mich der Beweis, dass dies ein düsterer Effekt-Thriller ist und kein logisch aufgebauter Krimi.

Fazit: Das Debüt ist per se packend und rasant erzählt, ein echter Page-Turner. Aber die inhaltlichen Schwächen und die unrealistische Polizeiarbeit haben den Gesamteindruck deutlich geschmälert. Es ist ein solider, aber kein herausragender Thriller. Ich bin gespannt auf Jordans nächste Arbeit, in der Hoffnung, dass die Logik dann mit der Intensität mithalten kann.

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Veröffentlicht am 16.12.2025

Atmosphärisch dichtes Psychodrama

Er kennt deine Angst
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Freud entfaltet ihre Geschichte in vier kunstvoll verschachtelten Akten. Zunächst begleiten wir Lauren, die voller Hoffnung in ein neues Leben auf dem Land stolpert – in ein Haus, das vor lauter Schönheit ...

Freud entfaltet ihre Geschichte in vier kunstvoll verschachtelten Akten. Zunächst begleiten wir Lauren, die voller Hoffnung in ein neues Leben auf dem Land stolpert – in ein Haus, das vor lauter Schönheit beinahe zu laut glänzt. Doch je weiter die Handlung voranschreitet, desto mehr rückt ein leises Unbehagen ins Zentrum, ein Flüstern zwischen den Wänden, das sich kaum greifen lässt.
Im zweiten Teil schwenkt der Blick zurück zu Eliza und ihrem Mann Richard, deren Vergangenheit wie ein Schatten über der Gegenwart liegt.
Ab Teil drei verweben sich beide Stimmen zu einem unheilvollen Echo, das man nicht mehr ausblenden kann.

Lauren und Eliza sind zwei Frauen, die man sofort ins Herz schließt – warm, verletzlich, voller Liebe für Kinder, die sie auf jeweils eigene Weise beschützen wollen. Lauren versucht, in ihrer neuen Rolle auf dem Land zu glänzen, bemüht, zwischen Partnersein und Ersatzmuttersein nicht zu zerreißen. Eliza hingegen wirkt wie eine leise, aber kraftvolle Erinnerung daran, wie schnell ein Leben in der Isolation zu einer Prüfung werden kann, die selbst die stärksten Herzen zermürbt.

Freuds Stil ist dabei so flüssig und fesselnd, dass man kaum merkt, wie tief man in die beklemmende Atmosphäre dieses gläsernen Traumhauses hineingezogen wird. Ohne selbst einen Fuß hineinsetzen zu müssen, spürt man das unsichtbare Gewicht, das auf seinen Bewohnern lastet – ein Gefühl, beobachtet zu werden, das mit jeder Seite schwerer wird. Angst und Panik halten sich beim Lesen wie ungebetene Gäste an der Schulter fest.

Und dann kommt das Ende – eine Wendung, die mit voller Wucht trifft. Unerwartet, mutig und so brillant konstruiert, dass man das Buch mit einem scharfen Einatmen schließt und für einen Moment einfach nur dasitzt. Mega!

Fazit: Ein atmosphärisch dichtes Psychodrama, das mit starken Figuren, einem stetig wachsenden Gefühl der Bedrohung und einer meisterhaft konstruierten Erzählstruktur überzeugt. Freud gelingt es, aus einem vermeintlichen Neuanfang einen emotionalen Sog zu formen, der einen bis zur letzten Seite festhält – und mit einem Finale entlässt, das man so schnell nicht vergisst.

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