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Veröffentlicht am 28.02.2025

Vor Gericht skrupellos, privat hochemotional

Die Komplizin – Ihr Mann ist ein Serienkiller. Was ist sie – Täterin oder Opfer?
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Eddie Flynn und sein Team sind mal wieder gefordert. Daniel Miller – oder auch „Der Sandmann“ genannt - treibt sein Unwesen und ermordet unschuldige Menschen. Durch das Blut eines Opfers an ihrer Bluse, ...

Eddie Flynn und sein Team sind mal wieder gefordert. Daniel Miller – oder auch „Der Sandmann“ genannt - treibt sein Unwesen und ermordet unschuldige Menschen. Durch das Blut eines Opfers an ihrer Bluse, gerät Millers Frau Carrie selbst ins Visier der Polizei. Sie soll von den grausamen Taten ihres Mannes wissen bzw. ihn decken oder sogar selbst involviert sein. Doch kurz vor Prozessbeginn verschwindet Carrie. Als ob das nicht schon schlimm genug für den Ausgang des Falles ist, wird auch noch Eddies rechte Hand Kate vom Sandmann entführt. Seine Forderung: Ein Freispruch für seine Frau Carrie oder Kate stirbt! Eddie gerät an seine Grenzen, muss jedoch einen kühlen Kopf bewahren, um Kate zu retten.

Mit diesem siebten Band oute ich mich jetzt einfach mal als Eddie Flynns größter Fan. Er hat's einfach drauf. Ich würde mich nur von ihm verteidigen lassen, sollte ich mal anwaltlichen Beistand brauchen. Seine lockere Art bewundere ich schon lange, und Eddie schafft es trotzdem immer wieder, mich zu überraschen. Dass es diesmal seiner geschätzten Kollegin Kate an den Kragen geht, trifft Eddie wirklich hart. Die Angst um Kate zehrt an seinem Nervenkostüm und seine Gefühlsoffenheit hat ihn für mich nochmal authentischer gemacht.

Der Schreibstil von Cavanagh ist rasant und mitreißend. Allein die Tatsache, dass der Leser um das Leben von Kate bangen muss, sorgt für ordentlich Tempo. Nicht nur Eddie und sein Team haben gebangt, auch ich war körperlich total angespannt. Cavanagh weiß einfach, wie er seine Leser an die Handlung fesselt.

Der Schlussteil hat mich völlig aus den Socken gehauen. Denn als ich schon dachte: "Puh, das war's jetzt aber", kommt Cavanagh nochmal mit einer unerwarteten Wendung ums Eck. Großartig konstruiert und somit der perfekte Abschluss dieses rasanten, emotionalen und durchweg spannenden Thrillers.

Fazit: Vor Gericht skrupellos, privat hochemotional – so erleben wir Eddie in diesem Band. Cavanagh zählt längst zu meinen Lieblingsautoren und ist jede Empfehlung wert.

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Veröffentlicht am 19.02.2025

Sein bisher bestes Werk

Der letzte Mord am Ende der Welt
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Nachdem ich „Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle“ und „Der Tod und das dunkle Meer“ von Turton verschlungen habe, war ich gespannt darauf, wie der Autor aus Hertfordshire sein Talent, fesselnde Charaktere ...

Nachdem ich „Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle“ und „Der Tod und das dunkle Meer“ von Turton verschlungen habe, war ich gespannt darauf, wie der Autor aus Hertfordshire sein Talent, fesselnde Charaktere und aufregende Wendungen zu erschaffen, auf eine Science-Fiction-Dystopie anwenden würde. Das Ergebnis ist ein unvergesslicher Krimalroman, der mich von der ersten Seite an gepackt und nicht mehr losgelassen hat.

„Der letzte Mord am Ende der Welt“ spielt in einer postapokalyptischen Zukunft auf einer winzigen griechischen Insel, auf der ein giftiger Nebel für die Auslöschung der Menschheit gesorgt hat. Es gibt nur noch wenige Überlebende, die jedoch unter sehr strengen Regeln leben müssen. So werden sie von einer in ihr Bewusstsein eingebetteten KI-Stimme überwacht und gesteuert. Als einer der drei Wissenschaftler ermordet aufgefunden wird, ist es die wichtige Aufgabe der Überlebenden, das Verbrechen aufzuklären, bevor ihre Schutzsysteme völlig versagen und der Nebel sie alle töten wird. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt und damit ein Kampf ums Überleben.

Turton hat hier eine Mischung aus Wissenschaft, Technologie und Kriminalroman erschaffen. Eine Geschichte, die aufgrund ihrer vielen Wendungen ein Labyrinth voller Geheimnisse ist. Menschen sind hier überflüssig – mit Ausnahme einer Insel mit 122 Dorfbewohnern und drei Wissenschaftlern. Die Tatsache, dass ebenjene Überlebende nur einen bestimmten Zeitraum für die Aufklärung des Mordes zur Verfügung haben, heizt die Stimmung enorm an. Ich habe selbst den gewaltigen Druck, der auf den Protagonisten lastet, spüren können und mit ihnen mitgefiebert. Fest steht: Wenn es ihnen nicht gelingt, die Identität des Mörders aufzudecken, werden sie alle sterben. Allein dieser Gedanke treibt mir eine Gänsehaut über den ganzen Körper.

Die Protagonistin Emory ist jemand, mit dem man gut klarkommt. Sie ist unabhängig, selbstbewusst und eine Außenseiterin in ihrer Welt. Sie ist aber auch sehr nahbar und wird für den Leser dadurch greifbar. Ich konnte mich gut in sie hineinversetzen, wenngleich ich nicht mit ihr tauschen wollte. Irgendwie ist sie das schlagende Herz dieses Romans. Ich habe mit ihr gelacht, mit ihr geweint und schockiert nach Luft geschnappt, als es zu dramatischen Ereignissen kam. Bis zuletzt habe ich nie ganz erraten, wer der Mörder war, da Turton mich dazu gebracht hat, meine eigenen Verdächtigen zu hinterfragen – sie ist schuldig, nein, er ist es, nein, doch sie … uffz! In diese Geschichte sind Fragen eingebettet, wie zum Beispiel ob Mord jemals gerechtfertigt ist. Zudem geht es um künstliche Intelligenz, Klimawandel, Isolation, Zukunft, Loyalität und so weiter. Man bekommt hier eine Menge Stoff geboten, den man auch erst einmal verarbeiten muss.

Turtons Weltenbau und Charakterisierung in diesem Roman sind beispiellos. Allein das Plotten solcher komplexen Handlungen muss enorme geistige Fähigkeiten erfordert haben. Sein Schreibstil ist dabei so filmisch und lebendig, dass jeder einzelne Winkel der Insel leicht vorstellbar ist – so sehr, dass sich die Insel selbst manchmal wie ein eigener Charakter anfühlt. Insbesondere die (zugegeben recht komplizierten) Rätsel sorgen immer wieder für frischen Wind und machen die Geschichte von Anfang bis Ende extrem unterhaltsam.

Fazit: Ein raffinierter Krimi, der mit einem coolen postapokalyptischen Setting daherkommt und aufgrund der Vielzahl an anspruchsvollen Themen oft zum Nachdenken anregt. Aufregend, knifflig und durchweg spannend. Sein bisher bestes Werk.

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Veröffentlicht am 19.02.2025

Lesen auf eigene Gefahr!

My Filthy Valentine | Mit wunderschönem Farbschnitt
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My filthy Valentine. Selten war ein Buchtitel so treffend für den Inhalt.

Dirrty, verstörend, düster und unheimlich anziehend. Diese Worte fallen mir direkt ein, wenn ich darüber nachdenke, welche Story ...

My filthy Valentine. Selten war ein Buchtitel so treffend für den Inhalt.

Dirrty, verstörend, düster und unheimlich anziehend. Diese Worte fallen mir direkt ein, wenn ich darüber nachdenke, welche Story ich hier gelesen habe. Und ich kann euch eines vorab versprechen: Dieses Buch werdet ihr nicht mehr vergessen.

Zwar gehört Age Gap nicht zu meinen favorisierten Tropes, doch gerade deswegen finde ich es "erstaunlich", wie sehr mich die Autorin abholen und überzeugen konnte. Sie startet ihren Plot in ruhigem Tempo, führt uns ins Geschehen ein, stellt uns die ersten Figuren vor und beginnt dabei, ihre Finger nach uns auszustrecken. Um uns zu verwirren, in den Abgrund zu zerren und bei lebendigem Leibe zu verbrennen. Ich habe jede einzelne Zeile geliebt.

Mit Jolien bekam ich eine Protagonistin, die nicht nur so ähnlich heißt wie ich, sondern in der ich mich tatsächlich öfter wiedererkannt habe. Sie steht ihre Frau, hat gewisse Prinzipien und springt nicht sofort, wenn jemand mit dem Finger schnippt. Aber sie zeigt auch Facetten an sich, die ich weniger bis gar nicht mochte. Cool fand ich hingegen, zu beobachten, wie sich ihre Moralvorstellungen im Laufe der Story verändern. Plötzlich fühlt sie sich zu vier Männern hingezogen, wodurch sich ihr ganzes Leben auf den Kopf stellt. Das war einerseits verrucht und heiß, andererseits total naiv und verkorkst. Somit blieb sie als Protagonistin bis zum Ende hin interessant.

Hier steht Dark Romance drauf, hier ist auch Dark Romance drin. Man sollte nicht zu prüde oder versnobt sein, denn hier serviert uns die Autorin eine Menge Zündstoff. Zwischen den Figuren geht es ganz ordentlich zur Sache, und auch sonst wird hier nicht mit erotischen Passagen gegeizt. Dabei gelingt es Isabella Russo, eine gute Mischung einfließen zu lassen, sodass es weder kitschig noch zu überladen wirkt. Trotz aller Schärfe gibt es genug dunkle Szenen, die mir oft einen Oha-Moment verschafften. Russo hat einen unfassbar einnehmenden Schreibstil und eine wunderschöne Sprache, die oft für Kopfkino gesorgt hat.

Ob es jetzt vier Männer gebraucht hat, um die Story anzukurbeln, glaube ich nicht. Mir hat diese Abweichung vom Mainstream allerdings gut gefallen. Warum nicht mal etwas Neues ausprobieren und sich einfach berieseln lassen?!

„My Filthy Valentine“ ist eine Geschichte, die unter die Haut geht, die berührt, die entflammt, die mit wichtigen Themen und einer Menge Ereignisse zur perfekten Lektüre wird - nicht nur am Valentinstag. Lesen auf eigene Gefahr!

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Veröffentlicht am 19.02.2025

Düster, gefährlich, böse!

Follow you | Mit wunderschönem Farbschnitt
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Vorweg: Was! für! ein! Buch! Ich weiß immer noch nicht, wo ich meine Gedanken und Gefühle hinpacken und wie ich alles verarbeiten soll. Die Story hat mich von Anfang bis Ende einfach mitgerissen.

Doch ...

Vorweg: Was! für! ein! Buch! Ich weiß immer noch nicht, wo ich meine Gedanken und Gefühle hinpacken und wie ich alles verarbeiten soll. Die Story hat mich von Anfang bis Ende einfach mitgerissen.

Doch von vorn ...

Wir lernen Ruby kennen, die sich mit ihrer lockeren, teilweise naiven, aber sympathischen Art sofort in mein Herz gewühlt hat. Man wünscht ihr einfach nur das Beste und möchte, dass sie glücklich ist. Doch dann tritt ER in ihr Leben, und die Dinge in Rubys Leben geraten völlig durcheinander. Und ich war mittendrin! Habe mitgelitten, mitgefiebert, war wütend, enttäuscht, dann wieder hoffnungsvoll und in Flammen stehend. Wow! So ein Wechselbad der Gefühle hatte ich lange nicht mehr.

Das Anwesen Ceffyl-dŵr Hall als Schauplatz war eine willkommene (und gelungene) Abwechslung. Ich habe diese verruchte, düstere Atmosphäre förmlich aufgesogen und genossen. Auch das Zusammenspiel beider Figuren hielt mich regelrecht in Schach. Einerseits gab es Momente, wo ich fassungslos den Kopf geschüttelt habe. Andererseits jene Momente, die mir ein Lächeln entlockt haben. Zwar konnte und wollte ich nicht jede Handlung von Ruby gutheißen und nachvollziehen, mir war jedoch klar, warum sie sich zu ihnen entschlossen hat. Lag vor allem an ihren Wesenszügen, ihrem Charakter, ihrer Vergangenheit, die sie nicht nur geprägt, sondern auch gezeichnet hat. Das macht die Taten von IHM nicht unbedingt besser, doch muss man das große Ganze mehr hinterfragen.

"Die Welt braucht dich nicht. Und deshalb kannst du gehen."

Bei dem kleinen Zitat bekomme ich direkt Gänsehaut. ER lässt sich partout nicht in die Karten gucken und bleibt somit eine zwielichtige, aber dadurch auch interessante Person. Wobei ich nicht sagen kann, ob ich ihn mag oder nicht. Er hat Dinge getan, für die er garantiert nicht in den Himmel kommt. "Arme Ruby" habe ich oft gedacht. Und dann festgestellt, dass sie so arm gar nicht ist.

Die Ich-Perspektive mag ich nicht besonders, aber hier fand ich sie angenehm und authentisch. Ich konnte Ruby so besser greifen, mich in ihre Lage hineinversetzen, nachempfinden, was sie bewegt. Der mitreißende und bildhafte Schreibstil tat dabei sein Übriges. Insbesondere SEINE Sicht hat mich enorm gefesselt und fasziniert. Man bekommt dadurch manchmal einen anderen Blick auf (dieselben) Situationen. Schnell wird einem klar, dass ER seine Opfer nicht als gleichwertige Menschen sieht, sondern als seine Beute. Das sollte mich eigentlich abschrecken, hat es aber nicht. Vielleicht ist das die Faszination des Bösen, die mich angetrieben hat, weiterzulesen.

Wer offen gegenüber Dark Romance ist, gespickt mit einigen Thriller-Elementen, kommt hier voll auf seine Kosten.

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Veröffentlicht am 07.02.2025

Schonungslos, verstörend, spannungsgeladen

Niemand hört dich
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Als die Ostsee eines Tages die Leiche der jungen Dänin Caroline Hvidtfeldts an den Strand der Flensburger Förde spült, wird Mads Lindstrøm nach Kiel geschickt, um ebenjene zu identifizieren. Schnell wird ...

Als die Ostsee eines Tages die Leiche der jungen Dänin Caroline Hvidtfeldts an den Strand der Flensburger Förde spült, wird Mads Lindstrøm nach Kiel geschickt, um ebenjene zu identifizieren. Schnell wird klar, dass das seit Tagen vermisste Mädchen nicht einfach ertrunken ist. Caroline musste vor ihrem Tod unsagbare Qualen ertragen. Und es scheint so, als sei ein Serienmörder am Werk.

Karen Inge Nielsen erzählt schonungslos! Gleich zu Beginn beschreibt sie detailliert, welches abartige Spiel der Mörder mit seinem Opfer spielt. Gesagt werden sollte an dieser Stelle unbedingt, dass es sich wirklich um Kinder handelt - Caroline ist zum Zeitpunkt ihres Todes 11 Jahre alt -, wenn im Klappentext von Mädchen gesprochen wird. Tatsächlich war ich darauf nicht vorbereitet, als ich in die Handlung eingestiegen bin, und musste erst einmal ordentlich schlucken. Wer also zu Nielsens Thriller greift, sollte sich im Klaren darüber sein, dass im Verlauf der Story mehrfach explizite Gewalt an Kindern verübt beziehungsweise diese beschrieben wird.

Unabhängig davon liefert Nielsen einen gelungenen Auftakt-Thriller, der sprichwörtlich bis zur letzten Minute die Spannung auf einem hohen Maß halten kann. Die Einteilung der Handlungsabschnitte in tagesaktuelle Szenen unterstreicht die rasante Suche nach dem Mörder. Ihre klare und unverblümte Sprache tut ihr Übriges, um dem Ganzen den nötigen kühlen skandinavischen Anstrich zu verleihen.

Auffällig ist jedoch, dass Mads Lindstrøm schon die Oberhand in der Ermittlungsarbeit gewinnt. Der deutsche Kommissar Beckmann, so empfand ich es jedenfalls, spielte irgendwie eher eine Nebenrolle. Da Mads aber ein grandios gezeichneter Charakter mit ordentlichen Kanten ist, der meine Sympathie sofort gewonnen hat, tat das für mich erst mal nichts zur Sache. Und vielleicht ändert sich dieses Verhältnis auch etwas in Band 2.

Auch Mark Bremer hat mich als Sprecher vollkommen abgeholt. Mit seiner sonoren Stimme und der ruhigen Art zu sprechen, unterstreicht er die schnörkellose Erzählart Nielsens. Einzig wenn er versucht, Caroline Hvidtfeldts Mutter eine Stimme zu geben, konnte mich das nicht ganz überzeugen. Auch wenn so die Figuren sprachlich noch deutlicher voneinander abgegrenzt wurden, hätte es nicht Not getan und wirkte auf mich leider eher überdreht.

Alles in allem hat mich „Niemand hört dich“ aber begeistert. Sehr gut gefallen hat mir persönlich, dass Nielsen die Jagd nach dem Mörder bis zum Schluss ausreizt. Für mich seit langem mal wieder eine gut erzählte Story. Ich freue mich sehr auf Band 2!

Fazit: Dieses Buch ist nichts für schwache Nerven! Wer jedoch brutale skandinavische Thriller mag, wird den Auftakt zu Karen Inge Nielsens Grenzland-Trilogie sicherlich mögen. Für mich definitiv ein spannungsgeladener Start und daher empfehlenswert!

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