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Veröffentlicht am 04.02.2024

Phänomenaler Auftakt

Godkiller
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Nachdem Erzählungen um Götter momentan wieder im Trend sind, war mir klar, dass neben den Büchern von Madeline Miller das Debüt von Hannah Kaner stehen muss. Auch wenn die Genres unterschiedlicher nicht ...

Nachdem Erzählungen um Götter momentan wieder im Trend sind, war mir klar, dass neben den Büchern von Madeline Miller das Debüt von Hannah Kaner stehen muss. Auch wenn die Genres unterschiedlicher nicht sein könnten, finde ich die Geschichten, die um Götter gewoben werden, spannend.

„Es war schwer, einen Gott in seinem Element zu töten.“ Dieser Satz hat mich sofort gefangen genommen. Inara benötigt die Hilfe von Kyssen, der Göttertöterin. Sie ist an einen Gott gebunden, den Kyssen bisher nicht töten konnte. Nun müssen sie einander helfen. Ich möchte auch gar nicht allzu viel vom Plot verraten oder den Klappentext wiederholen. Es geht um viel Repräsentation, Freundschaft und wichtige Entscheidungen.

Die Idee, dass das Schicksal der Menschen beziehungsweise ihre Wünsche Götter entstehen lässt und deren Kräfte nährt, ist nicht neu, aber wenig vertreten und hier sehr gut ausgearbeitet. Generell ist der Plot mit dem Ideenkonstrukt klug durchdacht. Hier merkt man, dass die Autorin über zehn Jahre an diesem Buch gearbeitet hat. Wahnsinn, oder? Andererseits erkennt man das auch an der Erzählung, denn die Geschichte läuft langsam an und lässt sich insgesamt reichlich Zeit. Das passt allerdings auch, denn die verschiedenen Sichtweisen, aus denen die Story erzählt wird, brauchen nun mal Zeit, um zusammenzufinden.

Der Schreibstil wurde von den Übersetzern super eingefangen und wiedergegeben, denn auch im Original merkt man nicht, dass es sich um ein Erstlingswerk handelt. Kaner schreibt souverän und beschreibt die fiktive Welt, die sie erschaffen hat, mit einer Liebe zum Detail, die trotzdem nicht ermüdend ist. Die erdachten Eigennamen passen wunderbar in das Universum.

Fazit: Ich kann es kaum erwarten, den zweiten Teil in den Händen zu halten. Ich bin mir jetzt schon sicher: Das Warten wird sich lohnen! Nach diesem phänomenalen Auftakt liegt die Messlatte hoch. Freunde der Fantasy-Literatur sollten hier unbedingt reinschauen.

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Veröffentlicht am 28.01.2024

Ein Ereignis jagt das nächste

Trust Me – Ein Kind. Eine unmögliche Entscheidung. Wem traust du?
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Stellt euch vor, eine fremde Frau drückt euch im Zug ihr Baby in den Arm und bittet euch, einen Moment aufzupassen. Kurz darauf verlässt die Frau den Zug und überlässt euch eurem Schicksal. Klingt verrückt? ...

Stellt euch vor, eine fremde Frau drückt euch im Zug ihr Baby in den Arm und bittet euch, einen Moment aufzupassen. Kurz darauf verlässt die Frau den Zug und überlässt euch eurem Schicksal. Klingt verrückt? Ist es auch - und damit die perfekte Basis für einen nervenaufreibenden Thriller, den T.M. Logan uns hier auftischt.

Die Geschichte startet rasant, denn schon nach wenigen Seiten überschlagen sich die Ereignisse und fesselten mich direkt an die Handlung. Sei es die ausweglose Situation von Ellen, ihre Flucht mit dem Baby oder ihre verzweifelte Suche nach der Wahrheit – Logan hat den Spannungsbogen konstant oben gehalten und mir kaum Zeit zum Atmen gelassen. Er erzählt die Geschichte hauptsächlich aus Sicht von Ellen, wechselt aber immer mal wieder die Perspektiven, um den Leser die Handlung noch intensiver erleben zu lassen.

Mit Ellen hat der Autor eine großartige, mutige und liebenswerte Protagonistin erschaffen. Das Schicksal legt ihr und ihrem unerfüllten Kinderwunsch einfach so ein Baby in die Arme. Ohne zu zögern, beschützt sie die kleine Mia und würde ihr Leben für sie geben. Dabei hat mich ihre Entfaltung wahnsinnig fasziniert. Von der traurigen Ehefrau entwickelt sie sich nach und nach zu einer starken Persönlichkeit, die vor nichts und niemandem Angst hat. Doch auch sie ist nicht davor gefeit, dass es Menschen gibt, denen man nicht vertrauen sollte…

Zum Schluss hin gab es für mich kein Halten mehr. Atemlos fieberte ich der Auflösung entgegen und wurde am Ende selbst getäuscht. Logan macht dem Buchtitel alle Ehre und hat mir damit wieder bewiesen, dass man auf keinen Fall jedem blind vertrauen sollte.

Fazit: Ein grandioser Thriller, der mich kaum zum Atmen kommen ließ. Ein Ereignis jagt das nächste, und ich fühlte mich mittendrin bei der Verfolgungsjagd um Ellen und Baby Mia. Nervenkitzel pur und damit absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 28.01.2024

Düsterer Thriller mit interessantem Setting

Das Nord
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Geheimnisse, Sex und Lügen auf der Speisekarte eines Sternerestaurants

Nach einem verhängnisvollen Unfall ist Alex deprimiert, allein und arbeitslos, sein Selbstwertgefühl ist zerstört, sein Leben dümpelt ...

Geheimnisse, Sex und Lügen auf der Speisekarte eines Sternerestaurants

Nach einem verhängnisvollen Unfall ist Alex deprimiert, allein und arbeitslos, sein Selbstwertgefühl ist zerstört, sein Leben dümpelt eher aussichtslos vor sich hin. Rosige Aussichten für die Zukunft? Fehlanzeige! Das ändert sich jedoch, als er völlig unerwartet ein lukratives Angebot erhält. Alex wittert eine Chance raus aus seinem Loch und zögert keine Sekunde. Es handelt sich um einen heiß begehrten Job als Commis de Cuisine, Küchenassistent, im weltberühmten Sternerestaurant NORD in Åre. Doch schon bald wird die Arbeit in der Restaurantküche durch ein Netz aus Lügen, Sex und Drohungen ersetzt. Alex zweifelt, ist unsicher, denn was er anfangs für einen glücklichen Schicksalsschlag hält, entpuppt sich immer mehr zu einem Albtraum ungeahnten Ausmaßes. Er ist ständig auf der Hut und hat Angst, dass jemand von seiner tragischen Vergangenheit erfährt und diese gegen ihn verwendet. Denn eine kollegiale Zusammenarbeit findet Alex hier seltener vor. Vielmehr ist er - wieder mal - auf sich allein gestellt. Ich konnte nachvollziehen, warum er alles und jeden in Frage gestellt und niemandem vertraut hat. Dann betritt auf einmal Alice, die hübsche und wohlhabende Besitzerin des NORD, die Küche und der naive Alex verfällt sofort ihren Reizen.

Der Schreibstil dieses düsteren Thrillers ist einnehmend, die Sprache rau und unverblümt. Zudem haben die Autorinnen mit dem Setting im kalten Norden Schwedens eine beklemmende Atmosphäre geschaffen, die für Gänsehaut sorgt. Man ist hin- und hergerissen zwischen Mitfiebern und Gruseln, steht entweder selbst am Herd und bereitet Köstlichkeiten zu oder rennt draußen in der Eiseskälte durch den Schnee. Der Schauplatz, in dem NORD spielt, ist die gehobene Restaurantwelt, und die Liebe der Autorinnen zum Kochen kommt deutlich zum Ausdruck. Trotz allem, was sich hinter den Kulissen abspielt, würde ich gerne im NORD zu Gast sein. Es ist so, dass man fast vergisst, dass dieses Luxusrestaurant nicht wirklich existiert.

Mit Alice, der Chefin des NORD, wurde eine geheimnisvolle Figur geschaffen, die mir im Verlauf der Geschichte zunehmend unsympathischer wurde und die den ziemlich naiven Alex mit ihren vermeintlichen Avancen immer mehr vereinnahmt hat. Erzählt wird die Handlung aus Sicht von Alex, und wir müssen miterleben, wie dieser in einen gefährlichen Strudel aus Intrigen und Machtspielchen gerät. Ich wollte ihn abwecheselnd retten, anschreien und in die Arme nehmen. Eine Achterbahn der Gefühle, weil ich völlig gefangen war in der toxischen Geschichte.

Auch wenn das Ende ruhig eingeleitet wurde und etwas vorhersehbar war, konnte es mich dennoch gut unterhalten. Einige vielversprechende Prämissen wurden nicht voll ausgeschöpft, zum Beispiel die Hintergrundgeschichte von Alex, bei der es sich größtenteils um eine Annäherung an die Figur handelt. Insgesamt war noch Luft nach oben, da mir jedoch die Plotidee und der Handlungsaufbau gefallen haben, ließ sich das (etwas spannungsarme) Ende gut verschmerzen.

DAS NORD ist ein (überwiegend) fesselnder Psychothriller, der in die dunklen Schattenseiten der Gourmet-Szene eintaucht und seine Leser in Atem hält. Er macht zudem die Verletzlichkeit deutlich, die schwer auf einsamen und traumatisierten Seelen lastet. Bedrohlich, packend und dabei unfassbar authentisch. Ich bin mir sicher, dass das Power-Duo Anna Winberg Sääf und Katarina Ekstedt mit DAS NORD die Thriller-Szene erobern wird.

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Veröffentlicht am 22.01.2024

Süchtig nach dieser Reihe!

Seven Days
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Der junge Afro-Amerikaner Andy soll seine Arbeitskollegin Skylar getötet haben. So zumindest lautet die Anklage des Staatsanwalts Randal Korn. Doch die Vorgeschichte von Korn macht Eddie Flynn auf den ...

Der junge Afro-Amerikaner Andy soll seine Arbeitskollegin Skylar getötet haben. So zumindest lautet die Anklage des Staatsanwalts Randal Korn. Doch die Vorgeschichte von Korn macht Eddie Flynn auf den Fall aufmerksam. Korn hat schon zu viele unschuldige Menschen auf dem elektrischen Stuhl hinrichten lassen. Aber nicht Andy – dafür will Flynn sorgen und lässt sich eine extra Lizenz ausstellen, die es ihm ermöglicht, in einem anderen County als Anwalt zu fungieren. Cooler Schachzug! Aber die Beweise sind erdrückend, dafür hat Korn gesorgt. Wer bereits einen Teil der beliebten Reihe gelesen hat, weiß jedoch: Flynn wäre nicht Flynn, wenn er nicht einen Ausweg finden würde, um Andy zu entlasten. Dabei bringt er nicht nur sich, sondern sein ganzes Team in Lebensgefahr. Und mich in völlige Eskalation! Was habe ich mich auf einen neuen Band gefreut. Zugegeben war auch etwas Angst mit dabei, ob mich der Autor diesmal enttäuschen bzw. nicht ganz abholen würde. Aber nö, Pustekuchen! Cavanagh kann’s einfach!

Ich habe fleißig alle Bände dieser Reihe verschlungen und dachte immer, dass ich bereits alle Facetten von Flynn kenne und er mich kaum noch überraschen kann. Falsch gedacht! Denn Flynn ist nicht nur ein Stehaufmännchen und Überlebenskünstler, er ist auch ein Mensch mit einem großen Herzen, der es nicht ertragen kann, wenn jemandem Unrecht getan wird. Deshalb nimmt er sich pro bono dem Fall von Andy an und zeigt wiedermal sein ganzes Talent. Dabei hat er diesmal volle Rückendeckung von Kate, Harry und Bloch – einem Team, dem er bedingungslos vertrauen kann. Ich wäre so gern ein Teil von ihnen!

Der Schreibstil von Cavanagh ist schonungslos, direkt und ohne Tamtam. Er greift die bedrückende Atmosphäre im Gerichtssaal auf und ich als Leserin hatte das Gefühl, gleich die Stecknadel fallen zu hören. Ich fühlte mich mittendrin – sei es auf der Anklagebank oder in den Reihen der Jury. Ich habe mit Andy mitgefiebert und bis zur Urteilsverkündung voller Faszination das anwaltliche Talent von Eddie und seinem Team mitverfolgt und bewundert.

Fazit: Große Liebe für Eddie Flynn! In diesem Teil hat der Autor sogar noch mal eine Schippe obendrauf gelegt und mich auf eine Art und Weise fasziniert, die nur schwer zu toppen ist. Bitte lass‘ diese Reihe niemals enden, lieber Steve! Ich bin nämlich total süchtig nach Flynn!

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Veröffentlicht am 06.01.2024

Spannend, aber stellenweise anstrengend

Die Vermisste
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Das Thema Mutterschaft zieht sich wie ein roter Faden durch die Bücher von Caroline Corcoran. Dieses Mal geht es um eine Mutter, die aus unerklärlichen Gründen ihr Neugeborenes zurücklässt und spurlos ...

Das Thema Mutterschaft zieht sich wie ein roter Faden durch die Bücher von Caroline Corcoran. Dieses Mal geht es um eine Mutter, die aus unerklärlichen Gründen ihr Neugeborenes zurücklässt und spurlos verschwindet. Was veranlasst die junge Frau dazu?

Hierzu gibt es viele Gedanken aus den unterschiedlichsten Perspektiven. Unerwarteterweise gehört die von Romilly dazu – nach dem Lesen des Klappentextes bin ich davon ausgegangen, dass ihre Sicht der Dinge maximal spärlich einfließt. Auch ihr Ehemann kommt zur Sprache, und die Dritte im Bunde ist Romillys Freundin. Diese Abwechslung macht einiges an Spannung aus, denn nicht nur Freunde und Familie fragen sich, warum die frischgebackene Mutter einfach gegangen ist, sondern auch der Leser. Wie wir eingangs erfahren, ist Romilly auf der Suche nach einer Frau. Sie denkt immerhin an ihre kleine Familie, die sie zurückgelassen hat. Malt sich verschiedene Szenarien aus, zerdenkt jeden Gedanken. Ihre Sicht auf die Ereignisse fand ich sehr zermürbend.

Marcs Perspektive hingegen fand ich zunehmend spannender. Bei ihm stieg die anfängliche Verzweiflung zwischen den Seiten hervor wie ein feiner Nebel, wurde schwer und drückend, als sie sich in Panik und Angst verwandelte. Auch Wut schwingt mit, allerdings eher unterschwellig, denn Marcs Befürchtung, das Romilly an postpartaler Depression leidet, erhebt sie in seinen Augen fast zu einer Unschuldigen, die im Hormonrausch ihre Fähigkeit zum rationalen Handeln verloren hat. Das kommt natürlich vor, erschien mir in diesem Ausmaß allerdings unrealistisch. So kam es, dass ich Marcs Figur auch am meisten abgewinnen konnte, während Romilly immer blass blieb.

Fazit: Einerseits ein spannender Thriller, andererseits fand ich die oftmals kleinschrittig beschriebenen Gedankengänge der Charaktere anstrengend. Nichtsdestotrotz hat mich das Buch gut unterhalten und miträtseln lassen!

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