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Veröffentlicht am 06.09.2023

Histo-Krimi mit Gänsehautfaktor

Flammentochter
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Unsere Hauptprotagonistin ist die 13-jährige Margaretha, die nach dem Pesttod der Eltern vom Bruder zur Müllerin abgeschoben wurde, die Kinder als billige Arbeitskräfte aufnimmt. Ich hatte sofort Mitgefühl ...

Unsere Hauptprotagonistin ist die 13-jährige Margaretha, die nach dem Pesttod der Eltern vom Bruder zur Müllerin abgeschoben wurde, die Kinder als billige Arbeitskräfte aufnimmt. Ich hatte sofort Mitgefühl mit dem zarten Mädchen, das mit ansehen musste, wie ihr Elternhaus abgebrannt wurde, in dem die Mutter gerade starb. Ich wollte sie in die Arme nehmen und weinen lassen. Alles was sie möchte, ist, mit ihrem Bruder zusammen zu sein. Sie wünscht es sich so sehr, dass sie sich selbst als Hexe bezichtigt, nachdem sie in der Schule von den Hexenprozessen gehört hat. Was muss in dem Mädchen vorgehen, dass sie sich zu einem solch drastischen Schritt entscheidet?

Im Fokus steht de facto der Prozess gegen Margaretha. Interessant fand ich die unterschiedlichen Sichtweisen und Sympathien für das Mädchen von Seiten, von denen ich es nicht erwartet hätte. Natürlich gibt es einen dunklen Gegenspieler, der die Situation zugunsten eines Glaubensmachtkampfes ausnutzen möchte und der den Ereignissen noch zusätzliche Spannungsmomente beschert.

Was mich am meisten beeindruckt, ist Margarethas Sichtweise auf den Glauben, der in der damaligen Zeit geradezu das ganze Leben bestimmte. Sie stellt Fragen, die mich heute selber noch beschäftigen. Obwohl sie gläubig ist und ich nicht, konnte ich mich in den Gesprächen, die sie mit dem Pfarrer im Gefängnis führte, wiederfinden. Man mag sich heute gar nicht vorstellen, wie furchtbar das war: Kälte, Nässe, Gestank, Ratten und schimmeliges Stroh um sich herum. Da bekomme ich schon von der Vorstellung Gänsehaut.

Gut fand ich die Kapitelgliederung, die in die jeweiligen Tage, Monate und das Jahr eingeteilt sind.
Das Ende kam etwas abrupt; es ist definitiv passend, aber ich dachte: Ups, schon zu Ende?!
Wichtig ist der Epilog, in dem viel erklärt wird über die tatsächlichen Personen und in dem der Hintergrund nochmal anders beleuchtet wird.

Großes Kompliment an die - mit 20 Jahren wirklich sehr junge - Autorin, wegen ihrer guten Recherche, dem Eintauchen in die eigene Familiengeschichte und einem guten, schnökerlosen Schreibstil.

Fazit: Leseempfehlung für Freunde historischer Romane, insbesondere über das düstere Kapitel des Dreißigjährigen Krieges, über Pest und Hexenverbrennung.

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Veröffentlicht am 06.09.2023

Tiefgründig, mitreißend, beeindruckend

Too Late – Wenn Nein sagen zur tödlichen Gefahr wird
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Asas Leben ist ein einziges Chaos. Er dealt, betrügt und benutzt Menschen, um sich zu holen, was er will. So macht er es auch mit Sloan. Sie ist zwar die Liebe seines Lebens, aber dennoch behandelt er ...

Asas Leben ist ein einziges Chaos. Er dealt, betrügt und benutzt Menschen, um sich zu holen, was er will. So macht er es auch mit Sloan. Sie ist zwar die Liebe seines Lebens, aber dennoch behandelt er sie wie sein Eigentum und macht ihr das Leben zur Hölle. Wäre Sloan nicht finanziell abhängig von ihm, wäre ihr eventuell schon die Flucht gelungen. Diese Chance wittert sie, als Carter in das Drogenhaus eingeschleust wird. Dass er ein Undercover Cop ist, weiß Sloan anfangs nicht. Aber ihre Gefühle sprechen direkt Bände, und sie weiß, dass Carter ihr Weg in die Freiheit sein kann. Aber leider auch ihr Todesurteil, wenn Asa davon Wind bekommt…

Hoover erzählt uns mit Too Late eine packende, intensive und hoch emotionale Geschichte aus drei unterschiedlichen Perspektiven. Mit ihrem charakteristischen und fesselnden Schreibstil gelingt es ihr dabei erneut, die Leser von Anfang bis Ende in den Bann zu ziehen und auf eine emotionale Achterbahnfahrt mitzunehmen. Dabei achtet sie gezielt auf die geschickte Handhabung von Spannung und unerwarteten Wendungen. Die klug konstruierte Story ist mit unvorhergesehenen Ereignissen gespickt, die den Leser ordentlich auf Trab halten.

Sloan ist eine zarte, liebevolle Person, die man einfach nur gern haben kann. Man merkt auffallend schnell, wie sehr sie sich nach Liebe und Zuwendung sehnt und wie stark sie unter Asa leidet. Er selbst ist ein schwer traumatisierter Charakter, der in seiner Kindheit durch die Hölle gegangen ist. Ich gebe zu, dass ich hin und wieder Mitleid mit ihm hatte wegen dem, was ihm angetan wurde. Aber es ist keine Entschuldigung dafür, dass er so ein Verhalten an den Tag legt und andere damit zerstört.

Colleen Hoovers Fähigkeit, die psychologischen Aspekte ihrer Charaktere zu erforschen, ist bemerkenswert. Sie taucht in die dunklen Ecken ihrer Gedanken und Gefühle ein und enthüllt nach und nach die komplexen Hintergründe, die zu ihren Handlungen führen. Dies verleiht der Geschichte eine Tiefe, die weit über eine gewöhnliche (toxische) Liebesgeschichte hinausgeht. Mit Fingerspitzengefühl wagt sich Hoover an sensible Themen wie Missbrauch, Trauma und emotionaler Belastung heran, was dieses Buch für mich zu einer echt herausfordernden Lektüre gemacht hat.

Fazit: Ein Roman, der mich aufgrund seiner tiefgründigen Charaktere, seiner mitreißenden Handlung und der schwierigen Themen, die er behandelt, ziemlich beeindruckt hat. Hoover beweist erneut ihr Talent, Geschichten zu erzählen, die die Leser berühren und nachdenken lassen. Wow! Einfach nur wow!

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Veröffentlicht am 02.09.2023

Ein kleines Meisterwerk

Psyche und Eros
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Psyche wächst als einziges Kind der königlichen Familie von Mykene auf und noch vor ihrer Geburt wird ihr eine Zukunft als Heldin vorausgesagt. Im Gegensatz zu anderen Mädchen in ihrem Alter gilt Psyches ...

Psyche wächst als einziges Kind der königlichen Familie von Mykene auf und noch vor ihrer Geburt wird ihr eine Zukunft als Heldin vorausgesagt. Im Gegensatz zu anderen Mädchen in ihrem Alter gilt Psyches Leidenschaft dem Kämpfen. Darin ist sie richtig gut und zudem bildhübsch, was die Götter, insbesondere Aphrodite, aufhorchen lässt. Aphrodite beauftragt Eros, mit einem magischen und verfluchten Pfeil auf Psyche zu zielen und sie damit in eine andere Richtung zu lenken. Doch die Dinge nehmen eine unerwartete Wendung, als Eros sich selbst mit dem Pfeil trifft und plötzlich unendliche Liebe für Psyche empfindet...

Als Liebhaber von Göttersagen fühlte ich mich von diesem Werk – nicht nur von dem verspielten Cover – ganz besonders angezogen. Der Einstieg in die Geschichte ist mühelos, da der Erzählstil direkt packend und flüssig ist. Luna McNamara wählt bewusst die Ich-Perspektive, welche zwischen den beiden Hauptcharakteren hin und her wechselt. Hiermit vermittelt sie nicht nur eine intensive Nähe zur Geschichte, sie schafft es ebenso, die Sprache der Epoche, in der die Handlung angesiedelt ist, zu übernehmen und lebhafte Bilder im Geist des Lesers entstehen zu lassen. Durch diesen realen und prosaischen Schreibstil begleiten wir Psyche nicht nur in ihrem Heranwachsen. Wir erleben hautnah mit, wie sie zu einer starken Persönlichkeit heranreift.

Die Charaktere sind detailliert ausgearbeitet, insbesondere die beiden Hauptfiguren. Es hat mir gut gefallen, dass McNamara diese facettenreich und tiefgründig dargestellt hat. Ebenso die Götter der griechischen Mythologie, die man am besten kennen sollte, um sich flüssig der Handlung zu widmen. Ansonsten kann die Story durchaus etwas verwirrend sein…

Zusammenfassend hat mir die Erzählung von Psyche und Eros außerordentlich gefallen, vor allem aufgrund ihrer abwechslungsreichen Handlung, die das Lesen zu einem Vergnügen macht. Ich finde jedoch, dass man beim Lesen konzentriert bleiben sollte, da sonst wichtige Details übersehen werden könnten. Diese Geschichte verlangt eine ruhige Leseumgebung, aber sie bietet auch etwas völlig Einzigartiges, das ich bisher noch nicht erlebt habe. Sehr empfehlenswert!

Fazit: McNamara ist ein echtes Meisterwerk gelungen. Mit literarischem Können erzählt sie hier eine unvergängliche Geschichte, die vor Leidenschaft strotzt und der griechischen Saga ein völlig neues Leben einhaucht. Ein Roman der Neuzeit und ein Must-Read für Fans griechischer Mythologie.

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Veröffentlicht am 02.09.2023

Ein verstörender Thriller

ANGST
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Mia will Schauspielerin werden und endlich hat sie ein wichtiges Vorsprechen. Nebenbei hat sie Dates und trifft sich mit Freunden in einem angesagten Café. Man lernt sie dadurch näher kennen und folgt ...

Mia will Schauspielerin werden und endlich hat sie ein wichtiges Vorsprechen. Nebenbei hat sie Dates und trifft sich mit Freunden in einem angesagten Café. Man lernt sie dadurch näher kennen und folgt ihr durch sämtliche Szenen Berlins. In pikfeine Edelrestaurants und in geheime "speakeasy" Clubs in abgelegenen Stadtteilen.

Die verschiedenen Eindrücke der pulsierenden Hauptstadt bringt der Autor authentisch rüber. Es fühlt sich fast so an, als wäre man mittendrin. Insbesondere dann, als sich merkwürdige Ereignisse häufen und Mia es mit der Angst zu tun bekommt. Denn ER taucht ständig wieder auf. Mia ist überzeugt davon, dass sie gestalkt wird. Da sie das aber nicht beweisen kann, versucht sie den Spieß umzudrehen und ahnt nicht, wie nah die Gefahr wirklich ist...

Was für 'ne coole Schreibe! Menger peitscht seine Leser temporeich durch die Seiten und pumpt ihnen jede Menge Adrenalin in den Körper. Man kann die angespannte Atmosphäre förmlich greifen und ahnt ganz aufgeregt, dass die nervenaufreibende Story vor dem Ende noch eine Wendung parat hat. Die Auflösung war zwar etwas vorhersehbar, aber trotzdem böse und hinterhältig. Ich war beim Lesen wie hypnotisiert.

Fazit: Wer Spannung und eine unheilvolle Atmosphäre sucht, wird hier garantiert fündig. Dieser verstörende Thriller lässt den Leser nicht zur Ruhe kommen und schnürt ihm die Kehle zu. Menger ist ein phantastischer Erzähler. Bitte mehr davon!

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Veröffentlicht am 31.08.2023

Konnte mich durchweg fesseln

Alles schweigt
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Ich liebe Geschichten, Klatsch und Co. rund um Hollywood. Daher hat mich dieses Buch direkt angesprochen.

Der Schreibstil konnte mich sofort catchen. Der Autor weiß, wie man Emotionen an den Leser bringt. ...

Ich liebe Geschichten, Klatsch und Co. rund um Hollywood. Daher hat mich dieses Buch direkt angesprochen.

Der Schreibstil konnte mich sofort catchen. Der Autor weiß, wie man Emotionen an den Leser bringt. Er schreibt sehr authentisch und lebhaft, sodass man als Leser gut ins Buch reinfindet. Ein wenig verwirrend fand ich das ganze Geographische rund um Los Angeles. Wenn man die Stadt nicht kennt, können einen die Infos zu den Locations et cetera etwas erschlagen.

Die Charaktere, sowohl Hauptcharaktere als auch Nebenprotagonisten, werden sehr gut eingeführt und harmonieren miteinander. Sie wirken authentisch und liebevoll ausgearbeitet. Insbesondere Mae stach aus der Masse heraus. Sie musste sich über die Jahre eine harte Schale zulegen, denn sonst würde sie im Promigewerbe Hollywoods ganz schnell untergehen. Generell haben es alle Charaktere innerhalb des Buches nicht leicht, denn hier heißt es: Fressen oder gefressen werden. Hollywood kennt keinerlei Grenzen. Diese Welt ist schmutzig und oberflächlich, außen glänzt sie, doch innerhalb sieht es ganz anders aus.

Dieses Flair konnte ich durch die ganze Geschichte hinweg spüren. Die Spannung hat sich dadurch kontinuierlich aufgebaut und ist selten abgeflacht. Ich wurde in einen Strudel von Intrigen mit reingezogen, dem ich nur schwer entkommen konnte. Diese allgegenwärtige Spirale des Misstrauens hat mich mitfiebern lassen, und ich habe tatsächlich bis zum Ende hin kaum erahnen können, wie unser Spiel ausgehen wird. Es hat mich stets in Atem gehalten und konnte mich daher stark für sich einnehmen.

Fazit: Ein überaus gelungener Thriller, mit dem ich so nicht gerechnet hab. Denn das Buch wird eigentlich eher in die Romansparte eingestuft. Authentische Charaktere, eine spannende und vielfältige Geschichte sowie eine fesselnde Schreibe machen dieses Buch empfehlenswert.

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