Profilbild von Recensio

Recensio

Lesejury Star
offline

Recensio ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Recensio über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.02.2023

Packendes Psycho-Drama

Therapiert
0

Die Inhaltsangabe erinnerte mich sehr an ein Buch, welches ich kürzlich gelesen habe. Dort ging es ebenfalls um eine Psychologin, deren Klienten nur die halbe Wahrheit erzählen. Dazu ist Martta Kaukonen ...

Die Inhaltsangabe erinnerte mich sehr an ein Buch, welches ich kürzlich gelesen habe. Dort ging es ebenfalls um eine Psychologin, deren Klienten nur die halbe Wahrheit erzählen. Dazu ist Martta Kaukonen eine finnische Autorin, und mit skandinavischen Thrillern bekommt man mich immer!

Wir begleiten die Psychologin Clarissa, berühmt und auch erfolgreich, eine Koryphäe auf ihrem Gebiet. Um ihren männlichen Kollegen nicht das Gefühl zu geben, dass sie ihnen intellektuell überlegen wäre (was sie natürlich ist), lenkt sie deren Blicke gezielt auf ihr Äußeres – gewagtes Outfit und perfektes Styling. Clever, oder? Sie erweckt bei den Lesenden den Eindruck, ihr Leben im Griff zu haben. Nach und nach stellt sich dann aber heraus, dass in Clarissas Leben sowohl im Beruflichen als auch im Privaten einiges im Argen liegt. Die Fassade bröckelt, als ihre neue Patientin Ira auf der Bildfläche erscheint.

Und jetzt wird es wirklich interessant, denn sie bezeichnet sich selbst als pathologische Lügnerin. Was kann man ihr glauben? Ihre Kapitel sind ein netter Einschub. Doch helfen sie dem Lesenden auch, das Rätsel zu lösen? Ira hatte eine traumatische Kindheit (hatte sie die wirklich?), mordet jetzt regelmäßig (wirklich?), aber möchte damit aufhören (meint sie das ernst?). Aus diesem Grund sucht sie Clarissa auf. Wobei, eigentlich nicht, denn sie hat etwas gegen Clarissa in der Hand, was sie gegen sie verwenden möchte, und will sie nur auf die Probe stellen. Verwirrend? Ja, genau. So ging es mir auch. Und genau das hat mich enorm an die Seiten gefesselt. Es war ein ständiges Häää? und Wieee jetzt?

Die Story wird aus mehreren Perspektiven erzählt, abwechselnd und unregelmäßig. Das wirft im Verlauf der Story ein anderes Licht auf die einzelnen Figuren. Clarissa und Ira sind zwei davon, zu den beiden gesellen sich noch ein Reporter und Clarissas Ehemann. Jeder mit eigenen Motiven, Ansichten und Erfahrungen. Das erhöht zwar den Spannungsbogen, viel Thrill kommt dabei leider nicht auf. Obwohl das Thema Gewalt hier keine untergeordnete Rolle spielt, ist es nicht dauernd präsent. Das trägt zwar zu einer düsteren Atmosphäre bei, die jedoch nicht dominiert.

Fazit: Martta Kaukonen konnte mich mit ihrem Debüt unterhalten. Zwar erschien mir das Ende etwas konstruiert, aber heutzutage gibt es kaum noch ein Buch, bei dem das nicht so ist. Für mich kein Thriller, aber ein packendes (und lesenswertes) Psycho-Drama!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.02.2023

Schonungslos, kritisch, unterhaltsam

Die Klinik
0

Mal ehrlich, geht ihr immer mit einem guten Gefühl ins Krankenhaus? Ich hatte bei meinen Krankenhausaufenthalten schon ein sehr mulmiges Gefühl, auch wenn ich da nicht gleich einen „Todesengel“ im Kopf ...

Mal ehrlich, geht ihr immer mit einem guten Gefühl ins Krankenhaus? Ich hatte bei meinen Krankenhausaufenthalten schon ein sehr mulmiges Gefühl, auch wenn ich da nicht gleich einen „Todesengel“ im Kopf hatte. Auf der anderen Seite liest man ja immer mal wieder von sowas, und spätestens nach diesem Buch bin ich heilfroh, dass ich, dreimal auf Holz geklopft, demnächst keinen Krankenhausaufenthalt vor mir habe.

Zitat Pos. 195:
„Die meisten Kranken auf dieser Station waren ohne Bewusstsein. Nach Meinung ihres Hamburger Chefs ließ sich eine künstliche Beatmung stark sediert auch besser verkraften. Aber Mecki war anderer Meinung, wie so oft. Mancher Chefarzt blendete aus, dass es bei einem Drittel der intubierten Patienten immerhin noch Monate nach der Langzeitsedierung zu posttraumatischen Belastungsstörungen kommen konnte. Aber wer hört schon auf eine wie sie?“

Bereits die ersten Seiten haben mich gefesselt, auch weil die Story in meiner Heimat spielt. Viele Orte und Gegenden aus dem Buch kenne ich somit sehr gut. So konnte ich mich noch besser in die Geschichte einfinden und hatte ständig Bilder vor Augen.

Die Handlung startet in der Vergangenheit. Hubertus Borck nimmt seine Leser 10 Jahre mit zurück in das Soltauer Hermann-Löns-Krankenhaus. Hier arbeitet Mecki, die schon mehreren Patienten dabei „geholfen“ hat, zu sterben. Der Zufall bietet ihr die Chance, an ein Hamburger Krankenhaus zu wechseln. Auch hier bleibt Meckis Treiben lange unentdeckt. Doch dann erheben Angehörige eines Verstorbenen schwere Vorwürfe.

Schonungslos ehrlich greift Borck das Thema auf und setzt es mutig in Szene. Die Rückblicke, die die Ermittlungsarbeit der beiden leitenden Kommissare Franka und Alpay immer wieder unterbrechen, steigern die Spannung enorm und geben zudem immer mehr Einzelheiten frei, die, zusammen mit den gegenwärtigen Geschehnissen, schlussendlich ein perfides Gesamtbild ergeben.

Borck versteht es, realistische Figuren mit sämtlichen Ecken und Kanten zu zeichnen. Besonders Franka und Alpay als leitende Ermittler haben mir wieder besonders gut gefallen. Ich mag es, wenn sich die Protagonisten innerhalb einer Reihe weiterentwickeln. Sie sind einfach rundum authentisch.

Fazit: Dieses Buch hat es definitiv in sich. Hubertus Borck hat es geschafft, ein kritisches Thema aufzugreifen und dieses in einen mutigen Pageturner zu verwandeln. Alles in allem ist „Die Klinik“ für mich ein sehr gelungener zweiter Teil und ich freue mich schon auf weitere Bände. Leseempfehlung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.02.2023

Braucht etwas Anlauf

Gib mir deine Angst
0

Ein Wochenendtrip mit den Freundinnen. Raus aus dem Alltag und einfach mal die Seele baumeln lassen. Klingt herrlich, oder? Das dachte sich auch Sam, als sie mit Margaret und Diana aufbricht. Doch schon ...

Ein Wochenendtrip mit den Freundinnen. Raus aus dem Alltag und einfach mal die Seele baumeln lassen. Klingt herrlich, oder? Das dachte sich auch Sam, als sie mit Margaret und Diana aufbricht. Doch schon an der ersten Raststätte ist plötzlich der Autoschlüssel verschwunden, und die Damen müssen in der gestrandeten Kleinstadt Catskill übernachten, in der zufällig Sams Ex Harry wohnt. Als dann kurz darauf auch noch Diana spurlos verschwindet und Sam Blutflecken entdeckt, gerät der Mädelsausflug völlig außer Kontrolle…

Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven erzählt, aus Sams und Margarets. Diese kapitelweisen Wechsel haben mir sehr gut gefallen und die Handlung deutlich spannender gemacht. Der Leser erhält viele Informationen zu den vorherigen Beziehungen des Dreiergespanns. Eigentlich sind alle drei getrennt, dennoch spielen die Ex-Partner eine enorm große Rolle. Durch die Geschehnisse in der Vergangenheit ist die Liste der Verdächtigen endlos lang – es könnte einfach jeder gewesen sein. Und genau das hat die Autorin hervorragend ausgeklügelt und geschickt verpackt.

Der Schreibstil von Konen ist flüssig, lebhaft und realistisch, die Charaktere präzise und authentisch gezeichnet. Spannungsmäßig war es mir mitunter leider ein wenig zu lasch. Etwa ab der Mitte des Buches hatte ich dann einen fiesen Durchhänger, da sich die Story nur noch im Kreis drehte und beinahe stillstand. Ein paar geschickte Twists haben die Handlung wieder angekurbelt. Dieser Zustand hielt sich dann auch konstant bis zum Ende.

Das Ende selbst hat mich richtig überraschen können. Mit diesem Ausgang hätte ich nie und nimmer gerechnet; ich war verblüfft und fasziniert zugleich. Und damit nicht genug, denn wer denkt, dass die Story mit dem Ende vorbei ist, der wird hier ordentlich überrascht. Ich persönlich liebe es ja, wenn die Wendung nochmal eine Wendung nimmt.

Fazit: Ein ausgeklügelter Thriller, der etwas Anlauf brauchte und mich erst zum Ende hin richtig begeistern konnte. Die Beziehungsprobleme anderer sorgen für gute Unterhaltung bei mir. Ein näherer Blick lohnt sich für alle Krimi- und Thriller-Fans, die ein bisschen Geduld mitbringen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.02.2023

Spannender white-knuckle Thriller

NIGHT – Nacht der Angst
0

Nachdem die beste Freundin der jungen Studentin Charlie dem Campus-Mörder zum Opfer fiel, will sie einfach nur noch weg von der Universität und findet recht schnell eine Mitfahrgelegenheit nach Hause. ...

Nachdem die beste Freundin der jungen Studentin Charlie dem Campus-Mörder zum Opfer fiel, will sie einfach nur noch weg von der Universität und findet recht schnell eine Mitfahrgelegenheit nach Hause. Der Weg ist weit - und schon bald fragt sie sich, ob es leichtsinnig war, zu Josh, den sie vorher nur einmal gesehen hat, ins Auto zu steigen.

Zitat Pos. 690:
"Sie weiß: Dass sie so schreckhaft ist, hat nichts damit zu tun, was Josh gesagt hat oder was für Klamotten er trägt oder wie er den Kofferraum eingeräumt hat. Sie ist nervös, weil Maddy etwas Schreckliches zugestoßen ist und sie denkt, das könnte auch ihr passieren."

Der Anfang beschreibt kurz, was ihrer Freundin Maddy zugestoßen ist und warum Charlie sich so schuldig an deren Tod fühlt. Sie hält es einfach nicht mehr aus, tagtäglich an dieses tragische Ereignis erinnert zu werden. Also flüchtet sie nach Hause.

In der ersten Hälfte des Buches dreht sich daher alles um die Autofahrt, die teils sehr informativ und interessant, aber dann auch irgendwann sehr ausführlich beschrieben wurde. Zudem wurden die Dialoge und Vorkommnisse künstlich in die Länge gezogen. Wahrscheinlich, um die Spannung zu erhöhen. Für mich hätte dieser Abschnitt aber gerne etwas kürzer ausfallen dürfen, denn eigentlich kann die Auflösung nicht so einfach sein, wie es der Autor den Leser hier glauben machen will.
Ab der Hälfte dreht sich dann, wie erhofft, das Blatt und man kann alles, von dem man bis dato völlig überzeugt war, über den Haufen werfen.
Das Ende fügt sich überraschend, aber authentisch zusammen und ist so ganz anders, als man dachte.

Zitat Pos. 42:
"Sie ist das Mädchen im Auto. Der Mann hinter dem Steuer ist ein Killer. Und so sicher wie jemand, der Filme wie diese schon hundertmal gesehen hat, weiß sie, dass nur einer von ihnen den nächsten Morgen erleben wird."

Fazit: Ein spannender white-knuckle-Thriller, der nach anfänglichen Längen eine tolle Wendung hinlegt und mich dann doch noch mitreißen konnte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.02.2023

Spannungsarm, langweilige Charaktere

Das Sanatorium
0

Elin hat sich nach einem traumatischen Fall eine Auszeit als Kommissarin genommen. Diese will sie zur Verlobungsfeier ihres Bruders Isaac in einem hippen Designerhotel in der Schweiz nutzen, um wieder ...

Elin hat sich nach einem traumatischen Fall eine Auszeit als Kommissarin genommen. Diese will sie zur Verlobungsfeier ihres Bruders Isaac in einem hippen Designerhotel in der Schweiz nutzen, um wieder zu Kräften zu kommen. Das neu eröffnete Hotel liegt abgeschieden hoch oben in den Bergen und wurde früher als Sanatorium für Tuberlukosekranke genutzt. Plötzlich überschlagen sich die Ereignisse: Elins Schwägerin Laure verschwindet, das Hotel ist wegen Lawinengefahr nicht mehr erreichbar - und eine Leiche wird gefunden. Elin ist nun auf sich allein gestellt und muss den im Haus befindlichen Mörder allein zur Strecke bringen…

Puh, wo soll ich nur anfangen. Die Story an sich klingt gut: neues Designerhotel, ein Mörder, der sein Unwesen treibt, und mal wieder die vollständige Isolation aufgrund der Witterung. Leider gibt es sehr viele Bücher, die eine ähnliche Geschichte aufgreifen, denkt man beispielsweise an „Das Chalet“ von Ruth Ware. Die Version von Sarah Pearse konnte mich nicht überzeugen. Die Spannung blieb für mich leider ganz oft aus, und auch die bedrückende Atmosphäre des einstigen Sanatoriums hat die Autorin nicht aufgegriffen. Da hätte man so viel rausholen können. Schade…

Auch der Bezug zu den Charakteren blieb vollständig aus. Erin als Hauptprotagonistin ist zwar sympathisch, aber sie war unnahbar und ihr Handeln oft nicht nachvollziehbar. Okay, sie hat einen schweren Fall hinter sich, zudem verarbeitet sie immer noch ein Kindheitstrauma. Ich als Leserin habe ihre psychische Verfassung deutlich gespürt und mich des Öfteren gefragt, wie sie es überhaupt zur Polizei geschafft hat bzw. warum sie den Job immer noch ausüben darf.

Der Schreibstil ist flüssig und leicht verständlich. Auch die Kapitel haben eine angenehme Länge. Der Ort der Geschehnisse könnte als Grundlage gruseliger nicht sein, und auch der geschichtliche Hintergrund ist an sich eine perfekte Vorlage für eine spannende Story. Doch wie schon erwähnt ist die Spannung leider nur sporadisch vorhanden. Viele Geschehnisse sind vorhersehbar und haben mir als Leserin die Neugier genommen. Im Schlussteil dreht sich die Handlung zwar abrupt, schließt aber mit einem unglaubwürdigen Ende ab.

Fazit: Mich konnte die Autorin mit ihrem Debüt nicht überzeugen, wobei man aus dem Ort des Geschehens eine tolle Story mit unheimlichem Setting hätte machen können. Wenig Spannung und langweilige Charaktere machen diesen Thriller zu einem Flop. Lasst euch davon jedoch nicht abschrecken, sondern schaut in die Leseprobe. Vielleicht gefällt euch das Buch ja?!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere