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Veröffentlicht am 13.09.2022

Innen wie außen ein Leckerbissen

Kingdom of the Wicked – Die Königin der Hölle
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Emilia hat im Zuge eines Paktes ihre Seele verkauft und reist mit dem dämonischen Höllenfürsten Wrath zum düsteren und verführerischen Hof der WICKED. Emilias Ziel ist es, den brutalen Mord an ihrer Schwester ...

Emilia hat im Zuge eines Paktes ihre Seele verkauft und reist mit dem dämonischen Höllenfürsten Wrath zum düsteren und verführerischen Hof der WICKED. Emilias Ziel ist es, den brutalen Mord an ihrer Schwester zu rächen. Sie sucht nach Hinweisen und magischen Gegenständen, doch an jeder Ecke lauern Gefahren.

Die Charaktere haben es geschafft mich zu überraschen. Wrath hat eine Seite von sich gezeigt, die ich so nicht erwartet hatte. In diesem Band ist er auch mal liebevoll und zärtlich, setzt sich für die ein, die er liebt. Manchmal neigt er zur Brutalität, was bei einem der sieben Wicked nicht anders zu erwarten ist. Jeder Dämonenfürst hat eine der Sünden für sich gepachtet, bei ihm ist es eben der Zorn.

Emilia selbst macht die größte Wandlung durch. Natürlich hat sie nach wie vor Rache geschworen. Sie gerät in ein Kreuzfeuer, welches für sie nicht unbedingt ungefährlich ist. Zwischendrin wird sie dann auch noch mit Gefühlen konfrontiert, die sie eigentlich nicht zulassen will. Daher entwickelt sie sich zu einer eigensinnigen, aber auch starken Frau, die ihre Werte weiterhin verfolgt, aber kaum jemandem vertraut. Dafür bewundere ich sie. Die Autorin hat mit den beiden wirklich zwei sehr authentische und tolle Charaktere geschaffen, mit denen es nicht langweilig wird. Auch die Nebenfiguren wurden großartig konzipiert.

Hin und wieder fehlte die Romantik und wurde eher zu Dark Erotic Fantasy, wo es schon mal zur Sache ging. Kann man es Emilia verübeln, wo Wrath einfach ein Sahneschnittchen ist? Ansonsten hat mir die Story richtig gut gefallen. Es wurden ein paar Fragen aus Band 1 aufgeklärt und die Hauptgeschichte weiterverfolgt.

Fazit: Der gelungene Mix aus Crime, Erotic und Dark Fantasy konnte mich insgesamt überzeugen. Ich möchte euch die Reihe ans Herz legen, wenn ihr gerne düstere Geschichten mit angenehmer Gruselatmosphäre und dramatischen Cliffhangern lest. Hier passt also nicht nur das (hübsche) Cover, sondern auch der (coole) Inhalt.

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Veröffentlicht am 07.09.2022

Solider Plot mit ein paar Schwächen

Terra Alta
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Die Bücher von Javier Cercas waren eine Weile auf Bookstagram in aller Munde. Auf die Terra Alta Trilogie bin ich dadurch sehr neugierig geworden und wurde auch nicht enttäuscht.

Der erste Teil hat mich ...

Die Bücher von Javier Cercas waren eine Weile auf Bookstagram in aller Munde. Auf die Terra Alta Trilogie bin ich dadurch sehr neugierig geworden und wurde auch nicht enttäuscht.

Der erste Teil hat mich sehr an die Bücher von Agustin Martinez erinnert. Auch diese sind in einem kleinen Dörfchen in der Einsamkeit angesiedelt. Hier ist der Protagonist Melchor Marín jedoch von ganz anderem Kaliber. Als Sohn einer Prostituierten, der ihren Tod rächen will, begibt sich Melchor als Polizist in den Dienst des Staates. Durch seine eigene Vergangenheit kann er sich besonders gut in die Menschen einfühlen, die auf der anderen Seite des Vernehmungstisches sitzen. Doch auch das bringt ihn im aktuellen Fall nicht weiter, und dieser soll unaufgeklärt zu den Akten gelegt werden. Zu einem Cold Case werden. Das kann er nicht hinnehmen. Und ich habe mich gefragt, wie es sich wohl anfühlt, wenn man nicht von etwas loslassen kann. Das haben wir ja schon in anderen Büchern oder Filmen erlebt, dass Menschen daran zerbrechen können, Jahre dafür opfern. Manchmal haben sie Glück und können den Fall wirklich noch lösen, manchmal eben nicht. Aber die Zeit, die sie investiert haben, bekommen sie nicht zurück. Hat mich ziemlich nachdenklich gestimmt, wie man merkt.

Melchor ist ein wirklich interessanter Charakter, der Autor hat hier gute Arbeit geleistet. Melchors Liebe zur Literatur lässt ihn in viele Welten eintauchen und zeigt ihm, wie seine Idole arbeiten. Leider, und das bemängele ich bei den meisten Geschichten, die im Bereich Krimi/Thriller angesiedelt sind, ist auch diese Story nicht realitätsnah und an manchen Stellen vorhersehbar. Melchors ausgeprägter Gerechtigkeitssinn bringt ihn dazu, die Grenzen der Legalität zu überschreiten. Es ist sehr nobel, dass er den Fall des grausam ermordeten Ehepaars nicht unaufgeklärt lassen möchte. Aber die Methoden sind mehr als fragwürdig, zumal das Ganze dann für ihn wenig bis keine Konsequenzen hat. Das wäre doch im richtigen Leben hoffentlich nicht so...

Die beschriebenen Brutalitäten stehen im krassen Gegensatz zum sonst eher unaufgeregten Erzählstil und wollen so gar nicht zum Leben in Terra Alta passen. Der Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit gibt der Story allerdings genug Auftrieb, sodass sich alles zu einem spannenden Ganzen zusammenfügt.

Für Liebhaber authentischer Ermittlungsarbeit nur bedingt zu empfehlen, aber generell kommen Krimifreunde hier auf ihre Kosten. Ich selber freue mich schon darauf, den nächsten Teil zu lesen.

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Veröffentlicht am 05.09.2022

Klug konstruierter Plot

Bruch: Ein dunkler Ort
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Dass Frank Goldammer informative, spannende Bücher verfasst und 'ne ziemlich coole Schreibe hat, war für mich nicht neu. Ich kenne bereits die Max-Heller-Reihe, Zwei Fremde Leben und Im Schatten der Wende ...

Dass Frank Goldammer informative, spannende Bücher verfasst und 'ne ziemlich coole Schreibe hat, war für mich nicht neu. Ich kenne bereits die Max-Heller-Reihe, Zwei Fremde Leben und Im Schatten der Wende - und freue mich bereits auf Die Verbrechen der anderen. Niemand sonst schafft es, Historisches und Kriminalistisches derart gekonnt zu verknüpfen, dass man einerseits dabei lernt, andererseits gut unterhalten wird. Daher war Bruch für mich quasi eine Pflichtlektüre. Hier habe ich mich aus Zeitgründen für das Hörbuch entschieden und es absolut nicht bereut.

Stefan Kaminski ist nicht nur ein deutscher Schauspieler, Autor und Synchronsprecher, sondern auch ein großartiger Hörbuchsprecher. Er hat eine sehr angenehme Stimmfarbe und weiß genau, wann er Sprechpausen einlegt und welche Betonungen wählt, um entweder Drama, Nervenkitzel oder eine sanfte Note einfließen zu lassen. Es wird nie langweilig, ihm zu lauschen. Man kann sich komplett von ihm berieseln lassen und in der Geschichte versinken.

Und diese hat es echt in sich!
Nachdem ein 12-jähriges Mädchen in einem Stadtteil von Dresden spurlos verschwunden ist, sind die Menschen in Panik. Die beiden Ermittler Felix Bruch und Nicole Schauer werden auf diesen Fall angesetzt. Ein Duo, das mich wahnsinnig gemacht und auch zum Lachen gebracht hat. Die Figuren könnten unterschiedlicher nicht sein. Felix, der wenig redet, schroff rüberkommt und sich nicht immer an Abmachungen hält. Auf der anderen Seite Nicole, die viel empathischer ist, aufgeschlossener und dadurch (trotz ihrer aggressiven Ausrutscher) auch liebenswerter. Wobei ich sagen muss, dass mich Felix mehr fasziniert hat. Eben weil er seine Ecken und Kanten hat und eben nicht mit dem Strom schwimmt. Jedenfalls haben es die beiden Protagonisten eine Menge zu tun - mit sich, mit dem Fall - und lassen den Leser daran teilhaben.

Ob Celina, das verschwundene Mädchen, noch lebt, kann keiner sagen. Man hofft und bangt und möchte das Bestmögliche versuchen, um sie zu finden. Die Chancen dafür könnten gut stehen, denn der Fall erinnert an einen ähnlichen von vor zwei Jahren, bei dem das Mädchen nach zwei Wochen wieder aufgetaucht ist. Ich konnte gut nachvollziehen, warum sich die Eltern dieses Mädchens weigerten, bei dem neuen Fall mitzuhelfen. Ich denke, man will traumatische Ereignisse einfach irgendwie vergessen und nicht ständig mit ihnen konfrontiert werden. Auch wenn das bedeutet, dass man wegsieht, statt zu helfen. Insbesondere dann, wenn Angst mit ihm Spiel ist. Und die wird wieder präsent, als herauskommt, dass Celina die beste Freundin des anderen Mädchens ist. Wie reagiert man dann als Elternteil? Man möchte wahrscheinlich nicht wahrhaben, dass man nicht länger die Augen davor verschließen kann. Da kriege ich echt Gänsehaut bei.

Generell wirkt der ganze Plot sehr genau konstruiert und ausgefeilt. Nichts wird dem Zufall überlassen. Man schlittert von einem Punkt zum nächsten, und ehe man es sich versieht, klappt man die Buchdeckel zu und fragt sich, wann es wohl eine Verfilmung von diesem Roman geben wird. Verdient hätte er es! Eine gute Figurenausarbeitung, die bildhafte Darstellung des Settings und die gewohnt coole Schreibe des Autors machen BRUCH, wie eingangs erwähnt, zu einer Pflichtlektüre.

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Veröffentlicht am 02.09.2022

Gut konstruiert mit kleineren Twists

Die Filiale
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Laura arbeitet bei der BWG Bank in Berlin. Nach einem versuchten Überfall behielt sie die Kontrolle und soll dafür zur stellvertretenden Filialleiterin befördert werden. Für Laura eine äußerst positive ...

Laura arbeitet bei der BWG Bank in Berlin. Nach einem versuchten Überfall behielt sie die Kontrolle und soll dafür zur stellvertretenden Filialleiterin befördert werden. Für Laura eine äußerst positive Nachricht, nachdem sie an dem Tag per Post die Kündigung für ihre Wohnung erhalten hat. Der Häuserblock, in dem Laura mit ihrem Mann Timo zur Miete wohnt, gehört ebenfalls der BWG Bank und soll an einen anderen Investor verkauft werden. Als Mieter gibt es ein Vorkaufsrecht, doch dafür braucht Laura einen Kredit, den ihre Bank ihr natürlich zu diesem Zweck nicht gewähren will. Sie macht sich demnach gleich unbeliebt und wird schon bald dafür büßen müssen...

Die Story wird in angenehm langen Kapiteln hauptsächlich aus Sicht von Laura erzählt. Diese ist eine unglaublich interessante Protagonistin. Schlau, gebildet, schlagfertig und überaus gewissenhaft. Sie hat mir regelrecht imponiert mit ihrem lockeren und mutigen Auftreten. Die Nebencharaktere waren ebenfalls authentisch und real gezeichnet und ihre Handlungen stets greifbar für mich.

Das Thema Aktienhandel steht hier klar im Fokus. Dem Leser wird hier einiges an Informationen geboten, die man gierig aufsaugt. Vor allem die Vorgehensweisen beim Handel im Darknet waren überaus interessant und zu keiner Zeit trocken oder langweilig.

Der Schreibstil war eloquent und flüssig und passte exakt zu den jeweiligen Geschehnissen. Gerade die bedrohlichen Sequenzen hat Etzold so real dargestellt, dass ich kurz das Atmen vergessen habe. Generell hält er die Spannung gekonnt aufrecht, weil es einfach ständig neue Entwicklungen gibt, die die Handlung immer wieder neu aufleben lassen.

Der Schlussteil war zwar vorhersehbar, wurde aber geschickt in Szene gesetzt und mit ein, zwei kleinen Überraschungen abgerundet. Ein gelungener Abschluss eines informativen und spannenden Thrillers sowie ein offenes Ende für die Fortsetzung der Reihe.

Fazit: Ein Reihenauftakt, der mich begeistern und zugleich bilden konnte. Wer an die Börse will, sollte hier erst Mal einen Blick reinwerfen.

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Veröffentlicht am 01.09.2022

Grausam, brutal, spannend - Carter!

Blutige Stufen (Ein Hunter-und-Garcia-Thriller 12)
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„Wie tötet man jemanden, ohne jemanden zu töten?“. Diese Frage beschäftigt die Ermittler Hunter und Garcia in ihrem neuesten Fall, der an Grausamkeit kaum zu übertreffen ist. Ein Serienmörder, der sich ...

„Wie tötet man jemanden, ohne jemanden zu töten?“. Diese Frage beschäftigt die Ermittler Hunter und Garcia in ihrem neuesten Fall, der an Grausamkeit kaum zu übertreffen ist. Ein Serienmörder, der sich selbst als Mentor bezeichnet, tötet nicht nur Menschen, sondern lässt diese bewusst ihren Todeskampf miterleben. Als ob das nicht schon schlimm genug ist, erhalten die Angehörigen ein paar Tage nach dem Mord Textnachrichten mit einem Video des grausamen Todeskampfes. Ein extremer Fall, der die beiden Ermittler und das ganze Team der UV-Einheit an seine Grenzen bringt…

„Im ersten Moment war Hunter wie gelähmt. Er begriff einfach nicht, weshalb der Täter Videos seiner Taten verschickte. [...] Doch diesem Täter ging es ganz offensichtlich um mehr als nur seine persönliche Befriedigung. Er hatte eine ganz neue Kategorie von Sadismus erschaffen.“ (Zitat)

Chris Carter versteht es, den Leser gleich zu Beginn abzuholen und ihn durch die Handlung zu schleifen. Die Grausamkeit der Taten ekelte mich einerseits an, faszinierte mich aber andererseits, da ich sowas Krankes und Perfides bisher noch nicht gelesen habe. Nicht mal vom Autor! Somit hat er sich hier selbst übertroffen.

Hunter und Garcia sind mir mittlerweile echt ans Herz gewachsen, weshalb diese Reihe für mich gar nicht mehr vom Buchmarkt wegzudenken ist. Und dieser Fall fordert die Ermittler nicht nur körperlich, sondern auch mental sehr stark. Die Morde, die schonungslose Härte, das Unverständnis darüber - all das geht nicht spurlos an ihnen vorbei, was der Leser auch deutlich zu spüren bekommt.

„Hunter war geneigt, seinem Partner zuzustimmen. Während ihrer Arbeit in der UV-Einheit hatten er und Garcia schon so manchen Mörder gejagt, dessen Hang zur Grausamkeit nicht von dieser Welt zu sein schien. Doch dieser hier übertraf sie alle.“ (Zitat)

Der Schlussteil ist für mich kaum in Worte zu fassen. Mit diesem Ausgang hätte ich nie und nimmer gerechnet. Mir ist wortwörtlich die Kinnlade runtergeklappt. Obwohl ich dachte, dass dieses Buch mir schon all meine Emotionen entlockt hat, hat das Ende dem Ganzen nochmal das i-Tüpfelchen aufgesetzt. Krass!

Fazit: Ein echter Schocker, der mir von Anfang bis Ende den Atem geraubt hat! Carter hat hier mal wieder all sein Können bewiesen. Wer auf kranke Geschichten und Blutvergießen steht, jedoch auf einen authentischen Background nicht verzichten möchte, ist mit „BLUTIGE STUFEN“ bestens bedient. Ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Teil - und muss das Gelesene bis dahin erst einmal verdauen.

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