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Veröffentlicht am 16.11.2021

Lässt uns in eine fabelhafte Welt abtauchen

Die Chroniken der Meerjungfrau - Der Fluch der Wellen
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Schon als Kind liebte ich es im Märchenbuch zu blättern oder sämtliche Verfilmungen zu schauen. Das hat sich zugegebenermaßen bis heute nicht geändert. Und nun ratet mal, welches zu meinen absoluten Lieblingsmärchen ...

Schon als Kind liebte ich es im Märchenbuch zu blättern oder sämtliche Verfilmungen zu schauen. Das hat sich zugegebenermaßen bis heute nicht geändert. Und nun ratet mal, welches zu meinen absoluten Lieblingsmärchen gehörte: richtig, Arielle!

Tatsächlich fühlte ich mich ganz zu Beginn doch sehr an die Disney-Verfilmung beziehungsweise an das Märchen von Hans Christian Andersen erinnert und war im ersten Moment etwas unschlüssig, wie ich das finden würde. Dieser Zweifel zerstreute sich aber noch im Verlauf des ersten Kapitels, denn Christina Henry greift zwar den allseits bekannten Teil der Meerjungfrauenerzählungen auf, kreiert darum aber eine ganz eigene Story, die nicht schöner hätte sein können.

Henry erzählt die Geschichte eines Wasserwesens, das seiner Zeit um Welten voraus ist. Als moderne, starke und emanzipierte Frau stößt sie in der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts auf viele Widerstände. Allen Anfeindungen und Neidern zum Trotz steht Amelia aber für ihren Glauben, ihre Liebe und ihr Anderssein ein. Aber wird sie schlussendlich wirklich frei sein?

Henry zeichnet ganz wunderbare Figuren, die allesamt durch ihre realistischen, individuellen Züge überzeugen. Mit ihrer Art zu erzählen, entführt Henry ihre Leser in eine phantastische Welt, die stets einen Bezug zur Realität behält. Und so fabelhaft die Story an sich auch zu sein scheint, stößt sie uns doch gleichzeitig immer wieder auf Missstände und Probleme, die sich bis in unsere heutige Zeit ziehen und die wir viel zu oft als gegeben hinnehmen.

Persönliches Fazit: Auch wenn ich wirklich nicht behaupten kann, dass es sich bei „Die Chroniken der Meerjungfrau“ um eine düstere Story handelt, was ich ehrlich gesagt wegen der anderen Chroniken-Bücher erwartetet hatte, so empfehle ich sie trotzdem jedem, der Märchen und phantastische Erzählungen mag! Einfach, weil es eine tolle Story für Erwachsene ist, die uns in fabelhafte Welten abtauchen lässt und dabei nie den Bezug zur Realität verliert.

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Veröffentlicht am 15.11.2021

Eine Geschichte über Freundschaft

Sie beobachtet dich
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Heather und Edie. Einst waren sie unzertrennliche Freundinnen, haben Tag und Nacht zusammen verbracht, sich ihre dunkelsten Geheimnisse erzählt und einfach ihr Leben genossen. Doch ein Ereignis hat die ...

Heather und Edie. Einst waren sie unzertrennliche Freundinnen, haben Tag und Nacht zusammen verbracht, sich ihre dunkelsten Geheimnisse erzählt und einfach ihr Leben genossen. Doch ein Ereignis hat die beiden von einem Tag auf den anderen entzweit. So lebt Edie nun in London und erwartet ihr erstes Kind. Als Heather plötzlich vor ihrer Tür steht, bricht für Edie eine Welt zusammen. Sie dachte, sie würde Heather nie wieder begegnen. Nicht nach all dem, was damals passiert ist…

„Plötzlich ist mir, als würde die Welt kippen, ich muss mich am Türrahmen festhalten, um nicht hinzufallen. Denn auf der Schwelle steht sie und sieht mich an. Nach all diesen Jahren ist sie da: Heather. Ich habe mir diesen Moment so viele Hundert Male und so viele Jahre lang vorgestellt, habe von ihm geträumt und ihn gefürchtet, sodass er sich jetzt, in der Wirklichkeit, einerseits völlig surreal und zugleich sehr enttäuschend anfühlt.“ (Zitat)

Die Story wird in zwei Handlungssträngen erzählt. Dabei begleiten wir Heather bei den Geschehnissen von damals und Edie in der Gegenwart. Beide Perspektiven wirken sehr lebendig und machen neugierig auf den Fortgang. Die Atmosphäre ist gerade in der Gegenwart sehr angespannt und strotzt nur so vor Spannung. Der Schreibstil ist locker, flüssig und zieht den Leser problemlos durch die Handlung.

Die beiden Hauptcharaktere wurden von der Autorin präzise und sehr real gezeichnet. Ich konnte mich problemlos in die Gedanken und Gefühle der jeweils anderen hineinversetzen. Sie kamen authentisch rüber und ihre Handlungen waren stets greifbar für mich. Hier hat Camilla Way sehr viel Wert aufs Detail gelegt, denn dem Leser bleibt keine andere Wahl, als beide Frauen ins Herz zu schließen. Noch bevor dem Leser überhaupt bewusst wird, welches Ereignis die Freundschaft zerstört hat.

Das Ende kam für mich äußerst überraschend und hat mich im wahrsten Sinne des Wortes umgehauen. Niemals hätte ich mit diesem Ausgang gerechnet und war deshalb unglaublich fasziniert. Die Story hat sich damit völlig gedreht, was ich unglaublich mag! Das Buch konnte ich jedenfalls mit großer Begeisterung beenden.

Persönliches Fazit: Eine Geschichte über Freundschaft, die erst auf dem zweiten Blick nicht so ist, wie sie scheint. Zwei tolle Protagonistinnen entführen den Leser auf eine spannende Reise und sorgen damit für Nervenkitzel.

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Veröffentlicht am 15.11.2021

Coole YA-Story, tolles Artwork

Poison Ivy: Dornenherz
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Im Mittelpunkt des Geschehens steht Pamela, die in der Schule von einem Jungen belästigt wird, dessen Eltern über viel Vermögen verfügen. Genau das lässt er auch raushängen und denkt, er kann sich einfach ...

Im Mittelpunkt des Geschehens steht Pamela, die in der Schule von einem Jungen belästigt wird, dessen Eltern über viel Vermögen verfügen. Genau das lässt er auch raushängen und denkt, er kann sich einfach nehmen, was er möchte. Doch da ist er an die Falsche geraten. Pamela möchte sich nicht wie ein Stück Fleisch behandeln lassen, und so beginnt es in ihr zu brodeln. Zu diesem Gefühlszustand trägt das familiäre Drama unglücklich bei. Pamelas Mutter ist auf einer Forschungsreise - zumindest lässt die Familie das jeden um sich herum glauben. Das dunkle Geheimnis, das sich wie ein Schleier um ihr Haus legt, muss nämlich auf jeden Fall bewahrt werden. Gar nicht so leicht, wenn da plötzlich eine Schulkameradin auf der Matte steht, die Unterschlupf sucht - und etwas total Faszinierendes an sich hat.

Die Geschichte um Pamela ist nicht nur der Ursprung von Poison Ivy, sondern thematisiert zugleich eine bittersüße Teenager-Romanze und greift zudem zwischenmenschliche Aspekte auf. Verdeutlicht wird so beispielsweise, dass es für Jugendliche durchaus schwer sein kann, sich selbst zu finden. Die eigenen Gefühle und Wahrnehmungen zu verstehen. Über diese zu sprechen. Sowohl Pamela als auch Alice sind mir während des Lesens ans Herz gewachsen, und ich habe ihre Erlebnisse gerne mitverfolgt.

Die Illustrationen vermitteln eine düstere, gothisch-angehauchte Atmosphäre. Viele Schwarz- und Grüntöne füllen Pamelas Welt, und ihre Gesichtszüge werden im Laufe der Geschichte schärfer, als sie beschließt, sich an ihren Feinden zu rächen. Dabei steht der Wunsch, die Pflanzen zu schützen, gleichbedeutend für den Selbstschutz. Der Autor schafft hier Parallelen, die aufzeigen, wie wichtig es ist, für sich und seine Prinzipien einzustehen.

Persönliches Fazit: Allein das Artwork ist Grund genug, sich für dieses Buch zu entscheiden. Darüber hinaus bekommt man eine bittersüße Nacherzählung der Entstehungsgeschichte von Poison Ivy. Insgesamt würde ich dieses Buch auf jeden Fall YA-Lesern empfehlen, die sich gerne mit Comics beschäftigen.

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Veröffentlicht am 04.11.2021

Beeindruckendes Artwork

Im Kopf von Sherlock Holmes: Das Rätsel der skandalösen Eintrittskarte
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Der Untertitel klingt erst einmal recht unspektakulär: Das Rätsel der skandalösen Eintrittskarte. Naaaja! Dahinter verbirgt sich jedoch eine spannende Detektivgeschichte, bei der man wunderbar miträtseln, ...

Der Untertitel klingt erst einmal recht unspektakulär: Das Rätsel der skandalösen Eintrittskarte. Naaaja! Dahinter verbirgt sich jedoch eine spannende Detektivgeschichte, bei der man wunderbar miträtseln, nachdenken und reichlich entdecken kann.

Gemeinsam mit dem schnell gelangweilten Holmes begeben wir uns nämlich auf eine abenteuerliche Reise, die uns quer durch London führt. Der Grund: Nachdem ein Kollege von Dr. Watson diesen in einer überaus seltsamen Angelegenheit um Hilfe gebeten hat und die Ereignisse selbst für Holmes ziemlich mysteriös erscheinen, wird dessen Schnüffelinstinkt geweckt und er widmet sich dem Fall. Endlich ist wieder was los in London, yay!

Als Fan vom berühmten Privatdetektiv war es sozusagen eine Pflicht, dieses Werk zu lesen. Es fiel mir auf, als der Splitter Verlag dafür Werbung gemacht hat und ich die wunderschönen Bilder sah (siehe Webseite des Verlags). Das Besondere an ihnen ist die unglaubliche Liebe zum Detail. Ich habe noch nie solche perfekt durchdachten, verspielten und extrem unterhaltsamen Illustrationen gesehen! Begleitet werden sie vom klassischen "roten Faden", dem man folgen soll, um galant durch die Story geführt zu werden. Dabei gibt es eine Menge zu sehen. Besonders stechen die Passagen hervor, in denen wir uns in Holmes' Kopf bewegen (hier ist der Buchtitel definitiv Programm!) und mitverfolgen, wie der Superschnüffler Zeugenaussagen abheftet, Indizien bewertet, Gedächtnisprotokolle abruft, Puzzleteile zusammensetzt und Fakten kombiniert. Und wie es sich für eine typische Holmes-Story gehört, sitzt man selbst oft genug mit einer Denkblase über dem eigenen Kopf da und fragt sich, wie zum Henker er da jetzt wieder draufgekommen ist.

Fazit: Ich bin so beeindruckt - sowohl von der Kriminalgeschichte als auch (ganz besonders!) von der künstlerischen Umsetzung -, dass ich diese Graphic Novel einfach jedem weiterempfehlen möchte. Packt sie auf eure Wunschlisten für Weihnachten, schenkt sie euch gegenseitig, euch selbst, klaut sie aus irgendeiner Buchhandlung (nein, bitte nicht!)... Aber lest sie!

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Veröffentlicht am 02.11.2021

Grundstein aller heutigen Vampirgeschichten

Interview mit einem Vampir
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Erzählt wird die Geschichte von Louis de Pointe du Lac, der im Alter von 24 Jahren zum Vampir gemacht wird. Wir befinden uns in New Orleans im ausgehenden 18. Jahrhundert. Louis hat seine Frau und ihr ...

Erzählt wird die Geschichte von Louis de Pointe du Lac, der im Alter von 24 Jahren zum Vampir gemacht wird. Wir befinden uns in New Orleans im ausgehenden 18. Jahrhundert. Louis hat seine Frau und ihr gemeinsames Baby verloren und kann dieses Schicksal nicht verkraften. Es zermürbt ihn, nagt an seiner Seele, bringt ihn beinahe um den Verstand. Er empfindet nur noch Schmerz und Trauer. Doch ehe er den Mut aufbringt, sein Leben zu beenden, taucht Lestat de Lioncourt auf. Er bietet sich Louis als Lehrmeister an, als Wegweiser in die verschlingende Welt der Dunkelheit - und Louis trifft eine folgenschwere Entscheidung.

Zitat: "Er ließ ihn am Ufer des Mississippi zurück, irgendwo zwischen Tod und Leben."

Diese Ereignisse werden in Rückblenden erzählt, denn die sekundäre Storyline zielt auf das Heute ab. Hierbei handelt es sich fast ausschließlich um einen Dialog zwischen dem Vampir und einem jungen Mann, der das Interview führt.

Zitat: "Es gab die Hölle. Egal wo ich hinging, ich befand mich in ihr."

Man merkt gar nicht, dass es Erzählungen sind, denn die Redeanteile von Louis sind so einnehmend, ergreifend und spannend, dass die Grenzen der Zeit miteinander zu verschwimmen scheinen. Das liegt sowohl an Rices lebhaftem und teilweise romantisch-düsterem Schreibstil als auch an der Faszination des Unsterblichen. Die Autorin hat ein Gespür dafür, wann sie Dramatik einfließen lässt oder das Augenmerk auf die Handlungsorte wie New Orleans oder Transsilvanien lenkt.

Die drei Hauptcharaktere wurden so fein gezeichnet, dass sie mir mit all ihren Ecken und Kanten ans Herz gewachsen sind. Ich habe Louis' innere Zerrissenheit und Traurigkeit gespürt, Lestats Wunsch nach einem Gefährten und Claudias Wut darüber, für immer gefangen im Körper eines Kindes sein zu müssen. So hat jeder von ihnen mit den Konsequenzen der Unsterblichkeit zu kämpfen, mit seinen Erinnrungen, muss sich selbst fragen, ob diese ein Geschenk sind - oder ein Fluch.

Persönliches Fazit: Louis' Lebensgeschichte ist mittlerweile weltbekannt und ich hoffe, dass auch die Generationen nach uns sie lieben lernen und zu schätzen wissen. Beeindruckend, zeitlos und womöglich der Grundstein für alle heutigen Vampirgeschichten.

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