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Veröffentlicht am 12.09.2025

Hat mich emotional völlig durcheinandergebracht

Ich hol mir dein Leben
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Im Prolog lernen wir die Zwillinge Tim und Tom kennen, die im Kinderheim leben. Das Verhältnis der beiden ist nicht rosig, und schnell wird klar, dass Tom die Oberhand hat. Als eine mögliche Adoption bevorsteht, ...

Im Prolog lernen wir die Zwillinge Tim und Tom kennen, die im Kinderheim leben. Das Verhältnis der beiden ist nicht rosig, und schnell wird klar, dass Tom die Oberhand hat. Als eine mögliche Adoption bevorsteht, sticht Tom seinen Bruder fies aus und ergaunert sich den Platz in der Pflegefamilie. Jahre später treffen die beiden Brüder wieder aufeinander und sind sich sicher, dass der jeweils andere ihnen das Leben geklaut hat. Während Tims Leben den Bach runter ging und er sogar ins Gefängnis musste, hat Tom ein viel schlimmeres Schicksal ereilt. Er litt Höllenqualen unter seiner Adoptivmutter - und dieses Trauma hat ihn zu einem echten Monster gemacht.

„Der Tag an dem ich Tim zurückließ, war der Beginn meines nie enden wollenden Albtraums.“ (Zitat)

Die Rückblicke in Toms Kindheit nach der Adoption sind erschütternd und haben mir emotional einiges abverlangt. Auf grauenvolle Art und Weise werden wir Zeuge, wie der kleine Tom von seiner neuen Mama gedemütigt und misshandelt wird. Ich war sprachlos über ihre selbst erfundenen Spiele, denen Tom nicht entkommen konnte. Jedes Mal schöpfte er aufs Neue die Hoffnung, dass dieses Spiel das letzte sein möge. Da hatte ich eine fette Gänsehaut, ehrlich! Er wurde gebrochen, und auch jetzt als reicher, erwachsener Mann hat er noch mit den Folgen dieses schweren Traumas zu kämpfen. Wäre sein Leben anders verlaufen, wenn Tim statt seiner adoptiert worden wäre?

Tim hingegen hatte gar keine andere Wahl, als auf die schiefe Bahn zu geraten. Nachdem sein Bruder ihn im Stich gelassen hat, ging Tims Leben nur noch bergab. Drogen, Gefängnis und ein gebrochenes Herz. Erst als er sich mit Maja anfreundet, die gegenüber von ihm wohnt, scheint sein Leben wieder Sinn zu haben. Maja zeigt Tim, wie schön das Leben sein kann und wie unfair es ist, dass sein fieser Bruder in einer prunkvollen Villa lebt und er in diesem Sozialbau sitzt. Sie überzeugt Tim davon, dass Tom ihm sein Leben geraubt hat und es Zeit ist, es sich zurückzuholen.

Der Schreibstil von Jana Martin ist mitreißend, hoch emotional und wendungsreich. Ich habe die beiden Erzählperspektiven der Brüder geliebt und auch ihre Entwicklung mit Neugier verfolgt. Gerade die Passagen aus Toms schlimmer Kindheit gingen mir sehr nahe. Die Mischung aus Wut, Neugier und Faszination machen dieses Buch so einzigartig. Ich habe selten so viele Emotionen auf einmal durchlebt und bin immer noch fix und fertig von dieser Handlung!

Fazit: Dieses Buch ist nichts für schwache Nerven und dennoch muss ich es einfach weiterempfehlen! Es hat mich von Anfang bis Ende gefesselt und emotional völlig durcheinandergebracht. Ich liebe Stories über Geschwister - und diese hier hat mich ganz besonders gepackt. Müsst ihr selbst lesen!

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Veröffentlicht am 07.09.2025

Nervenaufreibender Krimi, gut ausgetüftelt

Halloweenkind
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Es ist der Albtraum jeder Familie – das eigene Kind wird entführt. So erging es auch Tom und Amir. An Halloween vor genau zwei Jahren verschwand ihr Adoptivkind Vincent spurlos. Bis heute gibt es keinen ...

Es ist der Albtraum jeder Familie – das eigene Kind wird entführt. So erging es auch Tom und Amir. An Halloween vor genau zwei Jahren verschwand ihr Adoptivkind Vincent spurlos. Bis heute gibt es keinen Hinweis auf sein Verbleiben. Mit der Angst im Nacken wollen die Familien in Neuss dennoch an diesem Halloween wieder um die Häuser ziehen und Süßes oder Saures sammeln. Doch die Freude hält nur kurz, denn plötzlich ist der elfjährige Joshua verschwunden. Er trug genau wie Vincent damals ein Geisterkostüm. Ist ihm das zum Verhängnis geworden? Wer macht Jagd auf die unschuldigen Kinder? Und gibt es noch Hoffnung auf eine Rückkehr?

Direkt zu Beginn der Story stellt uns Engels alle Charaktere detailliert vor. Auf den ersten Blick ist es eine Vielzahl an Protagonisten, doch diese sind tatsächlich leicht auseinanderzuhalten. Wir erleben die Story auf zwei Zeitebenen. Zum einen wird das Verschwinden von Vincent vor zwei Jahren beleuchtet, während auf der anderen Ebene die aktuellen Geschehnisse rund um Joshua Thema sind. Ich mochte beide Perspektiven sehr gerne und habe die tragischen Ereignisse mit Neugier verfolgt. Ich war dankbar, dass wir die Geschichte hauptsächlich aus Leas Sicht geschildert bekommen, denn als Ex-Journalistin hat sie einfach ein Händchen für detaillierte Berichterstattungen.

Der Schreibstil von Engels ist mitreißend, düster und pointiert. Er hat nicht nur eine angespannte Atmosphäre geschaffen, sondern mich mit geschickten Wendungen mehrmals hinters Licht geführt. Irgendwann war ich so skeptisch, dass ich einfach niemandem mehr getraut habe. Aus gutem Grund, wie sich herausstellte! Das Ende ist dem Autor hervorragend gelungen. Ich hatte bis dahin absolut keine Ahnung, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln könnte, und wurde positiv überrascht.

Steffen Rössler macht als Sprecher einen tollen Job! Er weiß genau, wann er Pausen setzt und bestimmte Nuancen, zum Beispiel für dramatische Szenen, einfließen lässt. Ich habe gern seiner Stimme gelauscht.

Fazit: Ein nervenaufreibender Krimi über das Verschwinden zweier Kinder und dunkle Familiengeheimnisse. Hier ist nicht nur die Spannung von Anfang bis Ende präsent, sondern auch das Misstrauen gegenüber den Protagonisten. Genial ausgeklügelt und daher wärmstens zu empfehlen!

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Veröffentlicht am 07.09.2025

Ein weiterer gelungener Thriller der Autorin

BLUT
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Gunndís wollte schon immer auf einem Schiff arbeiten, genau wie ihr Vater, der bei einem tragischen Unfall ums Leben kam. Doch bei diesem Einsatz an Bord findet Gunndís Unterlagen bezüglich des Schiffunglücks ...

Gunndís wollte schon immer auf einem Schiff arbeiten, genau wie ihr Vater, der bei einem tragischen Unfall ums Leben kam. Doch bei diesem Einsatz an Bord findet Gunndís Unterlagen bezüglich des Schiffunglücks mit ihrem Vater. Außerdem hat sie das Gefühl, dass die Schiffscrew ihr nicht wohlgesinnt ist. Aber was steckt dahinter?

Zitat S. 20:
Sie schlug das Kochbuch auf, um das Rezept herauszusuchen – und erstarrte, als ihr Blick auf die Titelseite fiel. Dort stand handgeschrieben: "Für Papa, jetzt kannst du leckeres Essen für deine Seeleute kochen. Deine Gunndís"
Ihr wurde schwindlig, sie fühlte sich wie in einem Traum. Ihr Vater hatte das Buch, ihr Weihnachtsgeschenk, auf seine letzte Fahrt mitgenommen. Und das Schiff war mit Mann und Maus untergegangen.

"Blut" ist ein eigenständiger Thriller und nicht als Reihe deklariert. Dennoch spielen hier Karó und Týr, die man bereits aus anderen Büchern von Sigurdardottir kennt, ihre Ermittlerrolle. Auch wenn die private Geschichte von Týr in dieser Story nur wenig thematisiert wird, bietet es sich an, die Bücher in Reihenfolge zu lesen.

Während man in einer Erzählperspektive Gunndís auf den Fisch-Trawler begleitet, ermitteln Týr und Karó in einem unangenehmen Nachbarschaftsstreit, der zu eskalieren droht. Beide Geschichten sind spannend - aber völlig verschieden. Der Zusammenhang war für mich bis zum Ende nicht vorhersehbar und gut konstruiert, so dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Auch deuten einige Hinweise darauf hin, dass die Story um Týr noch nicht zu Ende erzählt ist und es bald eine weitere Geschichte dazu geben wird. Ich freue mich darauf.

Fazit: Ein weiterer gelungener Thriller der Autorin, mit spannenden Stories, geschickten Twists und guter Unterhaltung.

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Veröffentlicht am 28.08.2025

Düster, raffiniert, vielschichtig - Buchhighlight!

Rabenland
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Die Story beginnt bereits mit einer starken, geradezu schockierenden Szene: Ein bewusstloses, schwer verletztes 17-jähriges Mädchen wird vor den Türen eines Krankenhauses abgelegt. Was zunächst wie ein ...

Die Story beginnt bereits mit einer starken, geradezu schockierenden Szene: Ein bewusstloses, schwer verletztes 17-jähriges Mädchen wird vor den Türen eines Krankenhauses abgelegt. Was zunächst wie ein rätselhafter Unfall wirkt, bekommt schnell eine weitaus größere Dimension, denn die Jugendliche galt seit einem Jahr als verschwunden.

Bentow nutzt diesen Einstieg, um sofort eine bedrückende Grundspannung zu etablieren und den Leser mitten in die Fragen hineinzuziehen, die den gesamten Plot tragen: Wo war das Mädchen all die Zeit, und welches Geheimnis verbirgt sich hinter ihrer plötzlichen Rückkehr?

Die Ermittler Trojan und Weiss stehen vor einer besonders schwierigen Herausforderung. Denn das Mädchen leidet unter einer traumatisch bedingten Amnesie und kann sich an nichts erinnern. Stück für Stück müssen die beiden die Hintergründe rekonstruieren, wobei sich ein Netz aus Geheimnissen und bedrohlichen Verbindungen offenbart.

Bentows Sprache ist angenehm deskriptiv, ohne dabei an atmosphärischer Dichte zu verlieren. Die eingestreuten Hinweise auf die geheimnisvollen „Raben“ verleihen der Handlung eine dunkle, unheilvolle Atmosphäre.

Zitat S. 8:
Kroaah. Kroaah. Plötzlich fasste das Mädchen neuen Mut. Wenn Raben in der Nähe waren, sollte das ein Zeichen für sie sein. Bald darauf hatte sie eine Lichtung erreicht.

Besonders im letzten Drittel gelingt es Bentow, den Spannungsbogen noch einmal drastisch anzuziehen. Unerwartete Wendungen und überraschende Szenen halten den Leser in Atem und verhindern, dass sich eine Vorhersehbarkeit einschleicht. Die Auflösung überzeugt durch ihre Wucht ebenso wie durch ihre innere Logik, und sie hinterlässt den Eindruck einer geschickt durchdachten Konstruktion. Wow!

Fazit: Mit diesem zweiten Band gelingt Bentow eine Steigerung gegenüber dem Auftakt der Reihe. Der Roman verbindet Spannung und Atmosphäre, psychologische Raffinesse und düstere Bilder zu einem vielschichtigen Leseerlebnis. Ein Thriller, der nicht nur Fans des Autors begeistern dürfte, sondern allen empfohlen werden kann, die Wert auf klug konstruierte Spannungsliteratur legen.

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Veröffentlicht am 28.08.2025

Außergewöhnliches Setting, cleveres Storytelling

Silvercloak - Unter Feinden
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Wenn schon der Prolog dich völlig in seinen Bann zieht, dann ... brauchst du ungefähr 3 Tüten Chips, 2 Tafeln Schokolade und jede Menge Pflaster (um die abgekauten Fingernägel zu schonen).

Ich weiß gar ...

Wenn schon der Prolog dich völlig in seinen Bann zieht, dann ... brauchst du ungefähr 3 Tüten Chips, 2 Tafeln Schokolade und jede Menge Pflaster (um die abgekauten Fingernägel zu schonen).

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll vor lauter Aufregung ...

Vorweg: L. K. Steven entführt uns in eine gewaltige, abenteuerliche und schillernde Welt voller Magie, faszinierender Figuren und einem clever ausgefeilten Academia-Setting. Die Geschichte ist üppig, fies und dabei so herrlich abwechslungsreich, dass es nie langweilig wird.

Nach einem tragischen Vorfall in ihrer Familie, ist Saffron Killoran auf sich allein gestellt. Sie ist Mitte 20 und steht kurz vor ihrem Abschluss an der Silvercloak Academy, einer Art magischer Polizeiakademie. Hier findet sie den Mut und die Stärke, einen Racheplan zu schmieden. Ihr Ziel: die Bloodmoons, eine Art magische Mafia. Dabei muss sie aufpassen, ihre eigenen Fähigkeiten geheim zu halten. Denn der organisierte Verbrecherring ist brutal, und niemand im Buch schreckt vor Folter und Opferung zurück. Die Welt ist ein chaotischer Ort - und ich war mittendrin!

Storytelling ist das A und O und der Autorin hervorragend gelungen. Einige Beschreibungen waren so bildhaft, dass ich echt beeindruckt war. Und auch die kreativen Plotideen haben mich zum Staunen gebracht. Allein die Art, wie Magie hier funktioniert: Lust füllt die Magie wieder auf, Schmerz verstärkt sie. Die Licht- und Schattenseiten des magischen Systems spiegeln die düsteren Themen des Buches gut wider. Es ist ein ständiger Kampf zwischen Gut und Böse, zwischen Stärke und Zweifel, Mut und Angst. Düstere Fantasy, die diese Bezeichnung tatsächlich verdient.

Fazit: I'm totally hooked! Was für eine herrlich-dunkle, außergewöhnliche und unterhaltsame Story. Der Roman besitzt eine derart tiefgründige Welt, dass man förmlich in dieser versinkt.

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