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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.03.2018

Ein perfekt konstruierter Plot

Die Betrogene
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Kate Linville arbeitet als Polizistin bei Scotland Yard, ist Ende 30 und lebt sehr zurückgezogen. Sie ist ihren Mitmenschen gegenüber kontaktscheu und unsicher, was sie auch sehr einsam macht. Ihr einziger ...

Kate Linville arbeitet als Polizistin bei Scotland Yard, ist Ende 30 und lebt sehr zurückgezogen. Sie ist ihren Mitmenschen gegenüber kontaktscheu und unsicher, was sie auch sehr einsam macht. Ihr einziger stützender Halt war stets ihr geliebter Vater. Der hochrangige Polizist wurde grausam in seinem Haus ermordet. Von den Tätern fehlt bislang jede Spur. Kate wird nur schwer mit dem Verlust fertig. So ist es fast schon naheliegend, dass sie die Mordermittlungen des zuständigen Detectives verfolgt und selbst auf eigene Faust recherchiert. Ein weiterer Mord offenbart Verbindungen zu ihrem Vater, der offensichtlich nicht der war, für den er sich ausgab. Kate will die ganze Wahrheit erfahren und bringt sich dadurch selbst in tödliche Gefahr.

Der Schreibstil ist so, wie man es von der Autorin gewohnt ist: Gut durchdacht, präzise und flüssig.

Die Hauptprotagonistin Kate wirkt schüchtern, verletzlich, aber auch intelligent und zielstrebig. Es war interessant, sich in ihre Gedanken und Gefühle hinzuversetzen. Im Großen und Ganzen kann die Story mit weiteren facettenreichen Charakteren aufwarten.

Das Cover ist irgendwie typisch für Charlotte Link und hat mich daher überhaupt nicht überrascht. Es zeigt ein Feld und im Hintergrund ein abgelegenes Gebäude. Insgesamt wirkt das Szenario zwar nicht düster, jedoch stimmig.

Fazit: Ich habe das Buch regelrecht verschlungen. Eine äußerst komplexe Geschichte mit einem unvorhersehbaren Ende und somit ein perfekt konstruierter Plot.

Veröffentlicht am 15.03.2018

Spannend und packend

Totenfrau
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Nachdem ich versehentlich mit dem zweiten Teil begonnen habe und ihn super fand, wollte ich natürlich auch noch den ersten sozusagen nachträglich lesen.

Erzählt wird die Geschichte von Brünhilde Blum. ...

Nachdem ich versehentlich mit dem zweiten Teil begonnen habe und ihn super fand, wollte ich natürlich auch noch den ersten sozusagen nachträglich lesen.

Erzählt wird die Geschichte von Brünhilde Blum. Blum hasst ihren Vornamen abgrundtief, also legt sie diesen sozusagen ab und wird nur noch Blum genannt. Nach dem Tod der Adoptiveltern begann Blum regelrecht aufzublühen. Mittlerweile ist sie Mitte 30, Mutter und Bestatterin. Der Tod gehört wie selbstverständlich zu ihrem Leben dazu. Alles ändert sich jedoch an dem verhängnisvollen Tag, an dem ihr Mann beim Verlassen des Grundstücks mit seinem Motorrad von einem Auto erfasst wird und stirbt. Zunächst geht jeder von einem schrecklichen Zufall aus, doch schon bald entdeckt Blum Tonbandaufzeichnungen, die viele Fragen offen halten. War es gar kein Zufall, sondern ein geplanter Mord? Während sich das Netz der Wahrheit immer weiter spinnt, begibt sich Blum auf die Jagd und es wird klar: Blum hat nicht die Absicht die Mörder ihres Mannes vor Gericht zu bringen. Sie sinnt nach Rache ...

Der Schreibstil ist flüssig, die Sätze prägnant und stilsicher. Der Schreibstil mag polarisieren, mir hat er jedoch gefallen.

Die Hauptprotagonistin Blum ist keine Person, die man direkt einschätzen und bewerten kann. Dass sie von allen mit ihrem Nachnamen angesprochen wird, lässt sie ziemlich distanziert und unantastbar erscheinen. Dennoch hat sie auch andere Seiten, die man als Leser/-in im Verlauf der Story kennen lernt.

Das Cover ist schlicht, weiße Schrift auf schwarzem Hintergrund. Da ich leider oft bei einem Bücherkauf nach dem Cover gehe, wäre dieses Buch sicher nicht in meiner Einkaufstasche gelandet.

Fazit: Spannend, packend und außergewöhnlich. Ein Krimi mit einem ganz eigenen rasanten, eleganten Stil.

Veröffentlicht am 15.03.2018

Ein kleines, aber feines Meisterwerk

Winter in Maine
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Manchmal sind es die ersten Sätze eines Buches, die einen Leser sofort in den Bann schlagen und seine Neugierde wecken. Diese Erfahrung verbindet sich für mich mit diesem großartigen Werk.

Julius Winsome ...

Manchmal sind es die ersten Sätze eines Buches, die einen Leser sofort in den Bann schlagen und seine Neugierde wecken. Diese Erfahrung verbindet sich für mich mit diesem großartigen Werk.

Julius Winsome lebt mit seinem besten Freund, dem Pitbullterrier Hobbes, in einer Hütte in den Wäldern Maines, nahe der kanadischen Grenze. Eines Tages kehrt Hobbes nicht von einem seiner kleinen Ausflüge in die menschenleere Gegend zurück.

Julius sitzt in seiner Hütte am Feuer und liest, als ein Schuss, nicht weit entfernt, durch die Stille peitscht. Es dauert nicht lange, da findet er Hobbes angeschossen im Schnee liegen. Der Tod des geliebten Freundes trifft ihn tief und verändert sein bisher monotones Leben schlagartig.

Und so begibt er sich, ausgestattet mit dem Scharfschützen-Gewehr seines Großvaters, auf einen Rache-Feldzug allgemein gegen die abgestoßene Menschheit und besonders gegen die im Wald umherstreifenden Jäger.

Das Erschreckende daran: Man versteht Julius, ihn, diesen blutrünstigen und eiskalten Mörder, der beginnt, offenbar wahllos Menschen zu erschießen. Der erste Mord geschieht mit einer fast beiläufigen Selbstverständlichkeit. Man liest, versteht, nimmt es hin. Aber man urteilt nicht oder empfindet Missmut. Es wirkt, als würde ein Stück der eigenen Verwerflichkeit in ihm fortleben.

Der Schreibstil ist sehr angenehm, verständlich und ohne unnötige Schnörksel. Gerard Donovan ist ein Meister im Vermitteln einer überaus überzeugenden Erzählkunst. Weil er genau hinguckt, detailliert beschreibt und man sich seiner literarischen Präzision nicht entziehen kann.

Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wann ich zuletzt eine solche Sprache gelesen habe. Nicht nur, dass man die Kälte fühlt, die einsame Stille des Waldes, nein, auch die Ruhe und die Gelassenheit, die ein Mensch nach so vielen Jahren in der Wildnis empfindet.

Der Hauptprotagonist ist ein faszinierender Mann. Julius Winsome hat mich in vielerlei Hinsicht an mich selbst erinnert und mir vor Augen geführt, was Menschlichkeit bedeuten kann - außer dem, was wir gewohnt sind zu denken.

Das Cover ist schlicht und wirkt dennoch schick, mit schwarzer Schrift auf weißem Schnee-Hintergrund. Ich persönlich mag es sehr - so als absolute Winter-Liebhaberin ;) Das Büchlein erschien in einer Geschenkausgabe im kleinen Format, bedrucktes Ganzleinen mit Lesebändchen. Praktisch für jede Handtasche. :)

Fazit: Ein kleines, aber feines Meisterwerk ... eines jener seltenen Bücher, die äußerst lebensklug und dabei höchst unterhaltsam sind.

Veröffentlicht am 15.03.2018

Ein solider Krimi im klassischen Stil

Eisiger Dienstag
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Ein grausamer Anblick bietet sich der Sozialarbeiterin Maggie Brennan als sie die Wohnung der psychisch kranken Michelle Doyce betritt. Ein Toter sitzt fast verwest auf deren Coach, geschminkt und mit ...

Ein grausamer Anblick bietet sich der Sozialarbeiterin Maggie Brennan als sie die Wohnung der psychisch kranken Michelle Doyce betritt. Ein Toter sitzt fast verwest auf deren Coach, geschminkt und mit einem Keks im Mund. Dr. Frieda Klein erkennt einige Zusammenhänge in den Erzählungen der Verdächtigen und erfährt, dass es sich bei dem Toten um Robert Poole handelt.

Der Fall entwickelt sich äußerst komplex und absolut unvorhersehbar. Aber nicht nur der Fall ist sehr kompliziert, auch Friedas Privatleben gestaltet sich alles andere als einfach. Der zurückliegende Fall mit der Entführung der beiden Kinder (Band 1: Blauer Montag) holt Frieda wieder ein. Durch die starken Regengüsse taucht endlich die Leiche der jungen Studentin auf. Erst widerstrebend, dann mit zunehmendem Eifer stürzt Frieda sich in die Ermittlungsarbeit und kann der Polizei einige entscheidende Hinweise liefern.

Der Schreibstil ist flüssig und leicht verständlich. Man kommt mühelos in die Story rein und wird während des Lesens nicht durch Fehler oder Verständnisprobleme unterbrochen.

Ich habe mich auf eine intelligent konstruierte Handlung ohne unnötige Schilderungen und Ausführungen eingestellt und wurde nicht enttäuscht. Leider waren viele Szenen/Stellen zu vorhersehbar und wirkten etwas langatmig.

Die Hauptprotagonistin ist eine Frau, die durchaus polarisiert. Manchmal kam sie sympathisch rüber, manchmal sehr unsympathisch. Hier streiten sich also die Geister. Mir ist sie dennoch ans Herz gewachsen. Vielleicht gerade wegen ihres undefinierbaren Charakters. Nebenbei wird auch ein Blick in ihr Privatleben geworfen. In ihr schlummert ein sogenanntes Trauma, das die Ermittlerin kalt und abweisend zurückgelassen hat. Erst kürzlich wurde sie von ihrem Freund verlassen. Sichtlich gekränkt stürzt sie sich in ihre Arbeit.

Das Cover wirkt kühl, was hier natürlich zum Titel passt. Mir gefällt die Kombination aus schwarz und blau. Das Bild ist leicht verschwommen wie der Blick durch ein verregnetes Fenster.

Fazit: Ein solider Krimi im klassischen Stil. Lesenswert.

Veröffentlicht am 15.03.2018

Zeitlos, berührend und unglaublich fesselnd

Gehe hin, stelle einen Wächter
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Mit "Gehe hin, stelle einen Wächter" - zeitlich vor "Wer die Nachtigall stört" entstanden - erscheint nun das Erstlingswerk. Das Manuskript wurde nie veröffentlicht und galt als verschollen - bis es eine ...

Mit "Gehe hin, stelle einen Wächter" - zeitlich vor "Wer die Nachtigall stört" entstanden - erscheint nun das Erstlingswerk. Das Manuskript wurde nie veröffentlicht und galt als verschollen - bis es eine Freundin der inzwischen 89-jährigen Autorin im September 2014 fand. In "Gehe hin, stelle einen Wächter" treffen wir die geliebten Charaktere aus "Wer die Nachtigall stört" wieder, 20 Jahre später:
Die 26-jährige Jean Louise Finch hat alljährlich Sehn­sucht nach ihrer Heimat. Deswegen reist sie von New York, wo sie mittlerweile lebt und arbeitet, nach Maycomb in Ala­bama, wo sie geboren wurde und auf­wuchs. Ihr Bruder ist vor ein wenigen Jahren verstorben, seine Schwester Alexandra ist umgezogen. In den ersten Tagen scheint noch alles wie gewohnt zu sein, doch schon bald muss Jean Louise feststellen, dass sich einiges in Maycomb verändert hat. Der vorherrschende Rassismus ist stark spürbar. Zudem erfährt sie etwas, das ihr großes Vertrauen in ihren Vater zutiefst erschüttert ...

Der Schreibstil ist überraschend, angenehm und kein bißchen überspitzt. Man fühlt sich in die Zeit katapultiert und kann sich gedanklich direkt in das Geschehen integrieren.

Das Cover wirkt ein wenig befremdlich aufgrund der Farbkombination. Ich bin mir nicht einmal sicher, wie ich es bewerten soll. Es schreckt mich nicht ab, fasziniert mich aber auch nicht sonderlich. Ich würde sagen, dass ich es einfach hinnehme.

Fazit: Zeitlos, berührend und unglaublich fesselnd. Ich kann nur jedem Leser raten, die Nachtigall erneut zu lesen.