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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.09.2025

Wechselbad der Gefühle beim Lesenden

Schmutz
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Ich bin hin- und hergerissen. Dieses Buch bzw. die Geschichte hat meine Leselust und den Lesefrust hervorgerufen. Das geschieht sonst eher selten. Warum?

Die Ich-Erzählerin hat genug Geld, nein eher ...

Ich bin hin- und hergerissen. Dieses Buch bzw. die Geschichte hat meine Leselust und den Lesefrust hervorgerufen. Das geschieht sonst eher selten. Warum?

Die Ich-Erzählerin hat genug Geld, nein eher viel Geld, welches sie in monatlichen Schecks von ihrem Bruder erhält. Sie lebt in New York City und sie liebt Marken (besonders Kleidung), die sie stets und ständig shoppt oder anprobiert. Das Aufzählen der ganzen überteuerten Markenklamotten und die teilweise sehr kleinteilige Beschreibung von Handtaschen und Kleidung sowie die Beschreibung, was eine Person trägt, hat mich unheimlich genervt. Ich verlor mit jeder weiteren Zeile die Lust am Lesen.

Die Leselust steigerte sich, wenn sie von ihrem Leben bei der Großmutter erzählt. Den Garten beschreibt und die Freude am Leben. Auch die Passagen aus ihrem unkonventiellen Lehrerinnenleben fand ich interessant. Wie sie mit den Jugendlichen (nur Jungen) umgegangen ist, ihr Verhalten ihnen gegenüber und die ganz andere Art zu unterrichten (fernab des eigentlichen Lehrplans) ließ mich wieder in die Geschichte abtauchen. Ihre verzweifelten Versuche sauber zu sein bzw. sauber zu werden, waren nicht immer angenehm zu lesen. Man steht am Zaun und sieht zu, kann nicht weggehen, aber auch nicht einschreiten. Man muss es aushalten und weiterlesen.

Je weiter die Geschichte voranschritt, desto mehr meinte man zu verstehen, was in ihr vorgeht. Das Ende war mir aber zu verworren und schwerer nachvollziehbar. Ich glaube, dass ich die Botschaft, die die Autorin vermitteln wollte, verstanden habe, aber die Umsetzung war nicht meins.

Veröffentlicht am 12.09.2025

Spannend bis zum Schluss

Die Lotsin
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Es war mir wieder ein Fest Liewe Cupido und Xander Rimbach bei den Ermittlungen zu begleiten.

Sie hatten es auch diesmal nicht leicht. Sowohl private als auch dienstliche Probleme erschwerten die Suche ...

Es war mir wieder ein Fest Liewe Cupido und Xander Rimbach bei den Ermittlungen zu begleiten.

Sie hatten es auch diesmal nicht leicht. Sowohl private als auch dienstliche Probleme erschwerten die Suche nach dem Mörder. Oder war es doch Selbstmord, wie bisher die meisten annahmen? Doch warum springt eine junge Frau über Bord? Vieles spricht dafür, denn sie war müde, traurig und hatte mit traumatischer Erfahrung zu kämpfen. Doch reicht dies aus?

Rimbach geht zunächst allein auf das Schiff, um die Besatzung zu befragen, die jedoch recht wortkarg ihm gegenüber auftreten. Er kann nichts finden, aber er bekommt das Gefühl, dass etwas nicht stimmt, nicht los. Da das Schiff das Hoheitsgebiet zweier Staaten gekreuzt hat, bricht wieder die Diskussion der Zuständigkeit aus. Rimbach gerät dazwischen und mit seinem Chef aneinander. Liewe Cupido wird hinzugezogen und so ermitteln beide weiter.

In diesem Fall führt eher Xander Rimbach die Ermittlungen. Er holt sich jedoch immer wieder den Rat von Cupido. Die Kombination aus dem eher wortkargen, verschlossenen und ruhig ermittelnden Cupido und des aufgewühlten, zu viel redenden Rimbach macht Spaß. Beide ergänzen sich gut und Rimbach kommt immer mehr auf die Augenhöhe von Cupido. Die Bindung zwischen den beiden Ermittlern wird langsam stärker.

Neben den Ermittlungen erfährt man diesmal auch etwas mehr aus dem Privatleben von Cupido. Seine Mutter und das schwierige Verhältnis zu seiner Schwester stehen im Mittelpunkt und zeigen eine andere Seite von dem Ermittler.

Die Verwicklungen von Forschung, Macht und Profit, die Einblicke in die Klimaforschung und die Schiffsfahrt und die Querelen zwischen den Behörden sorgten wieder für einen spannenden und interessanten Fall. Mathijs Deen beschreibt seine Charaktere und die Umgebung so gut, dass sie greifbar werden. Man spürt beim Lesen den Wind, die Kälte auf dem Geisterschiff und die Trauer der Charaktere.

Für mich war es wieder ein gelungener Fall und ich freue mich schon auf den nächsten Fall mit Liewe Cupido & Xander Rimbach.

Veröffentlicht am 02.09.2025

Gute Familiengeschichte, die im Kopf bleibt

Die Königin von Dirt Island
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Drei starke Frauen, die sich über viele Jahre den Rücken stärken, freihalten und sich gegen die äußeren Widrigkeiten stemmen. Eine junge Witwe lebt mit ihrer Schwiegermutter in einem Haus und gemeinsam ...

Drei starke Frauen, die sich über viele Jahre den Rücken stärken, freihalten und sich gegen die äußeren Widrigkeiten stemmen. Eine junge Witwe lebt mit ihrer Schwiegermutter in einem Haus und gemeinsam ziehen sie Saoirse groß. Die Liebe ist groß, die Streitereien ebenfalls, sie reiben sich aneinander und halten doch zusammen. Das Dorft tuschelt und beäugt die kleine Gemeinschaft, doch an der Liebe, die Saoirse bekommt, können sie nichts ändern. Selbst als Saoirse, selbst noch Teenager, schwanger wird, bleibt der Zusammenhalt bestehen. Nun leben vier Generationen unter einem Dach und trotzen den Anfeindungen, dem Zwist mit dem Onkel und der Häme.

Donal Ryan erzählt seine Geschichte in vielen kleinen Kapiteln mit teilweise sehr langen Sätzen. Für mich war es dadurch schwieriger in einen schönen Lesefluss zu kommen. Die Charaktere haben allesamt Ecken und Kanten. Sie wirken etwas spröde, ruppig und pragmatisch. Ihre Liebe zueinander wird durch Handlungen, Gesten und Zusammenhalt gezeigt. Trotz der rauhen Sprache und des herben Charmes mochte ich die Charaktere ganz gern, da sie trotzallem nie ihren Humor verloren haben. Ich konnte mir gut die Figuren und deren Umgebung vorstellen und auch in die Situationen einfühlen.

Eine starke Frauengeschichte, die packt und berührt, aber nicht rührselig oder einfach ist. Sie bleibt im Kopf.

Veröffentlicht am 27.07.2025

Weder schwarz noch weiß

Dunkle Momente
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Es gibt kein schwarz oder weiß.

Eva Herbergen hat in ihrem Leben als Strafverteidigerin so einiges erlebt. Sie soll ihre Mandant:innen vor der Strafe schützen. Sie muss über den Tellerrand schauen ...


Es gibt kein schwarz oder weiß.

Eva Herbergen hat in ihrem Leben als Strafverteidigerin so einiges erlebt. Sie soll ihre Mandant:innen vor der Strafe schützen. Sie muss über den Tellerrand schauen und prüfen, warum ist das Verbrechen verübt worden? Wer trägt wirklich die Schuld? Sie sammelt neben Beweisen auch Geschichten, die die Menschen zu Tätern werden ließen.

Elisa Hoven ist Professorin für Strafrecht an der Universität Leipzig und Richterin am Sächsischen Verfassungsgerichtshof und das liest man. Der Blick auf die Fälle ist oft nüchtern und sachlich. Ist man am Anfang noch schockiert über die Tat und dem Vorgehen muss man sich im Laufe der Ermittlungen eingestehen, dass nicht alles schwarz oder weiß ist. Vieles liegt in einem Graubereich und die Rechtsprechung überrascht nicht nur einmal. Doch auch die Strafverteidigerin Eva Herbergen bewegt sich immer wieder an der Grenze und manchmal überschreitet sie sie. Wie kommt sie damit zurecht und welche Konsequenzen ergeben sich daraus?

Die Fälle sind angelehnt an realistische Fälle (True Crime Liebhaber werden dies mögen). Die Fälle werden gut geschildert und zeigen die Diskrepanz zwischen Recht und Gerechtigkeit auf. Auch die moralischen Ansprüche werden beleuchtet. Können sie standhalten? Und welchen Einfluss haben die Medien, wenn sie unreflektiert, nach einer Schlagzeile gierend von dem Verbrechen schreiben? Wie viele Details kann man einer Bevölkerung zumuten? Es tauchen viele Fragen auf, die nicht immer alle beantwortet werden. Dafür hätte es ein paar Seiten gebraucht.

Insgesamt war es ein interessantes Buch, welches, dank eines guten Schreibstil, den Lesenden die Komplexität von Recht und Gerechtigkeit, von Moral und der Gefahr von Vorverurteilung aufzeigt.

Veröffentlicht am 27.07.2025

Vier Frauen

Samstagabend im Lakeside Supper Club
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Ein Lokal, eine Familie, 4 Frauen und fast einhundert Jahre.

Der Autor erzählt in einem ruhigen und (eher) langsamen Tempo die Geschichte von Betty, Florence, Mariel und Julia. Sie arbeiten und leben ...

Ein Lokal, eine Familie, 4 Frauen und fast einhundert Jahre.

Der Autor erzählt in einem ruhigen und (eher) langsamen Tempo die Geschichte von Betty, Florence, Mariel und Julia. Sie arbeiten und leben mit dem Lakeside Supper Club. Jede auf ihre Art, jede mit mehr oder weniger Herzblut und Leidenschaft.

Der Lesende taucht in eine kleinstädtische amerikanische Welt ein. Man kennt sich. Die Fremden werden beobachtet und selbst nach Jahren nicht vollständig akzeptiert. Wer einmal etwas verwerfliches getan hat, wird geschnitten und ignoriert. Doch es gibt auch die Hilfsbereitschaft, die Unterstützung und die Freundschaft untereinander und natürlich die Liebe. Zudem erfährt man auch einiges über den Konkurrenzkampf zwischen einem Familienbetrieb und den Fast-Food-Ketten.

Der Autor springt zwischen den Frauen hin und her, wirft Rückblicke ein und sorgt so, nach und nach für ein immer besseres Bild. Die vielen kleinen Puzzelteile setzen sich langsam zusammen. Die Charaktere der Frauen arbeitet er (bis auf Julia) gut aus und so sieht man drei starke Generationen nebeneinander stehen. Sie sind wie Magneten, mal abstoßend, mal anziehend. Sie reiben aneinander und lieben sich doch. Die Schicksalschläge sind manchmal hart zu lesen, aber real. Man fiebert mit, hofft auf gute Zeiten, um dann doch dem Schicksal in die Augen sehen zu müssen.

Die letzten Kapitel waren mir etwas zu schnell erzählt. Julia konnte sich, aus meiner Sicht, nicht so gut entfalten. Trotzdem mochte ich die Geschichte sehr gern.