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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.09.2020

Große Familiengeschichte, die etwas langatmig ist

Effingers
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Die "Effingers" ist ein sehr opulente Geschichte mit vielen Charakteren und Details, die sich über Jahrzehnte entwickeln dürfen. Die Geschichte hat mich sehr an die "Buddenbrooks" von Thomas Mann erinnert. ...

Die "Effingers" ist ein sehr opulente Geschichte mit vielen Charakteren und Details, die sich über Jahrzehnte entwickeln dürfen. Die Geschichte hat mich sehr an die "Buddenbrooks" von Thomas Mann erinnert. Mir gefallen die dicken Familiengeschichten, aber damit man bei über 900 Seiten am Ball bleibt, müssen spannende Ereignisse geschehen und die Charaktere müssen den Leser fesseln. Gerade bei den Charakteren hat dies bei mir leider nicht funktioniert. Ich bin teilweise mit den Frauen in der Geschichte nicht so richtig warm geworden.

Der Schreibstil der Autorin Gabriele Tergit hat mir gut gefallen. Er liest sich leicht und flüssig. Jedoch war das Tempo der Geschichte recht langsam und so kamen immer wieder Phasen der Langatmigkeit auf. Gelegentlich habe ich mir gewünscht, dass sie sich nicht zu sehr in den Details verliert, denn diese bremsten die Geschichte etwas aus.

Wer sich dieser Geschichte annimmt, muss die ganz dicken Schmöker mögen und auch die Langsamkeit der Geschichte zu schätzen wissen. Für mich waren zwar der politische und wirtschaftliche Hintergrund sehr interessant, jedoch konnten mich die Charaktere nur bedingt abholen und mitnehmen, so dass der Lesespaß etwas zurückhaltend war.

Veröffentlicht am 23.09.2020

Tolle Illustrationen, die die Liebe zu den Bergen zeigen

Layla im Reich des Schneekönigs
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Ich bin ein kleiner Fan von Reinhold Messner und habe auch schon eines seiner Museen besucht und mich mitreißen lassen in die Welt der Berge und der Bergvölker. Auch seine Bücher kenne ich und habe sie ...

Ich bin ein kleiner Fan von Reinhold Messner und habe auch schon eines seiner Museen besucht und mich mitreißen lassen in die Welt der Berge und der Bergvölker. Auch seine Bücher kenne ich und habe sie gern gelesen und blättere auch heute noch immer wieder darin. Deshalb war ich nun gespannt, wie das Kinderbuch von Reinhold Messner sein wird.

Mir hat es sehr gut gefallen. Es ist schön groß und da es einen festen Einband hat auch gut zu handhaben. Für Kinder ideal, da nichts umknickt. Die Illustrationen von Davide Panizza haben mir sehr gut gefallen. Weg von den Disneyfiguren und Klischees, hin zur einfachen, liebevollen unperfekten und dadurch realistischeren Darstellung der Figuren, der Berge, des Dorfes und der Natur. Man friert mit Layla im Zelt und spürt die Kraft und Ruhe der Berge. Es lohnt sich die Bilder länger anzuschauen, da sie oft viele kleine Details enthalten, die man auf den ersten Blick nicht sieht. Die Geschichte ist einfach und kindgerecht erzählt. Etwas Spannung, etwas Mut, viel Liebe zur Natur und den Bergen und das Erlernen der Magie.

Veröffentlicht am 16.09.2020

Enttäuschende Geschichte

Das Gewicht eines Pianos
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Eine Geschichte, zwei Handlungsstränge, zwei verschiedene Zeiten und ein Piano.

Daraus hätte man eine rundum gute Geschichte machen können. Die Idee fand ich auch gut, weshalb ich das Buch auch lesen ...

Eine Geschichte, zwei Handlungsstränge, zwei verschiedene Zeiten und ein Piano.

Daraus hätte man eine rundum gute Geschichte machen können. Die Idee fand ich auch gut, weshalb ich das Buch auch lesen wollte. Jedoch war die Umsetzung nicht so richtig gelungen. Vielleicht lag es auch am Schreibstil der Autorin, der mich leider nicht wirklich mitnehmen konnte. Sie beschreibt die Handlung recht distanziert (wie ein Beobachter) und selbst emotionale Momente wirkten befremdlich kalt. Phasenweise habe ich mich tatsächlich gefragt, ob die Autorin ihre eigenen Charaktere leiden kann.

Die Charaktere haben leider, wie die Handlung, diese Distanz und Gefühlskälte erhalten, so dass der Funke nicht wirklich übersprang und man nicht mit den Personen zusammen die Geschichte erlebte, sondern sich eher wie ein Zaungast fühlte.

Das Zusammenführen der beiden Handlungsstränge empfand ich als zu konstruiert. Das Verhalten von Clara (Verfolgung von Greg und ihrem Piano) war für mich nicht nachvollziehbar und eher unrealistisch. Wer reist tagelang mit einer gebrochenen und eingegipsten Hand einer anderen Person hinterher? Die Art und Weise der Kommunikation zwischen den beiden Charakteren wirkte sehr aufgesetzt und wenig emotional, obwohl beide einen emotionalen Bezug zum Piano haben.

Ich bin enttäuscht. Erwartet hatte ich eine schöne runde Geschichte über ein Piano, welches zwei Familiengeschichten miteinander verbindet. Gelesen habe ich eine lieblose Geschichte über überforderte und emtionslose Charaktere, die sich anscheinend in ihrer eigenen Handlung nicht wohlfühlen.

  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.09.2020

Vergiss den Koi-Teich im Flugzeug!

Crazy Rich Girlfriend
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Vergiss den Koi-Teich im Flugzeug!

Bei dem ersten Band habe ich noch den Vergleich zu Sex and the City gezogen, aber wer Band zwei gelesen hat, wird feststellen, dass die Girls von Sex and the City nur ...

Vergiss den Koi-Teich im Flugzeug!

Bei dem ersten Band habe ich noch den Vergleich zu Sex and the City gezogen, aber wer Band zwei gelesen hat, wird feststellen, dass die Girls von Sex and the City nur arme Aschenputtel waren. Kaum zu glauben, aber die Dekadenz und das BlingBling sind noch zu toppen. Es funkelt und glitzert auf jeder Seite, die Namen der Top-DesignerInnen werden nur so umhergewirbelt und ich als Leser mittendrin. Manchmal mit dem Gefühl in einer Dauerwerbesendung zu sitzen und oft mit dem Gefühl (nein, mit dem Wissen), dass ich in einer völlig anderen Welt lebe. Aber Kevin Kwan schafft es, dass man voller Faszination die Geschichte liest.

Superreich zu sein, bedeutet harte Arbeit. Man kann nicht einfach mal den Jogger aus dem Schrank holen, nein, es muss dann mindestens der Jogger von XY sein. Sehen und gesehen werden, stets gescannt zu werden, was man trägt und mit wem man sich trifft. Immer die Unterschiede zwischen Festlandchinesen und Hongkong-Chinesen wissen und den Inner Circle Tanz beherrschen. Für mich klingt es nach Stress, den man nicht braucht. Aber es macht Spaß, die anderen beim Balztanz, beim Abchecken und Geldausgeben zu beobachten.

Kevin Kwan weiß, wovon er schreibt. Er selbst stammt aus einer reichen asiatischen Familie und plaudert quasi aus dem Nähkästchen. Und das sind bekanntermaßen die besten Geschichten. Sein Schreibstil ist so leicht und flüssig, dass man sogar gern die vielen Fußnoten in Kauf nimmt. Sie sind gut, um sich bei den vielen chinesischen Gepflogenheiten und Regeln zurecht zu finden.

Sehr unterhaltsam und interessant, so darf der dritte Band bitte auch sein.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.09.2020

In diesem Fall wäre weniger mehr gewesen.

Terrorland
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Der sechste Fall für den Kommissar de Bodt und sein Team ist in erster Linie laut, explosiv und leider übertrieben.

"Christian v. Ditfurth ist mit seinen Actionthrillern den sonst vielgerühmten amerikanischen ...

Der sechste Fall für den Kommissar de Bodt und sein Team ist in erster Linie laut, explosiv und leider übertrieben.

"Christian v. Ditfurth ist mit seinen Actionthrillern den sonst vielgerühmten amerikanischen Autoren dieses Genres mindestens ebenbürtig" (Hessischer Rundfunk)

Dieses Zitat hätte mich hellhörig machen müssen, denn amerikanische Actionthriller meide ich. Sie sprechen mich nicht an. Und nun das. Christian von Ditfurth auf den Pfaden der amerikanischen Action-Autoren. Ich hoffte auf eine Übertreibung, aber nein, es war keine. Es knallte und explodierte, es wurde entführt und geschossen und es wurde immer verworrener und unglaubwürdiger. Frankreich, Russland, USA und Deutschland - alle sind dabei. Alle rühren in einem Topf, aber keiner vertraut irgendwem. Bei manchen Szenen hatte ich ein Déjà-vu, da sie mich an die vorherigen Fälle erinnert haben. Und warum nur hat der Autor Bob wieder herausgekramt?

Es war diesmal etwas anstrengend und je weiter die Geschichte voran ging, desto schwerer fiel es mir dem Autoren die Geschichte abzunehmen. Einzige Hoffnungsschimmer waren der grummelige und zynische Lebranc und sein junger Kollege Floire sowie die Teamkollegen von de Bodt Silvia Salinger und Ali Yussuf und deren ständiger verbaler Schlagabtausch.

In diesem Fall wäre weniger mehr gewesen.