Fantasievolle Familiengeheimnisse
Die Seelen von CopperdeerMitte der 90er führt Raymond ein recht normales Teenagerleben, von der Rivalität mit dem Schultyrannen und erstaunlich realistischen Träumen mal abgesehen. Doch sind es wirklich Träume? Und was verbirgt ...
Mitte der 90er führt Raymond ein recht normales Teenagerleben, von der Rivalität mit dem Schultyrannen und erstaunlich realistischen Träumen mal abgesehen. Doch sind es wirklich Träume? Und was verbirgt sein Vater?
An der Seite von Raymond lüftet man als Leser nach und nach immer mehr Rätsel und Mysterien, was für Spannung sorgt, auch wenn mal nicht so viel passiert.
Die Grundidee wird jedoch schnell vorgestellt, sodass man eine solide Basis bekommt, um sich zurechtzufinden. Ich will nicht zu viel über die luzide Ebene vorwegnehmen, aber die Autorin hat hier ein bekanntes Konzept genommen und es auf ihre eigene Art echt kreativ und schön weiterentwickelt. Immer wieder ergänzen neue Details das bisherige Wissen, man lernt quasi wie Raymond auch dazu.
Sehr positiv fand ich, dass auch düstere Seiten verdeutlicht werden, dies hat auf mich sehr realistisch gewirkt: Natürlich benutzt die Menschheit besondere Kräfte nicht nur für das Gute.
Generell fand ich die Darstellung der Emotionen durchaus gelungen: Trauer, Wut und Unsicherheiten kommen ebenso gut beim Leser an wie schöne Familienbande und fröhliche Momente.
Raymond als Protagonist wirkte teilweise sehr reif für sein Alter, in anderen Situationen jedoch wieder kindlicher. Zu Beginn musste ich mich erst etwas an ihn und seine Art gewöhnen, im Verlauf der Geschichte habe ich ihn jedoch immer besser verstanden und auch ins Herz schließen können. Die Charaktere hier sind alle keine klassischen Helden, sie handeln auch mal eher fragwürdig und haben ihre ganz eigenen Fehler und Schwächen.
Auch schön fand ich, dass passend zu der damaligen Zeit immer wieder kleine Hinweise zum Weltgeschehen oder Trends eingearbeitet wurden, so konnte man sich die Stadt und Atmosphäre dort noch besser vorstellen.
Was ich mir allerdings gewünscht hätte: Es bleibt am Ende doch noch einiges offen, das in den Folgebänden geklärt werden wird. Hier hätte ich mir eher einen großen Cliffhanger gewünscht, dafür aber alles andere schon gelöst gewusst.
So wirkt der Aufbau recht episodenartig mit vielen offenen Strängen, die vermutlich alle noch eine Rolle spielen werden.
Als Einführungsband in Raymonds Geschichte kann ich das Buch aber echt empfehlen und hoffe, dass es bald weitergeht!