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Veröffentlicht am 31.03.2025

Geschichte wiederholt sich

Vor hundert Sommern
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Die Autorin nimmt uns mit auf zwei Zeitebenen: Im Jahre 2024 verfolgen wir das Leben der jungen Studentin Lena, ihrer Mutter Anja und der Großmutter, die sich an das neue Leben im Heim gewöhnen muss. Ihre ...

Die Autorin nimmt uns mit auf zwei Zeitebenen: Im Jahre 2024 verfolgen wir das Leben der jungen Studentin Lena, ihrer Mutter Anja und der Großmutter, die sich an das neue Leben im Heim gewöhnen muss. Ihre Erzählungen der Vergangenheit zentrieren sich auf Clara, die sich 1924 durchschlägt.
Besonders gut gefallen haben mir die zahlreichen Parallelen: Lena und Clara trennen genau 100 Jahre und ähneln sich in gewisser Weise sehr, während gleichzeitig aber auch die Unterschiede deutlich werden, vor allem bedingt durch die Probleme der damaligen Zeit.
Dass unsere Gesellschaft jedoch noch längst nicht frei davon ist, wird im Verlauf der Geschichte auch immer wieder deutlich, so wiederholt sich beispielsweise der Antisemitismus. Die Botschaft ist klar und eindrücklich: Es sind 100 Jahre vergangen und die Menschheit hat teilweise nichts dazugelernt.

Aktuelle politische und gesellschaftliche Themen miteinzubeziehen finde ich grundsätzlich super und ich mochte auch die Idee hier sehr, jedoch kam es mir teilweise doch etwas zu überladen vor, als ob möglichst viele Themen untergebracht werden sollen, anstatt sich auf ein paar zu konzentrieren. Manches wirkte zwischendurch auch schon fast ein wenig klischeehaft und übertrieben, wie die Influencer-Karriere von Lenas Schwester oder Lenas Obsession mit dem Veganismus.
Das Spiel mit den Parallelen zu Clara führte auch dazu, dass es sehr viele "Zufälle" gab, die manchmal dann doch arg konstruiert gewirkt haben.

Der Schreibstil hat mir dafür gut gefallen, die Geschichte war durchweg angenehm zu lesen. Meine Favoriten waren hierbei die Clara-Kapitel, ich fand den Einblick in das damalige Leben und die Rolle der Frau sehr spannend und interessant. Als Kontrast dazu wurde ich nie so richtig warm mit Lena, was ich aber nicht als negativ empfunden habe - wir lernen viele Frauen kennen und manche davon findet man natürlich auch sympathischer als andere, hier wurde eine gute Mischung gefunden.
Durch Infos am Kapitelanfang weiß man auch immer, um wen es gerade geht und wann bzw. wo die Handlung spielt.

Ein paar Sachen sind mir unlogisch erschienen, wie kleinere Logikfehler oder nicht nachvollziehbare Entscheidungen bzw. Verhalten mancher Charaktere, jedoch hielt sich dies in Grenzen.
Dafür fand ich es schön, dass die Geschichte der Vergangenheit auf wahren Verwandten der Autorin beruht und man deren Zuneigung auch durch die Seiten hinweg spüren kann, ohne dass es unangenehm auffällt.
Insgesamt eine gelungene Familiengeschichte mit kleinen Mängeln, die das Lesevergnügen aber nicht stark beeinträchtigen.

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Veröffentlicht am 30.03.2025

Spannender Ausflug in den historischen Temple-Bezirk

Der Tote in der Crown Row
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Sir Gabriel Ward mag seinen geordneten Alltag, in dem alles nach seinen eigenen Vorgaben verläuft. Ein toter Richter vor seiner Tür ist da natürlich äußerst störend, vor allem, als er dann auch noch in ...

Sir Gabriel Ward mag seinen geordneten Alltag, in dem alles nach seinen eigenen Vorgaben verläuft. Ein toter Richter vor seiner Tür ist da natürlich äußerst störend, vor allem, als er dann auch noch in dieser Angelegenheit ermitteln soll, während er gleichzeitig an einem großen Rechtstreit arbeitet.
Die Autorin ist selbst Anwältin und arbeitet schon viele Jahre im ungewöhnlichen Londoner Temple-Bezirk, der auch hier Schauplatz der Handlung ist.
Dies merkt man auf jeder Seite, angefangen mit einer Karte bis hin zu zahlreichen interessanten Hintergrundinfos über das Leben, die Traditionen und die dortigen Bewohner. Als Leser bekommt man so nicht nur einen spannenden historischen Krimi im Jahre 1901 geboten, sondern auch eine Zeitreise und einen Einblick in diesen Mini-Staat des Rechts.

Die Sprache passt hierbei perfekt zu den Charakteren und der damaligen Zeit, immer begleitet von einer schönen Prise britischem Humors.
Passend zum Hauptcharakter verfolgt man sowohl einen Mord als auch einen Fall vor Gericht, ein Grundinteresse am Rechtswesen sollte beim Leser also vorhanden sein.
Die Geschichte selbst wird aus vielen Perspektiven erzählt, was ich aber durchaus angenehm empfand, da man so auch die vielen Nebencharaktere und Verdächtigen besser kennenlernt und Interesse an ihren Schicksalen entwickelt.
Gefühlt hat eigentlich jeder irgendein kleineres oder größeres Geheimnis, diese werden jedoch nach und nach alle zufriedenstellend aufgeklärt und dienen zuvor herrlich der Verwirrung.
Gabriel selbst war ein sympathischer Hauptcharakter, der mir mit jeder Seite mehr ans Herz gewachsen ist. Ihm zur Seite steht der junge Constable Wright, der einen schönen Gegenpol bildet. Ich mochte dieses ungewöhnliche Team sehr, auch wenn ich mir noch mehr gemeinsame Szenen gewünscht hätte.
Vielleicht im zweiten Band? Ich freue mich auf jeden Fall auf ein baldiges Wiedersehen!

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Veröffentlicht am 27.03.2025

Eine Geschichte ohne Helden

Ginsterburg
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Ginsterburg ist eine fiktive Stadt in Deutschland, deren Bewohner wir auf drei Zeitebenen (1935, 1940, 1945) begleiten dürfen. Dabei fällt es nicht schwer sich vorzustellen, dass es so ähnlich auch in ...

Ginsterburg ist eine fiktive Stadt in Deutschland, deren Bewohner wir auf drei Zeitebenen (1935, 1940, 1945) begleiten dürfen. Dabei fällt es nicht schwer sich vorzustellen, dass es so ähnlich auch in anderen Städten damals abgelaufen sein könnte - man erlebt eine fiktive Geschichte, die sich gleichzeitig sehr echt anfühlt.
Hierzu gehört auch, dass es keine wirklichen Helden gibt: Wir lernen eine Vielzahl von Charakteren kennen, begleiten ein paar davon ausführlicher durch die Jahre hinweg, aber eine wirkliche Verbindung konnte ich zu keinem aufbauen.

In diesem Sinne ist dies kein Buch für Leser, die gerne mitfiebern oder mitfühlen, vielmehr bekommt man einen ungeschönten Einblick in das damalige Leben.
Charaktere, die zunächst im Fokus stehen, verschwinden auch schnell wieder aus der Handlung oder sterben auch mal ganz nebenbei. Erwartete Konflikte oder Spannungen werden im Keim erstickt, Probleme werden gekonnt ignoriert. Die Gesellschaft verschließt die Augen, die Stadt versucht ihr "normales Leben" zu bewahren - und zeigt uns so eine wichtige Botschaft auch für unsere heutige Zeit auf.
Ich fand diesen Erzählstil einerseits echt interessant, gerade weil die Handlung ganz anders verlief als erwartet, andererseits hat mich das Buch dadurch zwischendurch auch immer wieder mal verloren, da ich mich mit manchen Charakteren und deren Perspektiven nicht wirklich anfreunden konnte.
Irgendwie passiert manchmal sehr viel und gar nichts zugleich.
Auch hätte ich mir ein Charakterverzeichnis und ein erläuterndes Nachwort gewünscht. So basiert beispielsweise Lothar auf einer echten Person, dies habe ich jedoch nur zufällig am Ende erfahren.

Schön war hingegen, dass die verwendete Sprache perfekt zur damaligen Zeit passt, das hat sehr authentisch gewirkt. Auch passt sich der Schreibstil an die gerade im Fokus stehende Person an, so werden z.B. die Sätze bei einem Schriftsteller komplizierter als bei einem Kind.
Dazwischen gibt es auch immer wieder andere Textsorten wie Gesetze, Lieder oder Briefe.
Auch die Stadt wird sehr ausführlich zu Beginn beschrieben und quasi vor dem inneren Auge zum Leben erweckt.
Manche Handlungsabschnitte fand ich ein wenig zu lang oder sogar ziemlich unnötig, andere hingegen waren erschreckend und interessant zugleich.
Insgesamt ein durchaus gelungener und authentischer Einblick in eine Kleinstadt zur damaligen Zeit.

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Veröffentlicht am 24.03.2025

Geschichte eines Lebens

Was ich von ihr weiß
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Michelangelo Vitaliani, genannt Mimo, liegt im Sterben - was ihn dazu veranlasst, dem Leser in Gedanken die Geschichte seines Lebens zu erzählen. Von Frankreich nach Italien, durch zwei Weltkriege, aus ...

Michelangelo Vitaliani, genannt Mimo, liegt im Sterben - was ihn dazu veranlasst, dem Leser in Gedanken die Geschichte seines Lebens zu erzählen. Von Frankreich nach Italien, durch zwei Weltkriege, aus der Armut hinein in die höchsten Kreise.
Eine große Rolle spielt dabei für ihn immer Viola, die Tochter einer Adelsfamilie, die wie ein Wirbelsturm in die Geschichte hineinfegt und mit ihrer unendlichen Neugier und Wissbegierde Mimos Leben auf den Kopf stellt.

Beide Charaktere waren mir sehr sympathisch, Viola auf ihre freche, unkonventionelle und fortschrittliche Art, Mimo als talentierter Erzähler der Geschichte mit leicht sarkastischen Untertönen.
Generell fand ich die Menge der Personen recht angenehm, sie werden nach und nach eingeführt, sodass man gut den Überblick behalten kann, obwohl es ja um ein ganzes Menschenleben geht.

Die Geschichte springt zwischendurch immer wieder in die Gegenwart zurück, in der sich langsam ein Geheimnis entfaltet, Mimos Leben wird somit quasi vorwärts und rückwärts erzählt. Trotz des nahenden Todes ist das Buch so lebendig, die Handlungsorte werden mit wunderschönen Beschreibungen und ganz vielen interessanten Details zum Leben erweckt. Es fühlt sich an, als wäre der Autor in ein echtes italienisches Dorf gegangen und hätte es auf den Seiten eingefangen, von skurillen Bewohnern über Feste bis hin zum Dorfklatsch und lokalen Legenden.

Kurze Kapitel und der tolle Schreibstil fördern ebenfalls den Lesefluss. An manchen Stellen hat es sich zwischendurch allerdings doch auch mal ein wenig inhaltlich gezogen für mich. Ebenso hätte ich noch ein Nachwort toll gefunden, in dem aufgezeigt wird, welche Personen/Ereignisse wahr oder erfunden sind, damit man nicht alles selber recherchieren muss - denn das fand ich generell super, man bekommt am Rande noch einiges über die geschichtlichen Hintergründe und Ereignisse mit.

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Veröffentlicht am 22.03.2025

Auf der Suche nach der Wahrheit

Was hast du nur getan?
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Cassidy hat eigentlich schon genug Probleme: Ihre Mutter ist nicht immer das Vorbild, das sie sein sollte, ihre Schulgang wird neuerdings als Anti-Mobbing-Einheit eingespannt und ihr Umfeld hat einen Hang ...

Cassidy hat eigentlich schon genug Probleme: Ihre Mutter ist nicht immer das Vorbild, das sie sein sollte, ihre Schulgang wird neuerdings als Anti-Mobbing-Einheit eingespannt und ihr Umfeld hat einen Hang zur Gewalt.
Als ein Mitschüler tot auf dem Schulhof gefunden wird, startet sie in all dem Chaos auch noch eigene Ermittlungen.
Sie ist alles andere als eine klassische Heldin, eher jemand, der sich irgendwie durchschlägt. Zu Beginn musste ich mich daher auch erstmal mit ihrer Art anfreunden, jedoch ist sie mir im Laufe der Geschichte schnell sympathischer geworden. Lediglich die geringe Hemmschwelle gegenüber Gewalt fand ich eher ungünstig, hier haben es einige Charaktere doch ein wenig übertrieben.

Generell mochte ich die Clique rund um Cassidy jedoch, auch wenn ich sie am Anfang noch nicht so gut unterscheiden konnte. Später werden alle aber noch ausführlicher vorgestellt und man erkennt die Diversität auch besser. Auch ein klein wenig Romance lässt sich herauslesen, dies steht hier jedoch nicht im Vordergrund, vielmehr werden die Freundschaften und Familienbeziehungen fokussiert. Ruhige Szenen und schöne Momente wechseln sich hier gut ab mit Streitgesprächen und enttäuschten Erwartungen.
Ein wenig werden allerdings auch Klischees bedient, dazu war ein Charakter für mich quasi unausstehlich, aber das sollte er auch sein.

Cool fand ich die Strukturierung des Buches, die Kapitel sind in die Tage seit Beginn aufgeteilt mit Unterscheidungen nach Morgens, Abends etc.
Der Fall rund um den toten Mitschüler steht zwar nicht permanent im Fokus, manchmal hat man sogar das Gefühl es geht nicht wirklich in dieser Sache weiter, jedoch kann man trotzdem ganz gut miträtseln. Wer einen reinen Kriminalfall erwartet ist hier allerdings eher falsch, es ist mehr eine Mischung.
Ein paar Kleinigkeiten der Handlung erschienen mir nicht so ganz logisch, manche Handlungen der Charaktere habe ich auch öfters hinterfragt, insgesamt ergibt sich jedoch eine runde Geschichte.
Für mich persönlich wären es eher 3 Sterne, aber für die eigentliche Zielgruppe der Jugendlichen halte ich 4 Sterne für durchaus angemessen und passend für dieses Alter.

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