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Veröffentlicht am 26.11.2025

Schöne neue Welt

Evermind. Sie kennt dich
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200 Jahre in der Zukunft leben die Menschen in unterirdischen Städten, die von einer Künstlichen Intelligenz namens MAM gesteuert werden. Tagesablauf, Essen, Beruf, Rolle in der Gesellschaft, alles wird ...

200 Jahre in der Zukunft leben die Menschen in unterirdischen Städten, die von einer Künstlichen Intelligenz namens MAM gesteuert werden. Tagesablauf, Essen, Beruf, Rolle in der Gesellschaft, alles wird durch ihre Berechnungen entschieden.
Die junge Livia bekommt zu Beginn ihren Job zugewiesen, stellt sich jedoch mehr und mehr die Frage, ob MAM wirklich so unfehlbar ist und was sie alles verbirgt...
Auch wenn diese dystopische Handlung recht weit in der Zukunft spielt, ist das Thema vermutlich so aktuell wie nie, bereits angefangen bei der Frage, für welche Berufe man noch Menschen braucht und was auch einfach von einer KI übernommen werden könnte.
Die Überlegungen wie eine solche KI-gesteuerte Zukunft aussehen könnte erscheinen fast durchgängig nachvollziehbar, lediglich an vereinzelten Stellen war die Darstellung und MAMs Aktionen nicht komplett schlüssig aus meiner Sicht.
Generell fand ichs sehr interessant und auch spannend, diese dystopische Welt zusammen mit Livia zu erkunden. Viele Details und gut überlegte Systeme machen alles realistisch und gut vorstellbar.
Teilweise hätte ich mir noch mehr Infos oder Kontext gewünscht, z.b. noch andere Teile der Stadt kennenzulernen, jedoch war dies vermutlich der begrenzten Seitenzahl und der Ich-Perspektive geschuldet.
Auch das Ende erscheint aus selbigen Gründen etwas übereilt mit kleineren Logikfehlern, weshalb ich einen halben Stern abziehe, jedoch ist der Großteil besonders als Jugendbuch echt gut gelungen.

Positiv erwähnen würde ich hier zunächst den Schreibstil: Trotz des leicht technischen Hintergrundes bleibt alles super verständlich, auch lässt sich die Geschichte sehr flüssig lesen. Immer wieder werden auch kleine Liebeserklärungen an das Schreiben und die Macht des Wortes eingebaut, diese habe ich besonders gerne gelesen.
Der Kontrast zwischen technischem Kalkül und unperfekter Menschlichkeit wurde schön eingefangen, besonders auch im Hinblick auf die Entwicklungen der Charaktere.
Livia und Cassian sind ein sehr süßes Duo, ihre Liebesgeschichte war toll zu verfolgen und konnte einige gefühlvolle Momente aufweisen.
Aber auch die Nebencharaktere sind mir teilweise ans Herz gewachsen, mit all ihren Fehlern, die die KI nicht zu schätzen weiß.
Klare Empfehlung für alle, die mal wieder eine interessante Dystopie mit aktuellem Bezug lesen wollen!

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Veröffentlicht am 12.11.2025

Frauenbeziehungen

Bestie
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Delia will sich neu erfinden und raus aus ihrem alten Leben - und wie ginge das besser als direkt mit einem neuen Namen in einer fremden Stadt. Dort zieht sie mit einigen Lügen im Gepäck als Lilly bei ...

Delia will sich neu erfinden und raus aus ihrem alten Leben - und wie ginge das besser als direkt mit einem neuen Namen in einer fremden Stadt. Dort zieht sie mit einigen Lügen im Gepäck als Lilly bei Influencerin Anouk ein und wir verfolgen aus beiden Perspektiven, wie ihre Beziehung sich entwickelt.

Zunächst muss ich unbedingt den Schreibstil hervorheben! Die Geschichte liest sich sehr angenehm und flüssig, aber trotzdem habe ich immer wieder innegehalten, um einzelne Sätze und Textpassagen auf mich wirken zu lassen. Vieles hat einen poetischen Touch, anderes ist eher direkt, aber immer schwingt sehr viel Wahrheit in den Worten mit. Kluge Beobachtungen über die heutige Zeit und Beziehungen aller Art wechseln sich ab mit atmosphärischen Beschreibungen.
Dazu gibt es noch eher experimentelle Kapitel, die ein ungewöhnliches Format wählen.

Delia und Anouk sind alles andere als perfekte Charaktere und gewiss keine makellosen Vorbilder, aber das macht sie oft auch wieder irgendwie sympathisch. Manchmal mag man sie so gar nicht, in anderen Abschnitten kann man dann aber doch mit ihnen mitfühlen. Gerade ihre Fehler machen sie auch authentisch. Teilweise hätte man hier jedoch vielleicht noch ein wenig mehr in die Tiefe gehen können. Insgesamt mochte ich besonders die Darstellung ihrer Freundschaft bzw. ihrer Beziehung generell zueinander sehr.
Auch Themen wie Feminismus oder Social Media kommen nicht zu kurz und runden das Ganze schön ab.
Ein schönes Debüt, das mich neugierig auf die nächsten Werke der Autorin macht.

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Veröffentlicht am 09.11.2025

Krimi in der japanischen Kultur

HEN NA IE - Das seltsame Haus
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Uketsu und sein außergewöhnlicher Stil sind hier ja bereits durch "Seltsame Bilder" bekannt geworden, nun folgt mit dem seltsamen Haus sein Debütwerk. Während das Konzept auch hier wieder überzeugen kann ...

Uketsu und sein außergewöhnlicher Stil sind hier ja bereits durch "Seltsame Bilder" bekannt geworden, nun folgt mit dem seltsamen Haus sein Debütwerk. Während das Konzept auch hier wieder überzeugen kann und ein spannendes Leseerlebnis verspricht, merkt man doch auch, dass Uketsu noch ein wenig Erfahrung fehlte.
Inhaltlich verfolgen wir die Gespräche und Überlegungen einiger Charaktere, denen seltsame Grundrisse von Häusern in die Finger fallen. Schnell entwickeln sie diverse Theorien, warum die Räume etc. so gebaut wurden und welche Bewohner dort gelebt haben könnten.

Der Aufbau des Buches ist wieder sehr ansprechend, man bekommt zur Veranschaulichung viel Bildmaterial wie die Grundrisse und eine Vielzahl an Dialogen fördert den Lesefluss. Dadurch kann man den Überlegungen super folgen und fühlt sich mitten im Geschehen.
In der Printausgabe wurden die Grundrisse jedoch etwas zu häufig abgedruckt, während es im Ebook ganz nett ist.
Zwar kann man sich diese in Ruhe angucken und nach Auffälligkeiten suchen wie komische Fenster, allerdings ist der Miträtsel-Aspekt im Großen und Ganzen leider etwas auf der Strecke geblieben.
Die Charaktere liefern recht schnell Theorien, die dann auch so abwegig sind, dass man niemals auf die Lösung gekommen wäre. Das fand ich etwas schade, auch wenn es trotzdem Spaß gemacht hat, die Schlussfolgerungen zu verfolgen.

Generell war die Geschichte doch sehr japanisch (Überraschung) - mit allen Vor- und Nachteilen. Manches wirkt abstrus und konstruiert, kann dafür aber mit Originalität punkten. Aus westlicher Sicht und ohne Vorwissen mag einiges komisch erscheinen, für japanische Literatur ist es hingegen absolut typisch. Man kann super in die Kultur dort eintauchen, bekommt aber auch keine zusätzlichen Erklärungen. Ich glaube hier wären ein paar Anmerkungen der Übersetzerin noch ganz nett gewesen, denn mit ein wenig Vorwissen wirkt einiges direkt etwas anders.
Insgesamt hatte ich wieder viel Spaß beim Lesen, der Stil mit den Bildern ist einfach sehr erfrischend und bietet kurzweilige, spannende Unterhaltung.

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  • Spannung
Veröffentlicht am 02.11.2025

Im Sog der Götter

Velvet Falls, but the Gods forgot to die (Velvet-Dilogie 1)
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Stellt euch unsere Welt vor, dann fügt moderne Götter des Internets, Social Media und Kapitalismus hinzu, mit einer guten Prise Magie und dem daraus resultierenden Fortschritt - oh, und Dämonen und Geheimorganisationen ...

Stellt euch unsere Welt vor, dann fügt moderne Götter des Internets, Social Media und Kapitalismus hinzu, mit einer guten Prise Magie und dem daraus resultierenden Fortschritt - oh, und Dämonen und Geheimorganisationen natürlich. Eine wilde Mischung, die aber erstaunlicherweise richtig gut funktioniert.
In dieser Welt sucht Dämonenreiterin Velvet nach einem Heilmittel für einen Göttervirus und ist dafür auf die Hilfe von ihrem Ex (ein Göttersohn) angewiesen.

Schon die ersten paar Seiten haben mich mit ihrer düsteren Atmosphäre komplett in ihren Bann gezogen. Man ist direkt mittendrin in der Action und merkt schnell, dies ist keine nette Welt und unsere Protagonistin eine verdammt taffe und coole Heldin, die durch ihre Schwächen jedoch auch wieder menschlich gemacht wird.
Auch Göttersohn Kash konnte mich überwiegend überzeugen, man konnte sowohl die Anziehung zwischen den Beiden gut herauslesen, jedoch auch die verletzten Gefühle. Insgesamt mochte ich ihre Dynamik sehr.

Das Worldbuilding hat mir ebenfalls gut gefallen: Man wird Schritt für Schritt in diese Welt eingeführt, ohne dass es zu viel auf einmal wird. Gut durchdachte Details machen alles schön rund, während die "Hauptsysteme" ausführlich erarbeitet und vorgestellt werden. Für die verschiedenen dämonischen Kräfte und Götter gibt es hinten im Buch auch eine nützliche Übersicht.
Zuletzt sollte noch der Schreibstil erwähnt werden: Die Kapitel haben eine angenehme Länge, die Sprache ist gut verständlich, die Dialoge wirken natürlich. Ich mochte vor allem auch den Humor und Sarkasmus, der sich immer wieder in diese düstere Welt hineinstiehlt.
Dies ist eins dieser Bücher, bei dem man nur noch ein paar Seiten lesen will und plötzlich sind zwei Stunden vergangen - sehr spannend!

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Veröffentlicht am 30.10.2025

Dark Academia im Jenseits

Immortal Consequences – Die Blackwood Academy Trials
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Die Blackwood Academy ist eine ganz besondere Schule: Sie befindet sich zwischen der Welt der Lebenden und der Toten und ihre Schüler sind jung verstorben. Sechs von ihnen stehen in dieser Geschichte im ...

Die Blackwood Academy ist eine ganz besondere Schule: Sie befindet sich zwischen der Welt der Lebenden und der Toten und ihre Schüler sind jung verstorben. Sechs von ihnen stehen in dieser Geschichte im Fokus und wir begleiten sie bei magischen Prüfungen, die über ihre Zukunft entscheiden.
Das Setting und die Idee generell haben mir richtig gut gefallen, Dark Academia mit Magie und übernatürlichen Elementen und dazu noch ein paar Harry Potter Vibes.
Schon der Einstieg hat mich schnell gebannt und ich wollte immer mehr über diese Welt und ihre Bewohner erfahren - auch wenn es am Anfang dann teilweise doch etwas viele Informationen auf einmal waren.
Dies hat meine Neugier geweckt, jedoch auch meinen Lesefluss teilweise sehr verlangsamt.

Es gibt so einige Geheimnisse zum Rätseln, spannende Momente und auch mal den ein oder anderen Plottwist.
Auch die Prüfungen und das Magiesystem fand ich überwiegend gelungen.
Die Geschichte wird aus sechs Perspektiven erzählt und während ich dies zunächst noch sehr interessant fand, führte es jedoch auch dazu, dass die Charaktere mir nicht komplett ans Herz gewachsen sind. Manches blieb durch die ständigen Wechsel doch eher etwas oberflächlich. Dabei fand ich die Dynamiken innerhalb der Gruppe im Großen und Ganzen doch vielversprechend - vielleicht bessert es sich ja noch im nächsten Band.
Sprachlich hat es mir gut gefallen, ich konnte mir das Meiste gut vorstellen. Generell hätte ich mich jedoch über noch mehr Hintergründe und Details zu dieser Welt gefreut.

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