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Veröffentlicht am 11.06.2025

Schein und Sein

Lauter kleine Lügen
4

Der erste Roman der Autorin Kate Kremp "Lauter kleine Lügen" (erschienen beim Verlag Lübbe im Jahr 2025) nimmt uns mit in den australischen Hochsommer im Jahr 1979.
In einem kleinen Ort geschieht ein ...

Der erste Roman der Autorin Kate Kremp "Lauter kleine Lügen" (erschienen beim Verlag Lübbe im Jahr 2025) nimmt uns mit in den australischen Hochsommer im Jahr 1979.
In einem kleinen Ort geschieht ein Mord und die Bewohner einer ruhigen Sackgasse fühlen sich berufen, herauszufinden was passiert ist. Dabei kommen hinter jeder Tür Geheimnisse zum Vorschein.

Die Sprache ist sehr bildlich und zeichnet ein detailliertes Bild, welches mich sofort in die Zeit und den heißen Sommer hineinversetzt hat. Wir lernen die unterschiedlichen Charaktere/ Bewohner der Nachbarschaft kennen und nach und nach werden deren kleine und großen Geheimnisse gelüftet.

Der eigentliche Krimanalfall wird hier von hinten aufgerollt. Wir erfahren direkt zu Beginn wer (mutmaßlich) der Mörder ist. Dennoch wird die Suche nach diesem nie langweilig. Es gibt spannende Wendungen und grad zum Ende einen Twist, mit dem ich nicht mehr gerechnet hätte.
Neben diesem Kriminalfall behandelt das Buch weitere wichtige Themen dieser Zeit (welche auch heute noch aktuell sind) wie die Gleichstellung der Frau, sexuelle Freiheit etc. ohne dabei den Kern eines Krimis zu verlieren.

Es werden unterschiedliche Perspektiven verwendet und mit Rückblenden gearbeitet, wodurch ich das Gefühl bekam ein Teil dieser Nachbarschaft zu sein. Die bildliche Sprache und genauen Beschreibungen der Umgebung und Personen haben diesen Effekt noch verstärkt und mich ohne Probleme in das Setting und die Story eintauchen lassen.

Durch die Perspektivwechsel zwischen den unterschiedlichen Charakteren der Nachbarschaft lernen wir diese immer besser kennen und es werden nach und nach deren Geheimnisse enthüllt. Besonders gelungen finde ich den immer wieder aufkommende Zwiespalt zwischen der wirklichen Situation in der sich die Personen befinden und dem Bild welches diese nach außen aufrechterhalten wollen.

Wenn ich bedenke, dass dieses ein Debütroman der Autorin ist, dann muss ich sagen möchte ich sehr gerne mehr von ihr lesen. Die Charaktere waren allesamt liebevoll ausgearbeitet und das Buch ist in sich schlüssig ohne zu vorhersehbar zu sein.

Als kleine Kritikpunkte kann ich nur anmerken, dass mich vor allem in den ersten Kapiteln die Vielzahl der Personen überfordert und verwirrt hat. Zudem empfand ich im mittleren Teil des Buches die Handlung als etwas langgezogen bzw. die Beschreibungen etwas zu detailreich was den Lesefluss hemmte. Dieser Eindruck kann aber auch meiner persönlichen Ungeduld geschuldet sein. =)
Alles in allem auf jeden Fall sehr empfehlens- und lesenswert. Gerne mehr davon!

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Veröffentlicht am 30.04.2025

Logomagisch - spannend und zauberhaft

Holly Holmes und das magische Detektivbüro - Zweiter Fall: Das Geisterschiff
1

Das Jugendbuch Holly Holmes und das magische Detektivbüro - Zweiter Fall: Das Geisterschiff von Michael Peinkofer nimmt die Leser und Vorleser mit in den magischen Ort Marville. Dort treffen wir Holly ...

Das Jugendbuch Holly Holmes und das magische Detektivbüro - Zweiter Fall: Das Geisterschiff von Michael Peinkofer nimmt die Leser und Vorleser mit in den magischen Ort Marville. Dort treffen wir Holly mit ihrem lebenden Plüschschwein Dr. Watson und die Geschwister Jenny und Percy wieder.
Die Geschwister sind erst vor kurzem in den Ort gezogen aber begeben sich nun zum zweiten mal mit Holly und Dr. Watson auf eine spannende Spurensuche. Dieses mal taucht ein Geisterschiff mit einem berüchtigtem Seeräuber an dem Stand von Marville auf. Logomagisch, dass die Detektive sich das genauer anschauen müssen.

Die Geschichte ist unterhaltsam, abenteuerlich sowie spannend und hat zudem einen gewissen Humor, der anspricht und gut unterhält. Detektivische Kniffe und Wissen werden zusammen mit den magischen Geschehnissen in eine spannende Geschichte verpackt.
Die Charaktere sind allesamt sympathisch und gleichberechtigt eingebaut.

Die ganze Geschichte wird durch die liebevollen Illustrationen ergänzt und aufgelockert. Zu Beginn des Buches werden die Hauptcharaktere durch Illustrationen und einer kurzen Beschreibung dargestellt. Dieses ermöglicht es auch Lesern, welche den ersten Teil nicht kennen (so wie ich) ohne Probleme der Geschichte zu folgen.
Das Buch eignet sich für junge Leser ebenso, wie zum vorlesen. Die Länge der Kapitel ist dabei angenehm und ermöglicht einen guten Lesefluss. Ebenso fand ich die Betitelung der einzelnen Kapitel als hilfreich: Es wird kurz beschrieben worum es geht aber noch nichts relevantes vorweg genommen.
Am Ende kann man noch seine detektivischen Fähigkeiten testen und im Nachgang einige Rätsel lösen.

Besonders gefällt mir im Rückblick, dass deutlich gemacht wird, dass es wichtig ist sich ein eigenes Bild von einem Menschen oder einer Situation zu bilden und sich nicht immer auf Erzähltes verlassen sollte. Denn dieses basiert, zumindest hier, auf Vorurteilen und falschen Überlieferungen.

Alles in allem kann ich das Buch empfehlen. Dieser zweite Teil ist auch ohne den ersten Band zu kennen absolut verständlich, hin und wieder wird zwar Bezug auf Teil 1 genommen was aber dem Verständnis dieser Geschichte keinen Abbruch tut. Einzig von Dr. Watson hätte ich persönlich gerne noch etwas mehr gelesen =)

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Veröffentlicht am 28.10.2024

Bereut man Dinge die man nie getan hat?!

Die große Sehnsucht
1

Der Roman "Die große Sehnsucht" von René Sydow ist eine Geschichte über Freundschaft, Träume und dem Gefühl der 90er-Jahre. Dieses war der erste Roman den ich von dem Autor gelesen habe und ich muss sagen ...

Der Roman "Die große Sehnsucht" von René Sydow ist eine Geschichte über Freundschaft, Träume und dem Gefühl der 90er-Jahre. Dieses war der erste Roman den ich von dem Autor gelesen habe und ich muss sagen ich wurde nicht enttäuscht.
Sydow ist hauptsächlich im Bereich Kabaret tätig, was man in seiner schnellen, klaren und alltäglichen Sprache wiederfindet. Der Schreibstiel ist locker und direkt gehalten. Daher lässt sich das Buch sehr angenehm und zügig lesen.

Das Cover des Buches ist in Pastell-Farben gestaltet und vermittelt durch den angedeuteten Sonnenuntergang bei mir ein Gefühl von Sehnsucht und Aufbruch.
Schon auf den ersten Seiten wird man direkt in die Handlung gezogen. Sydow hält sich nicht mit langen Vorerzählungen auf was mir sehr gut gefällt. Man startet direkt im Jahr 1996 und es werden die drei sehr unterschiedlichen Freunde Rabe, Fete und Michi vorgestellt. Sie wollen im Jahr 1997 ihr Abitur ablegen. Das Buch erzählt über Träume, Ziele, die erste Liebe, Sorgen und Ängsten. Teilweise wird es sehr dramatisch und etwas überspitzt aber niemals übertrieben / kitschig etc. dargestellt.

Die Perspektiven wechseln zwischen den drei Freunden zügig hin und her, ohne dabei Unruhe im Lesefluss aufkommen zu lassen. Ich empfinde die länge der Kapitel dabei als sehr angenehm.

Als einzig kleine Kritik könnte ich anmerken, dass ich das Gefühl hatte einer der Charaktere wurde im Vergleich zu den anderen beiden weniger genau ausgearbeitet und beschrieben. Zumindest hätte ich über ihn gerne noch etwas mehr erfahren. Aber das kann auch nur mein persönliches empfinden sein. =)

Alles in Allem würde ich dieses Buch auf jeden fall weiter empfehlen.
Der Autor schafft es, das Lebensgefühl der 90er, die Aufbruchsstimmung aber auch Unsicherheiten der Jugend einzufangen und wiederzugeben. Ebenfalls geht er darauf ein, was aus Träumen werden kann bzw. nicht wird, wenn man diese auf "später" verschiebt und dann häufig nicht weiter verfolgt.

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Veröffentlicht am 31.07.2024

Will man überhaupt gerettet werden?

Vorstandssitzung im Paradies
4

Der Roman "Vorstandssitzung im Paradies" von Arto Paasilinna übersetzt aus dem finnischen von Regine Pirschel erzählt die Geschichte einer Gruppe von Menschen, welche einen Flugzeugabsturz überleben und ...

Der Roman "Vorstandssitzung im Paradies" von Arto Paasilinna übersetzt aus dem finnischen von Regine Pirschel erzählt die Geschichte einer Gruppe von Menschen, welche einen Flugzeugabsturz überleben und nun auf einer scheinbar einsamen Insel auf ihre Rettung warten.

Eine bunt gemischte Gruppe aus Waldarbeitern, Hebammen, Krankenschwestern und einem Journalist befinden sich zusammen in einem Flugzeug. Als dieses Flugzeug abstürzt überleben die meisten der Passagiere und können sich auf eine Insel retten. Diese 45 Personen beginnen dort nach und nach eine möglichst funktionierende Gemeinschaft aufzubauen. Es werden Anführer gewählt, Aufgaben verteilt und Regeln für das Zusammenleben festgelegt. Es passiert allerhand Dubioses, alltägliches und menschliches. Das ganze gipfelt in einem aufwendigen Rettungsplan.

Der Roman ist in der Ich-Perspektive aus Sicht des Journalisten geschrieben. Dieser hält sich nach eigener Aussage für absolut durchschnittlich. Die nüchterne aber bildliche und zum Teil bizarre Art wie der Absturz aus seiner Sicht geschildert wird zeigt, wie unreal ihm die ganze Situation erscheint.

Diese trockene Art die teilweise sehr befremdlichen Situationen und Handlungen zu beschrieben und dadurch auch noch Humor zu erzeugen findet sich in dem gesamtem Buch wieder. Der Autor Arto Paasilinna schafft es, die Story stets präzise und direkt wiederzugeben. Das ganze gemischt mit skurrilem, trockenen Humor und unterschwellig mitschwingender gesellschaftlicher Kritik.

"Vorstandssitzung im Paradies" war der erste Roman welchen ich von Arto Paasilinna gelesen habe. Dieser hat sich gut und flüssig lesen lassen und mich einige Male zum Schmunzeln, aber auch zum Nachdenken gebracht. Es wird deutlich, wie sich eine Gesellschaft und deren Perspektiven und Ansprüche ändern wenn die Grundbedürfnisse einmal erfüllt sind.
Teils empfand ich die Erzählweise allerdings als sehr ausführlich und langezogen. Wodurch ich dazu neigte, einige Seiten nur zu überfliegen. Zudem muss ich sagen, dass ich persönlich von dem Ende etwas enttäuscht war. In dem Fall hätte ich tatsächlich etwas "ungewöhnlicheres" erwartet.

Alles in allem aber ein unterhaltsamer, etwas schräger Roman für den schnellen Lesegenuss mit zeitloser unterschwelliger gesellschaftlicher Kritik.

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Veröffentlicht am 18.06.2024

Zügig - Spannend

Böse bist du
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Die Ausgangslage ist schnell erklärt:
Ein längere Zeit zurückliegendes, unaufgeklärtes Verbrechen welches nie Aufgeklärt wurde und nur eine Überlebende (Michaela) welche auch die Hauptprotagonistin ist. ...

Die Ausgangslage ist schnell erklärt:
Ein längere Zeit zurückliegendes, unaufgeklärtes Verbrechen welches nie Aufgeklärt wurde und nur eine Überlebende (Michaela) welche auch die Hauptprotagonistin ist.
Sie hat auch 15 Jahre nach der Tat dieses noch nicht verarbeitet und befindet sich nach wie vor auf der "suche" nach dem Täter um so damit abschließen zu können.

Die Tat von damals und die Suche nach dem Schuldigen wird über Rückblicke auf die Zeit damals dargestellt. Nach und nach gewinnt man Einblicke in die Psyche von Michaela. Ich konnte mich in sie versetzen und auch die (meisten) ihrer Handlungen nachvollziehen.

Die Story schreitet zügig voran und ist an keiner Stelle in die Länge gezogen worden was zu einem schnellen Lese-Erlebnis führt. Ich habe das Buch kaum weglegen können.
Es kommen immer wieder Fragen auf. Wie war die Beziehung der Opfer untereinander? Wer ist verantwortlich?
Dabei ergeben sich immer wieder Wendungen welche, zumindest mir, vorab nicht ersichtlich waren.

Mich hat dieser Thriller super unterhalten und für ein paar spannende und mitreißende Stunden gesorgt.
An manchen stellen konnte ich die Handlung von Michaela nicht ganz nachvollziehen. Dabei sollte man aber auch ihr Trauma bedenken welches durchaus zu überstürzten und schwer nachvollziehbaren Handlungen führen kann.

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