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Veröffentlicht am 28.03.2020

Wortgewandte Autorin präsentiert uns Spannung und Liebe in einer fantastischen Welt

Die Wächter von Nimrhon
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Phelia Revelle wächst relativ behütet in einer eher abgelegenen Siedlung im Osten des Landes Nimrhon auf. Im Westen liegt jedoch die Hauptstadt der Feinde - nicht nur ihrer Feinde, sondern die der ganzen ...

Phelia Revelle wächst relativ behütet in einer eher abgelegenen Siedlung im Osten des Landes Nimrhon auf. Im Westen liegt jedoch die Hauptstadt der Feinde - nicht nur ihrer Feinde, sondern die der ganzen Menschheit - , der Antarer, ein Volk, das die Erde besetzte und den Menschen das Leben immer schwerer macht. Auch aus diesem Grund, hat der Anführer des Dorfes, Phelias Vater, sie auch zu einer Kämpferin ausgebildet, die einmal seinen Platz einnehmen soll. Genau dieser Zeitpunkt kommt schneller als erwartet, denn dem Dorf widerfährt etwas schreckliches. Um ihre gefangenen Freunde und Verwandte wieder zurück zu holen, begeben sich Phelia und ihre Anhänger auf eine gefährliche Suche. Die junge Frau hat nicht nur kämpferische Fähigkeiten vorzuweisen, sie ist auch gebildet und verfügt über eine ganz besondere Kraft - sie kann ein unsichtbares Band zu Tieren knüpfen und somit mit ihnen kommunizieren. Auf ihrer Reise erhalten sie zusätzlich noch Hilfe von befreundeten Indianern und treffen auf einen außergewöhnlichen Verbündeten, ein Halbblut (Scion), mit den Genen ihrer Feinde. Kann Phelia ihm vertrauen?



Rose-Everly schickt uns als Leser in eine fantastische Welt voller Gefahren und einer einzigartigen Flora und Fauna. Die Bedrohung durch die Antarer ist anfangs kaum spürbar, steigert sich aber von Kapitel zu Kapitel. Wer mit sich hadert und Angst vor den 651 Seiten hat (oh ja, ich hatte großen Respekt zu Beginn), dem möchte ich sagen, dass die Autorin keine unnötigen Längen eingebaut hat, sondern den Leser richtig mit in diese unbekannte Welt hineinzieht. Man ist nicht nur bei der aktiven Handlung mit dabei, sondern bekommt ein Gefühl für die Umgebung und deren Änderungen. Auch die Figurenauswahl möchte ich äußerst positiv hervorheben. Phelia ist eine junge Erwachsene mit allen Hochs und Tiefs, Selbstzweifel sowie Vertrauen in sich selbst. Man hat nicht das Gefühl, auf einmal eine ausgereifte Frau mit überbordendem Selbstbewusstsein vor sich zu haben, die jeden über den Haufen rennt, sondern einen ausgereiften Charakter mit Ecken und Kanten, der sich selbst erst einmal seinen eigenen Weg suchen muss. Genau das macht unsere Hauptfigur so wahnsinnig interessant und realistisch. Anfangs fühlte ich mich etwas erschlagen aufgrund der hohen Figurenanzahl, jedoch bekommt man nach und nach einzelne Charakterzüge der Personen mit und kann diese immer besser unterscheiden. Auch die Begleiter werden nicht als sture, festgefahrene Charaktere gezeigt, sondern entwickeln sich auch der Geschichte entsprechend.Diese Fantasy-Geschichte hatte für mich auch einen starken Dystopien-Vibe, da sich meiner Meinung nach der Fantasyanteil eher in Grenzen hält. Ja, die Antarer sind nicht menschlich und auch im Laufe der Geschichte begegnet man einigen uns unbekannten Tieren, jedoch ist der Realitätsbezug eindeutig höher.



Sprachlich gesehen gibt es für mich überhaupt nichts zu meckern. Rose-Everly hat eine wunderbare, bemerkenswerte Art diese Geschichte zu erzählen und verzauberte mich regelrecht mit ihrer Sprache.Trotz der hohen Seitenanzahl kann ich mich an keine unnötigen Wiederholungen erinnern und wurde immer wieder von ihrer sprachlichen Gewandtheit überrascht. Ich würde lügen, würde ich mir diesen Anspruch nicht auch für so viele gehypte, stark beworbene Bücher auf dem Markt wünschen! Die Geschichte lässt sich trotzdem fließend lesen, denn die bildhaft gewählten Ausdrücke sowie auch die schlauen und durchdachten Gespräche erwecken immer das Gefühl einer Gesamtheit, in die man als Leser regelrecht flüchten kann.



Auch die Liebesgeschichte wird nicht unnötig aufgebauscht, sondern baut sich langsam auf. Ich wartete regelrecht auf weitere Annäherungen und empfinde diesen Teil der Geschichte auf keinen Fall zu einnehmend, so dass das Hauptziel der Reise außer Acht gerät. Zudem möchte ich auch erwähnen, dass Gewalt in der Geschichte vorkommt, diese definitiv aufwühlend erzählt wird, jedoch keine positive Position einnimmt, so dass diese glorifiziert wird. Die Gewalt gehört zur beschriebenen Welt einfach mit dazu, da man sonst nicht überleben würde. Auf unnötige Grausamkeiten hat die Autorin, meiner Meinung nach, verzichtet und genau das richtige Maß getroffen.



Ein wunderschöner Zusatz zur Geschichte sind die jeweils am Kapitelanfang eingefügten Zeichnungen, die dem Leser bereits eine Ahnung geben können, was im folgenden Kapitel geschehen wird. Das angefügte Glossar und eine Karte des Landes Nimrhon empfand ich als sehr hilfreich.



Ich bin von der Geschichte einfach nur begeistert und warte bereits sehnsüchtig auf den 2. Band. Im Fantasy Genre ist mir schon länger nichts Vergleichbares mehr untergekommen. Die Autorin kopiert keine bereits bekannten Geschichten zusammen, sondern geht ihren ganz eigenen Weg, was auch ganz positiv auffällt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.03.2020

Nalini Singh entführt die Leser in einen anderen Kulturkreis

Cherish Hope
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Wurde dein Ehemann für dich von deinen Eltern ausgesucht? Was? Nicht? Diese Vorstellung ist für uns Europäer wohl eher ein sehr ungewöhnlicher Gedanke und wahrscheinlich auch nur für eine sehr kleine Anzahl ...

Wurde dein Ehemann für dich von deinen Eltern ausgesucht? Was? Nicht? Diese Vorstellung ist für uns Europäer wohl eher ein sehr ungewöhnlicher Gedanke und wahrscheinlich auch nur für eine sehr kleine Anzahl an Frauen die Realität. Nayna Sharma werden im Moment die ersten Hochzeitskandidaten vorgestellt. Genau dies ist in ihrer Kultur üblich, weshalb sie sich dem Wunsch ihrer Eltern beugt. Jedoch ist ein Mann ungewöhnlicher (natürlich im negativen Sinne) als der andere und Naynas Freiheitsdrang meldet sich immer lauter zu Wort. Ihre große Schwester hat sich gegen die Traditionen gestellt und ist während ihrer Uni-Zeit mit einem Mann durchgebrannt. Nayna ist jedoch besonders seit dieser Zeit die "brave Tochter" und will auch ihre Eltern keines Falls enttäuschen. Jedoch will sie sich einen Abend gönnen! Nur ein Abend für sich! Sexy gestylt wie nie zuvor geht sie auf eine Party und wird fast von einem heiß aussehenden Kerl verführt, jedoch läuft das ganze gewaltig schief. Am nächsten Tag steht ein weiterer Heiratskandidat vor der Tür. Hoppla, das Gesicht kennt sie doch vom Abend davor.

Nalini Singh hat mit dieser Geschichte wieder gezeigt, was sie so drauf hat! Als Leserin konnte ich gut in die Situationen schlüpfen und auch trotz dieser komplett anderen Kultur, dufte ich an Naynas Alltag teilhaben, ohne mich ausgeschlossen zu fühlen. Als Ort der Geschichte wurde Neuseeland gewählt, jedoch hat die Familie Sharma einen indischen Hintergrund, weshalb dieser Kulturkreis im Buch aufgegriffen wurde.
Besonders der Einblick in die kulturellen Gegebenheiten hat mich sehr gereizt und dies fand ich immer wieder spannend.
Naynas Leben ist vor allem durch die dadurch vorhandenen Einschränkungen geprägt. Keine Partys, kein Freund vor der Ehe (natürlich kein Sex) und eine gewisse Art von Gehorsam.

Nayna selbst empfand ich als sehr sympathisch. Man kann sich als Leser gut in ihre Gefühlsregungen hineinversetzen. Sie macht eine starke Wandlung durch, was sie manchmal liebreizend und manchmal anstrengend erscheinen lässt, jedoch sind dies typische Reaktionen auf das, was sie durchmacht.

Raj, unsere männliche Hauptfigur, hat keine Ecken und Kanten und ausnahmsweise empfand ich das als sehr anziehend! Ich empfand ihn als zum niederknien, jedoch hat er auch mit einigen Belastungen aus der Vergangenheit zu kämpfen.

Die Autorin hat die Geschichte richtig spannend gestaltet und auch mit ihren typischen sexy Szenen und heißen Begegnungen nicht gespart. Die Gefühlsausbrüche waren in realistischem Maße ausgearbeitet und nachvollziehbar.

Bollywood Anspielungen finden sich auch gleich mehrere im Buch und auch ein Teil des Ablaufs der Geschichte wirkt davon inspiriert. Etwas bzw. etwas mehr Dramatik erwartet den Leser somit auch.

Nalinis Bücher sind immer locker leicht zu lesen. Den einen Charakter mag man mehr als den anderen, jedoch gestaltet sie keine konkreten Anti-Figuren, die böswillige Sabotage Betreiben.

Die Chemie der "Liebenden" empfand ich als definitiv vorhanden. Sie verstehen einander, da sie aus dem gleichen Kulturkreis kommen. Zudem ist Raj auch auf einer Seite ein moderner Mann und will keinen blinden Gehorsam seiner zukünftigen Frau. Dementsprechend können nach und nach die Probleme entwirrt werden.

Wer sexy Szenen und Kitsch nicht leiden kann, sollte hier definitiv die Finger vom Buch lassen, denn das wird ganz eindeutig abgeliefert.

Weshalb muss ich nun einen Stern abziehen? Das Ende ist mir einfach "too much". Natürlich muss ein Happy End kommen, klar! Aber nicht in diesem Maße mit Tonnen an Zuckerguss und Streuseln, sowie Schokoladensauce und kandierte Früchte...und das bitte für alle! Hier hat, für meinen Geschmack, Frau Singh einfach übertrieben und es allen etwas zu gut gemeint. Nicht einmal Kindermärchen haben solch ein "wunderbares" Ende.

Die Geschichte hat mich eindeutig gut unterhalten. Die Autorin konnte mich vor allem mit den kulturellen Aspekten überraschen.

  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 09.03.2020

Der siebte Clan erwacht?

Die geheime Drachenschule - Die Rückkehr des siebten Clans
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Der 3. Band der geheimen Drachenschule Reihe beschäftigt sich vor allem mit Henrys Weg als Drachenflüsterer, jedoch kommen seine Clique und auch die Schule Sieben Feuer nicht zu kurz. Lady Blackstone ist ...

Der 3. Band der geheimen Drachenschule Reihe beschäftigt sich vor allem mit Henrys Weg als Drachenflüsterer, jedoch kommen seine Clique und auch die Schule Sieben Feuer nicht zu kurz. Lady Blackstone ist immer noch eine große Bedrohung für alle, jedoch macht auch einigen die Tatsache Sorgen, dass der junge Drache Anonymous immer noch nicht weiß, wer sein erster Reiter werden wird. Zudem stellt sich im Unterricht heraus, dass Lucy äußerst gut mit dem Drachenorakel umgehen kann, jedoch bringt diese Fähigkeit auch einige Nachteile mit sich.

Obwohl es sich hierbei um den 3. Band der Reihe handelt, kann man ihn trotzdem auch gesondert von den Vorgängern lesen. In der Geschichte tauchen zwar einige Anspielungen auf das vorherige Geschehen auf, jedoch sind diese nicht zwingend notwendig für das Voranschreiten der Geschichte und werden auch kurz erklärt. Wer natürlich die Vorgeschichte kennt, hat einen leichteren Einstieg in die Geschichte und ist mit den Figuren und Drachen schon einmal bekannt.

Die ganze Thematik mit den Drachen und auch der geheimen Schule zum Schutz der "Fabelwesen" finde ich richtig toll. Beim Lesen wird man regelrecht neidisch auf die Kinder und wünscht sich ihre Fähigkeiten und auch ihren Alltag selbst erfahren zu können. Ich kann mir vorstellen, dass sich viele Kinder somit richtig in die Geschichte vertiefen können und auch deren Phantasie wunderbar dadurch angeregt wird.
Auch der Schulalltag ist äußerst witzig und unterhielt mich ganz gut.
Jedoch muss ich zugeben, dass ich etwa die erste Hälfte der Geschichte immer wieder darauf hoffte, dass es nun endlich richtig los geht. Die Spannung blieb etwas aus. Der Alltag der Clique ist zwar sehr interessant, jedoch fehlte irgendwie eine Aufgabe für die Charaktere.
Nach der Hälfte kommt etwas Spannung, will aber leider nicht so richtig hoch ansteigen. Zum Schluss raus kommt die Spannung dann geballt, ist dann aber für meinen Geschmack relativ schnell wieder vorbei. Hier hat man leider keine richtige Spannungskurve.

Toll finde ich vor allem die Clique. Mädchen und Jungs haben ihre ganz individuellen Charaktere, was sie alle außerordentlich charmant macht. Besonders die Mädchen werden nicht schwach dargestellt, sondern haben klar ihren eigenen Kopf und auch Stärken. Für toughe Mädels gibt es von mir immer einen Pluspunkt!

Hinten im Buch findet man noch ein paar Bonusinfos und Rätsel, die definitiv ein netter Bonus sind.

Die Illustrationen hätten für meinen Geschmack gerne mehr sein dürfen. Sie sind wunderbar ausgestaltet und vervollständigten für mich definitiv die Geschichte. Besonders die Drachendarstellungen gefielen mir ganz besonders gut.

Sprachlich ist die Geschichte fließend zu lesen und ist für das Alter angepasst. Hier gibt es meinerseits keinerlei Beanstandungen.

Leider bleibt dem Leser ein "richtiges Ende" versagt, denn die spannende Entdeckung am Ende der Geschichte bleibt offen! Wann der nächste Band herausgegeben wird, ist meines Wissens noch nicht bekannt, jedoch muss man sich für mehr Infos definitiv auch den nächsten Band kaufen. Eine weitere Gelegenheit ein Buch an den noch folgenden Feiertagen zu verschenken.

  • Cover
  • Geschichte
  • Charaktere
  • Fantasie
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 08.03.2020

Witzige Geschichte, jedoch einige Schimpfwörter und bedenkliche Themen

Lotta Barfuß und das meschuggene Haus
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Lotta Barfuß besetzt mit ihrem Vater neuerdings ein Haus eines "reichen Heinis", da sie sich die Mieterhöhung ihrer Wohnung einfach nicht mehr leisten können. Dadurch, dass sie in der Schule ganz gewaltig ...

Lotta Barfuß besetzt mit ihrem Vater neuerdings ein Haus eines "reichen Heinis", da sie sich die Mieterhöhung ihrer Wohnung einfach nicht mehr leisten können. Dadurch, dass sie in der Schule ganz gewaltig durch einen Jungen mit seinen zwei "Hilfsblödmännern" gemobbt wird, kann sie doch eine Freundschaft mit dem neuen Schüler aus Estland schließen, jedoch steht gleich das nächste Problem vor der Tür: der fiese Anwalt des "reichen Heinis". Das Haus soll schnellstmöglich abgerissen werden. Zur Hilfe kommt...natürlich das Haus selbst, denn es wirft mit Ziegeln und Regenrissen um sich. Zudem entdecken Lotta und ihr Freund Lauri in Wurmloch im Schrank, das sie zu vielen verschiedenen Orten katapultieren kann. Vielleicht kann der Abriss doch noch verhindert werden?

Alleine vom Klappentext und dem Cover her habe ich mir etwas komplett anderes von der Geschichte erwartet. Der Autor hat nämlich, meiner Meinung nach, einige bedenkliche Thematiken in dieses Buch mit eingebaut, die einfach nicht in einer dem gerechtwerdenden Art besprochen werden. Lotta und ihr Erfinder-Vater nutzen unerlaubt das Haus und wundern sich, warum der Besitzer sie dort raus haben möchte. Hier gibt es kein Gut gegen Böse, sondern eher ein Fehlverhalten, dass mit einem noch schlimmeren Fehlverhalten "bekämpft" wird. Mein Gerechtigkeitssinn drehte hier leider voll am Rad.

Natürlich war es lustig zu lesen, dass das Haus eine Persönlichkeit zu haben scheint und sich darin auch noch ein magisches Wurmloch befindet. Trotzdem versucht der Autor immer mehr Merkwürdigkeiten in die Geschichte hineinpacken zu wollen.
Ein Beispiel hierfür wäre das Mobbing von Lotta. Sie wird gehänselt und hat sogar Angst vor körperlicher Gewalt. Zudem hat sie aber einige Schimpfwörter gegenüber eigentlich fast allen bereit. Ich hatte immer die aufmüpfige Art von Pippi Langstrumpf im Kopf, denn Lotta scheint mir auch eher ein Freigeist zu sein.

Mit den Schimpfwörtern, die gefühlt jede Seite auftauchen, habe ich eindeutig meine Probleme. Man mag mich nun für altbacken halten, jedoch bin ich der Meinung, dass ich meinem Sohn keine Hauptfigur mit einem Hang zu Schimpfwörtern vorsetzen möchte. Auch die Beschreibungen der Personen fand ich doch recht grenzwertig.
In meinen Augen sind Lotta, genauso auch Lauri und ihr Vater keine Vorbilder. Ich hoffe jedoch, dass sich mein Sohn solch ein Verhalten nicht zum Vorbild nimmt.

Ein weiteres, schwieriges Thema war für mich die Vergangenheit von Liis. Das Mädchen bezeichnet sich selbst als "Ausleihmädchen", da sie von ihrer Mutter einfach weiter verliehen, natürlich nur in der Familie (!), da diese, böse gesagt, keine Lust mehr auf sie hatte. Danach wurde sie von einem Familienmitglied zum nächsten geschoben, bis sie keine Ahnung mehr hat, wie sie eigentlich mit der Person verwandt sei. Ihren früheren Namen hat das Mädchen selbst abgelegt und wird nun nur noch "Ausleihmädchen" genannt. Niemand kümmert sich um sie und demnach ist sie komplett auf sich alleine gestellt. So ein Thema ist alles andere als witzig und sollte meiner Meinung nach nicht unkommentiert in einem Kinderbuch "zum Spaß" verwendet werden.

Natürlich mag es sein, dass der Großteil der Kinder einfach nur auf den Witz im Buch konzentriert sind, jedoch verwirrt bestimmt auch ein paar die oben genannten, merkwürdigen Vorkommnisse in der Geschichte. Wahrscheinlich mag auch der ein oder andere meine Bewertung für zu spießig halten, jedoch bin ich der Meinung, dass mein Sohn weder mit massig Schimpfwörtern, noch mit außergewöhnlich ernsten Themen in Kinderbüchern konfrontiert werden muss. Er will Bücher lesen, da sie die Phantasie anregen und ihn dadurch in eine andere Welt eintauchen lassen und nicht, um sich bedrückt zu fühlen.

Die Charaktere an sich haben natürlich auch witzige und positive Seiten an sich. Das will ich auf keinen Fall unterschlagen. Lauri hilft Lotta ohne eigenen Nutzen daraus zu ziehen und erweist sich als sehr guter Freund. Auch seine Wortkreationen brachten meinen Sohn mehrfach zum Lachen.

Für uns überwiegen jedoch leider die negativen Aspekte der Geschichte, weshalb wir das Buch leider nicht gut bewerten können. Unsere Erwartungen gingen mehr in die Richtung, dass das Haus viele witzige Seiten an sich hat und "zum Leben erwacht".

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.03.2020

Eine Geisterburg wird zur Schule

Eddie Fox und der Spuk von Stormy Castle
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Die uralte Burg Stormy Castle wird von Geistern heimgesucht. Glaubst du nicht? Doch, doch...sogar von einem Grafen, nämlich Edward Donald Darius Ignatz Eliot von Fox und Wood, der mit etwa 10 Jahren verstorben ...

Die uralte Burg Stormy Castle wird von Geistern heimgesucht. Glaubst du nicht? Doch, doch...sogar von einem Grafen, nämlich Edward Donald Darius Ignatz Eliot von Fox und Wood, der mit etwa 10 Jahren verstorben ist. Seine Freundin Tilla, die kurzsichtige Zwergfledermaus mit regelmäßigem Schluckauf, nennt ihn jedoch einfach nur Eddie. Seit ganzen 299 Jahren "lebt" Eddie nun auf der Burg und kann sich nichts Schöneres vorstellen als hier weiterhin ungestört zu bleiben. Kurz nach seinem Geburtstag bekommt er jedoch noch nachträglich eine schaurig schöne Überraschung, denn die Burg soll zur Schule werden. Schule? Ja, Kinder werden hier bald ein- und ausgehen und die Nächte in der Burg verbringen. Eddie kann sich nichts grauenhafteres vorstellen, als dass Kinder um ihn herum sein werden, er mag nämlich keine Kinder. Seine Erinnerungen an seine eigene Kindheit sind einfach nur schrecklich. Plötzlich taucht auch noch ein Mädchen namens Pia mit ihrer Mutter, der baldigen Schulleiterin, in der Burg auf.und stellt Eddies und Tillas Leben gewaltig auf den Kopf. Ob Spuk und Magie da helfen können?

Mit Eddie Fox hat die Autorin eine wirklich liebenswerte Figur geschaffen. Mit Tilla und Golfo, dem kleinen feuerspeienden Hausdrachen, gibt es für die kleinen Leser viel zu lachen. Wir empfanden die Charaktere als gut ausgereift und sehr individuell, also keine 08/15 Figuren. Eddies Angst bringt einen immer wieder zum Schmunzeln und sein Halbwissen in Richtung Zaubern ist auch für einige Lacher gut.
Da viele Burgen und Schlösser zu Schulen "umfunktioniert" werden, empfinde ich dieses Szenario auch nicht als allzu weit hergeholt und auch für Kinder nachvollziehbar.
Eddie kommt eher als ein Außenseiter-Typ herüber, was ihn definitiv sympathisch macht und sich die kleinen Leser auch mit ihm vergleichen können.

Nur weil die vorrangige Hauptfigur ein Junge ist, sehe ich trotzdem auch Mädchen als potenzielle Leserinnen, denn Pia, die Eddies Leben aufmischt, ist ein sehr toughes Mädchen, das keine Angst zeigt und für jedes Abenteuer zu haben ist. Starke Mädchen oder Frauen finde ich ja immer toll in Geschichten (egal welches Genre). Hierfür also definitiv Daumen hoch!
Positiv anmerken möchte ich an dieser Stelle auch, dass Pia Eddie aus seiner Außenseiterrolle herausholt und seiner eigen gewählten Ausgrenzung entgegenwirkt.

Der bereits erwähnte "Spuk" ist auch nicht allzu gruselig gehalten und hat auch eine gewisse Prise an Humor. Auch zartbesaitete Kinder können das Buch trotzdem lesen.

Freundschaft und gegenseitiges Helfen macht in diesem Buch auch viel Platz aus, was ich definitiv positiv sehe. Hier bekommen unsere Kinder auch sehr positiv "vorgelebt", was man gemeinsam alles schaffen kann.

Die Illustrationen sind schwarz/weiß gehalten und zeigen sich eher von einer schnellen Stiftführung. Dementsprechend muss man sich eher auf skizzenhafte, fast schon Comic-hafte Zeichnungen einstellen. Die Umgebung fand ich immer toll gestaltet, jedoch hätte ich mir gerne etwas mehr Detailreichtum bei den einzelnen Figuren gewünscht.

Sprachlich gesehen finde ich die Geschichte für das angegebene Alter von 8 Jahren genau passend. Die Satzlänge ist im Normalfall nicht zu lang und auch die Wortwahl ist für die Kinder verständlich. Schwierig sehe ich nur die eingestreuten französischen Wörter an. Diese werden nämlich viele Kinder nicht verstehen können.

Schade finde ich auch, dass man eigentlich fast schon den nächsten Band kaufen muss! Pia und Eddie sind nun Freunde geworden und das "Abenteuer Schule" fängt gerade an. Dann ist der erste Band zu Ende und lässt den Leser etwas unwissend stehen. Man will unbedingt wissen, wie sich Eddie nun mit all den Kindern um sich herum schlagen wird. Wer also Band 1 kauft, kann den 2. Band eigentlich sofort mit dazu bestellen.

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