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Veröffentlicht am 05.10.2021

Spannend und hoch aktuell

Probe 12
8

In Berlin kämpft die 15-jährige Sylvie um ihr Leben. Sie leidet seit langem an Mukovizidose und hat sich nun auch noch mit einem multiresistenten
Keim infiziert, den ihr Vater Tom Morell aus Indien eingeschleppt ...

In Berlin kämpft die 15-jährige Sylvie um ihr Leben. Sie leidet seit langem an Mukovizidose und hat sich nun auch noch mit einem multiresistenten
Keim infiziert, den ihr Vater Tom Morell aus Indien eingeschleppt hat. Alle Antibiotika versagen. Das Mädchen wird sterben, falls nicht noch ein Wunder geschieht.
Rettung könnte eine Phagen-Therapie bringen, aber die benötigten Bakterio-Phagen sind in Deutschland weder verfügbar noch zugelassen.

Unterdessen wird in Georgien der Mikrobiologe Georgy Anasias in seinem Labor überfallen und getötet. Er hat in Tiflis exakt die Phagen entwickelt, die Sylvie das Leben retten könnten. Das hat russische Gangster auf den Plan gerufen. Sie haben den Anschlag auf Anasias verübt, um an seine Forschungsergebnisse heranzukommen.

Der Mikrobiologe hatte genau das befürchtet und deshalb noch gerade rechtzeitig Proben seiner Phagen und die Forschungsunterlagen zu seinem Freund Max Seifert nach Berlin geschickt.
Seine enge Vertraute, die deutsche Wissenschaftsjournalistin Nina Falkenberg hat den Anschlag in Tiflis miterlebt und macht sich nun schnellstens auf den Weg nach Berlin, um das wissenschaftliche Erbe ihres Ziehvaters zu retten. Aber auch die russischen Gangster sind auf dem Weg nach Berlin.
Für Sylvie beginnt unterdessen ein Rennen gegen die Uhr. Ohne die Phagen wird sie nicht mehr lange überleben.

Soweit der Plot.

In Berlin entsteht nun eine interessante Koalition zwischen Max, Tom und Nina. Die Motive sind völlig unterschiedlich, aber die drei halten fest zusammen: Tom will alles tun., um seine Tochter Sylvie zu retten, Nina das Erbe ihres Ziehvaters Georgy bewahren und Max mit Hilfe von Toms Tochter Druck auf den Bundestag ausüben, damit der ein Gesetz zur Bekämpfung der multiresistenten Keine verabschiedet. Max braucht Sylvie als Gesicht seiner Kampagne.

Über die Motive der Gegenspieler lässt sich indes zunächst nur spekulieren: Der Auftraggeber der überaus „freundlichen“ Russen hat möglicherweise kommerzielle Interessen. Immerhin könnte man mit den Phagen eine Menge Geld verdienen, oder mit deren Vernichtung und Verhinderung der Antibiotika-Industrie auch weiterhin fette Gewinne sichern.

In Berlin muss sich unterdessen die Kriminalkommissarin Christina Voss mit Bakterien-Anschlägen in Seniorenheimen auseinandersetzen, hinter der eine Bewegung namens Prometheus steckt. Was führt diese Gruppe im Schilde? Will sie mit ihren „rustikalen“ Methoden ebenfalls auf die Problematik mit den multiresistenten Keimen hinweisen oder geht es hier schlicht um Bio-Terrorismus?

Besteht am Ende ein Zusammenhang zwischen den Russen und Prometheus?

Die beiden Autorinnen servieren einen interessanten Mix aus Gangster-Stück, Medizinthriller und politischem Ränkespiel.

An medizinischen Fachbegriffen herrscht beileibe kein Mangel, aber mit Hilfe des Glossars kommt man auch ohne Fachstudium ganz gut mit.

Das Thema ist nicht nur wegen der Krankenhaus-Keime sehr aktuell. Corona lässt grüßen.

„Probe 12“ ist ein super spannender Medizin-Thriller, mit einem leider sehr realen Hintergrund. Den Autorinnen ist es gelungen, einen fesselnden Roman mit einem guten Stück Sachbuch zu verbinden.

Beste Unterhaltung, und man lernt etwas dabei.

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Veröffentlicht am 29.03.2021

Lesbare Story, aber kein Thriller

Geiger
13

Warum erschießt eine alte Frau, Mutter und Großmutter, nach Jahrzehnte langer Ehe ihren 85-jährigen Mann? Ganz einfach: Weil das Telefon geklingelt hat.

Ganz so simpel ist es offenbar nicht. Die Todesschützin, ...

Warum erschießt eine alte Frau, Mutter und Großmutter, nach Jahrzehnte langer Ehe ihren 85-jährigen Mann? Ganz einfach: Weil das Telefon geklingelt hat.

Ganz so simpel ist es offenbar nicht. Die Todesschützin, Agneta Broman, ist allem Anschein nach eine „Schläferin“, eine Agentin oder Terroristin, die sehr, sehr lange auf diesen Einsatzbefehl gewartet hat. So lange, dass das für ihre anschließende Flucht gedachte Notfall-Set hoffnungslos veraltet ist. Selbst die darin enthaltenen Banknoten sind nicht mehr gültig.

Zeitgleich erwachen im fernen Deutschland Ermittler des dortigen Auslandsgeheimdienstes BND aus einem langen Schlaf bei der Fahndung nach Abu Rasil, einem seit ewigen Zeiten gesuchten Terroristen. Nach 30 Jahren beginnt die Jagd erneut.

Gustaf Skördeman liefert den Lesenden neben einem Spionage-Krimi ein Stück Volkshochschule zum Thema „Kalter Krieg“ und erläutert die politischen Hintergründe, die zum Verständnis des Buchs unerlässlich sind, ohne dabei diejenigen zu überfordern, die einfach nur einen Roman und kein Geschichtsbuch lesen wollen.

Am aktuellen Mord-Tatort in Stockholm tritt unterdessen Kommissarin Sara Nowak höchst inoffiziell auf den Plan und wird schnell zur Hauptfigur im Roman. Sara ist seit ihrer Kindheit gut mit der Familie von Täterin und Opfer bekannt und kümmert sich - obwohl gar nicht zuständig - aus persönlichem Interesse um die Aufklärung der Bluttat.

Saras private Hintergründe, Probleme und Erinnerungen nehmen allerdings derart viel Raum ein, dass das eigentliche „Geiger“ -Thema zeitweise völlig aus dem Fokus gerät.

Soweit es tatsächlich um „Geiger“ geht, sind Story und Hintergründe interessant, wenn auch nicht übermäßig spannend. Soweit ein ordentlicher Polit-Krimi, ganz gewiss aber kein Thriller.

Der Erstlings-Roman von Gustaf Skördemann nimmt ein überraschendes, wenn auch sehr plötzliches Ende. Und ganz am Schluss wird es in der reichlich verworrenen Spionage-Geschichte dann tatsächlich doch noch spannend. Leider erst in einem grandiosen - nicht immer glaubhaften - Showdown auf den letzten 20 Seiten.

Dabei lässt der Autor dem lesenden Publikum keine Chance, selbst auf die Lösung zu kommen. Skördeman führt die Kundschaft bewusst auf die falsche Fährte und endet mit dem „April-April“-Effekt: „Angeschmiert, liebe Leser, es ist alles ganz anders als ihr denkt.“

„Geiger“ ist ein durchaus lesbarer Roman, aber vermutlich keiner, der die Bestseller-Listen im Sturm erobern wird.

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Veröffentlicht am 21.12.2020

Verworrenes Komplott

Vergessene Gräber
5

Wer die Mara-Billinsky-Reihe kennt, ist gleich wieder gut im Thema.

Wie schon in den vorherigen Bänden, startet Leo Born auch dieses Mal, in Mara-Billinsky-Thriller Nummer 5, wieder mit verschiedenen, ...

Wer die Mara-Billinsky-Reihe kennt, ist gleich wieder gut im Thema.

Wie schon in den vorherigen Bänden, startet Leo Born auch dieses Mal, in Mara-Billinsky-Thriller Nummer 5, wieder mit verschiedenen, zunächst voneinander unabhängigen Verbrechen.

Für Kommissarin Mara Billinsky ist der Fall klar: Dahinter kann nur ihr Lieblingsfeind, Witali Blochin, stecken. Mit dem russischen Mafia-Paten hat sie schon seit langem eine dicke Rechnung offen.

Ihr Partner, der eher zart besaitete Jan Rosen, trifft Anyana wieder, eine rumänische Zwangsprostituierte aus dem Bahnhofsviertel. Die konnte er einst als Kronzeugin gewinnen, dann aber verschwand sie plötzlich.
Jan hat sich in sie verliebt und versteckt die Angebetete nun in seiner Wohnung vor ihrem Zuhälter.

Kurzum: Es ist wieder der Mix, mit dem Leo Born auch in den vorherigen Bänden die LeserInnen fesseln und begeistern konnte.

Am Ende dieses Buches stehen nicht nur vergessene alte, sondern auch zahlreiche frische Gräber. Leo Born hat uns in diesem Thriller jede Menge Tote serviert; fast alles junge, unschuldige Menschen.

„Vergessene Gräber“ nimmt die Lesenden mit in ein über weite Strecken verworrenes Komplott rund um die Russenmafia in Frankfurt.
Die Geschichte ist interessant und vielschichtig, fast immer spannend. Man kann beim Lesen prächtig spekulieren und hat die Chance, Täter und Hintergründe zu erraten. Da macht das Schmökern Spaß.

Die Story endet, wie es sich für einen Mara-Thriller gehört:
Fast alle Bösewichter werden gefasst und landen hinter Schloss und Riegel.

Nur die Hintermänner sind noch auf freiem Fuß.

Aber darum wird sich Kommissarin Billinsky vermutlich im nächsten Mara-Krimi kümmern.





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Veröffentlicht am 30.11.2020

Aktueller geht es nicht

Virus - Der Feind in deinem Blut
1

Das Buch passt in die Zeit, und wie !!!

Eine junge Frau wird nach einem Zusammenbruch in ein New Yorker Krankenhaus eingeliefert. Die Diagnose: Mia hat sich mit einem bisher unbekannten, tödlichen Virus ...

Das Buch passt in die Zeit, und wie !!!

Eine junge Frau wird nach einem Zusammenbruch in ein New Yorker Krankenhaus eingeliefert. Die Diagnose: Mia hat sich mit einem bisher unbekannten, tödlichen Virus infiziert. Es gibt keinen Impfstoff, das heißt: Überlebenschance gleich Null. Sie hat nur noch wenige Monate zu leben.

Ihr Verlobter, der Journalist Gideon Connor und Held dieses Romans, kann das nicht akzeptieren: Ein Virus, das im Medizin-Hightechland USA wütet und nicht bekannt ist? Das kann nicht sein. Es muss einen Impfstoff geben.

Etwa zur selben Zeit wird der Virologe Dr. Ian Monaghan bedroht, verfolgt und schließlich gekidnappt. Das pharmazeutische Unternehmen, in dem der Arzt forscht, wird bei einem Brandanschlag komplett zerstört.

Schnell bekommt Gideon Connor mit Hilfe des Wissenschaftlers und Hackers Anand Parekh heraus, dass Monaghan im Geheimauftrag der US-Regierung an einem Impfstoff gegen das mysteriöse Virus HTLV-1 geforscht hat und wohl deshalb ins Visier krimineller Mächte geraten ist.

Gemeinsam mit Parekh macht sich Connor auf eine atemberaubende Jagd nach dem Virologen und dessen Impfstoff. Es ist ein Wettrennen gegen die Zeit - Mia hat ohne Impfung nicht mehr lange zu leben - , und es kommt zu einem actionreichen Showdown. Je tiefer sich Connor in die Geschichte verstrickt, desto klarer wird, dass es hier noch um weit mehr geht als um die Entwicklung eines Impfstoffs.

Ben K. Scott hat mit „VIRUS“ einen Science-Thriller vorgelegt, der den Lesenden von der ersten bis zur letzten der gut 300 Seiten komplett in seinen Bann zieht. Spannender geht es nicht. Auch wenn die Action zum Teil etwas übertrieben daherkommt: Connor überlebt in Serie Stürze und Abstürze. Selbst James Bond erscheint da im Vergleich zu Scotts Helden wie ein milchgesichtiges Pfadfinder-Bübchen.

Obwohl ein lupenreiner Triller ist das Buch bei weitem nicht nur reine Fiktion. Selbstverständlich frei erfunden ist die Story um Gideon Connor und seinen Versuch, Mias Leben zu retten; ebenso fiktiv ist die kriminelle Verschwörungsstory um Connors Jagd herum.

Das Virus aber - so versichert der Autor in seinem Nachwort - existiert tatsächlich. Obwohl Millionen Menschen latent damit infiziert sind, ist HTLV-1 in der Öffentlichkeit kaum bekannt. Die WHO kennt es, aber die internationale Forschergemeinschaft scheint sich, ebenso wie die Regierungen dieser Welt, nicht sonderlich dafür zu interessieren. Und das obwohl - da ist sich der Autor sicher - jederzeit eine HTLV-1-Epidemie ausbrechen könnte.

Ist es nun geschicktes Timing oder purer Zufall, dass dieses Buch ausgerechnet im Corona-Jahr 2020 auf den Markt kommt? Wie auch immer: Dieser Thriller passt in diese epidemische Zeit wie wohl kaum ein zweiter.

Man sollte ihn lesen. Es lohnt sich.





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Veröffentlicht am 26.10.2020

Ans Messer geliefert

Die perfekte Sünde
9

Ganz schön blutig und extrem gruselig startet Helen Fields in ihren neuen Roman „Die perfekte Sünde“. Ein weiterer Fall für das schon aus den vorherigen „Perfekt“-Romanen bekannte Ermittler-Duo Ava Turner ...

Ganz schön blutig und extrem gruselig startet Helen Fields in ihren neuen Roman „Die perfekte Sünde“. Ein weiterer Fall für das schon aus den vorherigen „Perfekt“-Romanen bekannte Ermittler-Duo Ava Turner und Luc Callanach

In schwer zu ertragender Ausführlichkeit werden die letzten, qualvollen Minuten von Zoey, einer jungen Frau, geschildert, die vor einem mutmaßlich gewalttätigen Stiefvater in ein Frauenhaus geflohen war, dann entführt und schließlich bestialisch ermordet wird. Es ist eine langsame, grausame Tötung, präzise ausgeführt mit einem medizinischen Skalpell.

Dann werden weitere junge Frauen entführt.

Präzise Schnitte finden sich auch im Gesicht des drogenabhängigen Mikey, der Blut überstömt in der Edinburgher Junkie-Szene aufgefunden wird.
Auch hier kommt es zu weiteren Fällen nach identischem Tatmuster.

Der Kriminalfall nimmt rasch Fahrt auf, wobei sich der Eindruck verfestigt, dass es sich bei den Entführungen der jungen Frauen und den Messer-Attacken auf die Obdachlosen um zwei voneinander unabhängige Fälle handeln könnte.

Leider nehmen zahlreiche Ausflüge zu Nebenschauplätzen dem Roman immer wieder ein wenig die Spannung. Ausführliche Abhandlungen zu persönlichen Befindlichkeiten, philosophische Anwandlungen und Ausflüge ins Sexualleben einiger Protagonisten nehmen breiten Raum ein und machen den Roman streckenweise etwas langweilig. So wird immer wieder Tempo aus dem ansonsten sehr lesenswerten Krimi genommen.

Nachdem der Roman zwischenzeitlich also etwas schwächelt, wird es im letzten Drittel wieder richtig spannend. Die Lektüre macht insgesamt viel Spaß, gut investierte Lesezeit.

Gegen Ende rechtfertigt sich auch der deutsche Titel des Buchs. Sünde gibt es reichlich. Weniger klar ist, was daran perfekt sein soll.

Das ist aber auch in den anderen „Perfekt-Romanen“ von Helen Fields so.
Offenbar eher ein Markenzeichen für die Krimi-Reihe als inhaltlich begründet.

Das Cover passt nur bedingt: Schmetterling in Dornenkrone. Der Schmetterling symbolisiert Freiheit und Lebensfreude. Die Dornenkrone steht für großes Leid. Insofern kommt das hin.
Allerdings ist der Begriff der Dornenkrone eindeutig besetzt. Sie steht solitär für das Leiden Christi, passt daher nicht wirklich in den Kontext dieses Romans.

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