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Veröffentlicht am 15.09.2021

Todessehnsucht

In die Arme der Flut
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Luke unterbricht seinen Weg zur Arbeit auf einer Brücke, er überlegt genau wie und wo er sich am besten hinunterstürzen kann, um zu sterben. Er wählt die Seite mit den großen Felsen, als Nebel aufzieht ...

Luke unterbricht seinen Weg zur Arbeit auf einer Brücke, er überlegt genau wie und wo er sich am besten hinunterstürzen kann, um zu sterben. Er wählt die Seite mit den großen Felsen, als Nebel aufzieht und ihn verharren lässt. Er sinniert über sein Leben und wie lange er dessen schon überdrüssig ist. Durch seine Erinnerungen erhält man tiefe Einblicke in seine Psyche, aber Verständnis für sein Vorhaben konnte ich nicht entwickeln, zu fern waren mir seine Schlüsse.
Letztendlich verlässt er die Brücke, um sich kurz danach doch noch die 35 Meter in die Tiefe zu stürzen, nun allerdings um einen ertrinkenden Jungen zu retten. Diese Heldentat wird von den Medien breit ausgeschlachtet. Auch die Politiker des Ortes möchten etwas von seinem Ruhm abhaben, schließlich ist es paar Tage vor der Wahl. So gerät Luke in einen Strudel, den er nicht steuern oder irgendwie beherrschen kann. Freud und Leid liegen hier nah beieinander und viele wollen an dem Ereignis verdienen.
Der gerettete Junge Paul ist zunächst nur eine Randfigur, was sich aber im letzten Drittel ändert. Er und sein Vater, ein Obdachloser, dem das Sorgerecht entzogen wurde, sind gut dargestellt.
Die Leben von Luke und Paul sind fortan auf besondere Weise miteinander verbunden, vor allem weil es noch andere Gemeinsamkeiten gibt. Das Leben dieser Beiden erfährt eine besondere Wendung, mit der nicht zu rechnen war.
Der Autor erzählt in einer schönen bildhaften, teils poetischen Sprache. In der ersten Hälfte gibt es einige Längen, die mir das Durchhalten erschwerten. Der Schluss ist überraschend, doch passend.
Das Buch gefiel mir nicht in allem Aspekten: die Emotionen der Protagonisten waren mir fremd und blieben es trotz der ausführlichen Darstellung. Der Shitstorm durch die Medien und die Hilflosigkeit der Betroffenen war gut ausgearbeitet, ebenso die Skrupellosigkeit der Politiker. Mir fehlte der Hinweis, dass das Buch für depressive Menschen oder Suizidgefährdete aufgrund der Inhalte nur bedingt geeignet ist.

Für Leser, die sich gerne in die Psyche Anderer hineinversetzen, eine interessante Lektüre

Veröffentlicht am 10.09.2021

vietnamesische Familiengeschichte

Der Gesang der Berge
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„Der Gesand der Berge“ wurde von der vietnamesischen Autorin Nguyen phan que mai geschrieben. Die Hauptcharackterin Hu´o´ng wächst in den frühen 1970er Jahren in Hanoi auf. Ihr Vater ist im Krieg verschwunden ...

„Der Gesand der Berge“ wurde von der vietnamesischen Autorin Nguyen phan que mai geschrieben. Die Hauptcharackterin Hu´o´ng wächst in den frühen 1970er Jahren in Hanoi auf. Ihr Vater ist im Krieg verschwunden und ihre Mutter überlässt ihre Tochter der Großmutter, um sich auf die Suche nach ihrem Mann zu machen.

Der Roman verfolgt das Leben mehrerer Generationen einer nordvietnamesischen Familie und wie die Französisch-japanische Besatzung, und der Krieg die Familie beeinflusst haben. Dabei geht die Autorin auch auf die Sinnlosigkeit und Grausamkeit des Krieges ein. Vor allem zu Beginn werden viele historische Fakten genannt, hier muss man echt aufpassen, um alles zu verstehen, danach tritt die persönliche Geschichte stärker in den Vordergrund.

Ich finde es toll, dass man so viel über die vietnamesische Geschichte mitnehmen kann, da es ein Thema ist, über das ich bisher noch kein Buch gelesen habe und als Europäerin auch nicht so viel wusste. Die persönlichen Schicksale sind sehr eindrücklich und emotional geschildert und im Dankwort wird nochmal deutlich, dass die Autorin wirklich geschichtliche Fakten recherchiert hat.

Ich mochte den Schreibstil sehr und konnte das Buch zügig lesen, obwohl ich mich erst mal an die vietnamesischen Namen gewöhnen musste. Auch das Cover finde ich sehr ansprechend, da das Bild zum Titel passt und neugierig macht.

Insgesamt ein spannendes Buch, das ich auf jeden Fall weiterempfehlen werde.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.09.2021

Eine ganz tolle Geschichte

Eine ganz dumme Idee
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"Etwas nicht zu wissen ist ein guter Ausgangspunkt."

Fredrik Backman ist hier eine sehr schöne Geschichte geglückt, die immer wieder zu überraschen weiß und dabei eine große Warmherzigkeit ausstrahlt.

Ein ...

"Etwas nicht zu wissen ist ein guter Ausgangspunkt."

Fredrik Backman ist hier eine sehr schöne Geschichte geglückt, die immer wieder zu überraschen weiß und dabei eine große Warmherzigkeit ausstrahlt.

Ein Bankräuber scheitert in einer bargeldlosen Filiale und flüchtet sich in eine Wohnungsbesichtigung. Er nimmt die Anwesenden als Geiseln. Diese sind ebenso überrascht wie er und es werden besondere Ereignisse in Gang gesetzt.

Die einzelnen Geiseln werden im Laufe des Romans vorgestellt, hierzu nutzt der Autor Rückblicke, aber auch spätere Zeugenvernehmungen. Keine der Geiseln verhält sich "normal", also so wie man es von einer Geisel erwarten würde. Alle haben sehr besondere Charaktere und Hintergründe, die gut und authentisch in die Handlung eingearbeitet wurden. Insbesondere die zynische Zara hat hier für gute Unterhaltung gesorgt und Ro´s Flüchtlingsschicksal war bemerkenswert.

Die beiden Polizisten, die den Fall klären sollen, sind Vater und Sohn, sie erleben herausfordernde Stunden.

Alles hat mit einer Brücke zu tun und den Menschen, die hier einschneidende Dinge erlebt haben. Ein Junge konnte einen Selbstmörder nicht vom Sprung abhalten, kurze Zeit später ist er anwesend, als ein Mädchen im letzten Moment beschließt nicht zu springen. Eine Frau, die ihre Schuldgefühle nicht verarbeiten kann, sucht immer wieder die Brücke auf. Auch sie hat das Mädchen beobachtet, ebenso wie ein Ehepaar, das zufälligerweise in der Nähe auf einem Balkon stand.

Die Leben dieser Personen haben immer wieder Berührungspunkte, was erst nach und nach offenbar wird. Außerdem gibt es noch ein paar skurrile aber sympathische Randfiguren, die auf ihre Art für Verwicklungen und humorvolle Szenen sorgen.

Was zunächst wirr und zufällig wirkt, hat schlussendlich Hand und Fuss, alles fügt sich ineinander, jede Person ist wichtig. Dem Autor ist hier eine schöner Roman über Empathie und füreinander Einstehen gelungen, witzige Szenen werden durch tiefgründige und berührende Sätze aufgewertet. Die Aufforderung einfach nur sein Bestes zu geben, um diejenigen zu retten, die wir retten können, wird hier von Allen mit Leben gefüllt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.09.2021

spannend

Tiefer Fjord
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Tiefer Fjord ist ein sehr spannender Roman, der verschiedene Themen aufgreift und sehr klug konstruiert ist. Im Mittelpunkt stehen die Eheleute Haarvard und Clara. Er ist Arzt im Krankenhaus, sie arbeitet ...

Tiefer Fjord ist ein sehr spannender Roman, der verschiedene Themen aufgreift und sehr klug konstruiert ist. Im Mittelpunkt stehen die Eheleute Haarvard und Clara. Er ist Arzt im Krankenhaus, sie arbeitet in einem Ministerium an einer politischen Karriere. Aktuell beschäftigen sich beide mit Misshandlungen von Kindern. Während der Arzt den Eltern häufig nichts nachweisen kann und die Kinder nach Genesung wieder in deren Obhut geben muss, arbeitet Clara an einem Gesetzesentwurf zu diesem Thema. Die Erziehung der Söhne und den Haushalt versuchen sich Beide zu teilen.
Als ein verdächtiger Vater im Krankenhaus tot aufgefunden wird, gerät Haarvard in den Fokus der Ermittler, doch für den Leser gibt es auch weitere Verdächtige. Kurz darauf gibt es eine weitere Tote und wieder scheint Haarvard eine Motiv zu haben.
Die Handlung überzeugt mit zahlreichen unerwarteten Wendungen und gipfelt in einem unerwarteten Finale.
Erzählt wird abwechselnd aus den Ich- Perspektiven Claras, Haarvards, eines Pflegers, einer Ärztin und des Vaters von Clara. So erhält man tiefe teils verstörende Einblicke in die Charaktere, die vielschichtig angelegt sind.
Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen, es ist in sich abgeschlossen, soll aber der Auftakt einer Reihe sein, bei deren Fortführung ich gerne dabei bin.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.09.2021

Spirale des Lebens

Fanzi
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Elisabeth Schmidauers neuer Roman Fanzi ist schon durch das schöne Cover dem historischen Genre zuzuordnen. Sie erzählt auf sehr berührende Weise eine Familiengeschichte. Die schweren Kriegserlebnisse ...

Elisabeth Schmidauers neuer Roman Fanzi ist schon durch das schöne Cover dem historischen Genre zuzuordnen. Sie erzählt auf sehr berührende Weise eine Familiengeschichte. Die schweren Kriegserlebnisse zeichnen die Charaktere und formen diese und ihr Verhalten, das sie an nachfolgende Generationen weitergeben. Wir lesen abwechselnd aus der Sicht Fanzis und Astrids, seiner Enkelin.
Franz hat den Spitznamen Fanzi von seiner kleinen Schwester Elfi erhalten, die er sehr liebt. Die beiden sind das dritte und vierte Kind einer Bauernfamilie, die in der Erbfolge nachrangige Positionen hatten. Doch die Kriegsereignisse greifen hier verändernd ein.
Die Zeit zwischen den Weltkriegen war für die Menschen herausfordernd, das Erstarken der Nationalsozialsten und die anschließende Zeit kann hier mitverfolgt werden. Bedrückend ist es zu lesen, wie die Menschen damit umgingen, ob sie mitliefen, wegschauen, ignorierten oder begeistert folgten. Auch die Machtlosigkeit gegenüber dem neuen System ist eindrücklich geschildert. Fanzi leidet fast bis zu Ende an seinem und Elfies Schicksal, doch es gelingt ihm noch sich seiner Familie gegenüber zu öffnen.
Ich konnte mich sehr gut in die Charaktere hineinversetzen, der klare Erzählstil hat mir nach einer kleinen Eingewöhnungszeit sehr gut gefallen. Der gelegentlich eingestreute Dialekt sorgt für Authentizität, die Naturbeschreibungen und die Schicksale fand ich sehr berührend.
Eine lesenswertes Buch, das ein bedrückendes Stück Geschichte anschaulich beschreibt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere