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Veröffentlicht am 14.05.2025

Tiefe Einblicke, unterhaltsam, macht nachdenklich

»Mama, bitte lern Deutsch«
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Ich kannte Tahsim Durgun bisher nicht. In seinem Buch „Mama, bitte lern Deutsch“ schreibt er über sein Leben in Deutschland. Seine Eltern leben bereits seit rund 30 Jahren hier, er selbst und seine Geschwister ...

Ich kannte Tahsim Durgun bisher nicht. In seinem Buch „Mama, bitte lern Deutsch“ schreibt er über sein Leben in Deutschland. Seine Eltern leben bereits seit rund 30 Jahren hier, er selbst und seine Geschwister sind in Deutschland geboren. Tahsim erzählt von Begebenheiten in der Schule, begonnen in der Grundschule, wo er bereits erste Erfahrungen mit Rassismus macht. Die Familie lebt in einem Wohnblock, in offensichtlich nicht der besten Gegen von Oldenburg. Bereits 5 Gehminuten weiter betritt man aber schon die „andere“ Welt. Tahsim muss in der Familie oft übersetzen, von Rezepten, Aldi-Prospekten bis hin zu Ablehnungsbescheiden und Arztdiagnosen. Damit kommt er mit Themen in Berührung, die Kinder nicht unbedingt übernehmen sollten. Die Beispiele aus dem Alltag bohren zum Teil den Finger tief in die Wunde und zeigen Reaktionen, wie ich sie zum Teil nicht für möglich gehalten habe. Dabei geht Tahsim zum Teil auch mit der eigenen Kultur kritisch um (siehe Hochzeiten). Ich habe mich beim Lesen teilweise wie ein stilles Mäuschen in Tahsims Familie gefühlt, so direkt hat er geschrieben. Respekt den Älteren gegenüber, der Zusammenhalt in der Familie – dies sind durchaus Dinge, wo sich unsere Kulturen heftig unterscheiden, und wo wir gern etwas abgucken dürften. Die Sprache ist oftmals sehr direkt, auch in der Familie. Dennoch strahlt alles Liebe aus und Respekt. Mit den (Kraft)Ausdrücken habe ich mich beim Lesen schwergetan. Besonders gefallen hat mir eine Szene am Ende des Buches, in der Tahsim mit seiner Mama in ein Gespräch verwickelt seinen Geburtstag vorbereitet.
Das Buch erscheint völlig authentisch, ehrlich. Treffende Zitate, passende Wortwahl, Humor und Ironie – eine tolle Mischung und damit sehr gut und unterhaltsam zu lesen. Für mich ist es ein Impuls, öfter versuchen zu verstehen. Menschen und Kulturen sind unterschiedlich – alle. Bereichert es nicht eher, wenn man einerseits die Unterschiede einfach akzeptiert und andererseits eher voneinander lernt, statt die Welt in ein „Wir“ und „Ihr“ einzuteilen?

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Veröffentlicht am 14.05.2025

Bewegend

Perlen
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Marianne blickt zurück auf ihr Leben. In früher Kindheit hat sie ihre Mutter verloren. Ihr Vater stand nun plötzlich mit ihr und einem Baby allein da. Die Mutter ging aus dem Haus und kam nie wieder. Dies ...

Marianne blickt zurück auf ihr Leben. In früher Kindheit hat sie ihre Mutter verloren. Ihr Vater stand nun plötzlich mit ihr und einem Baby allein da. Die Mutter ging aus dem Haus und kam nie wieder. Dies hat Mariannes Leben geprägt. In der Schule fand sie kaum Anschluss. Die spätere Freundin war das, was man nicht unbedingt „guter Einfluss“ nennt. Und dann steht plötzlich der Tod eines weiteren Babys im Raum. Erst Jahre später, als Marianne selbst Mutter ist, kann sie die Zusammenhänge erkennen und sehen, was auch der Vater geleistet hat. Sie blickt wohlwollend zurück auf ihre Mutter und kann endlich abschließen.
Ich kann mir nicht vorstellen, was es für ein Kind heißen muss, ohne Mutter aufzuwachsen und dazu unter solch tragischen Umständen. Diese Schwere wird beim Lesen sehr deutlich. Ich habe Marianne teils als Fremdkörper in der Schule empfunden. Langsam nimmt die Geschichte Form an und löst sich erst gegen Ende auf. „Perlen“ ist ein bewegender Roman, der zwar nicht mein Highlight wird, aber den ich doch sehr gern gelesen habe und auch empfehlen würde.

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Veröffentlicht am 14.05.2025

Ein gelungener Ratgeber

Scheidung ohne Scherben
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Dieses Buch ist keine Aufforderung zur Trennung, sondern ein sehr gut lesbarer Ratgeber, der einem erst einmal ein Gefühl geben kann, wo genau man in einer Beziehung steht. Manchmal hilft eine solche Bestandsaufnahme ...

Dieses Buch ist keine Aufforderung zur Trennung, sondern ein sehr gut lesbarer Ratgeber, der einem erst einmal ein Gefühl geben kann, wo genau man in einer Beziehung steht. Manchmal hilft eine solche Bestandsaufnahme schon, um vielleicht die Beziehung wieder verbessern zu können. Manchmal macht eine solche dann aber auch klar, dass eine Trennung vielleicht der bessere Schritt ist. Mit beiden Optionen geht die Autorin offen um, rät aber im zweiten Fall dazu, sich Unterstützung in Form einer Erstberatung zu suchen.
Das Buch zeigt nicht auf, welche Ansprüche der Ehepartner hat, auch nicht wie im Einzelfall Unterhaltszahlungen oder sonstige Ansprüche ermittelt werden. Die Themen werden zwar gestreift, an diesen Stellen wird jedoch – und das absolut zu Recht – auf eine juristische Beratung verwiesen. Ich möchte nicht so weit gehen zu sagen, dass das Buch ein Beziehungsratgeber ist. Aber es macht, dass man sich mit der Beziehung auseinandersetzt. Und allein das kann schon ein Schritt in die richtige Richtung sein, zeigt es zumindest, dass eine Entscheidung nicht leichtfertig getroffen wird. Auch wenn es für mich aktuell kein Thema ist, habe ich das Buch gern gelesen. Es hat mir interessante Impulse mitgegeben, den Blick neu auszurichten und das ein oder andere im Alltag auch wieder anders zu bewerten.
Ein tolles Buch, welches nicht nur für Scheidungswillige interessante Ansätze bietet.

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Veröffentlicht am 14.05.2025

Schöner Roman über das zurück zu sich selbst finden

Alice und das Blau des Wassers
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Alice ist mit 49 in den besten Jahren, verheiratet und arbeitet im Büro der gemeinsamen Firma. Und genau da erfährt sie an ihrem Hochzeitstag, dass ihre Bürokollegin schwanger ist, und das von Alice’s ...

Alice ist mit 49 in den besten Jahren, verheiratet und arbeitet im Büro der gemeinsamen Firma. Und genau da erfährt sie an ihrem Hochzeitstag, dass ihre Bürokollegin schwanger ist, und das von Alice’s Mann. Plötzlich strömen tausend Gedanken durch Alice Kopf und gleichzeitig ist da einfach nur Leere. Die gemeinsame Tochter überredet sie zu einem „Haustausch“. Also zieht Alice für ein paar Monate auf die Insel Guernsey. Hier lernt sie neue Menschen kennen und auch sich selbst wieder.
Ein wunderbarer Roman für zwischendurch. Klasse finde ich, dass die Protagonistin auf die 50 zugeht und das Alter hier nicht als „Problem“ dargestellt wird, sondern positiv aufgegriffen wird. Das Buch lässt sich angenehm und flüssig lesen, es war unterhaltsam und berührend. Leider ist der Funke bei mir nicht ganz übergesprungen, was aber nur meinen persönlichen Eindruck reflektiert. Sicher empfindet da jeder anders, bestimmt auch abhängig davon, in welcher Lebensphase man selbst gerade steckt.

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Veröffentlicht am 11.05.2025

Ab in die Wildnis Kanadas

Pearly Everlasting
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Pearly Everlasting ist ein junges Mädchen, welches in den 30er Jahren in den kanadischen Wäldern aufwächst. Umgeben von der wilden Natur wächst Pearly zusammen mit ihrer Familie in einem Holzfällercamp ...

Pearly Everlasting ist ein junges Mädchen, welches in den 30er Jahren in den kanadischen Wäldern aufwächst. Umgeben von der wilden Natur wächst Pearly zusammen mit ihrer Familie in einem Holzfällercamp auf. Ihr Vater ist der Koch, weiterhin gehören ihre Schwester Ivy und ihre Mutter zur Familie. Rauer Umgang, Armut, keine Gleichaltrigen – doch Pearly hat einen besten Freund, sogar Bruder: Bruno, einen kleinen Schwarzbären, der mit ihr gemeinsam von ihrer eigenen Mutter gesäugt wurde. Die beiden verbindet innige Liebe und Pearly würde alles für Bruno tun. Allerdings wird der Bär nicht von allen gern gesehen im Camp. Der ausbeuterische Chief Swicker lässt nichts unversucht, um den Bären loszuwerden. Als eines Tages seine Leiche gefunden wird, setzt Pearly alles auf eine Karte.
„Pearly Everlasting“ ist ein atmosphärischer Roman, bei dem man sich direkt in die kanadische Wildnis versetzt fühlt und die Kälte und Abgeschiedenheit spürt. In gewaltiges Naturschauspiel, welches mich aber leider in Summe nicht vollständig begeistern konnte. Die tiefe Verbundenheit zwischen Bruno und Pearly ist zwar zauberhaft dargestellt, mit Bruno wird teils wie mit einem Menschen umgegangen. Doch es hat mir etwas gefehlt, um mich wirklich mit Pearly verbunden zu fühlen.

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