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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.08.2020

Atemberaubend, Spannend und Intensiv!

Neon Birds
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"Ein Supersoldat, der seine glorreichen Tage hinter sich hat. Ein Träumer mit einem düsteren Geheimnis. Ein Untergrundkämpfer mit Todeswunsch. Eine Jägerin mit Verbindung zu einer dunklen Macht."

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"Ein Supersoldat, der seine glorreichen Tage hinter sich hat. Ein Träumer mit einem düsteren Geheimnis. Ein Untergrundkämpfer mit Todeswunsch. Eine Jägerin mit Verbindung zu einer dunklen Macht."

... und ein Virus, der die ganze Welt zum erschüttern bringt. Wie wird die Menschheit handeln?

Im Sci-Fi Genre gehört "Neon Birds" von Marie Grasshoff zu meinen Top 5! Direkt angesprochen, hat mich das Cover mit den neonfarbenen Aspekten und ich wollte sofort wissen, was sich dahinter verbirgt. Das Cover verrät nicht viel von der Story die in den Seiten steckt, sondern gibt einem eher eine seltsame Stimmung, mit intensiv gewecktem Interesse. Da Cover und Titel absolut stimmig sind, kann man sich selbst ein paar Gedanken über die vermeidliche Story machen. Der Teaser auf der Rückseite des Buches verrät nun mehr, hält die Spannung aber ziemlich hoch (siehe Zitat am Anfang). Was könnte im Buch geschehen?

"Es ist das Jahr 2101. Ein außer Kontrolle geratener technischer Virus verwandelt Menschen in hyperfunktionale Cyborgs, sogenannte Mojas, die dem Willen der künstlichen Intelligenz KAMI gehorchen. In Sperrzonen eingepfercht, werden sie von Supersoldaten bekämpft, die man weltweit als Stars feiert."

Schon im Prolog schaffte es Marie Grasshoff eine dichte und faszinierende Atmosphäre zum Einstieg zu schaffen. Man saugt förmlich jedes Wort auf, um sich wie in Watte gepackt in ihre Welt mitziehen zu lassen. Von Anfang an haltet sie die Geschichte in einem gewissen Maße hoch, da man von Wort eins ohne Kompromisse in die dystopische Welt geschmissen wird. Ihre Kapitel bauen aufeinander auf und die Situation steigert sich immer weiter ins unermessliche, bis der Höhepunkt kommt und eine Kehrtwende erscheint. Während der ganzen Lesezeit passieren immer wieder neue, fesselnde und überraschende Passagen, Aussagen oder Kämpfe die den Spannungsbogen mit einer Leichtigkeit aufrechterhalten.

Der Lesefluss ist angenehm, die Wörter reihen sich aneinander als hätten sie immer so zusammengepasst. Man liest ohne abrupte Unterbrechungen (abgesehen davon, dass es sein kann, dass man mit den Charakteren sooo mitfühlt, dass man in ein Kissen beißen muss vor Freude oder Angst...) und auch die Kapitelübergänge sind soft gestaltet. Marie Grasshoffs Schreibstil ist angenehm. Sie nutzt eine gute Kombination aus einfache Wortzusammenhänge und tiefgründigen Sätzen, die einen guten Mix ergeben. Sie nutzt keine verschachtelten oder übertrieben lange Sätze, sodass man immer zwischen durch aufatmen kann. Die Sprache der Charaktere passen sich der Positionen derjenigen und Geschehnisse an und auch die militärischen Begriffe sind entweder von selbst verständlich oder werden gut in die Geschichte verbaut erklärt.
Perspektivisch gesehen, bekommt man durch den personalen Erzähler (Er-/Sie Erzähler) durch das schlüpfen in mehrere Personen, einen so exakten Einblick in die Geschichte und die Gefühle aller Beteiligten, als würde man genau neben ihnen stehen. Die Charaktere sind allesamt für die Welt einzigartig geschrieben, jeder von ihnen hat seinen Platz. Die Protagonisten der Serie haben ein gewissen Flair und sind so unterschiedlich, sodass sie wieder perfekt harmonieren. Die vielen Emotionen, Gefühle und Gedanken sind nicht wirr dargestellt, sondern passen in die vorgehobenen Szenen und sind aufschlussreich für den weiteren Verlauf.

Im Grunde gibt es vier Hauptcharaktere: Luke, Flover, Okijen und Andra.
Luke und Flover sind Zimmerkollegen und an der Akademie zum Studieren. Man spürt von Anfang an, dass die beiden ein starkes Band verbindet. Man ist der Positionen der Charaktere in den jeweiligen Abschnitten bewusst, jedoch passen sich die Charakterstärken- oder auch schwächen der Einzelnen sich der Geschichte an. Einige Charakterentwicklungen sind unvorhersehbar und geben den extra "Wow" - Effekt, der die Story lebendiger erscheinen lässt. Ein Mensch verändert sich ja auch durch Ereignisse und Erkenntnisse. Okijen hat militärisch sich schon in seinen jungen Jahren an die Spitze gekämpft und hat viele Narben dadurch erlitten. Im Laufe der Geschichte ist es aber unvermeidlich, dass er mit in die verworrene Situation der Menschheit gezogen wird. Dadurch lernt er auch die sensible und doch feurige Andra kennen. Andra kennt die große weite Welt nicht, da sie in einen Ort abseits der großen Stadt bei ihrem Stamm aufgewachsen ist. Die Begegnung der beiden ist von Neugier beider Seiten stark ausgeprägt. Andra ist fasziniert von Okijen, denn dieser ist am Körper technisch modifiziert, aber nicht wie die "Mojas". Okijen findet Sympathie in ihrer Art und auch in der Kampfkunst, die die Älteste ihres Stammes ihr beigebracht hat. Die Gespräche der beiden sind schön zu lesen und man spürt die aufkeimende Verbundenheit und das Vertrauen. Zwischen den Seiten sind einige fantastische Illustrationen von Mona Finden zu den Charakteren und Situationen zu sehen. Das verleiht dem Buch nochmal einen gewissen Charme und die Charaktere sind noch besser vorstellbar.

Die dystopische Geschichte mit dem Virus der Menschen verändert ist nicht langweilig dargestellt. Die Übermacht wird auch mit Gedankengängen in Passagen zugeordnet und die infizierten Menschen haben einen besonderen blauen Schimmer, den man sich gut vorstellen kann. Die Entwicklungen zwischen Menschheit und der Super-KI sind sehr effektvoll dargestellt und die Konflikte werden extrem realistisch aufgezeigt. Man folgt dem Fluss der Geschichte und entdeckt immer neue, interessante Bemerkungen die Spannend und Überraschend wirken.


Mein Fazit: Marie Grasshoff hat eine grandiose Welt erschaffen, die einen sofort begeistert und mitreißt. Man fühlt mit den Charakteren mit und will unbedingt wissen wie es weiter geht. Roman mit Suchtfaktor, nenn ich es!
Ich habe alles stehen und liegen gelassen um das Buch, ohne großartige Pausen, durchzuschmökern. Ich empfehle jedem, der Dystopien und ausgefallene Charaktere mit genialen Lebenshintergründen- und Weisheiten mag, dieses Buch zu lesen! Ihr werdet sicherlich nicht enttäuscht sein.

PS: Ihr werdet Gerta feiern!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere