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Veröffentlicht am 09.01.2019

Wieder spannend

DOORS X - Dämmerung
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Auch im dritten Teil gilt, Anna-Lena van Dam ist spurlos verschwunden und das aus einem Keller in einer alten Familienvilla. In diesem Keller befinden sich verschiedene Türen und diese führen, wie durch ...

Auch im dritten Teil gilt, Anna-Lena van Dam ist spurlos verschwunden und das aus einem Keller in einer alten Familienvilla. In diesem Keller befinden sich verschiedene Türen und diese führen, wie durch Van Dam Senior vermutet, zu einem unterirdischen Höhlensystem. Das sechsköpfige Forscherteam, das von Van Dam beauftragt wurde, seine Tochter zu finden und zurück zu bringen, entscheidet sich für die mysteriöse Tür mit dem X. Doch hinter dieser Tür verbirgt sich so einiges und das Team wird getrennt. Während Viktor gemeinsam mit Dana dem Höhlensystem folgt, geht der Rest des Teams duch die Tür X und landet in einer Welt der Zukunft, genauer im Jahr 2049 und diese Welt wird im höchsten Maße kontrolliert.
Meine Meinung
Mit Doors X – Dämmerung betrat ich den letzten der drei Wege, der neuen Reihe aus der Feder von Markus Heitz. Dieses Mal ging es in die Zukunft und ich war auf diesen Band schon sehr gespannt, denn gerade Ideen, wie unsere Welt in der Zukunft aussehen wird, finde ich sehr interessant.
Auch hier hat Markus Heitz einen völlig anderen Fortgang zu dem immer gleichen Beginn geschrieben und ich bin nach wie vor sehr begeistert, in welchem Maße man ein und den selben Anfang in so völlig unterschiedliche Richtungen führen kann, was auch auf den grandiosen Einfallsreichtum des Autors Rückschlüsse führen lässt. Heitz schreibt gewohnt flüssig und rein sprachlich klar und verständlich. Allerdings hatte ich gerade in diesem Band das Gefühl, ganz viele Informationen auf nur wenigen Seiten zu erhalten, so dass hier doch konzentriert am Ball bleiben notwendig war. Also nicht mal eben eine Geschichte für zwischendurch, sondern wirklich aufmerksames Verfolgen, da hier viele wichtige Informationen und viele Charaktere zusammenkamen. Dazu kommt noch eine neue Welt in der Zukunft, die man sich zwar ganz gut vorstellen kann, auf die man sich aber auch einlassen muss. Hier gibt es eine Menge Fragen und natürlich lässt Heitz einige davon offen, um auf weitere Bände neugierig zu machen. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass es bei weiteren Büchern Sinn macht, erst jeweils immer einen Handlungsstrang zu verfolgen, denn ich würfel nun doch die vielen, teilweise unterschiedlichen, Informationen zu den Charakteren durcheinander. Irgendwann noch genau wissen zu können, was zu wem und zu welcher Handlung gehört, könnte sich als schwierig erweisen.
Nichts desto trotz ist auch diese Geschichte sehr spannend und das Worldbuilding ist klar durchdacht und strukturiert. Auch hier gilt es wieder, nicht allzu zimperlich zu sein, denn Heitz baut auch hier immer wieder mal Details ein, die zart besaiteten Lesern aufstoßen könnten. Es ist spannend, teilweise mysteriös und auch etwas gruselig.
Da ich bereits die beiden anderen Bände der ersten Staffel kenne, wusste ich zumindest, welcher Charakter welche Eigenschaften mit sich bringt, wirklich hilfreich finde ich auch die Steckbriefe zu den einzelnen Personen. Jeder einzelne wird klar charakterisiert, bekommt aber noch nicht den absoluten Tiefgang und ich denke, dass man sich hier auf die ein oder andere Überraschung noch gefasst machen kann
Mein Fazit
Mit der ersten Staffel der Doors Reihe konnte Heitz mich mit all seinen Ideen und unterschiedlichen Fortsetzungen der einzelnen Wege durchaus beeindrucken. Er erzählt auch hier wieder eine spannende Geschichte bei der er noch einige Fragen für weitere Bände offen lässt. Charaktere und Umfeld wirken lebendig und mit seinem Schreibstil kann der Autor absolut fesseln. Ich bin gespannt, wie es weitergehen wird.

Veröffentlicht am 07.01.2019

Aussergewöhnliche Grundstory, jedoch mit Längen

Das Buch der vergessenen Artisten
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1902: als dreizehnter Sohn eines Bohnenbauers wächst Mathis Bohnsack in dem kleinen Ort Langweiler auf. Als eines Tages ein Jahrmarkt in dem kleinen Ort seine Zelte aufschlägt, ist er durchweg fasziniert. ...

1902: als dreizehnter Sohn eines Bohnenbauers wächst Mathis Bohnsack in dem kleinen Ort Langweiler auf. Als eines Tages ein Jahrmarkt in dem kleinen Ort seine Zelte aufschlägt, ist er durchweg fasziniert. Vor allem der Röntgenapparat hat es ihm so sehr angetan, dass er spontan beschließt, mit gerade einmal fünfzehn Jahre, seine Heimat zu verlassen und mit den Artisten weiterzureisen.
1935: mittlerweile lebt Mathis gemeinsam mit seiner Freundin Meta und deren Bruder, der eine Behinderung hat, in einer Wohnwagensiedlung am Rande Berlins. Artisten wird es alles andere als leicht gemacht, denn die nationalsozialistische Regierung schließt Bühnen und verbietet Aufführungen. Mathis hat für sich beschlossen, nun ein Buch zu verfassen, über all die Artisten, die ihm begegnet sind, damit diese nicht in Vergessenheit geraten werden.
Meine Meinung
Das Cover sprach mich irgendwie gleich auf den ersten Blick an und machte mich neugierig auf die Geschichte dahinter. Doch dann habe ich sehr lange Zeit benötigt, um mich halbwegs auf die Geschichte einzulassen. Dabei lag dies gar nicht so sehr am Schreibstil der Autorin, der sich durchaus verständlich lesen lässt und teilweise sehr malerisch klingt. Doch Vera Buck hat eine Art, sehr ausführlich zu beschreiben und gerade bei Nebencharakteren passierte das immer wieder und brachte mich somit ständig aus dem Lesefluss und ich musste es einfach zwischendurch mal zur Seite legen.
Dabei ist die Grundstory der Geschichte wirklich sehr interessant und bisher habe ich aus diesem Bereich noch nichts vergleichbares gelesen. Genau das war auch dann der Grund, warum ich dieser Geschichte dann noch einmal eine zweite Chance gegeben habe.
Spannend fand ich, dass sie hier auch wirklich die Sensationslust der Menschen an anderen dargestellt hat, denn damals war es nicht ungewöhnlich, gerade Personen mit körperliche Anomalien, regelrecht zur Schau zu stellen. Das aber hier hinter jeder “Sensation” ein Mensch mit Gefühlen und Träumen stand, hat die Autorin für mich dabei sehr gut dargestellt.
Vera Buck erzählt diese besondere Geschichte auf zwei Zeitebenen, zum einen aus dem Jahr 1902, zum anderen ab dem Jahr 1935. Dabei hatte ich durchweg das Gefühl, dass die Autorin sich hier ganz viel Mühe mit ihrer Recherche gegeben hat. Gelungen sind die Verknüpfungen von realen Persönlichkeiten mit ihren fiktiven Charakteren, aber auch mit der Entwicklung die Deutschland damals genommen hat. Plötzlich waren all diese Kuriositäten, die man auf dem Jahrmarkt traf, nicht mehr gefragt, nein ganz im Gegenteil, sie wurden teilweise verboten, manche verschwanden sogar völlig und all diesen widmet Mathis sein Buch, sein Buch der vergessenen Artisten.
Im Vordergrund steht Mathis Bohnsack, der mit seinem Leben als Durchleuchtungskünstler glücklich war. Er und seine Lebensgefährtin Meta könnten nicht unterschiedlicher sein, denn Mathis ist schmal und eher schwach und Meta ist die muskulöse Kraftfrau. Zwar konnte ich mir die Figuren gut vorstellen und hatte auch von ihnen ein klares Bild, doch so richtig mit ihnen verbunden fühlte ich mich beim Lesen leider nicht. Ich blieb hier mehr der Beobachter, des Geschehens. Neben den beiden Protagonisten Mathis und Meta gibt es zahlreiche Nebencharaktere, wie z. B. Metas geistig behinderter Bruder Ernsti, aber auch zahlreiche vergessene Artisten. Jeder wurde recht ausführlich vorgestellt und genau das war es, was mir teils zu langatmig wurde.
Mein Fazit
Eine Geschichte, für die man sich Zeit nehmen muss beim Lesen, denn Vera Buck erzählt sehr detailliert und ausführlich, was für mich teilweise zu langatmig wirkte. Auch zu den Protagonisten konnte ich gar nicht so sehr eine Beziehung aufbauen und blieb hier mehr der Beobachter. Dabei ist die Geschichte absolut gut recherchiert und Vera Buck hat hier eine sehr interessante Grundstory herauskristallisiert, die bisher in historischen Romane keine große Beachtung fanden.

Veröffentlicht am 06.01.2019

Magische Geschichte auch für jüngere Leser

Sternendiamant 1. Die Legende des Juwelenkönigs
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Die fünfzehnjährige Fanarina, von allen Fana genannt, liebt es, mit ihrem Skateboard durch die Gegend zu rasen. Gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrem etwas seltsamen Großvater lebt sie in Freiburg und bisher ...

Die fünfzehnjährige Fanarina, von allen Fana genannt, liebt es, mit ihrem Skateboard durch die Gegend zu rasen. Gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrem etwas seltsamen Großvater lebt sie in Freiburg und bisher war immer als ganz normal. Doch dann verändert sich alles mit einem Schlag, als sie plötzlich bei einem Schluckauf Schmetterlinge hickst und morgens nach dem Aufstehen ihr ein kleins Ferkel aus dem Spiegel entgegen blickt. Denn was Fana bisher nicht wusste ist, dass sie eine Aurion ist, ein magisches Wesen aus einer anderen Welt und was noch viel besser ist, ihre beste Freundin Yvi ist ebenfalls eine Aurion. Gemeinsam sollen sie ein Internat besuchen, nämlich das fliegende Schulschiff Simalia. Hier trifft sie auf Avena, die Tochter des oberen Ratsherren und Kian, den sie heimlich Mr. Arrogant nennt. Doch nicht nur auf neue Mitschüler trifft sie, sondern auch auf Legenden und Geheimnisse, mit denen sie viel mehr verwoben ist, als sie jemals geglaubt hätte.
Meine Meinung

Das Cover fand ich auf den ersten Blick sehr hübsch und ansprechend und es machte mich neugierig auf den Inhalt, zumal ich bereits ein Buch der Autorin gelesen habe, was mir sehr gut gefallen hat.
Der Einstieg in Sternendiamant fällt sehr leicht, denn ziemlich schnell wird Fana in ihre ersten magischen Erscheinungen verwickelt und man wird neugierig, was sich hinter all dem verbrigt, zumal man schon hier spürt, dass es da noch viel mehr Geheimnisse gibt, als man auf den ersten Blick erkennt.
Auch Sarah Lilians Schreibstil finde ich großartig, denn sie schreibt so locker und leicht, dass man nur so durch die Seiten fliegt. Zwar merkt man der Geschichte durchaus auch an, dass sie für jüngere Leser geschrieben wurde, trotzdem weiß sie sehr gut zu unterhalten, denn ihr Ideenreichtum in der magischen Welt und drumherum ist wirklich großartig und vielseitig. Da gibt es Koffer, die sich verkleinern, Reisen mit dem Porzellanexpress, Halbwesen unter den Aurelions, die sich Solixe nennen und vieles mehr. Eins ist gewiss, es wird hier nie langweilig und es gibt jede Menge zu entdecken.
Ja, das Grundprinzip der Schule für Magier kennt man seit einer bestimmten Story und doch schafft es die Autorin mit ihrer Geschichte rund um Fana etwas Neues zu erzählen. Gelungen fand ich, dass hier die Protagonistin genauso ahnungslos von dieser fremden Welt ist, wie der Leser auch. Somit lernen wir gemeinsam mit Fana über die Fähigkeiten der Aurione, über die magische Welt und deren Legenden. Dabei, man merkt es ja schon am Titel, stösst sie auch auf die Legende des Juwelenkönigs und damit auch auf ein großes Abenteuer. Neben diesem Abenteuer geht es auch wieder um Freundschaft und Zusammenhalt und darum, Fremdem nicht immer mit Vorurteilen zu begegnen.
Der Plot steigert sich langsam und kontinuierlich und zum Ende gibt es auch noch ein großes Showdown, innerhalb der Geschichte entdeckt man mit Fana eine neue Welt und darf sich immer wieder überraschen lassen.
Die Charaktere sind hier recht stereotyp gehalten, aber trotzdem muss man sie mögen. Gerade Fana mit ihrem etwas loserem Mundwerk, die nicht vor der selbst ernannten Prinzessin Avena kuscht, war mir gleich vom ersten Moment an sehr sympathisch. Ihre Art auf andere zuzugehen und nichts auf Vorurteile zu geben, hat mir sehr gut gefallen. Ihre beste Freundin Yvi muss hier erst einmal zu sich selber finden, Hala ist einfach nett und sympathisch und Kian vielleicht doch nich so arrogant, wie er auf den ersten Blick scheint. Für mich passten die Charaktere hier einfach gut zusammen und jeder einzelne wirkte lebendig und authentisch.
Mein Fazit

Eine magische und abenteuerliche Geschichte für junge Leser und all diejenigen, die auch als Erwachsene noch gerne in magische Welten abtauchen. Mit viel Spannung, Humor und einem sehr fesselnden Schreibstil weiß Sarah Lilian Waldherr zu überzeugen. Gerade die vielen neuen Ideen, die sie hier in ihre Geschichte einbaut, geben dieser ihren ganz eigenen besonderen Charme. Ich freue mich schon auf den nächsten Band und empfehle dieses Buch gerne weiter.

Veröffentlicht am 06.01.2019

Familiendrama mit vielschichtigen Charakteren

Der Verrat
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Zwanzig Jahre ist es her, seit der Nacht, die Nane zum Verhängnis wurde, die Nacht des Mordes an Henning, dem Sohn des Weingutbesitzers Thomas von Manthey. Zwanzig Jahre hat Nane im Gefängnis verbracht, ...

Zwanzig Jahre ist es her, seit der Nacht, die Nane zum Verhängnis wurde, die Nacht des Mordes an Henning, dem Sohn des Weingutbesitzers Thomas von Manthey. Zwanzig Jahre hat Nane im Gefängnis verbracht, doch die Schuld nagt noch immer an ihr. Auch wenn sie nun von ihrer Schwester Birgit und ihrem Exmann Mark unterstützt wird, um wieder Fuß in der veränderten Welt zu schaffen, kann ihr eine nicht verzeihen: ihre Schwester Pia, Frau des Weingutbesitzers. Doch an Pia nagt etwas seit der Nacht vor zwanzig Jahren und seitdem Nane aus dem Gefängnis entlassen wurde, wird es Pia erst richtig bewusst, auf welch wackeligem Fundament ihr nach aussen hin so glückliches Leben erbaut wurde. Doch was geschah in der Nacht des Unfalls wirklich?
Meine Meinung
Das Cover passt hier natürlich hervorragend zum Inhalt, erinnert aber auch ein wenig an den vorherigen Band der Autorin, was vielleicht ein wenig in die Irre führen könnte, denn die Geschichten selber unterscheiden sich völlig.
Der Einstieg in den Roman fällt recht leicht, man bekommt einen ersten Eindruck von den Hauptcharakteren und erfährt ein wenig darüber, warum Nane vor zwanzig Jahren wegen Mordes verurteilt wurde. Doch so nach und nach beginnt sich hier herauszukristallisieren, dass der scheinbar so klare Fall einige Geheimnisse birgt.
Das es sich bei dem Namen Ellen Sandberg um ein Pseudonym handelt, dürfte mittlerweile kein Geheimnis mehr sein und das die Autorin, die hinter diesem Namen steckt, schreiben kann, ist auch bekannt. Auch hier ist es der flüssige, klare Schreibstil, der den Leser durchaus an den Roman fesselt. Mit wenigen, aber eindrücklichen Details versetzt die Autorin den Leser in die Weinberge rund um das Weingut der Familie von Manthey. Ereignisse und Personen sind klar vorstellbar und man tastet sich Puzzlestück für Puzzlestück näher an die Wahrheit.
Dabei ist die Geschichte in zwei Zeitebenen aufgeteilt, zum einen gibt es Rückblicke auf die Ereignisse von vor zwanzig Jahren und kann sich ein Bild von den Ereignissen machen. Allerdings waren gerade in den Rückblicken auch ruhigere Momente, die die Geschichte langatmiger erscheinen ließen. Die Gegenwart las sich für mich spannender, wobei man durch die Rückblicke durchaus mehr über die Charaktere der Personen erfahren hat und deren Handlungen in der Gegenwart dadurch logischer und klarer erschienen. Worauf es letzten Endes hinausläuft, hatte ich dann irgendwann erahnt, aber da werde ich an dieser Stelle natürlich nicht mehr verraten. Alles in allem war es ein gutes und vor allem auch logisches und schlüssiges Familiendrama, welches sich als sehr vielschichtig erwies. Seien es Schuld und Reue, Verrat und Irreführung, Rivalität und Verlustängste, alles wurde hier sehr gekonnt und geschickt miteinander verknüpft.
Erzählt wird aber nicht nur auf zwei Zeitebenen, sondern auch aus unterschiedlichen Perspektiven, wobei hier zwei der drei Schwestern deutlicher im Vordergrund stehen. Da wäre Nane, die nach zwanzig Jahren Haft mit Mitte Vierzig aus dem Gefängnis entlassen wird, nachdem sie wegen eines Mordes verurteilt wurde. Aber auch ihre Schwester Pia, die mit dem Weingutbesitzer Thomas von Manthey verheiratet ist, nimmt viel Raum der Geschichte ein. Hin und wieder gibt es dann auch kleinere Perspektiven, alle zusammen ergeben immer wieder kleiner Puzzleteile, die am Ende erst das gesamte Bild zeigen.
Die Charaktere fand ich sehr glaubwürdig und authentisch, wenn auch nicht alle sympathisch waren. Hatte ich zu Beginn der Geschichte noch so ein Gefühl von Verbundenheit durch Mitleid mit Nane, veränderte sich dieses Gefühl immer wieder im Laufe der Geschichte. Aber auch alle weiteren Charaktere waren sehr vielschichtig dargestellt und nicht immer wusste man, was wirklich wahr ist und was auf Lügen basiert. Pia war mir alles andere als sympathisch, denn ihre Art war kalt und berechnend, Thomas von Manthey, den man hauptsächlich im Rückblick kennenlernt, fand ich nur schwer einschätzbar. Alles in allem waren es hier die Charaktere, die die Geschichte für mich sehr lebendig machten.
Mein Fazit
Wer hier nicht gleich an die Geschichte mit den Erwartungen eines Buches wie “Die Vergessenen” herangeht, wird ein gelungenes und vor allem glaubwürdiges Familiendrama erhalten. Zwar gab es hier für mein Empfinden die ein oder andere Länge, trotzdem hat mir vor allem wieder der Schreibstil und die Ausarbeitung der Charaktere richtig gut gefallen. Gerade die Charaktere mit all ihren Gefühlen und Reaktionen machten die Geschichte glaubwürdig. Ein stimmiges und authentisches Familiendrama.

Veröffentlicht am 03.01.2019

Sehr spannend und schockierend

Ich weiß, wo sie ist
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Zehn Jahre ist es her, dass sich die Welt für Francine aufgehört hat zu drehen. Damals wurde ihre kleine Tochter Autumn entführt und seitdem fehlt jegliche Spur von ihr. Doch Francine hat nie aufgehört, ...

Zehn Jahre ist es her, dass sich die Welt für Francine aufgehört hat zu drehen. Damals wurde ihre kleine Tochter Autumn entführt und seitdem fehlt jegliche Spur von ihr. Doch Francine hat nie aufgehört, nach ihr zu suchen. Ihre Ehe hat dieses Ereignis zerstört und es hat lange Zeit gedauert, bis sie ihren Alltag wieder halbwegs in den Griff bekam. Doch dann erhält sie eine Nachricht mit fünf Worten: Ich weiss, wo sie ist und Francine hat wieder Hoffnung. Zwar will ihr Exmann Will nichts davon hören, doch als Francine einen Tag später eine junge Frau sieht, die um ihr Auto schleicht, hat sie nur ein Ziel. Sie spricht die junge, völlig verängstigte und verstörte Frau an und was diese erzählt, lässt Francine die Haare zu Berge steigen.
Meine Meinung
Das düstere Cover mit der auffälligen Schrift machte mich sehr neugierig auf den Thriller, denn auch der Klappentext versprach jede Menge Spannung.
Das kann ich auch gleich vorab bestätigen, denn dieses Buch habe ich an einem Abend komplett verschlungen. Autor S. B. Caves schreibt sehr klar und direkt, dabei gut verständlich und flüssig, so dass schon hier ein gewisser Sog beim Lesen entsteht.
Aufgeteilt ist der Thriller in drei Teilen, wobei der erste Teil noch der ruhigere ist. Hier erhält der Leser zunächst einen Überblick auf die vorangegangenen Ereignisse, kann sich ein Bild über die Protagonistin Francine machen und erfährt etwas, was mich ziemlich schockiert und verstört hat. Genau so geht es dann auch in den nächsten beiden Teilen weiter, denn hier zieht der Autor das Tempo deutlich an und so manches Mal konnte er mich völlig entsetzen. Gerade als Mutter ist das Grundthema hier erschreckend und tatsächlich auch so vorstellbar. Was mich ein wenig gestört hat, waren bestimmte Zufälle und Momente, die für mich zu glatt liefen, was allerdings dem Buch keine Spannung nahm. Hier spürte man durchaus noch, dass es sich um ein Debüt handelt, trotzdem lässt mich dieses Buch nachdenklich und ein wenig verstört zurück. Ich möchte nicht spoilern, deshalb verrate ich hier einfach nur die Grundthemen: Kindesentführung, Missbrauch, Pädophilie – all das zusammen machte mich sehr betroffen beim Lesen.
Im ersten Teil verfolgt man in erster Linie der Perspektive der Protagonistin, während man im Verlauf des Thrillers allerdings auch weitere Perspektiven geboten bekommt. Diese werden durch einen dritte Person Erzähler geschildert, der dadurch auch hin und wieder eine auktoriale Perspektive einnimmt. Somit wissen wir stellenweise mehr, als die derzeitig handelnden Personen, was das Geschehen noch einmal mehr spannend werden lässt. Gerade die Momente, die man bei den entführten Mädchen und deren Bewacher verbringt, macht ganz schön Gänsehaut.
Die Protagonistin der Geschichte Francine, fand ich zu Anfang glaubwürdig und authentisch. Ich glaube, keine Mutter könnte einfach so irgendwann ohne ihr Kind weitermachen und so lange es nichts Gegenteiliges gibt, ist die Hoffnung immer da, das Kind irgendwann doch zu finden. Die Rolle, die sie später einnimmt, kann ich mir zwar vorstellen, denn eine Mutter würde wohl alles für ihr Kind machen, aber da gab es für mich ein paar kleinere Dinge, die zu glatt liefen, was ich auch schon erwähnte.
Neben Francine gibt es einige Charaktere, die alle mehr oder weniger oberflächlich blieben, deren Rollen mich aber trotzdem soweit überzeugen konnten.
Mein Fazit
Alles in allem ein temporeicher Thriller mit einer sehr erschreckenden und schockierenden Grundstory, die ich mir aber leider tatsächlich so vorstellen könnte. Auch wenn mir in der Handlung ein paar Zufälle zuviel auftauchten und es an mancher Stelle zu leicht vonstatten ging, konnte ich das Buch erst aus der Hand legen, als die letzte Seite verschlungen war. Ein Debüt, das mich auf weitere Thriller des Autors gespannt warten lässt, denn diese hier lässt mich nachdenklich und immer noch entsetzt zurück.