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Veröffentlicht am 29.08.2018

Macht schlaflos

Das Morpheus-Gen
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Der junge Rechtsanwalt David Berger aus New York hat es geschafft, denn er arbeitet in einer der renommierten Kanzleien. Doch er macht hier viele Überstunden bis hin zu Nachtschichten und seine Freundin ...

Der junge Rechtsanwalt David Berger aus New York hat es geschafft, denn er arbeitet in einer der renommierten Kanzleien. Doch er macht hier viele Überstunden bis hin zu Nachtschichten und seine Freundin Sarah wird dies alles zu viel und verlässt ihn. David stürzt sich immer mehr in seine Arbeit und erhält von seinem besten Freund Alex eine neue Pille, die es auf dem Markt noch nicht gibt: Stay tuned, diese verspricht konzentriertes Wachsein und das über längere Zeit. Doch der eh schon unter Schlafstörungen leidende David kann plötzlich gar nicht mehr schlafen. Er will sich an Alex wenden, um mehr über die Firma herauszufinden, die die Pillen hergestellt hat. Aber dann erhält er die Nachricht, dass in seiner Wohnung die Leiche einer jungen Frau aufgefunden wurde. Sarah und auch Alex kommt unter mysteriösen Umständen ums Leben. David gerät in Verdacht und muss fliehen. Dabei bekommt er von Nina, die er in einem Labor kennenlernte, unerwartet Hilfe.
Meine Meinung
Das Cover sticht mit seinem Eulenauge auf jeden Fall heraus und macht auf den ersten Blick neugierig auf den Inhalt. Auch der Klappentext lädt dazu ein, einen genaueren Blick auf Tibor Rodes neuen Thriller zu werfen.
Der Einstieg fiel mir sehr leicht, denn der Prolog macht neugierig und verspricht hier einen clevere und spannende Geschichte. Der Schreibstil des Autors ist sehr fließend und geradlinig. Er verliert sich hier nicht in endlosen Ausschweifungen oder ellenlangen, wissenschaftlichen Erklärungen. Trotzdem kann er hier ganz geschickt Wissenschaft und auch ein wenig Fantasy miteinander verknüpfen und das so geschickt, dass man es sich auch so vorstellen könnte. Dabei erzählt er aber auch so locker, dass es auch immer mal wieder Momente gibt, die mich schmunzeln ließen.
Durch die kurzen Kapitel, die zusätzlich noch diverse Perspektivenwechsel beinhalten, treibt Rode den Leser immer rascher durch die Handlung. Ein Ereignis jagd das nächste und was noch recht langsam beginnt, nimmt immer mehr Tempo auf und je mehr sich die Situation für David zuspitzt, desto rasanter wird es. Verfolgungsjagden, Morde, Ermittlungen, aber auch ein wenig Mythos/Fantastik werden hier mit eingebaut, bzw. wird ein Mythos, der die Menschen schon lange begleitet, durch eine wirklich grandiose Idee des Autors erklärt. Ebenso werden historische Persönlichkeiten in kurzen Rückblenden eingebracht, welches mir einen Aha-Effekt einbrachte, natürlich mit einem Schmunzeln verbunden.
Durch den Blickwinkel des personellen Erzählers mit geringer auktorialer Funktion werden wir durch den Thriller geführt. Dieser lässt uns hautnah miterleben, was so alles im Leben des jungen Rechtsanwalts David geschieht. Doch dabei werden die Blickwinkel immer wieder gewechselt, so dass man deutlich mehr erfährt als der Protagonist David.
Die Charaktere des Thrillers werden soweit klar gezeichnet, dass sie für die Handlung vorstellbar werden. Man hätte dem ein oder anderen Charakter vielleicht noch ein wenig mehr Tiefe einhauchen können, wobei es meiner Meinung nach für einen solchen Thriller genau so passend erschien. David, der junge Anwalt und Protagonist des Thrillers, war mir soweit sympathisch, dass ich mit ihm mitfiebern konnte. Andere Figuren wirkten mysteriös, wie z. B. Nina, der ermittelnde Detective wie ein typischer Vertreter seines Berufes. Alles passte hier durchweg zusammen und gaben ein gelungenes Gesamtbild ab.
Mein Fazit
Tatsächlich war das Morpheus Gen mein erster Thriller des Autors Tobor Rode, wird aber definitiv nicht der letzte gewesen sein, denn der Autor erzählt fesselnd und mit klaren Bildern. Es war schon fast so, als würde ich einen Actionfilm verfolgen, denn es gibt hier von allem etwas, was einen spannenden Thriller ausmacht. Eine fiktive Geschichte wird, sogar mit historischen Personen, so clever aufgebaut, dass man Rode schon beinahe glauben könnte. Toll und rasant erzählter Thriller, den ich gerne weiterempfehle.

Veröffentlicht am 29.08.2018

Pageturner

Eiskalte Freundschaft - Ich werde nie vergessen
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“Maria Weston möchte mit dir befreundet sein”, so lautet die Nachricht, die Louise völlig aus dem Konzept bringt. Denn die Freundschaftsanfrage auf Facebook kommt nicht von irgendeiner Bekannten, sondern ...

“Maria Weston möchte mit dir befreundet sein”, so lautet die Nachricht, die Louise völlig aus dem Konzept bringt. Denn die Freundschaftsanfrage auf Facebook kommt nicht von irgendeiner Bekannten, sondern von einem Mädchen, das vor über 25 Jahren spurlos verschwand. Es war der Abend der Schulabschlussfeier und jeder glaubte, dass Maria sich selbst umgebracht hätte. Allerdings weiß Louise mehr über das Geschehen damals, als sie je irgendeinem anvertraut hat. Doch scheinbar weiß es doch noch jemand anderes. Wer verbirgt sich hinter dem Profil? Und was genau weiß derjenige? Oder lebt Maria etwa wirklich noch?
Meine Meinung

Das Cover wirkt sehr unscheinbarund hier war es tatsächlich eher der Titel, der mich zu diesem Thriller greifen ließ. Zum Glück, denn ich habe dieses Buch in kürzester Zeit verschlungen, so spannend war dieser.
Laura Marshall schafft es, mich von der ersten Seite an, an ihre Geschichte zu fesseln. Sie schreibt spannend und mitreißend und man begibt sich teilweise auf eine Zeitreise, bei der man schon fast das Gefühl hatte, seine eigenen Teenagerjahre mitzuerleben. Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen und habe es bis tief in die Nacht hinein gelesen, um zu erfahren, was wirklich geschehen ist.
Die Tempo wird hier durch viele Plottwists, Cliffhangern an Kapitelenden und den Rückblenden in die Vergangenheit aufrecht gehalten. Die Autorin arbeitet hier mit dem Thema Mobbing und Louise hat in ihrer Teenagerzeit etwas getan, auf das sie heute alles andere als Stolz ist. Durch die Rückblicke auf die vergangenen Tage hatte man immer wieder Bilder vor Augen, wie es zur eigenen Schulzeit war und das machte die Geschichte absolut lebendig. Hier passiert einfach auch ständig etwas, so dass keinerlei Länge oder gar Langeweile aufkam. Auch gab es hier eine ganze Menge Gelegenheiten, selbst Thesen aufzustellen, wer dahinter stecken könnte, aber ich wurde immer wieder in die Irre geleitet. Tempo, Wendungen, Überraschungen und eine gut durchdachte, spannende Story – Herz, was willst du mehr bei einem Thriller?!
Aus der Sicht der Protagonistin Louise wird der Thriller in der Ich-Form erzählt. Genau das macht es auch aus, dass man hier ganz dicht am Geschehen bleibt, der Adrenalinspiegel ständig steigt und sich direkt in die Protagonistin versetzen kann. Ich habe hier beinahe am eigenen Leib erfahren, wie sie sich fühlt und mit welchen Ängsten sie umgehen muss. Allerdings habe ich einen kleinen Zweifel gehabt, nämlich ob sie für die damalige Tat heute wirklich noch hätte belangt werden können. Aber das ist wirklich schon ein Jammern auf ganz hohem Niveau, denn ansonsten habe ich die Geschichte verschlungen.
Louise ist mir sehr sympathisch, eine bodenständige Frau und Mutter eines vierjährigen Jungen. Allein dadurch konnte ich mich durchaus mit ihr identifizieren. Aber auch sonst fühlte ich mit ihr mit, z. B. in der Schulzeit. Denn wer kennt sie nicht, die Schulschönheiten, die bei allen beliebt sind und wenn man mit diesen nicht gut Freund ist, hat man es alles andere als leicht. Mit genau diesen muss sich auch Louise während ihrer Schulzeit auseinandersetzen und um “beliebt” zu sein, macht sie Dinge, die sie eigentlich nicht tun würde, wären da nicht die anderen. Heute bereut sie diese Handlung und doch kann sie sie auch nicht vergessen und hat große Schuldgefühle. Genau diese Schuldgefühle machen sie wiederum zu einem sehr leichten Opfer.
Doch nicht nur Protagonistin Louise ist hier klar gezeichnet, sondern auch alle Nebencharaktere konnten mich überzeugen. Sei es die neue Schülerin Maria, die Dank Gerüchten zum Mobbingopfer wird, sei es der Exmann Sam, den Louise schon aus der Schulzeit kennt oder der kleine Sohn Henry. Ich habe von jedem Einzelnen ein klares Bild vor Augen und fand sie facettenreich dargestellt und authentisch.
Mein Fazit

Ein Debütthriller mit einem Thema, das wohl leider immer aktuell zu sein scheint. Mit viel Tempo, tollen Twists und Cliffhanger rast man geradezu durch das Buch und ich war so in dieser Geschichte versunken, dass ich alles um mich rum vergessen hatte. Glaubwürdig, authentische Charaktere und eine lebendige Handlung sorgen für absolut spannende und unterhaltsame Lesestunden. Nach diesem Debüt bin ich unheimlich gespannt auf weitere Bücher der Autorin. Absolute Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 27.08.2018

Spannender Krimi

Die Tote im Wannsee
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Berlin, 1968, in den Straßen herrschen die Studentenaufstände und Polizisten sind in ihren Augen Faschisten. Dann wird eine Tote am Rand des Wannsees gefunden, die junge Mutter Heidi Gent. Aber wer könnte ...

Berlin, 1968, in den Straßen herrschen die Studentenaufstände und Polizisten sind in ihren Augen Faschisten. Dann wird eine Tote am Rand des Wannsees gefunden, die junge Mutter Heidi Gent. Aber wer könnte Interesse daran haben, die junge Anwaltsgehilfin zu töten? Wolf Heller beginnt zu ermitteln und stößt dabei auf immer mehr Ungereimtheiten und Widerstände, sogar in den eigenen Reihen. Was hatte Heidi Gent zu verbergen? Gibt es vielleicht sogar Zusammenhänge zu ihrem Arbeitgeber, dem umstrittenden Anwalt Mahler?
Meine Meinung

An diesem Buch hat mich am meisten die Zeit gereizt, in der es spielt. Ich war neugierig auf die damaligen Begebenheiten, auf die Ermittlungsarbeiten zu diesen Zeiten und überhaupt auf eine Zusammenarbeit gleich dreier Autoren. Gleich vorab, all das ist hier absolut gelungen und weiß zu überzeugen.
Das hier gleich drei Autoren an dem Buch gearbeitet haben, merkt man in keinster Weise. Der Einstieg gelingt problemlos und der Krimi liest sich spannend und flüssig. Der Schreibstil lässt sich gut verständlich und leicht lesen und Beschreibungen der damaligen Zeit werden schnell lebendig.
Was hier die Spannung ausmacht, ist die absolut dichte Recherche über die damalige Zeit. Die Autoren verknüpfen geschickt die realen Ereignisse, teils sogar reale Persönlichkeiten, mit den fiktiven Begebenheiten. Ich fand dies sehr spannend zu verfolgen, denn von dieser Zeit ist mir gar nicht viel bewusst. Selbstverständlich waren mir Namen wie Uschi Obermaier bekannt, aber was zu dieser Zeit wirklich so los war, war mir nicht sehr bekannt. Man spürt hier den Umschwung im Denken und Handeln, hat aber auch immer noch diesen Nazistempel im Rücken, auch das Homosexualität verboten war in dieser Zeit, war mir gar nicht so bewusst. Ermitteln und recherchieren ohne Handy und PC ist allein schon spannend zu verfolgen, aber hier wird es so gut beschrieben, dass man schon das Gefühl hat, live dabei gewesen zu sein. All das gibt diesem Krimi einen besonderen Reiz und schafft eine reale Atmosphäre.
Ein personeller Erzähler in dritter Person führt durch den Krimi. Dieser gibt dem Leser einen weitumfassenden Überblick. Man ahnt schon ein wenig mehr, als der Ermittler Heller, da man hier auch die Perspektive des Mörders, bzw. dessen Auftraggebers erhält. Wer es ist und wie alles miteinander zusammenhängt, wird aber erst klar, als alle Puzzleteile zusammengesetzt werden.
Heller ist ein sehr sympathischer Ermittler, der das Herz am rechten Fleck hat. Er ist noch ein sehr junger Ermittler von gerade mal zweiunddreißig Jahren, sein Vater war ebenfalls Polizist und an der Front, Hellers Mutter starb unter mysteriösen Umständen und man spürt ihm deutlich an, dass dies an ihm nagt. Auch wenn ich sehr viele Fakten über ihn kenne, habe ich aber noch einige Fragen über ihn offen und ich denke, dass wir hier durchaus auch mit Fortsetzungen rechnen können, bei denen wir ihn noch intensiver kennenlernen.
Neben Heller gibt es eine Vielzahl an weiteren Charakteren, bei denen ich hier und da nochmal nachschlagen musste, wer es denn gerade war. Hier werden unheimlich viele Ereignisse und Personen miteinander verknüpft und es erfordert durchaus Konzentriertheit, um den Überblick nicht zu verlieren.
Mein Fazit

Der Krimi überzeugt mit einem sehr gut recherchierten Hintergrund und lässt das Jahr 1968 absolut lebendig werden, auch für diejenigen, die nur wenig Kenntnisse aus dieser Zeit haben, so wie ich. Der Schreibstil ist flüssig und klar, so dass man hier durchaus inhaltlich zurecht kommt. Schnelle Wechsel in den Perspektiven erfordern ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit, um den Überblick nicht zu verlieren. Ich habe den Krimi an zwei Abenden verschlungen, weil ich es absolut spannend fand, diese Zeit mitzuerleben. Der Fall selber war glaubwürdig und die Lösung spannend. Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 27.08.2018

Gute Schwester, böse Schwester

Bei deinem Leben
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Anna und Zoe sind Zwillinge, eineiige Zwillinge, in ihrem optischen Erscheinungsbild absolut identisch, doch in ihrem Charakter so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Während Zoe in Amerika ihrer Modelkarriere ...

Anna und Zoe sind Zwillinge, eineiige Zwillinge, in ihrem optischen Erscheinungsbild absolut identisch, doch in ihrem Charakter so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Während Zoe in Amerika ihrer Modelkarriere nachgeht, lebt Anna ein beschauliches Leben in England. Anna träumt von der großen Liebe und Heirat, Zoe liebt Party, Drogen und Alkohol. Dann lernt Anna über eine Datingseite im Internet Nick kennen, der nicht nur umwerfend aussieht, sondern auch absolut charmant ist. Schnell verliebt sie sich Hals über Kopf in ihn, doch Zoe macht sich Sorgen um ihre Schwester und deren Liebesleben. Sie kann sich nicht vorstellen, dass ein Mann wie Nick mit seinem Datingprofil nicht nur eines im Sinn hat. Kurzentschlossen versucht sie Nick zu enttarnen.
Meine Meinung

Das Cover fand ich sehr interessant, sehr düster und jetzt nach dem Lesen des Buches auch absolut passend. Der Einstieg in den Roman fiel mir dann zunächst nicht so leicht, denn für mich war der Beginn zu ruhig gehalten. Doch je weiter ich las, desto mehr nahm mich die Geschichte der Zwillinge gefangen, denn Adele Parks weiß einfach mit Worten umzugehen. Sie beschreibt Gefühle sehr gekonnt und man konnte sich immer wieder in die Charaktere hineindenken. Auch sonst lässt sich das Buch sehr leicht und flüssig lesen und ab einem bestimmten Moment, als in mir ein Verdacht aufkam, konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen.
Wie zuvor erwähnt, war mir das Buch zu Beginn noch zu unspektakulär und auch sonst bleibt es meist ein ruhiges, gleichmäßiges Tempo. Doch hier baut sich unterschwellig eine Spannung auf und man bekommt immer mal wieder äußerst merkwürdige Begebenheiten vorgeführt, die neugierig machen. Recht weit zum Schluss kommt dann noch eine große Wende, von dieser hatte ich zwar durchaus eine Ahnung, doch Adele Parks hält bis zum Schluss die Spannung.
Erzählt wird die Geschichte in weiten Teilen aus drei Perspektiven, Zoe, Anna und Nick. Ab und an erhält man noch die Perspektiven der Mütter Pamela und Alexia, die zusätzlich nachdenklich stimmen. Annas und Alexias Perspektive werden in Ich-Form erzählt, die weiteren durch den dritte Personerzähler. Während man dadurch die einen sehr gut kennenlernt, darf man bei den anderen die Reaktionen beobachten.
Gerade die Charakterisierung der Personen ist der Autorin rundum gelungen. Sie beschränkt sich hier hauptsächlich auf ihre drei Hauptcharaktere, Anna, Zoe und Nick, weitere Charaktere werden eigentlich nur immer kurz umrissen und dienen eher dazu, den Protagonisten noch mehr Tiefgang zu verleihen.
Anna ist eine sehr sympathische, junge Frau, die sich sozial engagiert, doch sie lebt auch ein wenig wie auf rosa Wölkchen und glaubt an die wahre Liebe. Obwohl sie eine umwerfende Schönheit ist, hält sie sich dezent im Hintergrund. Doch schon bei ihrem ersten Date mit Nick ist dieser fasziniert von Annas Art und Aussehen. Eigentlich ist Nick eher ein Draufgänger, der es im Grunde nicht so mit Treue hat. Allerdings weckt Anna in ihm Gefühle, die er selbst nicht erwartet hätte. Erst als er Zoe kennenlernt, gerät er in einem Zwiespalt, den die Autorin sehr gut ung glaubwürdig umgesetzt hat. Zoe ist ein schwieriger Charakter, bei der ich mir gar nicht so sicher bin, ob ich sie wirklich mochte. Sie ist direkt, sie ist laut, weiß ihr Aussehen für sich einzusetzen und hält von Treue und Ehe ähnlich viel wie Nick, bevor er Anna kennenlernt.
Mein Fazit

Auch wenn mir der Einstieg etwas schwerer fiel, geriet ich doch während des Lesens immer mehr in den Sog der Geschichte. Gekonnt beschreibt die Autorin die besondere Beziehung der Zwillinge untereinander und auch wenn sie völlig unterschiedlich sind, so sind sie doch füreinander da. Auch sonst erhalten die Protagonisten sehr viel Tiefe und Leben und sorgen hier für die unterschwellige Spannung. Wer spannende Romane mit psychologischen Tiefgang mag, sollte hier reinlesen.

Veröffentlicht am 25.08.2018

Aussergewöhnliche Fantasy

Hazel Wood
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Seit die junge Alice zurückdenken kann, befindet sie sich mit ihrer Mutter Ella auf ständiger Flucht. Es scheint so, als würde Alice immer Unglück anziehen und sobald dieses auftritt, packen sie ihre sieben ...

Seit die junge Alice zurückdenken kann, befindet sie sich mit ihrer Mutter Ella auf ständiger Flucht. Es scheint so, als würde Alice immer Unglück anziehen und sobald dieses auftritt, packen sie ihre sieben Sachen und ziehen weiter. Doch dann erreicht eine Nachricht Alices Mutter: ihre Großmutter Althea Proserpine, die große Märchenerzählerin, ist verstorben. Das große Anwesen Hazelwood gehört nun Ella, doch diese will nie wieder dorthin zurückkehren und warnt Alice sogar eindrücklich. Doch dann verschwindet Ella spurlos und Alice scheint nur noch eine Möglichkeit zu bleiben, sie muss nach Hazel Wood, um herauszufinden, was dort wirklich vor sich geht.
Meine Meinung
Bereits in den Vorschauen ist mir das wirklich absolut schöne Cover des Buches aufgefallen, dessen hübsches Glitzern auf den Bildern gar nicht so herauskommt. In Natura ist es auf jeden Fall eine wahre Schönheit und auch die Geschichte an für sich ist etwas besonderes.
Der Einstieg fiel mir noch relativ leicht, denn Melissa Albert hat eine wirklich grandiose Art zu erzählen. Auf der einen Seite beschreibt sie äußerst intensiv und eindringlich, auf der anderen Seite aber mit einem besonderen Gefühl für Worte. Allein durch ihren Sprachstil konnte die Autorin mich über lange Strecken des Buches in ihren Bann ziehen, denn Orte und Charaktere werden schnell lebendig.
Auch die Spannung hält sich hier über einen Großteil der Geschichte. Es wirkt geheimnisvoll und düster und gleichzeitig bekommt der Leser so viele Momente, die ihm unerklärlich bleiben, dass man einfach nur noch weiterlesen möchte, um dem Ganzen auf die Spur zu kommen. Immer wieder gibt es neue Rätsel, bei denen man doch meist nicht ahnt, wohin sie führen. Diese Umsetzung hat mir wirklich gut gefallen. Auch gibt es innerhalb der Geschichte zwei düstere Märchen, die aus Alices Großmutters Märchenbuch stammen, die schon fast unheimlich wirken und in einem ganz besonderen Zusammenhang zur Geschichte stehen. Lediglich die Auflösung und das Ende der Geschichte wurden mir zu schnell und auch zu leicht gelöst. Da hatte ich durchaus größere Erwartungen, denn zwei Drittel der Geschichte waren durchweg mysteriös.
Das Setting spielt über weite Teile in der realen Welt und doch spürt man bereits hier, dass da noch viel mehr hinterstecken muss. Da die Großmutter eine Märchenautorin ist, ahnt man, dass es hier auch um die Märchenwelt geht, von der sie in ihrem Buch erzählt, doch diese Welt lernt man, leider, nicht sehr ausgiebig kennen. Ich hatte an dieser Stelle das Gefühl, dass hier etwas fehlt und ich könnte mir durchaus vorstellen, dass man sich hier auch die Möglichkeit einer Fortsetzung offen halten möchte.
Alice, die Protagonistin des Buches, erzählt von den Ereignisse in der Ich-Form. Dabei weiß auch Alice gar nicht viel mehr als der Leser und dieser kann somit das Geschehen durch ihre Augen betrachten.
Alice ist eine teilweise schwierige Protagonistin, die eher eine Einzelgängerin ist, was letzten Endes auch mit all den Umzügen zusammenhängt, die sie bereits erlebt hat. Aber auch sonst ist sie eher distanziert und manchmal leicht reizbar. Trotzdem war ich von ihr gefesselt, denn sie ist nicht die typische Heldin eines Fantasyromans. Erst nach und nach erfährt der Leser, was sich wirklich hinter Alice verbirgt und warum sie so manches Mal nicht aus ihrer Haut kann. An ihrer neuen Schule lernt sie den Außenseiter Finch kennen, der sie unterstützt und sie auf ihrer Suche nach Hazelwood begleitet. Finch konnte ich mir zwar optisch vorstellen, doch er blieb mir hier noch ein wenig zu blass. Neben den beiden gibt es noch die ein oder andere Nebenfigur, die aber eher oberflächlich bleiben, aber hier durchaus mit auf den teils sehr mysteriösen Hintergrund einwirken.
Mein Fazit
Ein Debüt, das mich durchaus faszinieren und fesseln konnte, denn vor allem sprachlich hat Melissa Albert das gewisse Etwas, mit dem sie mich an ihr Buch gebunden hat. Viele Rätsel und Ungereimtheiten laden förmlich dazu ein, sich Gedanken zu machen und über den wahren Hintergrund zu grübeln. Eine ungewöhnliche Protagonistin und eine insgesamt sehr düstere Atmosphäre hielten die Spannung aufrecht. Leider konnte mich das Ende nicht so ganz überzeugen, denn vieles wurde zu leicht abgetan. Auf Grund der vorangegangenen Ereignisse und dem aussergewöhnlichen Sprachstil der Autorin hätte ich mir hier ein intensiveres Erlebnis gewünscht. Trotzdem ist diese Geschichte etwas anderes und ungewöhnliches und brachte mir wirklich tolle Lesestunden.