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Veröffentlicht am 24.07.2018

Leichte unterhaltung

Mein wunderbarer Küstenchor
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Britta ist Leiterin eines Hotels in Klütz an der Ostsee und die lange Sommersaison war absolut erfolgreich, aber nun auch vorbei. Endlich Zeit für sich und für ihr liebstes Hobby, ihren Chor, bei dem sie ...

Britta ist Leiterin eines Hotels in Klütz an der Ostsee und die lange Sommersaison war absolut erfolgreich, aber nun auch vorbei. Endlich Zeit für sich und für ihr liebstes Hobby, ihren Chor, bei dem sie bereits seit zwanzig Jahren mitsingt. Tatsächlich haben sie auch Erfolg, denn es steht eine große Reise bevor, zu einem Auftritt in Tampere. Doch plötzlich steht ihr Chorleiter Dustin mit schlechten Nachrichten vor seinem Chor. Er hat einen neuen Job in Süddeutschland und muss innerhalb einer Woche abreisen. Fällt nun alles ins Wasser? Kurzerhand beschließt Britta, nach einem neuen Chorleiter zu suchen, doch dabei landet sie einige Fehltritte, bis sie Jasper kennenlernt. Dieser ist davon überzeugt, dass Britta schon den perfekten Chorleiter bereits gefunden hat.
Meine Meinung
Hach ja, dieses Cover lud mich gleich zum Träumen ein, denn ich bin durch und durch ein Ostseejunkie und freue mich jedes Jahr auf unseren Urlaub in dieser wunderschönen Gegend. Allerdings muss ich zugeben, dass mich der Titel auf den ersten Blick ein wenig abgeschreckt hat, da ich hier ein paar Omas mit Wärmedecken in einem Bus auf dem Weg zum Chorauftritt vor mir sah. Doch da mir in letzter Zeit der Name des Autors, Janne Mommsen, so oft begegnete, und ich schon länger etwas von ihm lesen wollte, habe ich dann doch noch zugegriffen. Ausserdem klang der Klappentext nach guter Unterhaltung, perfekt für einen gemütlichen Lesenachmittag und genau den hatte ich dann auch.
Janne Mommsen schreibt sehr leicht und flüssig und konnte mich hier durchaus mit seinen sehr weichen Worten überraschen. Ich hatte beim Lesen ein wenig das Gefühl, einem TV-Film zuzusehen, denn Janne Mommsen erzählt mit viel Herz und ja, auch wenn man nicht so viel von der Umgebung im Buche erfährt, auch mit viel Liebe zu diesem Fleckchen Erde.
Der Inhalt war jetzt nicht so richtig meiner, denn es geht hier, Überraschung, um den Küstenchor. Dabei hat man aber auch ganz gut das Gefühl, dass man zumindest die Sänger des Chores, allen voran Britta, kennenlernt. Ich hatte mir hier ein wenig mehr von einem lustigen Casting bei der Suche nach einem neuen Chorleiter erwartet, aber im Endeffekt habe ich genau das erhalten, was der Titel schon ausdrückt.
Die Geschichte wird durch einen personellen Erzähler in dritter Person erzählt. Man hat hier irgendwie das Gefühl gehabt, dass man hier wirklich jemanden lauscht, der all das auch erlebt hat, wovon hier berichtet wird. Das fand ich ganz nett und es hat mich auch recht gut unterhalten, denn ich konnte hier zuschauen. Gerade diese kleine Gemeinschaft in Klütz fand ich sehr glaubwürdig, da ich selbst aus einem kleinen Städtchen komme, fand ich das gut umgesetzt.
Die Charaktere waren sehr sympathisch, allen voran Protagonistin Britta mochte ich sehr gerne. Sie ist eine gestandene Frau, die sich durchaus durchsetzen kann und doch wohnen so einige Unsicherheiten in ihr. An manch einer Stelle kam sie mir jünger vor, als sie ist, aber sie macht einfach alles, was notwendig ist, um ihr großes Hobby am Leben zu halten. Die weiteren Charaktere werden hier alle vorgestellt, man hat das Gefühl, als hätte Protagonistin Britta den Leser an die Hand genommen und jede Person dem Leser persönlich vorgestellt. Ich hatte auf jeden Fall einen guten Blick auf alle Charaktere.
Mein Fazit
Der Erzählstil hat mir gut gefallen, der Inhalt war nicht so ganz meins, was mich aber jetzt nicht unbedingt gänzlich überrascht hat, denn ich habe genau die Geschichte erhalten, die ich auf Grund von Klappentext und Titel mir vorgestellt hatte. Ich wollte aber einfach einmal etwas von diesem Autor lesen und wie erwähnt, der Stil war gut zu lesen und unterhaltsam. Wer Romane mit viel Herz und Lokalkolorit mag, der ist hier genau richtig.

Veröffentlicht am 21.07.2018

Was für eine Atmosphäre

Wo drei Flüsse sich kreuzen
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Irland in den Jahren 1825/1826 – in einem kleinen Tal, fern von den immer moderner werdenden Städten, herrscht immer noch der Glaube an Mythen wie Feenwesen, Wechselbälger und mehr. Nora Leahy, gerade ...

Irland in den Jahren 1825/1826 – in einem kleinen Tal, fern von den immer moderner werdenden Städten, herrscht immer noch der Glaube an Mythen wie Feenwesen, Wechselbälger und mehr. Nora Leahy, gerade frisch verwitwet, lebt auf einem kleinen Bauernhof, allein mit ihrem vierjährigem Enkel Micheál. Doch Micheál ist kein gewöhnliches Kind, er läuft nicht, er spricht nicht, des Nachts schreit er und auch am Tage findet er kaum Ruhe. Um Hilfe auf dem Hof und mit ihrem Enkel zu bekommen stellt Nora die vierzehnjährige Mary ein. Doch der Zustand des Kindes ändert sich nicht, ein Arzt diagnostizierte bereits unheilbaren Kretinismus und auch der Dorfpfarrer verweigert seine Hilfe. In ihrer Verzweiflung wendet sich NOra an Nance, die heilkundige Kräuterfrau und diese bestätigt Nora das, was sie schon lange vermutete: Micheál ist ein Wechselbalg.
Meine Meinung
Das Cover wirkt schon ein wenig düster und unheimlich und passt sehr gut zu der Geschichte. Denn diese ist sehr düster gehalten und ich muss sagen, dass es der Autorin hier absolut gelingt, die Atmosphäre des kleinen, abgelegenen Dorfes einzufangen. Man hat das Gefühl, die Költe und Dunkelheit des irischen Winters am eigenen Leib nachzuemfpinden. Durch die viele Details wird das Leben dort sehr atmosphärisch und auch glaubwürdig dargestellt. Die Autorin schafft es hier eine Dichte zu schaffen, die beim Lesen Bilder von damals lebendig werden lassen. Auch sonst schreibt Hannah Kent sehr einnehmend, beinahe schon poetisch und der Zeit und der Umgebung des Dorfes, in der die Geschichte spielt, hervorragend angepasst. Es ist kein leichter ROman für zwischendurch, aber er verfehlt seine Wirkung keineswegs, denn bei manch einer der Beschreibungen hatte ich Gänsehaut.
Das Tempo der Geschichte ist relativ konstant, eher ruhig, denn es geht vielmehr um diese gesamte Entwicklung rund um den Aberglaube und der Mythen, den die Charaktere, allen voran Nora durchlaufen. Es ist schon sehr erschreckend, wie sehr die Menschen früher glaubten, was man ihnen erzählte. Geschahen Unglücke wurden Schuldige gesucht, seien es mythische Wesen oder Reale, alle Schuld wurde bei anderen gesucht und der Aberglaube der Menschen war sehr extrem. All das gelingt es Hannah Kent glaubwürdig nachzuerzählen und ganz besonders interessant fand ich hier, dass die Autorin sich auf eine reale Begebenheit aus dieser Zeit beruft.
Mit wechselnden Perspektiven erzählt ein personeller Erzähler in dritter Person die Geschichte. Wir verfolgen drei völlig unterschiedliche Frauen und deren Erlebnisse. Nora, die Witwe, Mary, die Magd und Nance, die Kräuterfrau. Alle drei Frauen sind sehr gut ausgearbeitet und man sieht sie direkt vor sich während des Lesens, aber auch sonst wird alles so intensiv geschildert, dass man einen Film vor dem inneren Auge verfolgt.
Nora war eine mir alles andere als sympathische Person, sicher, sie muss in kürzester Zeit den Verlust der Tochter und des Ehemannes verarbeiten und sich um ein schwerbehindertes Kind kümmern, aber anstelle, dass sie selbst mehr eingreift, glaubt sie lieber, dass was man ihr erzählt und was man so im Tal über den kleinen Jungen munkelt.
Mary schien mir hier ganz viel Herz zu haben, sie bekommt die nötige Tiefe und nimmt eine wichtige Rolle in der Geschichte ein. Dabei ist sie eine der wenigen, wie es mir schien, die hier zu Mitgefühl fähig war.
Nance, die dritte der drei Frauen, aus deren Perspektive wir die Geschichte erleben, ist ebenfalls sehr glaubhaft dargestellt. Von ihr erfährt man auch mehr darüber, wie es dazu kam, dass sie die Gabe der Kräuterkunde und der Heilkunst bekam.
Neben den drei Frauen gibt es noch einige weitere Charaktere, vor allem die Bewohner des Tals, die auf die Handlung Einfluss nehmen. Durch ihr Verhalten, ihren Aberglauben und auch teilweise durch ihren Tratsch nimmt die grausame Handlung gegenüber dem kleinen Micheál seinen Lauf. Gerade diese Momente der Geschichte ließen mich wirklich tiefes Mitleid mit dem Kleinen empfinden, denn es war wirklich grauenhaft, was er durchleben musste.
Mein Fazit
Absolut atmosphärische Geschichte, sehr düster, sehr kalt und dadurch sehr real dargestellt. Manch ein Moment brachte mir Gänsehaut und Entsetzen, wenn man überlegt, wie sehr diese Menschen sich beeinflussen ließen. Die Entwicklung der Geschichte und der Charaktere konnte mich absolut fesseln und überzeugen. Kein leichter Roman, aber wirklich empfehlenswert!

Veröffentlicht am 21.07.2018

Wir sind Spinster Girls

Spinster Girls – Was ist schon normal?
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Evelyne, Evie, hat es geschafft und darf endlich wieder normal zur Schule gehen, denn was für andere selbstverständlich ist, war für sie für lange Zeit eine furchtbare Qual. Evie leidet unter Zwangsstörungen ...

Evelyne, Evie, hat es geschafft und darf endlich wieder normal zur Schule gehen, denn was für andere selbstverständlich ist, war für sie für lange Zeit eine furchtbare Qual. Evie leidet unter Zwangsstörungen und Angstzuständen. Doch nun lernt sie Ethan kennen und nimmt ihn mit zur Fete ihrer Freundin Jane, die seitdem sie mit dem Metalfan Joel zusammen ist, nur noch an diesem klebt. Doch während Evie bei der Fete ihre schon zuvor sternhagelvolle Begleitung verliert, trifft sie auf eine ehemalige Klassenkameradin Lottie und deren Freundin Amber. Die Mädchen freunden sich an und schon bald werden sie zu den Spinster Girls, die sich so schnell nicht vorschreiben lassen, wie sie so sein sollen.
Meine Meinung
Das Cover des Buches wirkt geheimnisvoll und macht neugierig, das Buch zumindest einmal in die Hand zu nehmen, um auf den Klappentext zu schauen.
Auch der Einstieg gelingt rasch, denn man merkt, dass Evie etwas verbirgt, allein schon auf Grund der Einblendung ihrer derzeitigen Medikation, doch es wird nicht sofort klar, was hinter ihrem Verhalten steckt. Man kann es natürlich schnell erahnen, aber direkt aussprechen fällt Evie sehr schwer und genau dieses Gefühl transportiert die Autorin sehr gut mit ihrer Sprache. Denn sprachlich ist es schon recht jung und modern gehalten und gleichzeitig spürt man, dass Evie längere Zeit abgeschottet war. Der Schreibstil der Autorin hat mir auf jeden Fall sehr gut gefallen und sie lässt die Seiten der Geschichte durch ihre angenehme Sprache verfliegen. Allein vom Sprachlichen finde ich diese Geschichte auch sehr passen und emotional genug für junge Leserinnen und Leser erzählt.
Inhaltlich geht es zum einen um typische Mädchenthemen, wie schaffe ich es, das sich ein Junge für mich interessiert etc. Aber es geht hier noch deutlich in die Tiefe, gerade wenn es um Evie und ihre Psyche geht. Diesen Zwiespalt der jungen Evie hat die Autorin sehr gut dargestellt. Man spürt, dass sie sich für ihre Krankheit schämt, auch wenn sie weiß, dass sie nichts dafür kann. So ist es eine Geschichte, die mich nachdenklich werden ließ, aber tatsächlich auch immer wieder zum Schmunzeln brachte. Was auch oft an den Dialogen liegt und an Evies teils sehr ironischen und auch selbstironischen Gedanken. Dadurch schafft es aber auch die Autorin, dieses doch intensive und ernste Thema so locker zu spiegeln, dass es nicht langweilig wird. Gerade jüngere Leser bekommen hier sehr deutlich vermittelt, dass psychische Krankheiten durchaus nichts sind, für das man sich schämen müsste.
Erzählt wird aus der Ich-Perspektive durch Evie. Dadurch lernt man sie sehr gut und intensiv kennen. Sie ist auf der einen Seite sehr vorbelastet durch ihre psychische Krankheit, möchte aber unbedingt auch dazu gehören. Manches Mal handelt sie selbst rücksichtslos, auch wenn sie es besser wissen sollte. Doch sie wirkte immer glaubhaft und authentisch und letzten Endes wie ein typischer Teenager. Ich mochte sie und habe gerne von ihrer Geschichte erfahren.
Es gibt auch einige Nebencharaktere, die hier Einfluss auf die Handlung nehmen. Allen voran natürlich die Freundinnen Amber und Lottie, ein wenig noch Jane, die aber auf ihren rosaroten Wolken schwebt. Gerade die Mädels mochte ich aber sehr und ich bin schon gespannt darauf, mehr über sie zu lesen.
Mein Fazit
Eine Geschichte, die mit Gefühl, aber dabei ohne bierernst zu wirken, von Evie und deren psychische Erkrankung erzählt. Interessante Charaktere, ein flotter und fesselnder Schreibstil und eine, gut teilweise klischeehafte, zum großen Teil aber unterhaltsame Handlung, ließen die Seiten beim Lesen verfliegen. Spinster Girls, Was ist schon normal? ist der erste Teil einer Reihe, die gerade für Tennies, vor allem für Mädchen, gute Unterhaltung bringt. Es geht um Freundschaft, sowohl zu Jungs, als auch zu Freundinnen, um Zusammenhalt, aber auch um Schwierigkeiten eines jungen Menschen. Toll, locker, aber auch einfühlsam, Leseempfehlung vor allem für Jüngere!

Veröffentlicht am 21.07.2018

Ausbaufähig

Schwarze Bucht (Neuseeland sehen und sterben 2)
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Inspektor Frank Parnell verbringt seinen Urlaub, in dem er sich vor allem von seinem Liebeskummer befreien will, in Dunedin. Um Geld zu sparen, das er lieber in Alkohol investiert, übernachtet er in einam ...

Inspektor Frank Parnell verbringt seinen Urlaub, in dem er sich vor allem von seinem Liebeskummer befreien will, in Dunedin. Um Geld zu sparen, das er lieber in Alkohol investiert, übernachtet er in einam Bed & Breakfast. Nach einer alkoholreichen Nacht wacht er nicht nur absolut verkatert, sondern auch mit Blut an den Händen auf. Im Zimmer neben Parnell wird eine junge Frau vermisst, doch Parnell kann sich an rein gar nichts erinnern. Hat er etwas mit dem Verschwinden der Frau zu tun? Ist er evtl. sogar ein Mörder? Parnell beginnt auf eigene Faust zu ermitteln.
Meine Meinung
Allein das Wort Neuseeland reichte hier aus, um mich auf das Buch neugierig zu machen, denn bisher hatte ich aus dieser Ecke noch nie etwas gelesen. Auch das Cover wirkt ansprechend und zeigt das Setting des Krimis.
Ein wenig Zeit habe ich aber hier für den Einstieg benötigt, was zum einen daran liegt, dass man als Leser mitten in die Handlung geworfen wird, zum anderen aber auch an dem Schreibstil. Dieser wirkt immer wieder abgehackt, beinahe minimalistisch und dadurch auch am Anfang schwierig zu lesen. Doch gerade dieser Sprachstil mit den teilweise extrem kurzen Zwei- Dreiwortsätzen macht diesen Krimi sehr wirkungsvoll. Man hat das Gefühl, das hier einfach jedes Wort wichtig ist und liest dadurch noch einen Tick konzentrierter, zumindest ging es mir so.
Der Fall an für sich ist sehr spannend dargestellt. Man hat hier, genau wie der Inspektor, überhaupt keinen Plan, was hier passiert ist. Man verfolgt alles mit, ist teilweise aber völlig in die Irre geführt worden, teilweise überrascht, was der Inspektor durch seine Suche aufdeckt. Tatsächlich hatte ich lange Zeit das Gefühl, selbst benebelt zu sein und alles andere als einen klaren Blick auf das Geschehen zu haben. Auch dies könnte wieder an dieser eindringlichen Sprache liegen. Ich war auf jeden Fall einfach Zuschauer und habe mir gar nicht die Mühe gemacht, Theorien mit aufzustellen, denn es passiert doch meist etwas ganz anderes. So blieb ich einfach Boebachter der Ereignisse.
Erzählt wird das Geschehen durch einen personellen Erzähler in dritter Person aus der Sicht des Inspektors. Dadurch, dass hier vieles nur kurz angerissen wird und man schnell von einer Szene in die andere regelrecht geworfen wird, gibt uns dieser Erzähler nur sehr wenig Einblick.
Mit dem Fall des verschwundenen Mädchens und dem erinnerungslosen, angeblichen Täter, wird hier auf den ersten Blick das Rad nicht neu erfunden. Doch Crowe packt auf den gerade einmal etwas über 250 Seiten sehr viel mehr mit hinein. Man hat durchaus das Gefühl, dass in Neuseeland ganz andere Sitten herrschen als man sie kennt. Gerade was die heimischen Polizisten aus Dunedin angeht. Aber auch sonst giibt es hier neben der Aufklärung des Falls noch Hintergründe, die man hier nirgendwo erahnen kann.
Schließlich der Inspektor Parnell, so richtig kennengelernt habe ich ihn nicht. Ich weiß zwar das ein oder andere von ihm, wie z. B. das er alleine lebt, eine Katze hat und gerade unter Liebeskummer leidet, aber was in ihm vorgeht bleibt mir zum großen Teil verborgen. Richtig sympathisch wurde er mir nicht, aber richtig unsympathisch auch nicht. Aber mein Eindruck ist, dass hier hinter der Fassade noch einiges zu finden sein wird, interessant genug gestaltet dafür ist Parnell auf jeden Fall.
Neben Parnell gibt es noch den ein oder anderen Charakter, der hier mit in die Handlung eingreift, aber sie bleiben in meinen Augen allesamt recht blass. Gerade über Parnells Kollegin würde ich gerne mehr erfahren. Dadurch, dass es sich um eine Reihe handelt, gehe ich aber davon aus, dass wir Leser noch einiges über die Personen erfahren werden.
Mein Fazit
Ein Buch, das mich ein kleines bisschen verwirrt zurückgelassen hat. Durch die minimalistische Sprache wurde ich in kürzester Zeit durch den Krimi getrieben und musste dabei doch konzentriert bleiben, weil ich das Gefühl hatte, sonst etwas zu verpassen. Wer Krimis der etwas anderen Art mag, sollte hier auf jeden Fall hineinschnuppern, gerade auch wegen des eher ungewöhnlichen Schreibstils.

Veröffentlicht am 18.07.2018

Humorvoll und mit ganz viel Herz

Miss Gladys und ihr Astronaut
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Eigentlich war es reiner Zufall, dass der Forscher Thomas Major zu einem Astronauten wurde, denn er war sozusagen zur rechten Zeit am rechten Ort. Nun ist er in einem Raumschiff auf dem Weg zum Mars, um ...

Eigentlich war es reiner Zufall, dass der Forscher Thomas Major zu einem Astronauten wurde, denn er war sozusagen zur rechten Zeit am rechten Ort. Nun ist er in einem Raumschiff auf dem Weg zum Mars, um diesen zu erschließen, damit irgendwann vielleicht dort Menschen leben können. Eine Zukunft auf dem Mars, für immer oder zumindest für eine lange Zeit ohne andere Menschen klingt für Thomas perfekt, denn er ist andere Personen einfach überdrüssig. Auf dem Flug klingelt dann sein Telefon, am anderen Ende Gladys, eine fast einundsiebzig Jahre alte Dame aus Wigan, die in letzter Zeit immer mehr vergisst. Zunächst genervt, hört Thomas, Major Tom genannt, ihr dann doch zu und so nach und nach lernt er über das Telefon Gladys, ihre Familie und auch all ihre Sorgen kennen.
Meine Meinung
Dieses wunderhübsche Cover machte mich auf den ersten Blick aufmerksam und der Klappentext klang einfach nach einer ganz anderen Story. Genau so eine ganz andere Story habe ich dann auch erhalten, denn Miss Gladys und ihr Astronaut weiß zum Schmunzeln zu bringen, aber auch zu berühren.
David M. Barnett hat mich mit seiner Geschichte absolut fesseln und bezaubern können, denn er schreibt so direkt und lebendig, dass man beim Lesen die Familien, aber auch Major Tom in seinem Raumschiff vor sich sieht. Dabei geht er noch nicht mal in unendliche Detailbeschreibungen über, sondern lässt dem Leser ganz viel Raum für eigene Fantasien. Dadurch, dass der Autor auch in der Gegenwart schreibt, wirkt es noch einmal mehr direkter und realer.
Das Geschehen darf der Leser mit unterschiedlichen Perspektiven verfolgen. So lernt man zunächst Thomas Major – Major Tom kennen, aber auch Gladys und ihre Familie. Während des aktuellen Geschehens driften die einzelnen Charaktere in Gedanken immer mal wieder in die Vergangenheit, vor allem Tom, über den man im Laufe der Geschichte so einiges erfährtund auch immer besser verstehen kann, warum er das Alleinsein bevorzugt. Das alles ist so wunderbar locker und mit einer großen Portion Humor geschrieben, dass die Seiten nur so verflogen beim Lesen.
Erzählt wird hier durch einen personellen Erzähler, in dritter Person. Dieser beschreibt Situationen mit viel Gefühl für Situationskomik und Momente, die sich zwar lustig anhören, wie z. B. Miss Gladys, die auf eine Email eines “Prinzen” reinfiel, aber doch auch ein wenig eigene Tragik beinhalten. Man fühlt mit den einzelnen Personen mit und kann sich in sie hineinversetzen. Alltägliches wird mit unglaublichem vermischt und man könnte sich glatt vorstellen, dass es diesen Astronauten am Telefon wirklich gibt.
Richtig gut gefallen haben mir die Charaktere der Geschichte. Allen voran Miss Gladys, die alte Dame, deren Demenzerkrankung leider immer schlimmer wird und das ausgerechnet jetzt, wo sie als Sorgeberechtigte für ihre Enkel da sein müsste. Diese haben nämlich ihre Mutter verloren und ihr Vater sitzt im Gefängnis. Miss Gladys stellt so manches an und auch wenn man, wenn es einem selbst passieren würde, wohl vor lauter Ärger schreien könnte, ist Gladys einfach so herzig, dass man ihr gar nicht böse sein kann.
Auch Tom ist wunderbar gezeichnet, er ist ein Einzelgänger, voller Zynismus und mit wenig Liebe zu seinen Mitmenschen. Erst so nach und nach erschließt sich hier dem Leser aber, warum er eigentlich so ein Griesgram geworden ist und letzten Endes gibt es bei ihm auch eine ganz tolle Entwicklung. Zum Ende hin mochte ich ihn sehr gerne und ich würde nur zu gerne wissen, wie es ihm dort oben auf dem Mars geht.
Aber auch Miss Gladys Enkelkinder, James und Ellie, sind wunderbar dargestellt. Ellie, die zu viel Verantwortung auf ihren fünfzehnjährigen Schultern trägt, James, das große Talent in Naturwissenschaften, der von seinen Mitschülern gemobbt wird. Sie fügen sich hier einfach gelungen in den Roman ein und es passt einfach.
Mein Fazit
Mit Sicherheit ein Buch, das sehr humorvoll erzählt ist, aber tatsächlich auch Tiefgang hat, denn David M. Barnett zeigt auch ganz deutlich, was Situationen aus Menschen machen, sie verändern können. Selbstverständlich ist hier nicht alles ernst zu nehmen, denn wer telefoniert schon regelmäßig mit einem Astronauten, doch es ist so voller Wärme erzählt, dass es einfach Spaß macht, die Geschichte zu lesen. Wer gerne ungewöhnliche, teils auch sehr skurrile Momente in Geschichten mag, wird hier auf seine Kosten kommen. Ich für mein Teil habe mich wunderbar unterhalten gefühlt und empfehle das Buch sehr gerne weiter.