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Veröffentlicht am 03.08.2025

Lebendige Zeitgeschichte

Der Tunnelbauer
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2024 jährte sich die Gründung der beiden deutschen Staaten zu 75. Mal, und es sind genau 60 Jahre vergangen, seit durch den erfolgreichsten aller Fluchttunnel 57 Menschen in den Westen gelangten. Passend ...

2024 jährte sich die Gründung der beiden deutschen Staaten zu 75. Mal, und es sind genau 60 Jahre vergangen, seit durch den erfolgreichsten aller Fluchttunnel 57 Menschen in den Westen gelangten. Passend hierzu erschien das Buch "Der Tunnelbauer" von Maja Nielsen, in dem die bewegende Geschichte von Joachim (Achim) Neumann erzählt wird, der selbst kurz nach dem Mauerbau mit 18 Jahren in den Westen floh und am Bau mehrerer Fluchttunnel beteiligt war, unter anderem an dem erwähnten Tunnel 57.

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive von Achim und seiner Freundin Christa, der Achim von Westberlin aus zur Flucht aus der DDR verhelfen möchte, erzählt.

Maja Nielsen hat den Inhalt perfekt auf eine jugendliche Zielgruppe ab ca. 14 Jahren abgestimmt. Geschickt verwebt sie Informationen über die ideologische Ausgangssituation in der DDR, das gesellschaftliche Klima und die Gefahren einer Republikflucht für den Flüchtenden und seine Angehörigen mit einer spannend erzählten Geschichte. Beim Lesen fiebert man mit den Fluchthelfer:innen und Flüchtenden mit, die emotionale Belastung und Anspannung aller Beteiligten wird spürbar. Es ist wirklich beeindruckend, welche enormen Risiken und Anstrengungen alle Beteiligten auf beiden Seiten der Mauer auf sich genommen haben.

Alle im Buch genannten Personen hat es tatsächlich gegeben, aus Datenschutzgründen werden sie aber bis auf Christa und Achim nicht mit ihrem richtigen Namen genannt. Im Anhang erfährt man, was aus den realen Vorbildern der Fluchthelfer geworden ist. Eine Chronik der Mauer, ein Glossar der wichtigsten Begriffe sowie persönliche Fotos der Tunnelbauer und eine Karte runden das Buch perfekt ab.

Fazit: Gleichzeitig lehrreich und sehr lebendig erzählt "Der Tunnelbauer" ein beeindruckendes Stück deutscher Geschichte. Ich möchte es jedem Jugendlichen und auch allen Lehrern der Mittel- und Oberstufe dringend ans Herz legen. Sehr empfehlenswert ist auch das Hörbuch „Der Tunnelbauer“, in dem der echte Joachim Neumann am Anfang und Ende selbst zu Wort kommt.

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Veröffentlicht am 03.08.2025

gemütlicher, leicht düsterer Historienkrimi

Im Finsterwald
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„Finsterwald“ ist der dritte Band der Krimireihe um Hauptwachtmeister Nils Gunnarsson und Ellen Grönblad. Ich kannte die ersten beiden Bände vorher nicht und konnte dem in sich abgeschlossenen Fall ohne ...

„Finsterwald“ ist der dritte Band der Krimireihe um Hauptwachtmeister Nils Gunnarsson und Ellen Grönblad. Ich kannte die ersten beiden Bände vorher nicht und konnte dem in sich abgeschlossenen Fall ohne Probleme folgen. Dennoch empfehle ich allen, mit Band 1 zu starten, da das Buch immer wieder auf alte Fälle und die frühere Beziehung der beiden Bezug nimmt. Die Gefühle und Gedanken von Nils und Ellen spielen im Buch eine große Rolle, und das perfekte Leseerlebnis hat man sicher erst, wenn man die zwei von Anfang an kennt.

Göteborg, im Winter 1926. Die neunjährige Alice Guldin ist mit ihrem Kindermädchen Maj und ihren vier Geschwistern im Naturkundlichen Museum. Als das Museum schließt, rennt Alice ins Gebäudeinnere davon. Maj und die Museumswärter suchen nach ihr, jedoch ohne Erfolg. Auch die Polizei um Nils Gunnarsson tappt im Dunkeln. Was ist mit Alice passiert? Ist sie unbemerkt ins Freie entwischt oder befindet sie sich noch irgendwo in den verwinkelten Gängen des Museums, zwischen tausenden Exponaten, mystischen Dioramen und unzähligen Vitrinen? Was verbirgt die Familie Guldin? Wissen die Angestellten des Museums mehr als sie sagen? Nils Gunnarsson geht allen Spuren nach und bekommt tatkräftige Unterstützung von Ellen.

„Finsterwald“ ist ein sehr atmosphärischer Historienkrimi, der vor allem durch eine ruhige, unaufgeregte Erzählweise, interessante Charaktere und detaillierte Beschreibungen besticht. Der Fall wartet mit manch überraschender Wendung auf, entwickelt sich aber dennoch eher gemächlich. Wer einen handlungsgetriebenen, spannungsgeladenen Krimi sucht, wird hier nicht fündig. Nils und Ellen sind mir immer vertrauter und sympathischer geworden, und ich werde auf jeden Fall noch die beiden Vorgängerbände „Der Sommer, in dem Einstein verschwand“ und „Die Pestinsel“ lesen. Sehr interessant fand ich die Beschreibung der Dioramen in Naturhistorischen Museum, die tatsächlich existieren und 1923 von Olof Gylling entworfen und gestaltet wurden.

Fazit: Der perfekte Krimi für alle, die einen etwas düsteren, aber dennoch gemütlichen Krimi mit historischem Charme und sympathischen Hauptfiguren schätzen.

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Veröffentlicht am 31.07.2025

Eine wahre Geschichte über die Familie eines DDR-Spions

Das falsche Leben
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Hannover, 1979. Der 16-jährige Thomas und sein großer Bruder Micha leben in einer scheinbar durchschnittlichen westdeutschen Familie. Doch eines Tages brechen sie überstürzt in die DDR auf, weil laut ihres ...

Hannover, 1979. Der 16-jährige Thomas und sein großer Bruder Micha leben in einer scheinbar durchschnittlichen westdeutschen Familie. Doch eines Tages brechen sie überstürzt in die DDR auf, weil laut ihres Vaters der dort lebende Opa schwer krank ist. Doch erst jenseits der Grenze erfahren die beiden die Wahrheit: Der Vater ist DDR-Spion und wurde durch einen Überläufer enttarnt. Um in der BRD nicht verhaftet zu werden, bleibt ihm nur die Flucht. Thomas und sein Bruder verlieren von einem Tag auf den anderen ihr gesamtes bisheriges Leben, erleben Bespitzelung, Indoktrination und totale Kontrolle. Auch dem Vater dämmert, dass die Realität in der DDR nichts mit seinem Ideal vom Sozialismus zu tun hat. Doch eine Ausreise in die BRD in unmöglich, da die Westpapiere eingezogen wurden. Schließlich werden Thomas und seine Eltern verhaftet und nach Hohenschönhausen und später nach Bautzen ins Gefängnis gebracht.

Maja Nielsen erzählt die wahre Geschichte von Thomas Raufeisen und seiner Familie, die einen hohen Preis für die Agententätigkeit des Vaters zahlen musste. Das Buch ist in 36 kurze, leicht lesbare Kapitel eingeteilt und richtet sich in erster Linie an Jugendliche. Historische Fakten werden geschickt in die Handlung mit eingewoben, und der geradlinige, packende Schreibstil macht auf eindrückliche Weise ein Stück deutscher Zeitgeschichte erlebbar. Das Glossar am Ende des Buches erklärt den jugendlichen Leser:innen, die mit der Thematik noch nicht vertraut sind, zusätzlich die wichtigsten Begriffe. Im Anhang erfährt man außerdem, wie das Leben von Micha, Thomas und ihren Eltern weiter verlaufen ist.

Ich könnte mir dieses Buch sehr gut als Klassenlektüre beim Themenkomplex DDR vorstellen. Da es sich um eine wahre Geschichte handelt, ist man emotional ganz anders involviert als bei einer fiktiven Handlung. Zudem stellt der Verlag auf der Homepage Unterrichtsmaterial zur Verfügung, und auf Youtube finden sich mehrere interessante Interviews mit Thomas Raufeisen, der heutzutage Führungen in der ehemaligen Haftanstalt in Hohenschönhausen anbietet.

Nicht nur aus historischen Gründen, sondern auch angesichts der aktuellen politischen Entwicklungen weltweit und hierzulande eine sehr lehrreiche und lesenswerte Lektüre.

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Veröffentlicht am 29.07.2025

ein wundervoller Coming-of-Age-Roman!

Himmel ohne Ende
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Charlie ist fünfzehn und auf der Suche – nach ihrem Platz im Leben, nach den richtigen Worten, nach Zugehörigkeit und vor allem nach sich selbst. Irgendwie fühlt sich alles falsch an: Die Schule nervt, ...

Charlie ist fünfzehn und auf der Suche – nach ihrem Platz im Leben, nach den richtigen Worten, nach Zugehörigkeit und vor allem nach sich selbst. Irgendwie fühlt sich alles falsch an: Die Schule nervt, ihre beste Freundin hat sich von ihr abgewandt, der Junge, in den sie verliebt ist, beachtet sie nicht, ihr Vater ist schon lange weg, und ihre Mutter und sie reden vor allem aneinander vorbei. Zu Beginn des neuen Schuljahres kommt Kornelius, genannt Pommes, in ihre Klasse. Er erscheint ihr so gelassen, frei und ganz anders als sie selbst, und dennoch versteht er sie auf eine Weise wie niemand sonst, denn auch Pommes trägt etwas mit sich, das ihm schwer zu schaffen macht.

Die Autorin Julia Engelmann hat die Unsicherheiten der Teenagerjahre und die Suche nach der eigenen Identität so treffend beschrieben, dass ich mich wieder in meine eigene Jugend zurückversetzt fühlte. Schwebend leicht, klar und poetisch zugleich, schreibt sie übers Aufbrechen und Ankommen, Davonlaufen und Hierbleiben, über Verlust, Sehnsucht und Freundschaft. Ihre Sprachbilder sind so wunderschön und treffend, dass ich mir am liebsten jeden zweiten Satz markiert hätte.

Besonders gut gefällt mir, dass Julia Engelmann keine einfachen, linearen Lösungen aufzeigt, sondern Charlies Entwicklung mäandert und damit umso glaubhafter wirkt. Mich hat dieses Buch sehr berührt, und trotz vieler melancholischer Momente brachte mich Charlie auch immer wieder zum Lachen mit ihren teilweise lustigen Beobachtungen und Vergleichen.

„Himmel ohne Ende“ ist für mich jetzt schon eines der Highlights in diesem Jahr, und ich empfehle es allen, die „Paradise Garden“ von Elena Fischer mochten.

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Veröffentlicht am 27.07.2025

erzählerisch leider nicht überzeugend

Wir sehen uns wieder am Meer
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„Wir sehen uns wieder am Meer“ bildet den Abschluss der Großeltern-Trilogie von Trude Teige. Der erste Band, „Als Großmutter im Regen tanzte“, hat mich sehr berührt, den Nachfolger „Und Großvater atmete ...

„Wir sehen uns wieder am Meer“ bildet den Abschluss der Großeltern-Trilogie von Trude Teige. Der erste Band, „Als Großmutter im Regen tanzte“, hat mich sehr berührt, den Nachfolger „Und Großvater atmete mit den Wellen“ fand ich deutlich schwächer. Ich war nun sehr gespannt, ob mich Trude Teige mit dem abschließenden Teil noch einmal begeistern würde.

Wie bei Band 2 wird die eigentliche Geschichte durch ein Vor- und Nachwort der (fiktiven) Juni Bjerke flankiert, der Enkelin der Großmutter Tekla. Die Großeltern Tekla und Konrad spielen in Band 3 nur eine kleine Nebenrolle, die Handlung dreht sich in Wesentlichen um Teklas Jugendfreundin Birgit Johansen und die gebürtige Ukrainerin Nadia, die während des Krieges als Zwangsarbeiterin nach Norwegen gekommen war. Birgit ist als ausgebildete Krankenschwester im Krieg in einem Krankenhaus in Bodø tätig und im Widerstand aktiv. Aufgrund ihrer Russischkenntnisse lernt sie Nadia kennen, die eine befreundete Zwangsarbeiterin ins Krankenhaus begleitet. Nach dem Krieg lässt sich Birgit vom amerikanischen Geheimdienst anwerben, und gerät in Moskau zwischen die Fronten des kalten Krieges.

Sehr positiv finde ich, dass Trude Teige in ihren Büchern den Frauen in Kriegszeiten eine Stimme gibt und deutlich macht, dass deren Erlebnisse ebenso prägend sind wie die der Männer und in die nachfolgenden Generationen hineinwirken. Sie thematisiert das Leid der Zwangsarbeiterinnen, den Mut der Widerstandskämpferinnen, die ihr eigenes Leben riskierten, die Gewalt, denen Frauen in Verhören ausgesetzt waren, und die massive Ablehnung und Diskriminierung, die Frauen erfuhren, die sich auf eine Liebesbeziehung mit einem feindlichen Soldaten eingelassen hatten.

Trotz dieses guten Ansatzes konnte mich das Buch allerdings nicht überzeugen. Wie schon im zweiten Teil wirken die Figuren auf mich hölzern, zu deutlich scheint die Botschaft durch, die sie transportieren sollen. Wirklich nahe kamen mir daher die Protagonistinnen nicht. Bei Birgit liegt mir zudem der Fokus viel zu stark auf der Liebesgeschichte mit Sascha, die die Handlung dominiert. Muss denn jeder Roman, der sich (allzu) erkennbar an eine weibliche Leserschaft richtet, mit einer Lovestory zugekleistert werden? Auch die Dialoge sind mir über weite Strecken zu emotional und rührselig geraten und wirken für die damalige Zeit wenig authentisch. Das ist mir insgesamt zu flach und simpel gestrickt.

Das Hörbuch wird von Yara Blümel sehr gut eingelesen. Die etwas tiefere Stimmlage empfinde ich als sehr angenehm, das Tempo ist genau richtig.

Auch wenn der dritte Teil über weite Strecken ohne Vorkenntnis der anderen Bände gelesen werden kann, empfehle ich doch, mit dem ersten Band zu beginnen, da gelegentlich darauf Bezug genommen wird, und der letzte Teil die gesamte Geschichte auch inhaltlich abrundet.

Fazit: Die Trilogie beginnt mit einem starken ersten Teil, lässt dann jedoch vor allem erzählerisch deutlich nach. „Wir sehen uns wieder am Meer“ bekommt daher leider von mir nur knappe 3 Sterne.

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