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Veröffentlicht am 06.02.2026

Ein gelungener Reihenabschluss!

Schule der Meisterdiebe 5: Die letzte Prüfung
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Da wir seit Erscheinen der Reihe riesengroße Fans der „Schule der Meisterdiebe“ sind, haben mein Sohn (12) und ich den fünften und letzten Band mit viel Vorfreude erwartet.

Gabriel Avery und seine fünf ...

Da wir seit Erscheinen der Reihe riesengroße Fans der „Schule der Meisterdiebe“ sind, haben mein Sohn (12) und ich den fünften und letzten Band mit viel Vorfreude erwartet.

Gabriel Avery und seine fünf Freunde müssen sich nun in einem finalen Showdown den Anführern der berüchtigten Verbrecherbande „Die Namenlosen“ stellen, die gleichzeitig die Eltern von Gabriel Avery sind. Zudem wartet mit dem Lehrer für das neue Schulfach „Logistik“ eine große Überraschung auf die Freunde, und der alljährliche Einbruch stellt Gabriel, Penelope, Villette, die Okoro-Zwillinge und Amira vor eine beinahe unlösbare Aufgabe.

Wie immer bietet auch dieser Band eine gelungene Mischung aus Spannung, Action, Internats-Setting und Humor, für den vor allem die Brüder Ade und Ede Okoro mit ihren Kabbeleien und flotten Sprüchen sorgen. Man spürt, dass die Protagonist:innen langsam erwachsen werden, da die zu bewältigenden Herausforderungen immer anspruchsvoller und gefährlicher werden. So ist die Konfrontation mit Adria Vivas und Luciano Lopez, den Anführern der „Namenlosen“, für die Bande durchaus lebensgefährlich und es wird hart gekämpft. Auch der Tod spielt in diesem Band eine Rolle. Aus diesem Grund würde ich auch die Altersempfehlung von 10 Jahren keinesfalls unterschreiten.

Wie schon in den vorigen Bänden ist Gabriel Avery der Anführer der Bande und durch seine überlegte, verantwortungsbewusste Art und seine hohen moralischen Werte die ideale Führungspersönlichkeit. J.J. Arcanjo vermittelt im fünften Band die Botschaft, dass Selbstvertrauen der Schlüssel zu Erfolg ist, Menschen bei aufrichtiger Reue eine zweite Chance verdienen und Familie nicht durch biologische Abstammung, sondern durch Liebe, Fürsorge und Geborgenheit definiert wird.

Band 5 bildet für uns einen rundum gelungenen Abschluss einer herausragenden Kinderbuchreihe, und wir sind ein bisschen traurig, dass wir von Gabriel und Crookhaven Abschied nehmen müssen. Ein bisschen Hoffnung macht uns J.J. Arcanjo allerdings, wenn er in seiner Danksagung schreibt, dass er eines Tages in die Welt von Crookhaven zurückkehren wird. Vielleicht gibt ja doch noch ein Wiedersehen mit der Bande? Wir wären auf jeden Fall dabei!

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Veröffentlicht am 06.02.2026

berührende coming-of-Age-Geschichte

Sommer auf Perigo Island
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Der zwölfjährige Pierce wohnt zusammen mit seiner Mutter auf Perigo Island, einer (fiktiven) Insel vor der Küste Neufundlands, deren Bewohner nahezu ausschließlich vom Fischfang leben. Auch der Vater von ...

Der zwölfjährige Pierce wohnt zusammen mit seiner Mutter auf Perigo Island, einer (fiktiven) Insel vor der Küste Neufundlands, deren Bewohner nahezu ausschließlich vom Fischfang leben. Auch der Vater von Pierce war Fischer, bis er vor drei Jahren nicht mehr vom Meer zurückkehrte. Pierce leidet noch immer unter dem Verlust des Vaters. Die einige Jahre ältere Anna stand Pierce damals zur Seite, als er Hilfe am dringendsten brauchte, und Pierce ist ihr dadurch tief verbunden, auch wenn sie sich nur selten sehen. Im Sommer 1991 verschwindet Anna eines Tages spurlos, und bei Pierce reißen alte Wunden auf. Zusammen mit seinen Freunden Bennie und Thomas sowie Emily, Bennies Cousine aus New York, macht sich Pierce auf die Suche nach Anna. Was hat der eigenbrötlerische und etwas unheimlich wirkende Solomon Vickers mit Annas Verschwinden zu tun? Und welche Rolle spielen der jugendliche Schläger Ross und seine Bande?

Perry Chafe gelingt es, eine berührende Coming-of-Age-Geschichte vor beeindruckender Naturkulisse mit Spannung zu verbinden. Auch Umweltprobleme wie die Überfischung der Meere und die Schäden durch Schleppnetzfischerei werden angesprochen. Auf berührende, leise und einfühlsame Weise erzählt das Buch von tiefer Freundschaft, erster Liebe, Vorurteilen und zweiten Chancen. Es zeigt eindrücklich, dass vorschnelle Urteile selten richtig liegen und tiefes Verständnis und Nähe manchmal dort zu finden sind, wo man es am wenigsten erwartet. Wahre Freundschaft braucht nicht viele Worte, sondern Beistand zur richtigen Zeit. Das Buch macht Mut, auch nach Trauer und Verlusten langsam wieder nach vorne zu blicken.

Nachdem mich letztes Jahr „Das Geschenk des Meeres“ aus dem mare Verlag sehr berührt hat, ist auch „Sommer auf Perigo Island“ wieder ein Highlight für mich gewesen.

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Veröffentlicht am 06.02.2026

Herrlich humorvoll und kurzweilig

Wir Freitagsmänner
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Henri ist Mitte Fünfzig, geschieden, der Beruf ist Routine, beim Dating ist eher zweite Wahl und dann kommt auch noch Barthaarausfall dazu. Der Hausarzt diagnostiziert Wechseljahre, und Henri beginnt sich ...

Henri ist Mitte Fünfzig, geschieden, der Beruf ist Routine, beim Dating ist eher zweite Wahl und dann kommt auch noch Barthaarausfall dazu. Der Hausarzt diagnostiziert Wechseljahre, und Henri beginnt sich zu fragen, was er sich vom Leben erwartet und welche Veränderungen er vornehmen sollte. Da kommt es wie gerufen, dass seine Traumfrau, der er zufällig über den Weg läuft, als Mental Coach arbeitet. Allerdings scheint sie ein Faible für deutlich jüngere Männer zu haben. Henri wittert dennoch eine Chance…

Vom ersten Moment an habe ich mich bei „Wir Freitagsmänner“ köstlich amüsiert. Hans-Gerd Raeth entwirft Szenen mit viel Situationskomik und herrlich pointierten Dialogen, so dass ich mehrmals laut lachen musste, was mir beim Lesen nur höchst selten passiert. Henri ist ein sympathischer Protagonist: schlagfertig, humorvoll, reflektiert und dabei aber nicht frei von Fehlern. Einer davon hat vor Jahren seine Ehe ruiniert, und dennoch begegnen er und seine Exfrau sich wertschätzend und auf Augenhöhe. Auch das Verhältnis zu seinen inzwischen erwachsenen Kindern ist liebevoll. In Felix hat Henri einen wahren besten Freund, der um seine Ehe und gegen die körperlichen Verfallserscheinungen des Alters kämpft und auf den sich Henri in allen Lebenslagen verlassen kann.

Auch wenn der Autor im Kleinen mit Klischees spielt – zB bei Dating-Pannen oder Felix, der midlife-kriselnd im hautengen Lycradress durch die Gegend rennradelt – ist die Handlung angenehm frei von erwartbaren Stereotypen. So bietet das Buch nicht nur wunderbare Unterhaltung und viel Humor, sondern auch nachdenkliche und melancholische Momente in einer perfekten Mischung.

Mich hat dieses Buch so gut unterhalten, dass ich es gar nicht mehr weglegen wollte und bis spät nachts weitergelesen habe. Von mir eine große Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 03.02.2026

makaber und skurril

Ehrlich & Söhne
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Von Ewald Arenz habe ich bereits mit großen Vergnügen einige Romane gelesen, so dass ich mir sehr auf „Ehrlich & Söhne“ gefreut habe. Die Familienchronik einer Bestatterfamilie – das versprach ungewöhnliche ...

Von Ewald Arenz habe ich bereits mit großen Vergnügen einige Romane gelesen, so dass ich mir sehr auf „Ehrlich & Söhne“ gefreut habe. Die Familienchronik einer Bestatterfamilie – das versprach ungewöhnliche und abwechslungsreiche Unterhaltung.

Friedrich Ehrlich ist der Vater von vier erwachsenen Kindern: Samuel und Johannes sind leiblich, Dorothea und Maria wurden adoptiert. Seine Ehefrau Gesine hat mit Klaus einen schürzenjagenden RAF-Sympathisanten als Bruder. Hinzu kommen diverse Halbgeschwister, die das Verwandtschaftsgeflecht nicht eben übersichtlicher machen. Auch wenn inzwischen jeder sein eigenes Leben führt, halten alle zusammen, wenn es hart auf hart kommt; angeheiratete Partner und Partnerinnen haben es schwer. Als eines Tages eine Leiche auftaucht, die Friedrich arg in die Bredouille bringen könnte, ist das Familienclan gefragt…

Arenz erzählt abwechselnd aus verschiedenen Perspektiven und springt immer wieder zwischen den Zeitebenen hin und her, so dass manchmal nicht sofort klar ist, in welchem Jahrzehnt man sich gerade befindet. Den größten Anteil an der Geschichte haben Samuel und Johannes.

Der Humor ist nicht immer politisch korrekt, aber messerscharf, schräg und staubtrocken. Da aber nahezu jeder Dialog in einem scherzhaften Schlagabtausch endet, wirken die Figuren allesamt oberflächlich, sehr von sich selbst überzeugt und wenig einnehmend. Das erschwerte es mir, mit ihnen warm zu werden und ich merkte, dass mir ihr Schicksal mehr oder weniger egal war. Lediglich Vera, die Außenseiterin und (Noch-)Ehefrau von Samuel, die stets außen vor blieb, hatte meine Sympathie. Die Handlung selbst entwickelte sich zunehmend unglaubwürdig, so dass ich letztendlich froh war, als ich am Ende angelangte.

Fazit: Erstmals konnte mich Ewald Arenz mit seinem Roman nicht erreichen. Zu unsympathisch, schräg und überheblich erschienen mir die Charaktere, zu abstrus und skurill die Handlung. Diesmal leider nur knapp 3 Sterne.

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Veröffentlicht am 01.02.2026

schonungslos und eindrücklich

Bambino
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Mattia, geboren 1900 in Triest als Sohn eines Uhrmachers, ist schon früh ein Außenseiter. Er schwänzt die Schule und kann wenig mit anderen Menschen anfangen. Als seine Mutter ihm kurz vor ihrem Tod eröffnet, ...

Mattia, geboren 1900 in Triest als Sohn eines Uhrmachers, ist schon früh ein Außenseiter. Er schwänzt die Schule und kann wenig mit anderen Menschen anfangen. Als seine Mutter ihm kurz vor ihrem Tod eröffnet, dass er nicht ihr leiblicher Sohn ist, sein Vater ihm aber nicht verraten möchte, wer ihn geboren hat, entwickelt sich die Suche nach seiner Mutter zu einer Obsession. Er ist gekränkt, entwickelt eine immer größer werdende Wut auf seine Mitmenschen und lebt diese in Gewaltexzessen aus. Bald schließt Mattia sich den faschistischen Schwarzhemden an und verbreitet mit ihnen Angst und Schrecken unter der Bevölkerung. Später zieht er freiwillig gegen Griechenland in den Krieg und wird im Kriegswinter in den Bergen zermürbt. Langsam bröckeln seine Überzeugungen, doch zu viel ist bereits passiert, als dass Mattia das Geschehene hinter sich lassen könnte.

Marco Balzano erzählt aus Mattias Perspektive, in nüchternem, beinahe sachlichem Stil. Man kann Mattia nicht mögen, und auch die Ungewissheit bezüglich seiner Herkunft, die Weigerung des Vaters, ihm mehr über seine Mutter zu offenbaren, dient glücklicherweise niemals als Entschuldigung für seine zügellose Gewalt, seine Bindungsunfähigkeit und seine tiefe Abneigung gegen Menschen. „Bambino“ wird er wegen seines glatten, bartlosen Gesichts von den Faschisten genannt, und ein Kind bleibt Mattia in gewisser Weise sein Leben lang. Er wirkt unreif, nicht fähig zu Verantwortung und Reflexion, seine tiefe Verunsicherung lässt ihn umso stärker zuschlagen und begründet seine Faszination für die Faschisten, die für ihn Stärke verkörpern. Einzig sein Vater hält sein Leben lang zu ihm, ist jedoch auch nicht in der Lage, eine tiefgehende Beziehung zu ihm aufzubauen, ihn emotional zu stützen und mit ihm zu kommunizieren. Wenn die beiden reden, reden sie aneinander vorbei.

Nebenbei erzählt der Roman die leid- und wechselvolle Geschichte von Triest und Julisch Venetien und thematisiert die nationalistisch motivierten Angriffe auf slowenische und kroatische Minderheiten. Der Autor hat reale historische Figuren und Ereignisse wie die Stürmung des Narodni dom oder den Angriff paramilitärischer faschistischer Horden auf eine Gruppe von Eltern, die auf die Rückkehr ihrer 1500 Kinder aus einem Ferienlager der Arbeitergenossenschaft warteten, in den Roman verwoben. Im Anhang finden sich hierzu nähere Erläuterungen.

Ein eindrücklicher, schonungsloser und sehr lesenswerter Roman.

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