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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.12.2025

spirituelle und religiöse Umwälzungen im 1. Jahrhundert n. Chr.

Pompejis letzter Sommer
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Gabriel Zuchtriegel hat mich 2023 mit seinem Buch „Vom Zauber des Untergangs“ sehr begeistert, so dass ich mit großer Vorfreude an „Pompejis letzter Sommer“ herangegangen bin.

Der Schreibstil ist wie ...

Gabriel Zuchtriegel hat mich 2023 mit seinem Buch „Vom Zauber des Untergangs“ sehr begeistert, so dass ich mit großer Vorfreude an „Pompejis letzter Sommer“ herangegangen bin.

Der Schreibstil ist wie gewohnt sehr lebendig und kurzweilig, und die Seiten fliegen nur so dahin. Es ist wirklich faszinierend, welche Erkenntnisse über das Leben in Pompeji etwa aus antiken Wandkritzeleien und Graffiti gewonnen werden können.

Ob Sexualität und Prostitution, die Anfänge des Christentums, die Verbreitung ägyptischer Gottheiten im römischen Reich, Sklaventum, Mysterienkult, Mänaden oder die Wasserversorgung in Pompeji: Der Autor deckt die unterschiedlichsten Themen ab und springt teilweise recht unvermittelt zwischen ihnen her. Hier hätte ich mir manchmal etwas mehr Stringenz und klare Abgrenzung gewünscht. Der Mysterienkult und die dionysischen Riten sowie die religionstheoretischen Ausschweifungen nahmen mir etwas zu viel Raum ein und wirkten auf mich stellenweise sehr assoziativ und weitschweifig. Etwas „handfestere“ Themen rund um das alltägliche Leben, Verwaltung, Recht, Landwirtschaft und auch die technischen Errungenschaften hätten mich mehr interessiert. Das Buch bleibt hier leider recht vage (etwa bei der Wasserversorgung) bzw. sparte diese komplett aus.

Erwähnenswert ist der umfangreichen Bildteil, der die im Buch thematisierten Objekte, Fresken, Statuen usw. beinhaltet.
Insgesamt empfehle ich dieses Buch vor allem jenen Leser:innen, die sich für die religiösen und spirituellen Entwicklungen der damaligen Zeit interessieren.

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Veröffentlicht am 22.12.2025

ziemlich schräger Krimi-Internats-Fantasy-Mix

Midwatch – Schule der unerwünschten Mädchen
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Maggie Fishbone wächst bei Nonnen in einem Waisenhaus auf. Da sie bei Hand- und Hausarbeiten wenig Talent hat und sich aus Sicht der Nonnen immer wieder diverse Vergehen leistet, liefern diese sie kurzerhand ...

Maggie Fishbone wächst bei Nonnen in einem Waisenhaus auf. Da sie bei Hand- und Hausarbeiten wenig Talent hat und sich aus Sicht der Nonnen immer wieder diverse Vergehen leistet, liefern diese sie kurzerhand im Midwatch-Institut ab: einem düsteren und traurigen Ort für unerwünschte Mädchen. So ist es zumindest nach außen hin bekannt. Doch hinter verschlossenen Türen geht es alles andere als trostlos zu: Die Betreuerinnen und Lehrkräfte kümmern sich liebevoll um die Mädchen und bringen ihnen allerhand Nützliches bei – oder das, was sie als nützlich erachten, wie etwa Schweizerdeutsch oder vor einem Krokodil zu fliehen. Zudem ermitteln die Schülerinnen immer wieder verdeckt in Kriminalfällen: Als Kinder, die von Erwachsenen kaum beachtet werden, sind sie perfekt getarnt. Maggie findet in Nell, Sofie und den anderen Mädels ihres Jahrgangs schnell Freundinnen, und gemeinsam stecken sie schon bald in einem äußerst kniffligen Fall um eine verschwundene Orchideenliebhaberin und ein gruseliges Nachtmonster, das im Reichenviertel sein Unwesen treibt.

Ich habe dieses Buch zusammen mit meinem knapp 12-Jährigen Sohn gelesen, der eine Vorliebe für Internatsgeschichten hat. Zeitlich dürfte der Roman zu Beginn es 20. Jahrhunderts angesiedelt sein. Das Setting des Romans klingt ziemlich skurril, und so entwickelt sich auch der gesamte Fall. Die Charaktere sind alle ziemlich schräg, und die Mischung aus realer Welt und einzelnen Fantasy-Elementen empfanden wir als gewöhnungsbedürftig. Es hätte uns deutlich besser gefallen, wenn der Roman entweder komplett in der Wirklichkeit oder einer Fantasy-Welt angesiedelt gewesen wäre. So wirkte es wie Flickwerk, das nicht recht zusammenpassen wollte. Die Figuren blieben charakterlich blass und austauschbar, so dass wir keinen echten Bezug zu ihnen herstellen konnten. Insbesondere mir war die Geschichte deutlich zu abgedreht und ich war ehrlicherweise froh, als wir das Buch beendet hatten. Mein Sohn hat sich weniger daran gestört, allerdings hat ihn die Geschichte auch nicht begeistert.

Sehr negativ aufgefallen ist mir der ziemlich einfache und eintönige Schreibstil, der überwiegend aus kurzen, immer gleich aufgebauten Hauptsätzen besteht. Ein echter Lesefluss kommt hier kaum zustande. Die Ausrufe „Meine Güte!“ und „Heiliger Strohsack!“ kommen gefühlt auf jeder Seite vor.

Positiv hervorheben möchte ich die überaus schönen und zahlreichen Illustrationen. Für ein Buch, das sich an Kinder ab 10 Jahren richtet, ist das sehr außergewöhnlich.

Insgesamt konnte uns Midwatch leider nicht begeistern und wir vergeben knappe 3 Sterne.

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Veröffentlicht am 15.12.2025

Eindrucksvoll und bewegend

Der brennende Garten
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V.V. Ganeshananthan schreibt in „Der brennende Garten“ über den jahrzehntelangen Bürgerkrieg in Sri Lanka. Aus der Sicht von Sashi, einer jungen Frau einer privilegierten Kaste, erlebt man als Leser:in ...

V.V. Ganeshananthan schreibt in „Der brennende Garten“ über den jahrzehntelangen Bürgerkrieg in Sri Lanka. Aus der Sicht von Sashi, einer jungen Frau einer privilegierten Kaste, erlebt man als Leser:in die 1980er Jahre in Jaffna. Sashi ist zu Beginn 16 Jahre alt und lebt zusammen mit ihren Eltern und drei älteren sowie einem jüngeren Bruder. Die Familie ist wohlhabend, gebildet und eher progressiv, das Familienleben ist harmonisch. Die Kinder bereiten sich auf die Universität vor, schätzen Musik und Literatur und möchten Ärzte bzw. Ärztin oder Ingenieur werden. Als der Bürgerkrieg ausbricht, verändert das Sashis Leben radikal, und sie ist plötzlich mitten im Geschehen. Zwei ihrer Brüder schließen sich der LTTE an, und der Nachbarsjunge, in den Sashi verliebt ist, nimmt eine ranghohe Stellung bei den Tamil Tigers ein. Auch wenn Sashi Gewalt verabscheut und mit vielem bei den Tamil Tigers nicht einverstanden ist, findet sie sich doch immer wieder zwischen den Fronten wider.

Eindrucksvoll schildert Ganeshananthan, wie aus normalen jungen Menschen Mitglieder einer Terrormiliz werden. Die wechselseitigen Kriegsverbrechen von Singhalesen, verschiedenen tamilischen Rebellengruppen, den Regierungstruppen Sri Lankas und den indischen Friedenstruppen vertiefen die Gräben und verschärfen das Leid der Zivilbevölkerung. Junge Männer werden von den Rebellen zwangsrekrutiert, wahllose Hinrichtungen sind an der Tagesordnung und Frauen sind sexueller Gewalt ausgesetzt.

Die Autorin erzählt eindringlich und berührend aus der Ich-Perspektive, wobei sie immer wieder den Leser bzw. die Leserin mit „Ich will, dass Du verstehst (…)“ bzw. „Du musst verstehen (…)“ direkt anspricht. Auch wenn ich grundsätzlich nachvollziehen kann, warum sie dies tut, wirkt es aufgrund der Häufigkeit aufgesetzt und von oben herab. Das hat mich beim Lesen leider etwas gestört.

Da immer wieder tamilische Begriffe fallen, wäre ein Glossar wünschenswert gewesen. Auch ein einordnendes Nachwort, bei dem die Autorin darauf eingeht, welche Figuren oder Ereignisse real sind oder fiktiv, hätte ich sehr hilfreich gefunden. Ganeshananthan erwähnt im Nachwort, dass sie ein kompliziertes Verhältnis zu Erklärungen hat. Das ist schade, denn sie hätte zB klarer darstellen können, dass Rajani Thiranagama als reales Vorbild für die Figur Anjali Premachandran diente.

Ungeachtet dieser kleinen Kritikpunkte ist „Der brennende Garten“ ein sehr lesenswertes und bewegendes Buch, das einen jahrzehntelangen Konflikt, der hier im Westen eher am Rande wahrgenommen wurde, in den Mittelpunkt rückt.

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Veröffentlicht am 15.12.2025

Eine heimelige Wintergeschichte, die zum Mitmachen einlädt

Komm mit, Weihnachtseselchen
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„Komm mit, Weihnachtseselchen“ ist ein liebevoll illustriertes, warmherziges Kinderbuch, das auf jeder Seite zum Mitmachen anregt. Ob pusten, reiben, zeigen, Mut zusprechen – auf vielfältige Weise können ...

„Komm mit, Weihnachtseselchen“ ist ein liebevoll illustriertes, warmherziges Kinderbuch, das auf jeder Seite zum Mitmachen anregt. Ob pusten, reiben, zeigen, Mut zusprechen – auf vielfältige Weise können die Kleinsten selbst aktiv Teil der Geschichte werden. Die gewählten Farben sind warm und heimelig, und beim Durchblättern kommt sofort Winterstimmung auf. Die Tiere sind sehr niedlich gezeichnet, ohne übertrieben zu wirken und erzeugen sofort eine freundliche Atmosphäre.

Der Begriff „Weihnachtseselchen“ ist allerdings etwas irreführend: Auch wenn Ochs und Esel einem Stern folgen und in einem Stall ein Lämmchen vorfinden, ist der Bezug zur Weihnachtsgeschichte doch eher lose, da weder Maria, Josef und Jesus noch Engel oder die Heiligen Drei Könige vorkommen. Für die Altersgruppe ab 2 Jahren dürfte das jedoch eher nebensächlich sein.

Fazit: Wer keinen explizit religiösen Bezug sucht, findet mit diesem Buch ein perfektes Winter-Mitmachbuch für die Allerkleinsten!

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Veröffentlicht am 15.12.2025

Bleibt leider hinter den Erwartungen zurück

Im Leben nebenan 
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Wie das eigene Leben wohl verlaufen wäre, wenn man an bestimmten Punkten eine andere Entscheidung getroffen hätte? Während diese Frage gewöhnlich rein hypothetisch bleibt, erwacht die Protagonistin Toni ...

Wie das eigene Leben wohl verlaufen wäre, wenn man an bestimmten Punkten eine andere Entscheidung getroffen hätte? Während diese Frage gewöhnlich rein hypothetisch bleibt, erwacht die Protagonistin Toni eines Tages plötzlich in einem Haus ihres Heimatdorfes anstatt in ihrer gewohnten Stadtwohnung. An ihrer Seite ist nicht ihr Freund Jakob, sondern ihre Jugendliebe Adam, und neben ihr liegt Hannah, offenbar ihr gemeinsames Baby.

Anne Sauer erzählt kapitelweise abwechselnd von Tonis Leben mit Jakob und der surrealen Situation, in der sich Toni (in diesen Kapiteln Antonia genannt) plötzlich als Mama und Ehefrau von Adam wiederfindet. Während sie als Antonia versucht, ihre Mutterrolle zu finden, unterzieht sich Toni einer Kinderwunschbehandlung, ohne sich wirklich sicher zu sein, ob sie tatsächlich ein Kind möchte oder lediglich versucht, den allgemeinen Erwartungen an sie als Frau gerecht zu werden.

Die Ausgangssituation klang sehr spannend, und so bin ich mit großer Neugier an das Hörbuch herangegangen. Leider konnte mich die Umsetzung der Idee durch die Autorin nicht überzeugen. Die Protagonistin bleibt mir in beiden Szenarien zu passiv und selbstbezogen, geradezu selbstmitleidig. Ich kann keine echte Entwicklung erkennen, und auch eine Kommunikation mit ihren Partnern findet quasi nicht statt. In Antonias Kapiteln geht es zudem großteils darum, dass sich die Protagonistin fragt, wie sie plötzlich in diese Lage geraten ist. Das ist zwar verständlich, hat jedoch mit der Realität nichts zu tun. Viel mehr hätte mich gereizt, darüber zu lesen, wie Toni bzw. Antonia mit den unterschiedlichen Herausforderungen als Mutter bzw. kinderlose Frau umgeht. Welche Chancen und Konfliktpotentiale bieten sich in den jeweiligen Situationen für Beruf, Partnerschaft, Freundschaften? Verläuft das alternative Leben als Mutter und Ehefrau so, wie es sich die kinderlose Toni vielleicht ausmalt, und umgekehrt? Diese Fragen kommen mir zu kurz und der Roman schöpft hier sein Potential leider bei weitem nicht aus.

Das Hörbuch wird von Chantal Busse mit sehr angenehmer Stimme und Geschwindigkeit eingesprochen. Es gelingt ihr gut, die Figuren zu verstimmlichen und ich habe ihr sehr gerne zugehört. Dass mich das Buch an sich nicht überzeugen konnte, lag keinesfalls an der Sprecherin.

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