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Veröffentlicht am 15.02.2023

Hervorragend illustriertes Jugendbuch

KoboldKroniken 1. Sie sind unter uns!
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Die Koboldchroniken unterscheiden sich in ihrer Aufmachung deutlich von allen Jugendbüchern, die ich bisher kenne. Sie sind angelegt als Skizzenbuch des Protagonisten Dario und bestehen somit aus einem ...

Die Koboldchroniken unterscheiden sich in ihrer Aufmachung deutlich von allen Jugendbüchern, die ich bisher kenne. Sie sind angelegt als Skizzenbuch des Protagonisten Dario und bestehen somit aus einem Mix an Zeichnungen, Comicelementen, Fotografien, aufwändigen Illustrationen und "eingeklebten" Dingen. Diese grafische Gestaltung ist absolut einzigartig in ihrer Kreativität, Originalität und Liebe zum Detail und unglaublich gut gemacht. Der Text der Geschichte ist teils kreuz und quer zwischen die Illustrationen eingefügt, mal comicartig mit Sprechblasen, mal erläuternd integriert in die Grafik, und mal als längere Textpassage.

Sprachlich bedient sich die Geschichte der aktuellen Jugendsprache, was insbesondere zu Anfang stark ausgereizt wird und etwas bemüht und gekünstelt wirkt. Im Laufe des Buches bessert sich dies jedoch. Die Charaktere, insbesondere der Umpf, sind liebenswert und originell.

Im Buch spielt immer wieder eine App eine Rolle, und entsprechend existiert auch eine echte ergänzende App zum Buch. Das Buch eignet sich meines Erachtens besonders für Leser*innen, die sich für Augmented Reality, Apps und Social Media begeistern können und hier aktuelle Trends verfolgen. Die Altersempfehlung empfinde ich daher mit 9 Jahren auch als etwas zu niedrig, insbesondere, da der Protagonist bereits die 7. Klasse besucht. Mein Sohn (9) konnte mit dem Buch daher noch nicht so viel anfangen, da er zu Social Media etc. keinen Bezug hat und diese auch bei uns zuhause keine Rolle spielen. Auch die zahlreichen eingebauten Filmzitate sind ihm noch fremd. In ein paar Jahren hätte er sicher mehr davon.

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Veröffentlicht am 15.02.2023

Herausragend, aber schonungslos

Young Mungo
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Young Mungo ist ein sehr düsterer, schmerzhafter und schonungsloser Roman, der unter die Haut geht und den ich sicher lange nicht vergessen werde.

Douglas Stuart erzählt in zwei zeitlich versetzten Handlungssträngen. ...

Young Mungo ist ein sehr düsterer, schmerzhafter und schonungsloser Roman, der unter die Haut geht und den ich sicher lange nicht vergessen werde.

Douglas Stuart erzählt in zwei zeitlich versetzten Handlungssträngen. Der zweite spielt wenige Monate vor dem ersten und läuft auf den Anfang des ersten zu, so dass sich während des Lesens immer mehr Puzzleteile ineinander fügen.

Der Slang Glasgows wird im Deutschen durch eine  norddeutsch geprägte Umgangssprache wiedergegeben. Hier eine passende Übersetzung zu finden, ist sicher nicht einfach, und ich finde sie bis auf das Wort "lütte", das stets wie ein Fremdkörper wirkt, durchaus gelungen.

Der Schreibstil ist eindringlich, oft bildhaft, mit einem genauen Blick für Details und so berührend, dass ich Mungo und alle anderen Charaktere, seine Lebensumstände und das Wohnumfeld lebhaft und eindrücklich vor Augen hatte. Das Buch wechselt von zarten, sanften Momenten, die wie Inseln der Wärme und des Trosts in Mungos von Gewalt, toxischer Männlichkeit und Einsamkeit geprägter Welt wirken, zu Schilderungen kaum vorstellbarer grausamer Ereignisse. Auch wenn diese oft nur angedeutet werden, war das beim Lesen für mich stellenweise schwer auszuhalten. Das Ende kam unerwartet schnell, für mich zu schnell.

Mungos Leben wirkte auf mich unendlich weit entfernt, und ich musste mir immer wieder fassungslos vergegenwärtigen, dass wir ungefähr gleich alt sind und ich zur selben Zeit wie der Protagonist aufgewachsen bin, in einer völlig anderen Welt, aber doch beide mitten in Europa.

Das Buch hat mich sehr berührt und wird sicher zu denen gehören, die mir heuer ganz besonders im Gedächtnis bleiben. Es ist großartig geschrieben und ein außergewöhnlich intensiver Roman. Ich empfehle das Buch unbedingt weiter, jeder Leserin sollte aber darauf gefasst sein, dass Gewalt zwischen Jugendbanden, häusliche Gewalt, Vergewaltigungen und durch Homophobie motivierte Gewalt thematisiert werden.

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Veröffentlicht am 15.02.2023

Psychologie und Spannung

In blaukalter Tiefe
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10 Tage Segeltörn in den schwedischen Schären, zu fünft auf einer gecharterten Yacht. Der erfolgreiche Anwalt Andreas und seine Frau Caroline werden begleitet von einem aufstrebenden Kollegen aus Andreas' ...

10 Tage Segeltörn in den schwedischen Schären, zu fünft auf einer gecharterten Yacht. Der erfolgreiche Anwalt Andreas und seine Frau Caroline werden begleitet von einem aufstrebenden Kollegen aus Andreas' Kanzlei, Daniel Schmidt und dessen Freundin Tanja sowie dem undurchsichtigen Skipper Eric. Was als Traumurlaub geplant ist, entwickelt sich zunehmend zum Alptraum und gipfelt in einer dramatischen und verhängnisvollen Situation,  als ein heftiger Sturm aufzieht.

"In blaukalter Tiefe" ist ein psychologischer Roman, geschrieben aus wechselnder Perspektive der vier Yachtgäste, wobei der Focus auf Caroline liegt. Jede Figur bringt ihre eigenen Probleme mit, Beziehungskonflikte entwickeln zusätzliche Dynamik, und der enge Raum auf der Yacht ohne Privatsphäre und Rückzugsmöglichkeit wirkt wie ein Katalysator. Nicht nur das Wetter dreht, auch die Stimmung an Bord wird immer explosiver, und jede*r einzelne steht an einem Wendepunkt, der das  gesamte bisherige Leben in Frage stellt.

Die Erzählweise ist abwechslungsreich und spannend, Begriffe aus der Seglersprache werden so eingeflochten, dass ich auch als Laie folgen konnte. Ich hatte mir gewünscht,  dass sich die Erzählstil der einzelnen Perspektiven stärker unterscheiden,  um die Unterschiede in den Charakteren stärker herauszuarbeiten. Auch hat Caroline hier ein deutliches "Übergewicht" und vor allem Andreas und Daniel kommen für mich zu kurz.

Insgesamt eine sehr interessante und ansprechende Lektüre, die Paarkonflikte aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet und gekonnt mit Spannung und Nervenkitzel verbindet.

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Veröffentlicht am 15.02.2023

Spannender Krimi mit 50er Jahre Flair

Frisch ermittelt: Der Fall Kaltwasser
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"Der Fall Kaltwasser" ist der zweite Band um Martha Frisch, Inhaberin einer Heißmangelstube in Leer in Ostfriesland, und ihren Großneffen Hans Frisch, Wachtmeister bei der örtlichen Polizei. Wir befinden ...

"Der Fall Kaltwasser" ist der zweite Band um Martha Frisch, Inhaberin einer Heißmangelstube in Leer in Ostfriesland, und ihren Großneffen Hans Frisch, Wachtmeister bei der örtlichen Polizei. Wir befinden uns im Jahr 1958, der Wirtschaftsaufschwung ist in vollem Gange, und die Menschen beginnen, ihr Leben wieder zu genießen. Doch alte Seilschaften sind noch immer intakt, das braune Gedankengut des Dritten Reichs noch in manchen Köpfen, und viele frühere Nazis dank Persil-Schein wieder in wichtigen Ämtern. Da wird eines Tages Marthas Schwager, Richter Siegfried Kaltwasser, ermordet aufgefunden. In der Heißmangelstube ist die Tat das beherrschende Thema unter den Kundinnen, und Martha hält Augen und Ohren offen. Es gelingt ihr zudem, von Hans das ein oder andere Ermittlungsdetail zu erfahren, und so stellt sie ihre ganz eigenen Überlegungen an...

Ich habe das Hörbuch, das eine Dauer von 7 Stunden und 45 Minuten hat, mit großer Freude gehört und gespannt mitgerätselt. Die Sprecherin empfand ich als sehr angenehm.

Den Autorinnen gelingt es, das Flair der späten 50er Jahre mit der Begeisterung der Jugend für Rock'n'Roll und Elvistolle, die damaligen Rollenbilder, gesellschaftlichen und moralischen Vorstellungen sowie den Alltag eindrücklich zu beschreiben, sodass ich schnell in diese Zeit abtauchen und mir alles lebendig vorstellen konnte. Auch der Umgang mit der NS-Vergangenheit und die körperlichen und seelischen Narben, die der Krieg bei den Überlebenden hinterlassen hat, werden thematisiert.

Der Krimi um Martha Frisch ist spannend  geschrieben, Martha und Hans sind mir sehr sympathisch und die Idee mit der Heißmangelstube ist ein gelungener Kniff, da er einerseits ein typisches Element der 50er Jahre aufgreift, und andererseits der dortige Dorfklatsch interessante Erkenntnisse zum Mordfall liefert und zugleich ein Bild der damaligen Gesellschaft zeichnet.

Ich kann das Buch/Hörbuch auf jeden Fall weiterempfehlen und freue mich schon auf den dritten Teil!

MEIN TIP: Da ich den ersten Band nicht kannte, brauchte ich ein bisschen, um mir alle Personen und ihre Verhältnisse zueinander vorzustellen. Es wäre vorteilhaft gewesen, das Personenverzeichnis, das zum Schluss verlesen wird, an den Anfang zu stellen. Allen Hörerinnen empfehle ich, zunächst Track 18 zu hören, dieser beinhaltet nur das Personenverzeichnis und spoilert nichts. Auch für Leserinnen ist ein anfänglicher Blick in dieses Verzeichnis am Ende des Buches sicher hilfreich.

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Veröffentlicht am 15.02.2023

Schaurig schön

Die Polidoris und der Pakt mit der Finsternis (Bd. 1)
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"Die Polidoris und der Pakt mit der Finsternis" von Anja Fislage ist der erste Band einer angekündigten Reihe und hat das Potential, ein echter Klassiker im Kinder- und Jugendbuchbereich zu werden. Bereits ...

"Die Polidoris und der Pakt mit der Finsternis" von Anja Fislage ist der erste Band einer angekündigten Reihe und hat das Potential, ein echter Klassiker im Kinder- und Jugendbuchbereich zu werden. Bereits die Ankündigung vom Verlag hat mich neugierig gemacht, und ich habe das Buch kurz nach Erscheinen für meinen Sohn gekauft. Wir haben es gemeinsam gelesen und die Geschichte hat uns sofort in ihren Bann gezogen. An einigen Stellen fand mein Sohn (9) das Buch sehr gruselig, aber er wollte dann doch wissen, wie die spannenden Abenteuer weitergehen, welche die Zwillinge Petronella und Pellegrino und ihre Schwester Roberta in der Spukvilla ihrer Großeltern Gloria und Pernell erleben. Hier spielte sicher eine große Rolle,  dass ich ihm vorgelesen habe und er somit nicht allein war. Andernfalls hätte er sich wohl stärker geängstigt und zunächst abgebrochen.

Die Geschichte steckt voller phantasievoller Einfälle, die Charaktere sind originell entworfen, mit teils verschrobenen, aber oft liebevollen Macken. Das etwas makabere Setting ist sicherlich Geschmackssache, hebt sich jedoch von den üblichen Kinderbüchern ab.

Äußerst gelungen sind die tollen Illustrationen im Buch, neben ganzseitigen Bildern sind immer wieder kleine Zeichnungen eingestreut, und auch die Kapitelüberschriften sind mit Ornamenten geschmückt. Man spürt überall eine große Liebe zum Detail! 

Der Schreibstil des Buches hat es mir besonders angetan. Der Autorin ist ein sprachlich gehobenes und abwechslungsreiches Kinderbuch mit einem anspruchsvollen Wortschatz gelungen, gespickt mit viel Humor. Aufgrund des Gruselfaktors würde ich das empfohlene Lesealter von 10-11 Jahren allerdings nicht unterschreiten.

Wir freuen uns schon sehr auf die Fortsetzung, dann wird auch das Alter passen.

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