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Veröffentlicht am 08.03.2026

too much

Medusa in Paradise
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20 Frauen, ein Flugzeugabsturz, eine einsame Insel. Der Kampf beginnt, aber nicht um das Überleben, sondern darum, wie ungerecht doch alle auf dieser Welt behandelt werden. Während Cara damit kämpft, ihr ...

20 Frauen, ein Flugzeugabsturz, eine einsame Insel. Der Kampf beginnt, aber nicht um das Überleben, sondern darum, wie ungerecht doch alle auf dieser Welt behandelt werden. Während Cara damit kämpft, ihr Gedächtnis wieder zu erlangen und überhaupt nicht versteht, was hier eigentlich vorgeht, will eine Frau lieber Yoga machen, eine zweite das Matriarchat ausrufen, eine andere die lesbische Liebe genießen und wiederum jemand anderes lieber mit Drogen die Qualen überstehen. 20 Frauen, 20 verschiedene Meinungen, Anfeindungen, Ungerechtigkeiten und vor allem ein großes Thema: die Frau allgemein. Die Rettung scheint unmöglich und das Überleben fragwürdig. Denn Zusammenhalt wird eher klein geschrieben.

Was eigentlich auf dem Klappentext recht witzig auf mich wirkte, entwickelt sich schon ab der ersten Seite zu einer Geschichte über Feminismus, Rassismus, Faschismus, Antisemitismus, Sexismus, Ableismus und etliche andere "-ismus" mehr. Vorrangig geht es zum die Diskriminierung der Frau, dann darum, was eine Frau überhaupt ausmacht bzw. wie man sich identifiziert. Wer sieht sich als Frau, wer fühlt wie eine Frau, wer darf sich so fühlen, wer darf sich identifizieren? Und was genau muss man eigentlich tun, damit man keinem auf den Schlips tritt?

Es geht ums Gendern, um Respekt, es geht um Fragen, Gefühle, Reden, gesellschaftliche Kritiken, Diskriminierungsformen in allen Variationen und um Männer.

20 Frauen, die sich nicht kennen, müssen nun zusammenarbeiten, wobei jede mit anderen Dingen kommt, die sie stört und die geändert werden müssen. Dabei wird auf Teufel komm raus seine Meinung vertreten und - nur selten - die Meinung einer andere Person akzeptiert.

Unter diesen 20 Frauen ist Cara, die seit dem Absturz ihr Gedächtnis verloren hat. Da sie sich an nichts erinnern kann, wird sie von Anne auf den Namen Luna getauft. Nur schwer kommt Cara bei dem mit, was hier eigentlich passiert ist. Sie kann den Dialogen nur mühsam folgen, bringt sich zwar körperlich ein, aber nicht bei Diskussionen. Wenn es zu normalen Gesprächen kommt, stellt sie nur Fragen, kann aber - aufgrund des Gedächtnisverlustes - nichts von sich beitragen.

Und da setzt nun meine Kritik ein. Das Buch ist wirklich interessant und die Autorin hat sich mit den verschiedenen Diskriminierungsformen sehr gut auseinandergesetzt. Es gab Formen, von denen hatte ich noch nie gehört und sie auch noch nie erlebt. Ich muss jedoch auch zugeben, dass ich weitestgehend von solchen Diskriminierungen verschont geblieben bin.

Dabei kamen jedoch auch Formen an den Tag, bei denen ich mich selbst gefragt habe, ob ich diese - unbewusst - ebenfalls schon ausgeübt habe. Und dann kam die Frage: Kann man in den Krümeln suchen, um wirklich jeden schuldig dastehen zu lassen?

Meine Antwort darauf: Ja. Die Goldwaage hatte in der Story viel zu tun. Schon bei kleinsten Aussagen geht das Gegenüber in die Luft und mit einer Litanei von Worten wird dagegengehalten. So sehr, dass ich manchmal das Gefühl hatte, zu ersticken, weil mich der Gegenpart so dermaßen genervt hat.

Es gibt kein Gespräch, dass nicht letztendlich in Diskussionen, Belehrungen und Streits endet. Und dabei müsste so viel besprochen werden. Allem voran wohl: Wie könnten wir gerettet werden? Wie bekommen wir Essen? Wer übernimmt welche Aufgaben? Aber es wird sich Gedanken darüber gemacht, wie man seine Innere Frau rauslassen könne, ob eine Menstruationshütte gebaut werden soll und welche Yoga-Übung wohl die beste sei.

In mir stieg richtiggehend Wut auf und ich hätte so gerne alle gepackt, sie geschüttelt und denen mal so richtig die Meinung gegeigt. Ob die Autorin diese Emotion hervorrufen wollte, kann ich jedoch nicht sagen. Letztendlich war ich von der Story genervt, teilweise dann sogar gelangweilt und eben wütend.

Die Version, die ich gelesen habe, hatte leider auch einige Fehler, gerade was die Namen betraf. Es ist schwer, bei so vielen Charakteren den Überblick zu behalten, aber zum Beispiel Cara, die von allen ja eigentlich nur Luna genannt wurde, wird auch mal mit Cara angesprochen, obwohl es keiner wissen kann. Ein Trupp, der zusammengestellt wurde, um die Insel zu erforschen, kam nur kurz zum Einsatz und dann wurde nie wieder ein Wort darüber verloren. Das Wrack des Flugzeugs wurde zwar geplündert, aber nie richtig mit einbezogen, um herauszufinden, was passiert ist. Eine zweite Insel ist durch Schwimmen erreichbar, aber wird ignoriert. Keiner scheint so richtig traurig zu sein, das alte Leben wird schnell abgestreift.

Weiter ungewöhnlich ist der Schreibstil der Autorin. Es gibt zwar wörtliche Rede, doch ist diese im Buch nicht "der Norm entsprechend" dargestellt, was wohl die Einzigartigkeit des Buches noch unterstreichen soll. Wenn geredet wird, wird dies in kursiver Schrift dargestellt, wobei im nächsten Absatz dann das "sagt Cara" oder ähnliches folgt. Manchmal sogar einfach nur ein Name. Die Emotionen werden nur durch die Rede ausgedrückt. Ein "aufgeregt, leise, wütend, flüsternd usw." kommt nur selten, ist aber auch nicht nötig, da es einfach ersichtlich ist.

Jetzt, zu dem Zeitpunkt, in dem ich die Rezension schreibe, revidiere ich meine Meinung über die Story. Ich wollte eigentlich nur zwei Sterne vergeben, merke aber, dass ich vielleicht genau die Emotionen für das Buch hervorbringe, die die Autorin aus einem herauskitzeln will. Sie will provozieren, aufklären und überspitzt darstellen, in welcher Zwickmühle man sich befinden kann, wenn man mit Vorurteilen an etwas herangeht und die Meinung seines Gegenübers nicht akzeptieren kann oder will.

Meggies Fussnote:
Ungewöhnlich, ungeschminkt, ungestüm.

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Veröffentlicht am 08.03.2026

eine starke Frau

Die Erste Tochter / Ketzersbuhle
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Myn ist verzweifelt. Sie will die Welt verändern, hat jedoch keine Chance, dies zu tun, weil ihr die nötigen Mittel fehlen. Eine Einladung zu den Töchtern der Lchnadra jedoch bietet ihr eine ganz neue ...

Myn ist verzweifelt. Sie will die Welt verändern, hat jedoch keine Chance, dies zu tun, weil ihr die nötigen Mittel fehlen. Eine Einladung zu den Töchtern der Lchnadra jedoch bietet ihr eine ganz neue Möglichkeit und die nötige Weitsicht, um mit dem Kampf zu beginnen. Dann wird sie jedoch zu Vairrynns Hofgut gerufen. Denn dort ist jemand eingetroffen, der so gar nicht in das Bild der Singisen passt. Aber auch hier bieten sich neue Chancen, die Myn dazu nutzt, sich ein Nest zu bauen. Und den Anfang zu finden, gegen den Rest der Welt aufzubegehren.

Der vierte Band der Reihe fährt so richtig auf. Denn nun ist es an Myn, sich endlich gegen das System zu stellen und ein Neuordnung zu fordern. Nur weiß sie nicht, wie sie das schaffen soll.

Die Autorin lässt ihre Protagonistin über alles mögliche nachdenken und Myn letztendlich einen Weg finden, wie sie denn das Unmögliche möglich machen kann. Nur fehlt eben die nötige Hilfe.

Irgendetwas ist anders am vierten Band und lässt sich nicht mehr so recht mit den ersten Bänden vergleichen. Auch wenn es immer noch vom Stil her sehr poetisch und worterfinderisch zugeht, wird es ernster. Die Charaktere sind nun erwachsen, wissen, dass sie etwas ändern können und fangen an, ihre Gefühle endlich richtig zuzulassen. Ihr bisheriger Weg hat sie stark werden lassen und der Mut, etwas zu ändern, wird größer.

Allen voran Vairrynn und Myn. Eigentlich Geschwister, weil Vairrynn adoptiert ist, erleben die beiden trotzdem die erste große Liebe. Sie schämen sich nicht ihrer Gefühle, tragen es aber auch nicht offen nach außen. Und Vairrynn merkt, dass er noch weitere Gefühle hegt, für jemanden, der ihm sehr nahe steht. Ob Myn dies jedoch verstehen wird?

Es wird gefühlvoll, weil Myn und Vairynn und auch weitere Charaktere sich sehr viele Gedanken machen. Es geht um tiefe Freundschaft und darum, mehr daraus zu machen. Es geht um Vertrauen, welches wächst, aber auf sehr dünnem Eis steht.

Es geht um das Recht, als Frau das Gleiche zu leisten und erreichen zu können, wie ein Mann. Es geht um persönliche Freiheit und den Wunsch, endlich akzeptiert zu werden, wie man ist und nicht, wie man für jemanden sein soll.

Als dann auch noch ein unerwarteter Gast auf dem Gut von Vairrynn auftaucht, scheint alles zu zerbrechen. Bis dieser Gast jedoch Dinge entfacht, die dazu führen, dass sich alles wendet.

Die Autorin hat wieder wunderbar abgeliefert. Ich bin wirklich begeistert von der geschaffenen Welt und den darin lebenden Charakteren. Und so merkt man gar nicht, wie die Zeit vergeht, während man Myn und Vairrynn auf ihrem Weg begleitet.

Auch die anderen Charaktere haben Tiefe. Die Szenen sind berührend, ehrlich und auch ergreifend. Es kommt zu Geständnissen, die dazu führen, dass sich die Verhältnisse untereinander verändern.

Ich bin nun bei der Hälfte der Reihe angekommen und warte nun sehnsüchtig auf die weiteren Teile, denn bislang hat mich das Gelesene so sehr abholen können, dass ich mich mittlerweile wie ein Teil der kleinen Familie fühle, die Myn um sich gescharrt hat. Erst recht, weil die meisten davon nicht blutsverwandt sind.

Meggies Fussnote:
Eine starke Frau und der lange Weg zur Freiheit.

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Veröffentlicht am 27.02.2026

Ein ungewöhnliches Hotel ...

Das White Octopus Hotel
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Eve Shaw lebt zurückgezogen und einsam. Als sie bei ihrem Job als Kunstgutachterin einem potenziellen Kunden die Hand schüttelt, glaubt sie, diese schon einmal gehalten zu haben. Doch an den Kunden kann ...

Eve Shaw lebt zurückgezogen und einsam. Als sie bei ihrem Job als Kunstgutachterin einem potenziellen Kunden die Hand schüttelt, glaubt sie, diese schon einmal gehalten zu haben. Doch an den Kunden kann sie sich beim besten Willen nicht erinnern. Als dieser sie dann auch noch auffordert, wieder zurück in das White Octopus Hotel zu kommen, ist sich Eve sicher, das alles ein Irrtum ist. Der Kunde stirbt jedoch vor der Kunstgalerie und Eve ist sich gar nicht mehr sicher, ob nicht doch sie mit allem gemeint ist. Und so macht sie sich auf in dieses geheimnisvolle Hotel, welches in der Abgeschiedenheit der Schweizer Alpen nur mehr als halbe Ruine bezeichnet werden kann. Aber es ranken sich auch mysteriöse Legenden um das Hotel. Magische Gegenstände und Zeitreisezimmer sind nur einige der Geschichten, die Eve hört. Und als Eve das Hotel betritt, weiß sie genau, dass es ihr Schicksal war, hierherzukommen.

Hier hat mich diesmal der wunderschöne Titel gecatcht. "Das White Octopus Hotel" - diese Worte an sich sind schon sehr geheimnisvoll, und als ich anfing zu lesen, wusste ich, dass dies genau meine Geschichte sein wird.
Wir treffen am Anfang auf Eve, die zurückgezogen lebt. Sie hat einen schweren Schicksalsschlag hinter sich und hat Probleme, Vertrauen zu fassen. So macht sie lieber ihr eigenes Ding und schert sich nicht, was andere von ihr halten.

Bis sie auf Max Everly trifft, der zu ihr kommt, sich verrückt verhält und sie letztendlich auffordert, zurück ins White Octopus Hotel zu kommen.

Und damit fängt die Geschichte richtig an, Fahrt aufzunehmen. Die Autorin erzählt ihre Story mit sehr einfühlsamen Worten. Fast meint man, es würde so gar keine Emotionen aufkommen, doch dann erfährt man Eves Schicksalsschlag und warum sie so geworden ist, wie sie ist. Je näher man Eve kennenlernt, umso vertrauter wird sie einem und ich konnte mir letztendlich sogar sehr gut vorstellen, mit ihr befreundet zu sein. Sie hat eine unverwechselbare Art an sich, wenn sie es schafft, aus sich herauszugehen.

Das Hotel an sich ist ein Ort, den ich gerne besuchen würde. An jeder Ecke finden sich neue geheimnisvolle und mysteriöse Dinge. Und Eve nimmt sich die Zeit, alles zu entdecken.

Das wiederkehrende Element ist der Oktopus, der dem Hotel seinen Namen verleiht. Er ist immer wieder vertreten. Sei es als Bild, Figur, Skulptur oder Relief. Aber auch auf andere Art und Weise begegnet er Eve ständig und wird zu einem treuen Begleiter. Wie genau, kann ich natürlich nicht verraten.

Auch die weiteren Charaktere wie Max Everly wachsen einem ans Herz. Fand ich ihn zu Anfang etwas ruppig und hart, wandelte er sich bald und wurde Eve ein sehr guter Freund.

Das Geheimnis hinter dem Hotel ist wunderbar mystisch. Ich hatte wirklich Mühe, das Buch zu beenden, nicht, weil es zu schwer oder langweilig war, sondern weil ich nicht loslassen wollte. Die Story hat mich sehr berührt und mir eine wunderschöne Lesezeit geschenkt. Hierfür danke ich der Autorin. Sie hat mir mit ihrer fantasiereichen Geschichte eine schöne Zeit bereitet.

Meggies Fussnote:
Das Hotel ist eine Reise wert ...

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Veröffentlicht am 22.02.2026

cozy und lustig

The Morrisey Mysteries 2. Die geheime Treppe
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Kaum hat Meg ihren ersten Mordfall aufgeklärt und ihre Liebe zur Kunst wiederentdeckt, als auch schon ein zweiter unerklärlicher Mord begangen wird. Eigentlich war Meg nur auf der Suche nach Holzbrettern, ...

Kaum hat Meg ihren ersten Mordfall aufgeklärt und ihre Liebe zur Kunst wiederentdeckt, als auch schon ein zweiter unerklärlicher Mord begangen wird. Eigentlich war Meg nur auf der Suche nach Holzbrettern, als sie hinter einem Stapel ebendieser einen Durchgang zu einer Treppe findet, die tief in den Keller führt. Neugierig verfolgt sie diese Spur und stößt auf ein altes Skelett sowie eine neue Leiche. Natürlich lässt Meg es sich nicht nehmen und beginnt zu ermitteln. Mithilfe ihrer besten Geisterfreundin Ripley und ihren neuen Freundinnen Zoe und Addy kommt sie einer Familienfehde a la Romeo und Julia auf die Spur. Doch ganz so romantisch wird es nicht, denn plötzlich sind auch Meg und Zoe in Gefahr.

Beim ersten Fall „Ein Mord in 3 B“ habe ich mich schon köstlich amüsieren können. Meg und ihre Geisterfreundin Ripley sind einfach ein herrliches Team, die sich zwar – weil eben beste Freundinnen – innig lieben und respektieren, aber wenn es hart auf hart kommt, auch mal ihre Meinung sagen und so den jeweils anderen auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Dies geht natürlich im neuen Fall genauso weiter und führt zu etlichen herrlichen Szenen, aber auch mal zu Momenten, in denen es für den jeweiligen Betroffenen gerade nicht so schön ist. Aber die beiden raufen sich immer wieder zusammen.

Diesmal findet Meg ein altes Skelett tief im Keller des Morrisey, dem Gebäude mit etlichen Wohnungen. Doch nicht nur das, auch eine weitere Leiche, erst vor Kurzem verstorben, wird von ihr entdeckt. Zu dem Skelett gibt es auch einen Geist namens Addy. Sie weiß nicht, wie sie gestorben ist und warum. Also hat Meg eigentlich zwei Fälle zu lösen. Doch bald merkt sie, dass die beiden Toten miteinander in Verbindung stehen.

Und dann ist da noch Zoe, die Meg in einer Flüsterkneipe kennen- und schätzen lernt. Aber Zoe ist auch irgendwie in den Mordfall verwickelt.
Eigentlich hört sich alles total kompliziert an, liest man aber die Geschichte, ergibt eins das andere und es macht alles Sinn.

Dies war auch schon beim Vorgänger so und hat mir dort schon gut gefallen.

Diesmal kenne ich ja auch die Protagonisten schon und weiß, wie sie ticken. Deshalb ist das chaotisch Wirkende eigentlich schon ordentlich und logisch.

Auch toll fand ich, dass Bezug genommen wird auf die 1920er Jahre. Eine Zeit, die ich sehr spannend finde. Flüsterkneipen, die Mode, Prohibition, Frisuren und vieles mehr.

Der Schreibstil der Autorin ist leicht und flüssig und ohne viel Schnickschnack. So hat man das Gefühl, das alles unheimlich schnell vorangetrieben wird. Aber in dieser kurzen Zeit wird sehr viel verarbeitet und es kommt kaum zu Ruhemomenten. Dies ist aber nicht störend, spiegelt dies nur Megs Charakterzüge.

Die spärlich vorhandenen Ruhezeiten sind die, während Meg mit Laurie telefoniert oder schreibt. Er weilt gerade in Japan auf Geschäftsreise. Beide sind ineinander verliebt, gestehen dies dem anderen aber nicht so richtig ein. Die kurzen Momente, die die beiden telefonisch teilen, sind jedoch so liebe- und respektvoll, dass es dem Leser sehr warm ums Herz wird. Die beiden gehören zusammen und hoffentlich wird diese so romantische Nicht-Beziehung endlich zu einer vollen Beziehung, damit die beiden ihr Glück finden. Doch Meg hätte Laurie erst einmal so einiges zu erklären, da er nicht weiß, dass sie Geister sehen und mit ihnen reden kann.

Wieder hatte ich das Gefühl, bei einer Mischung aus „Only Murders in the Building“ und „Ghosts“ zu sein, zwei TV-Serien, die bei Streaming-Diensten laufen. In der vierten Staffel von „Only Murders in the Building“ ging es nämlich auch um Glücksspiel und geheime Machenschaften, die unter dem Gebäude stattfinden und in „Ghosts“ kann die Protagonistin Geister sehen und mit ihnen sprechen.

Trotz der Parallelen hat es einfach Spaß gemacht, die Geschichte der Autorin zu lesen und ich freue mich auf weitere interessante, lustige und gefühlvolle Storys.

Meggies Fussnote:
Back to the 20s.

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Veröffentlicht am 14.02.2026

geheimnisvoll, spannend, mythisch

Die Gesichter des Mithras
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Der Sklave Lucius lebt im Jahr 190 n. Chr. und verliebt sich in die Livia, die Tochter eines Adelsgeschlechts. Allen Widrigkeiten trotzend, schaffen die beiden es, sich ein Leben aufzubauen. Doch als das ...

Der Sklave Lucius lebt im Jahr 190 n. Chr. und verliebt sich in die Livia, die Tochter eines Adelsgeschlechts. Allen Widrigkeiten trotzend, schaffen die beiden es, sich ein Leben aufzubauen. Doch als das gemeinsame Kind blind zur Welt kommt, wird alles zu viel, und die beiden fangen ein neues Leben weitab von der Heimat an. Aber auch im neuen Zuhause lauert die Gefahr für die junge Familie.
Knapp 2000 Jahre später macht die Archäologin Nora während Ausgrabungen eine sensationelle Entdeckung. Ein uraltes Mithras-Heiligtum wird enthüllt. Während Nora nicht nur mit ihrer vor kurzem erst bekannt gewordenen Schwangerschaft kämpft, sondern auch mit den Widrigkeiten, die ihr bei der Entdeckung der Ausgrabung entstehen, merkt sie, dass sie mit der Vergangenheit vielleicht mehr gemein hat, als es den Anschein hegt.

Der Klappentext hat mich gleich in den Bann gezogen, da hier historische Tatsachen mit Fiktion verbunden werden. Der Autor hat mich dann aber auch mit der Geschichte fesseln können, denn die Story ist wirklich spannend, ausgeklügelt und lässt der Fantasie viel Spielraum.

Die Charaktere waren mir gleich sympathisch. Allen voran Lucius, der als Sklave nicht das beste Los gezogen hat. Zwar ist sein Leben geordnet und er hat einen guten Herrn, der ihm Vertrauen schenkt und ihn sogar teilweise wie einen Sohn behandelt. Doch liegt dieser im Sterben und Lucius weiß nicht, wie sein Leben dann weitergeht. Vor allem, da er als Sklave auch noch eine Affäre mit einer Adelstochter hat.

Durch eine glückliche Fügung jedoch ist den beiden ein gemeinsames Leben möglich, aber im Laufe der Geschichte passieren Dinge, die das junge Paar nicht im Traum für möglich gehalten hätte.

In der Gegenwart treffen wir auf Nora, die an Ausgrabungen auf der Balkanhalbinsel teilnimmt und ein vielversprechendes Talent besitzt. Aber es ist der "Zufall", der dazu verhilft, dass sie auf ein Heiligtum des Mithras stößt. Kaum ist dieses enthüllt, kommt es zu komischen Vorfällen, in die immer wieder Nora verwickelt ist. Dies führt natürlich zu Unstimmigkeiten im Team und Nora muss Entscheidungen treffen, die ihre Zukunft und die ihres ungeborenen Kindes betrifft.

Lucius und Nora haben viel gemeinsam. Beide sind eher still, fressen die Dinge in sich hinein und werden deswegen ausgenutzt oder falsch verstanden. Sie begreifen nicht, was außerhalb ihrer kleinen Bubble alles passiert, und wenn der Groschen fällt, ist es zu spät.

Und dann ist da noch der geheimnisvolle Mithras-Kult, der in der Zeit vom 1. bis zum 4. Jahrhundert n. Chr. besonders bei Soldaten, Beamten und Kaufleuten beliebt war. Die zentrale Kulthandlung war die Tötung eines Stiers durch Mithras, was symbolisch für die Weltschöpfung und die Erneuerung stand. Im späten 4. Jahrhundert wurde der Kult durch das Christentum und durch Verbote verdrängt.

Der Autor hat sich eingehend mit diesem Kult befasst und eine mythische Story daraus geschaffen, in der Lucius in der Vergangenheit und Nora in der Gegenwart im Mittelpunkt stehen. Die beiden trennt die Zeit, doch haben sie sehr vieles gemeinsam.

Die geschickte Verbindung von Mythen und Legenden mit wissenschaftlichen Hinweisen und der fiktiven Story rund um Lucius und Nora hat mir sehr gut gefallen.

Das Ende war abrupt und lässt sehr viel Raum für Fantasie. Eigentlich ein Hinweis auf einen zweiten Teil, weil doch viele Fragen offen bleiben. Sollte dem so sein, würde ich mich freuen, denn ich würde sehr gerne wissen, wie es denn weitergehen könnte.

Meggies Fussnote:
Ein spannender und vor allem gut recherchierter Mix aus Historie und Fantasy.

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