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Veröffentlicht am 18.06.2018

Ganz anderer Schreibstil

Solange wir lügen
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Dieses Buch hat mir nach dem Lesen ziemliches Kopfzerbrechen beschert. Ich würde mal sagen es sticht aus den üblichen Büchern, die ich lese, hervor.

Zum Inhalt:

Johnny, Mirren, Gat und Cadence. Das sind ...

Dieses Buch hat mir nach dem Lesen ziemliches Kopfzerbrechen beschert. Ich würde mal sagen es sticht aus den üblichen Büchern, die ich lese, hervor.

Zum Inhalt:

Johnny, Mirren, Gat und Cadence. Das sind die Sinclair-Kinder. Naja fast. Gat ist da irgendwie mit reingerutscht. Seit sie klein sind verbringen sie ihre Sommer auf der Insel ihres Großvaters. Auf ihr stehen vier Häuser. Für jede der drei Töchter von Harris Sinclair eines plus dem, in dem er wohnt.

Gat und Cadence verbindet noch mehr als die Erinnerungen und Abenteuer, die sie mit den anderen teilen. Gat liebt Cadence und Cadence liebt Gat. Eine Sinclair zu sein ist jedoch nicht einfach. Überall wird gelogen, betrogen, ausgespielt. Im Sommer fünfzehn geschieht etwas, dass die Familie verändert. Etwas über das keiner reden will. Cadence jedoch erinnert sich nicht. Ihre Kopfschmerzen sind alles, was ihr geblieben sind. Was ist in dem Sommer passiert? Und warum erzählt es ihr keiner?



Zum Buch:

An den Schreibstil von E. Lockhart in diesem Buch musste ich mich erst gewöhnen. Die Autorin nutzt viele Metaphern, Hauptsätze und Wiederholungen und verleiht der Geschichte somit einen ganz eigenen Charakter. Cadence wirkt an vielen Stellen für mich als unzuverlässige Erzählerin, die zwischen Vergangenheit und Gegenwart springt. Es ist ein bisschen gewöhnungsbedürftig, passt aber wirklich gut zu der Geschichte. Durch den Stil schafft die Autorin es alles besonders undurchsichtig erscheinen zu lassen. Ich habe wirklich bis zuletzt nichts geahnt.

Dadurch, dass man immer wieder in Frage stellt, was Cadence oder die anderen erzählen, entstand für mich unheimlich viel Spannung.



„Aasfressende Vögel picken an meinem herausquellenden Hirn herum, das aus meinem zerdrückten Schädel tropft.“ (S. 129)



Die Sinclairs sind eine Familie in sich und man kann durchaus nachempfinden, warum die Kinder die Stimmung auf der Insel zwischen den Tanten und dem Großvater als so bedrückend empfinden.

Man lernt Johnny, Mirren, Gat und Cadence von Kindesbeinen an kennen. Einiges erscheint manchmal etwas verquer, anderes passt so gut zu den vieren, dass man sich als Leser wünscht man könnte in ihre Welt mit eintauchen. Sie werden die Lügner genannt und ich denke jeder Leser kann sich schlussendlich seine eigene Meinung bilden, was genau damit gemeint ist. Ganz einfach gesagt sind sie natürlich Lügner, weil sie so tun, als sei alles wie jeden Sommer, obwohl sie schon längst nicht mehr auf der Insel sind. Andererseits sind sie auch Lügner, weil sie dazu gezwungen werden und die Art wie Cadence es „ausspricht“ und die Situationen beschreibt, klingen sehr ähnlich: Sie verabscheut es, dass ihre Mütter und ihr Großvater sie dazu bringen andere Sachen zu sagen, als sie meine. Sie verabscheut es, dass alle immer nur auf ihr eigenes Wohl bedacht sind, aber so gar nichts dafür tun. Und sie verabscheut es, dass von den Kindern so viel erwartet wird, obwohl es doch an ihnen ist ihr Leben zu bestimmen. Johnny will Marathonläufer werden, Mirren heiraten und in den Kongo reisen und Gat die 100 berühmtesten Bücher lesen und auf das College gehen.

Cadence selbst bezieht sich dabei wenig in die Geschichte ein. Sie löscht sich nach und nach aus und betont immer wieder die besonderen Seiten ihrer drei Lügner. Darum fällt es ihr vermutlich nach dem schrecklichen Ereignis auch schwer wieder zurück ins Leben zu finden. Was bleibt letztlich? Wo liegt der Wert des Lebens?

Das einzige was ihr wirklich genommen wurde ist die Liebe zu Gat. In wieweit man von richtiger Liebe sprechen kann, kann nicht nur ich als Leser anzweifeln, sondern sie tut es auch. Die Beiden teilen allerdings so viele schöne Momente und Erinnerungen. Ich glaube die Beiden haben sich schon von Anfang an auf einer anderen Ebene getroffen, als ein „normales“ Paar. Sie haben ihren Weg gefunden, ihre Perfektheit zu erreichen.



„Es ist gut, wenn man geliebt wurde, selbst wenn es nicht von Dauer war. Es ist gut zu wissen, dass es Gat und mich gab, vor langer, langer Zeit.“ (S. 208)



„Ich spreche nicht von Schicksal. Ich glaube nicht an Vorsehung oder Seelenverwandtschaft oder Übersinnliches. Ich will bloß sagen, dass wir einander verstanden. Ganz und gar.“ (S. 13)



Fazit:

Bei diesem Buch ist es mir echt nicht leicht gefallen eine konkrete Bewertung zu geben, denn es ist so ganz anders als gewohnt. Der Schreibstil hat mich zunächst verwirrt, ist aber total schön und perfekt für Cadence´ Geschichte.

Veröffentlicht am 12.06.2018

SO schön ohne viel Drama

Bedtime Trouble: Codewort Liebe
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Auf dieses Buch bin ich ganz zufällig gestoßen, als ich nach neuer Lektüre für zwischendurch gesucht habe. Das Cover sah für mich ziemlich klischeemäßig aus und erregte deshalb bei mir den Verdacht, es ...

Auf dieses Buch bin ich ganz zufällig gestoßen, als ich nach neuer Lektüre für zwischendurch gesucht habe. Das Cover sah für mich ziemlich klischeemäßig aus und erregte deshalb bei mir den Verdacht, es sei eine eher minderwertige Geschichte. Der Titel versprach eine unkomplizierte Liebesgeschichte. Ich muss aber sagen, dass ich doch auf vielerlei Ebenen überrascht und zwar im positiven Sinne überrascht wurde.

Zum Inhalt:

Novalie ist mit Julien zusammen und denkt sich zunächst nichts dabei, dass er sich immer mehr einem anderen Mädchen zuwendet. Schließlich läuft doch alles gut in ihrer Beziehung oder?
Ganz so einfach ist es dann aber nicht und so findet Julien zu Audrey und Novalie zu Kolja. Kolja ihrer beider Mitbewohner, der ein Mädchen nach dem anderen abschleppt. Was wahrscheinlich seinem guten Aussehen und seiner unwiderstehlichen Art zuzuschreiben ist. Die Frage ist aber: Kann man mit Kolja mehr als Spaß haben? und ist es nicht noch möglich die Beziehung zu Julien wieder zu kitten?

Zum Buch:

Der Schreibstil ist flüssig und keineswegs minderwertig.
Die Charaktere habe ich sofort ins Herz geschlossen. Die Geschichte wird in vielerlei Hinsicht völlig unkompliziert erzählt, denn die Novalie und Kolja reden tatsächlich miteinander und verstehen sich oft besser als sie denken. Das war für mich als Leser unheimlich angenehm, weil doch so viele Liebesgeschichten durch Kommunikationsprobleme und umständliches Denken unnötig verkompliziert werden. Natürlich haben die beiden trotzdem manchmal die ein oder ander Uneinigkeit. Ganz normal eben und dadurch wird es auch nicht unauthentisch.
Durch die Unkompliziertheit gestaltet sich diese Liebesgeschichte auch ein bisschen anders in ihrem Handlungsverlauf. Es gibt nicht so viel Zögern, nicht so viel Herzschmerz, nicht so viele Missverständnisse. Für mich somit also als Buch für zwischendurch ideal.
Trotz der Leichtigikeit hat es die Autorin zudem noch dazu geschafft eine ernste Hintergrundgeschichte mit einzubauen, die die Erzählung nicht leer wirken lässt. Auf den wenigen Seiten - es sind glaube ich nur knapp 280 Seiten - hat sie das richtige Maß für diese gefunden. Somit wirkt es nicht vollgestopft und damit unrealistisch oder gar aufdringlich.
Besonders gut hat es mir gefallen, dass schöne Details eingeflossen sind. So z.B. die Katze Dutch, die auch immer wieder aufgegriffen wird. Es gibt da leider ganz andere Bücher, in denen viel gewollt ist und dann tauchen sie nur einmal auf.

Fazit:
Für mich ein durchaus gelungenes Buch, das ich gerne gelesen habe und weiterempfehlen werde. Novalie und Kolja sind super Charaktere. Eine geeignete Geschichte für ein wenig Liebe und Herzschmerz zwischendurch, wobei letzteres hier nicht überwiegt.

Veröffentlicht am 05.05.2018

Irgendwann Zukunft?

BLACKOUT - Morgen ist es zu spät
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Dieses Buch wurde mir von meiner Mutter empfohlen, die davon hell auf begeistert war. Natürlich Grund genug mir selbst ein Bild zu davon zu machen:

Zum Buchinhalt:
Der Strom fällt aus. Nicht in einem ...

Dieses Buch wurde mir von meiner Mutter empfohlen, die davon hell auf begeistert war. Natürlich Grund genug mir selbst ein Bild zu davon zu machen:

Zum Buchinhalt:
Der Strom fällt aus. Nicht in einem Haus, einer Stadt, sondern in ganz Europa. Panisch arbeiten die Behörden an einer Lösung, versuchen es aufzuhalten, verstehen nicht, wie es überhaupt möglich sein kann.
Die Menschen erfahren auf einmal am eigenen Leibe, was passiert, wenn der Strom fehlt und das ist nahezu nichts.
Piero Manzano macht bald seine eigenen Entdeckungen und könnte den Behörden helfen. Aber wer hört einem kleinen Italiener zu, der noch dazu verdächtigt wird etwas mit dem Stromausfall zu tun zu haben? Und ist es überhaupt möglich?

Zum Buch:
Der Schreibstil ist sehr mitreißend und ausdrucksvoll. Er bewahrt eine gewisse Distanz, die den Schwerpunkt des Buches mehr auf die Lösungssuche lenkt, als auf den Großteil der Bevölkerung. Diese Distanz geschieht vor allem durch die Benutzung von Nachnamen. Für mich war das anfangs sehr verwirrend, weil ich persönlich zu Nachnamen nicht so eine Beziehung, wenn man es denn so nennen kann, verspüre, wie zu Vornamen. Deshalb war es zunächst für mich schwierig die Namen den richtigen, agierenden Personen zuzuordnen. Das nimmt aber im Buchverlauf ab und am Ende sind es auch nicht mehr so viele Namen.
Durch die Distanz blieb man sehr bei der Funktion der Person und nicht so sehr bei ihren Gefühlen und ihrer Geschichte. Das war zunächst etwas ungewohnt, aber meiner Meinung nach in diesem Buch ganz richtig. Für die Handlung des Buches wäre es nicht wichtig gewesen und hätte wahrscheinlich verwirrt.

Gut fand ich auf jeden Fall, dass hier viele Perspektiven geboten werden, aus deren Sicht man dann die Geschichte betrachtet. So hatte man natürlich Manzano und Bollard als leitenden Europolmann, aber auch den Leiter einer Spezialeinheit, die Eltern Bollards und seiner Frau und Menschen in den betroffenen Kraftwerken oder Stromunternehmen und natürlich viele mehr. Dadurch lernt man noch viel mehr Situationen kennen, die durch einen Stromausfall entstehen und die man durch die relativ behüteten Zustände Bollards so nicht mit bekommt.
So deckte das Buch für mich immer wieder Fakten auf, über die ich vorher gar nicht nachgedacht habe. Gerade die Verantwortliche für Krisenschutz (?) Michelsen aus Berlin erläutert immer wieder Umstände, die alle betreffen und die man trotzdem nicht überdenkt, wie z.B. dass Kühe ohne Melkmaschinen heute in ihrer Anzahl nicht mehr alle von Hand gemolken werden können und deshalb jämmerlich verenden, wenn man es nicht tut.
Dazu kommen natürlich noch diverse Szenen aus anderen Perspektiven, die dann auch tatsächlich erlebt werden und die Geschichte sehr real, mitreißend und ja, auch ein bisschen beängstigend machen.

Trotz der vielen, für Menschen wie mich ohne IT-Kenntnisse, relativ komplizierten Verknüpfungen im IT-Bereich, war doch alles sehr gut nachvollziehbar. Der Autor hat hier wirklich genau den richtigen Grad an Vereinfachung gefunden, um mich bei seinen Ausführungen mitzunehmen.
Was mir die meiste Zeit ziemlich unklar war, waren die Motive, die die Angreifer hatten. Zwar wurde manchmal aus ihrer Perspektive erzählt, aber mir wurde dadurch eigentlich nicht klar, warum sie nun meinen ganz Europa und dann ja auch den USA den Strom wegnehmen zu müssen. Das erklärte sich mir erst ziemlich am Ende der Geschichte. Meinem persönlichen Geschmack nach, wäre es schön gewesen vorher schon ein paar Informationen mehr zu haben, um mehr in diesen Zwist zu kommen: Die Menschen leiden, aber wie sehr leiden sie sonst unter unserer Gesellschaftsordnung? Ich könnte mir zumindest vorstellen, dass man da irgendwo mal auf einen ähnlichen Gedanken trifft oder sich Gedanken macht, inwieweit unsere Gesellschaftsordnung es vielleicht rechtfertigt, dass man sie so dermaßen ins Ungleichgewicht bringt.
Damit möchte ich aber nicht sagen, dass ich es gut finde würde den Strom abzustellen, sondern ziele eigentlich hauptsächlich auf die Spannung des Buches. Ich hoffe ihr versteht was ich meine:)

Fazit: Dieses Buch macht einem sehr bewusst, wie wertvoll und unabdinglich Strom für unser Leben ist und was passiert, wenn er uns für längere Zeit genommen wird. Das Buch reißt einen mit und ist sehr authentisch geschrieben, sodass Spannung aufkommt. Trotzdem ist es dann zwischendurch manchmal etwas lang und es fehlen mir noch ein paar Informationen früher im Buch.

Ich würde es jedoch jedem empfehlen, der Interesse an dem Genre hat und auch jedem, der sich fragt, was ohne Strom mit unserem Leben geschieht. Es ist auf jeden Fall nicht langweilig, sondern vielseitig und authentisch.

Liebe Grüße

Veröffentlicht am 11.04.2021

Liebe die Mischung aus Natur und College!

Touch of Ink, Band 1: Die Sage der Wandler
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Schreibstil:
Der Schreibstil der Autorin ist sehr angenehm flüssig. Die wichtigen Momente konnten sehr gut eingefangen werden und waren durchaus aufregend mitzuerleben. Vielleicht hat mir manchmal etwas ...

Schreibstil:
Der Schreibstil der Autorin ist sehr angenehm flüssig. Die wichtigen Momente konnten sehr gut eingefangen werden und waren durchaus aufregend mitzuerleben. Vielleicht hat mir manchmal etwas an Geschwindigkeit gefehlt, um der Geschichte an manchen Stellen Länge zu nehmen und sie etwas lockerer zu gestalten. Ansonsten aber fühlte ich mich sehr wohl mit der Darstellung. Die College-Atmosphäre war da, ebenso das Kleinstadtfeeling und dann noch das leicht mystische Flimmern durch die Hintergründe der Geschichte.
Was ich vom Stil her als nicht ganz ausgereift empfand, waren die Beschreibungen zu den Tribes. Sowohl im Fließtext als auch in den Zwischenkapiteln, die einzig dem Zweck dienen, die Tribes zu erklären, erschien mir der Stil recht kindisch – naiv und wenig differenziert. Die Beschreibungen fielen für mich einfach aus dem ansonsten an das Alter der Protagonisten angepassten Schreibstil.

Meine Meinung:
Ich habe super in die Geschichte hineingefunden. Der Collageflair, der anfangs vorrangig herrscht, unterstützt das einfach. Zudem spielt die Story in Kanada, in einer kleineren Stadt, was ich persönlich sehr schön fand. Quinn war mir ebenfalls gleich sympathisch. Einerseits muss sie sich in diesem neuen Leben nun zurechtfinden (als Ersti), andererseits erhält sie aber auch schnell Attribute, die sie geheimnisvoll wirken lassen und den Leser neugierig machen. Wenn man genau aufpasst, kann man schon auf den ersten Seiten die ersten Puzzleteile sammeln, denn auch Nathan taucht früh auf. Allerdings etwas unscheinbar. Mir war zunächst gar nicht klar, dass er nun der Love-Interest sein sollte. Vielmehr erschien er mir wie die erste Person, die die Hauptprota trifft und die dann zu ihrem besten Freund wird. Aber so weit weg ist diese Annahme auch gar nicht. Nathan und Quinn verstehen sich von Anfang an auf einer sehr feinen Ebene. Die ganze Handlung hinweg habe ich es genossen, dass die Beziehung zwischen ihnen so vertrauensvoll, freundschaftlich, aber eben auch tiefer ist. Die Anziehung zwischen ihnen wirkte nie kitschig oder dramatisch, nicht so, wie man es vielleicht von den meisten Büchern kennt (ihr wisst schon mit diesem Gehabe von wegen: Liebe auf den ersten Blick o. Hate vs. Love o. ähnlich dramatischen Situationen). Stattdessen wirkt alles bei ihnen super natürlich und einfach schön. Ich hatte, wenn es mal nur um sie ging, jedes Mal das warme Gefühl, dass das einfach eine schöne Beziehung ist, die die beiden da zueinander aufbauen. Sie ist intensiv, aber langsam. Dazu passt auch, dass es hier keine expliziten Sexszenen gibt, wie es oftmals bei Fantasyromanen der Fall ist.

Langsam ist auch eher der Rest der Handlung. Mir gefiel es von der Spannung her ganz gut, weil sie schon da war – es gab immer wieder Situationen und Handlungsstränge, die dies begünstigten – es läuft allerdings alles wenig schnell und dramatisch ab. Für den ein oder anderen mag das zu langatmig gewirkt haben, ich für meinen Teil habe es aber genossen. Wenn es um Quinn und Nathan ging, war man voll bei ihnen, ebenso dann, wenn es um Quinn selbst oder die anderen Ereignisse der Geschichte ging.
Natürlich war aber nicht alles so ganz unvorhersehbar. Dafür habe ich wohl zu wenige Bücher gelesen. Gerade diese Romeo-und Julia-Geschichte war für mich ziemlich schnell ersichtlich. (Allerdings möchte ich auch hier wieder betonen, dass es sehr undramatisch ablief, sodass man sich nicht so ins Klischee gedrückt fühlte.) Gut fand ich daran aber, dass die Autorin wirklich viele Anhaltspunkte auf ein mögliches Ende des Buches geliefert hat. Es gab viele viele kleine Puzzleteile, die man teilweise aber nur wahrnahm, wenn man sehr gut aufpasste. Gegen Ende habe ich mich dann doch manchmal über mich selbst geärgert, weil ich schon die ganze Zeit über das Gefühl hatte, dass etwas so oder so sein musste, es wurde aber so fein gesät, dass ich es für mich selbst gar nicht in Gedanken gefasst habe. Dadurch wurde das Ende dann doch überraschender, als ich anfangs vermutet hatte.

Vielleicht darf ich hier vorausgreifen, dass das Ende für mich dennoch nicht ganz perfekt war, weil mir irgendwann etwas Kommunikation zwischen den Protas gefehlt hat. Da wäre durchaus meiner Meinung nach noch Potential für noch mehr Wendungen gewesen. Gerade, weil doch viele Figuren aufeinandertreffen, die sich vorher nie begegnet sind und die eigentlich Konflikte auslösen müssten. Aber vielleicht ist das auch nur in den nächsten Band geschoben worden. Es lässt sich auf jeden Fall schon erahnen, dass am Ende nicht alles gesagt wurde, was zur wirklichen Auflösung der Ereignisse führt, weshalb die Autorin dort entsprechend lose Fäden erzeugt hat, die neugierig auf einen zweiten Band machen.

Dann nochmal zu dem Thema der Story. Es ist nicht ganz leicht, hierzu was zu sagen, ohne zu spoilern. Ich kann aber sagen, dass ich das eigentliche Thema der Geschichte als sehr schön inszeniert empfand. Ich habe dazu schon so einige Bücher gelesen, fand es hier aber toll, dass es nochmal etwas anders aufbereitet wurde. Dazu kam, dass die Thematik sehr stark mit der Natur zusammenhängt. Diese Naturverbundenheit spürt man fein in den Protas, den Themen und den Ereignissen, wie auch der Geschichte der Handlung. Es geht viel um instinktive Gefühle, Verbundenheiten, die einzig auf Gefühlen beruhen. Dadurch erhält die Geschichte viel Charakter und auch die Nebenprotagonisten wurden super in die Handlung eingebunden. Mir gefiel einfach, dass dieses Nebeneinander – die Thematik der Geschichte und die Verortung innerhalb des Collegeumfeldes – auch ineinanderhakte und das Fantastische der Geschichte somit gut in der Realität verankert war.

Und nun noch kurz zu den Hauptprotagonisten:
Quinn war die perfekte Besetzung für ihre Rolle^^, weil sie durch ihre forsche und unerschrockene Art dafür sorgte, dass die Geschichte nicht einschlief. Sie drängt immer wieder vor, handelt instinktiv und lässt sich nicht von eigentlich festgeschriebenen Normen beeindrucken. An einigen Stellen war mir das sogar etwas zu viel. Da hätte ich mir doch gewünscht, dass sie noch einen Gedanken mehr daran „verschwendet“, was sie da gerade eigentlich vor hat. Aber hätte Nathan den Ton angegeben, wäre das Buch wohl jetzt noch nicht zu EndeXD
Nathan ist so ein bisschen das Gegenteil von Quinn. Er ist ruhiger, besonnener und handelt überlegter. Allerdings nicht einfach so, sondern weil er bereits seine Erfahrungen gemacht hat, die ihn letztlich so beeinflusst haben. Das kommt innerhalb der Handlung ganz schön rüber und die Thematik darüber sorgt dafür, dass Quinn und Nathan neben den ganzen beeindruckenden Ereignissen des Handlungsverlaufs auch etwas haben, worüber sie tiefergehende Gespräche führen können. Ich habe Nathan´s Handeln auf jeden Fall gut nachvollziehen können. Der Star der Geschichte bleibt aber wohl Quinn:)

Fazit:
Die Story von „Touch of Ink“ arbeitet eher langsam und besonnen, jedoch mit vielen Feinheiten und Details. Die Spannung ist dadurch nicht immer so mitreißend, wie eine überdramatisierte Lovestory um Leben und Tod. Mir persönlich hat das aber gefallen. Es war genug Spannung, um gut voranzukommen und selbst zum Denken angeregt zu werden. Mir gefiel die Thematik sehr und die Protas waren durchweg sympathisch. (Obwohl es natürlich auch die gemeine Zicke gibt.) Die Mischung aus Collegeflair, Fantasy und Natur in einer kleineren Stadt erzeugt ein tolles Feeling, von dem man sich gerne mitnehmen lässt. Ich denke, dass es zwischendurch noch ein klein wenig mehr Wendungen hätte geben können, ebenso wie etwas weniger Naivität der Hauptprotagonistin. An der Lovestory dagegen habe ich nichts auszusetzen. Da passte die geringe Dramatik einfach perfekt!

Von mir gibt es 4 von 5 Sterne.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.09.2020

Wenn er doch nur etwas mutiger gewesen wäre...

Truly
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Zur Info: Dies ist der erste Band einer Trilogie, die allerdings Einzelgeschichten von Protagonisten erzählt, die sich untereinander alle kennen.

Klappentext:
Andie kann es nicht erwarten, ihr Studium ...

Zur Info: Dies ist der erste Band einer Trilogie, die allerdings Einzelgeschichten von Protagonisten erzählt, die sich untereinander alle kennen.

Klappentext:
Andie kann es nicht erwarten, ihr Studium zu beginnen und ihre beste Freundin wiederzusehen. Nach einem chaotischen Start findet sie endlich ein Zimmer. Mit ihren neuen Mitbewohnern versteht sie sich gut, nur Cooper gibt ihr Rätsel auf. Er ist für Andie da und hilft ihr, wo er kann, gleichzeitig ist er abweisend und hält sie auf Distanz. Andie will wissen, was dahintersteckt und wer Cooper wirklich ist. Aber sie merkt schnell, dass manche Geheimnisse tiefere Wunden hinterlassen als andere …

Das Cover:
Ich bin ein totaler Fan von weißen Covern. Sie vermitteln einfach pure Eleganz meiner Meinung nach. Gerade, wenn die Elemente drauf schlicht gehalten werden. So ist es auch bei „Truly“. Der Titel wird hier zum Hingucker gemacht und das gelingt in der Farb- und Schriftauswahl wirklich sehr schön. So bleibt „Truly“ schlicht und dennoch eine kleine Besonderheit.

Der Schreibstil:
Für mich war es das erste Buch von Ava Reed. Ich hatte schon viel über ihren Schreibstil gehört, konnte mich aber bisher nicht selbst davon überzeugen. Jetzt war es also so weit. Und ich bin begeistert! Die Autorin schreibt wunderschön. Sehr bildlich und detailliert und, ich kann es nicht besser in Worte fassen, ruhig. Sie lässt sich einfach an einigen Stellen sehr schön viel Zeit, um es vernünftig zu erzählen, an anderen schafft sie es dann mit wenigen Sätzen etwas zusammenzufassen, sodass es auch mal springt, man sich aber nicht fühlt, als hätte man etwas verpasst. Da kann ich das „Zeitmanagement“ nur loben!
Zusammenfassend kann ich also sagen, dass sich ihr Stil sehr leicht und schnell lesen ließ.

Meine Meinung:
Wenn ich mich frage, wie ich ein Buch beginnen würde, dann kommt mir als erstes der Gedanke eines Neubeginns, einer entscheidenden Veränderung im Leben des Protagonisten. Genauso ist es hier. Andie zieht in die Stadt, zu ihrer Freundin June, zu ihrer Uni, an der sie endlich ihr Studium beginnen will.
Den Einstieg fand ich somit wenig originell, dennoch lese ich es immer gerne, weil von der Protagonistin eben schon so viel Neugierde und Spannung auf das Neue ausgeht.
Schwer fiel mir dagegen ein wenig, Andie einzuschätzen. Einerseits wirkte sie recht selbstbewusst mit ihrem gesunden Körpergefühl, der Aussage, sie trage, was sie wolle und ihrem bestimmten Auftreten gegenüber ihrem Bruder. Schnell merkt man aber, dass ihre beste Freundin June hier den Typ des taffen Mädels einnimmt. Andie ist dagegen eher schüchtern, hält sich aus schwierigen Situationen heraus, möchte niemanden verletzen oder mit Worten angehen. Die beiden bilden somit eine tolle Mischung, die sich über die Handlung hinweg sehr schön trägt und so mancher Szene Pfiff verleiht.

So habe ich Andie dennoch schnell sympathisch gefunden und war einfach immer wieder von ihrer Stärke beeindruckt, denn sie zieht so einiges durch, was ich mich vermutlich nie getraut hätte.

Dieses Gleichgewicht von Schüchternheit und Sturheit, nennen wir es mal so, in Andie hat die Autorin sehr schön zum Ausdruck gebracht, sodass es auch authentisch wirkte. Gemocht habe ich außerdem, dass Andie mit beiden Beinen fest in der Realität steht und sich nichts vormacht. So lesen wir hier nicht von einer Protagonistin, die sich blind und naiv in die Schwärmerei in einen geheimnisvollen Typen stürzt, sondern eher eine sehr vernünftig wirkende Andie, die auch den Schlussstrich sieht und ihn ziehen kann. Das hat mir wirklich sehr gefallen.

Einzig wirklich schwierig an Andie, und das hat auch viel mit der Handlung zu tun, fand ich, dass es lange unklar blieb, warum sie so unbedingt an dieser Uni studieren will. Dadurch fand ich einige Szenen manchmal etwas zu einfach gelöst. Eben weil ich lange keine Ahnung hatte, worum es Andie eigentlich ging.

Cooper ist dagegen eine ganz andere Liga. Auch aus seiner Sicht wird erzählt, das hat es aber nicht unbedingt besser gemacht. Zuerst einmal zum Guten: ich fand es toll, dass er erst gar nicht will, sie nicht verlieben will und noch dazu eine Vergangenheit hat, die dies auch sinnvoll begründet. Er kontrolliert seine Wirkung auf andere sehr genau, um seine Mauern nicht einstürzen zu lassen. Das war in seinen Parts wirklich gut dargestellt. Zudem hat er natürlich ganz dem Klischee nach ein gutes Herz. Er kann Andie nicht verletzen, hilft ihr, obwohl er es nicht will. Ihr wisst schon. Gestört hat mich an Cooper aber, dass ich im Gegensatz zu Andie bei ihm keine Entwicklung festgestellt habe. Andie wird stärker mit der Zeit. Die Geschehnisse rund um die Uni lassen sie härter, selbstbewusster und bestimmter werden. Cooper dagegen braucht immer von außerhalb Anstöße, um irgendeine Veränderung zu erreichen. Klar, man erkennt sein Wesen und verliebt sich wie Andie in ihn. Aber er ist wohl eher der Typ, den man immer anstarrt, der sich aber nichts anmerken lässt und einen nie anspricht, sodass man sich dann irgendwann einen anderen sucht.

Und gerade wenn ich dachte: jetzt springt er über seinen Schatten, jetzt ist er mutig, jetzt steht er zu seinen Gefühlen, irgendwas, damit die Spannung sich in dieses kribbelnde Gefühl auflöst,passierte nix. Oder Mase musste einspringen. Der Kerl ist übrigens super. Ich habe ihn total in mein Herz geschlossen. Leider stellt er Cooper damit in einen noch schlechteren Kontrast…

Die Geschichte war nichts so ganz Neues. Aber das erwartet man ja auch nicht. Ich fand es toll, dass es hier alles noch ein Tickchen mehr schief läuft als in anderen Büchern und gleichzeitig aber auch ein Tickchen besser, denn da ist ja Mase und überall andere Menschen, die hinter Andie stehen. Gut fand ich auch, dass Andie ein paar kleine Macken hatte, die sich in der Handlung in liebevollen Details widergespiegelt haben. Die Situation um ihre Mutter war gut, um das mit der Uni und auch um ihr Zuhause aufzuhängen. Manchmal hätte ich mir allerdings gewünscht, dass Andie da ein bisschen mehr drüber spricht bzw. es noch verarbeitet.

Was die Liebesgeschichte angeht,, kann ich sagen, dass alles seltsam erfrischend vor sich geht. Eben weil Andie einerseits natürlich ziemlich schnell Cooper verschossen ist und sie sich aber nix anmerken lassen will. So wie das eben ist. Aber es gibt hier viele Szenen, in denen Andie über ihren Schatten springt und mit dem Offensichtlichen herausplatzt, Dinge ganz richtig interpretiert oder eben auch mal die Konsequenzen aus etwas zieht. Das war für mich tatsächlich am ausschlaggebendsten für die Spannung. Und die hält wirklich das ganze Buch über. Cooper bekommt zum Glück erst ganz am Ende seinen größten Einsatz und so ist alles davor gar nicht so schlimm, was seine Feigheit betrifft.

Mit dem Ende war ich dann fast zufrieden. Aber Hauptsache sie sind glücklich bis an ihr Lebensende. (Nein, das ist kein Spoiler -> New Adult)

Fazit:
Eine nette Collegegeschichte, die von einer interessanten Protagonistin und einem etwas feigen Protagonisten erzählt. Dafür gibt es aber sehr tolle Nebenfiguren, die ich wahnsinnig lieb gewonnen habe. Die Spannung ist trotz das es manchmal etwas stockt immer da und die Liebesgeschichte hat auf beiden Seiten Tiefe, aber auch erfrischende Momente durch die Protagonistin.

Es gibt 3 von 5 Sterne von mir.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere