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Veröffentlicht am 29.03.2026

Die Suche nach dem Leben - und wie man "was wird"

Statt aus dem Fenster zu schauen
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Aus einer Laune heraus kauft Sophie ein altes, verfallenes Haus im Osten Deutschlands und ehe sie sich versieht, findet sie sich in der absoluten Einöde wieder, mit einer Ruine, die nur mehr entfernt an ...

Aus einer Laune heraus kauft Sophie ein altes, verfallenes Haus im Osten Deutschlands und ehe sie sich versieht, findet sie sich in der absoluten Einöde wieder, mit einer Ruine, die nur mehr entfernt an ein Haus erinnert. Nach anfänglichen Zweifeln beschließt Sophie, diese zu renovieren und sich dem Landleben zu stellen und mit jeder Herausforderung, die sich ihr stellt, lernt sie Dinge, mit denen sie zuvor nie konfrontiert war. Fernab der Zivilisation entdeckt Sophie nach und nach, was im Leben wirklich zählt und während sie ihr neues Leben in Angriff nimmt und mit dem Unverständnis ihrer leistungsorientierten Mitmenschen kämpft, stellt sie sich immer wieder die Frage, wie man denn wirklich "was wird".

Anna Katharina Scheidemantel hat mit "Statt aus dem Fenster zu schauen" einen sehr tiefgründigen, zugleich aber unglaublich unterhaltsamen Roman geschrieben. Von Beginn an gewinnt die Protagonistin Sophie die Sympathie der Leser*innen und während man anfangs wohl eher zu der Fraktion der verständnislosen Mitmenschen zählt, taucht man nach und nach mit Sophie in ihr neues Leben ein. Mit viel Wortwitz schildert Scheidemantel die Situationen, in denen sich die Studentin Sophie wiederfindet und Seite für Seite wächst die Bewunderung für die junge Frau, die sich ihren Herausforderungen stellt, bis man ihren neuen Lebensweg immer besser nachvollziehen kann.

Ohne Strom, fließendes Wasser und mit einem undichten Dach über dem Kopf kämpft sich Sophie in ihr neues Leben und sie macht das großartig. Während sie diese äußeren Umstände nach und nach zu regeln vermag, tun sich für Sophie immer mehr Zweifel an ihrer bisherigen Lebensführung auf und je länger sie das tut, desto mehr Zweifel kommen ihr, ob denn ihr bisheriger Weg, wo ihr Ziel war "etwas zu werden", der einzig wahre war. Schnell beginnt sie Definitionen zu hinterfragen und mit Stolz kann sie plötzlich auf Dinge zurück blicken, die sie zuvor nicht zu meistern in der Lage gewesen wäre.

"Statt aus dem Fenster zu schauen" ist ein Roman über die Dinge, die im Leben wirklich zählen. Er lässt Oberlächliches unbedeutend erscheinen und lässt die Normen der Gesellschaft neu hinterfragen. Auf kurzweilige Art und Weise und mit pointierten Aussagen, die oft zum Schmunzeln anregen, bringt der Roman immer wieder zum Nachdenken. So vieles findet sich zwischen den Zeilen, das bewegt und das einen anregt, auch selbst zu überdenken, ob weniger nicht manchmal mehr wäre, ob ein anderer Weg nicht ebenso gut und richtig wäre und ob es wirklich so wichtig ist, einmal "das" zu werden, was die Gesellschaft von uns erwartet.

Anna Katharina Scheidemantel belehrt nicht in ihrem Roman, sie unterhält. Sie tut das aber mit einer Präzision und einer Offenheit, die "Statt aus dem Fenster zu schauen" zu einem ganz großen Lesevergnügen machen. Das Buch hat mit seiner Offenheit, Tiefgründigkeit und seiner absolut großartig gewählten Sprache das Potential ein ganz großes Lesehighlight zu werden und ich empfehle es sehr gerne allen weiter, die nicht nur unterhalten werden wollen, sondern ein Buch lesen wollen, das auch noch nachwirkt.

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Veröffentlicht am 26.03.2026

Mord im nordschwedischen Winter

Tief im Schatten
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Ein Mann wird tot neben der Straße aufgefunden, eingeschneit und übel zugerichtet. Der ehemalige Skirennläufer Johann Andersson war allseits beliebt und so ist es eine ziemliche Herausforderung für Hanna ...

Ein Mann wird tot neben der Straße aufgefunden, eingeschneit und übel zugerichtet. Der ehemalige Skirennläufer Johann Andersson war allseits beliebt und so ist es eine ziemliche Herausforderung für Hanna Ahlander, Daniel Lindskog und ihre Kollegen, denjenigen zu finden, der diese Tat zu verantworten hat. Als dann auch noch eine junge Frau aus einer strenggläubigen Kirchengemeinde verschwindet, spitzt sich die Situation zu und Hanna und Daniel geraten an ihre Grenzen.

Viveca Sten ist einmal mehr ein spannender Krimi gelungen, der durch sein Setting im winterlichen Nordschweden überzeugt. Mehrere Plottwists sorgen für Spannung und machen das Lesen zu einer Sucht - man muss unbedingt wissen, wie es weitergeht. Sten versteht es sehr gut, den Fall mit einigen persönlichen Geschichten der Kommissare zu kombinieren und sie dadurch noch sympathischer wirken zu lassen.

"Tief im Schatten" ist super spannend, aber dennoch ruhig genug, um einem nicht den Schlaf zu rauben, es lässt einen mitfiebern und wenn man schon glaubt, zu wissen, wer der Mörder ist, kommt ja vielleicht doch noch alles ganz anders. Einzig das Ende mit dem Auftreten von Johans Eltern ist für meinen Geschmack ein bisschen zu dick aufgetragen, aber ansonsten hat mir "Tief im Schatten" wirklich gut gefallen und spannende Lesestunden beschert. Eine eindeutige Empfehlung für alle Fans skandinavischer Krimis mit viel Lokalkolorit..

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Veröffentlicht am 23.03.2026

Ein Kampf in zweiter Reihe

Die Welt in unseren Händen
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"Die Welt in unseren Händen" versetzt uns zurück in die Zeit des 2. Weltkrieges. Während die Männer an der Front kämpften, sorgten die Frauen der Royal Air Force dafür, dass auch im Hintergrund alles glatt ...

"Die Welt in unseren Händen" versetzt uns zurück in die Zeit des 2. Weltkrieges. Während die Männer an der Front kämpften, sorgten die Frauen der Royal Air Force dafür, dass auch im Hintergrund alles glatt lief. June entschließt sich, ihren Dienst in der WAAF anzutreten - ein großer Schritt, der auch Auswirkungen auf ihr Privatleben hat. In den nächsten Jahren leistet sie in England, Ägypten und Italien Großes für ihr Heimatland.

Emily Walton ist mit "Die Welt in unseren Händen" ein tolles Buch über ein Thema gelungen, über das viel zu wenig geschrieben wird: Die Funktion der Frauen während des Krieges. Anschaulich schildert sie, wie June und ihre Kameradinnen zwar nicht an der Front, aber auf einer anderen Ebene zu kämpfen haben. So viele Aspekte eines Krieges werden beleuchtet und dennoch ist das Buch unglaublich unterhaltsam. Das Zwischenmenschliche zwischen June und ihren neu gefundenen Freundinnen wird ebenso thematisiert, wie die Situationen, unter denen die Frauen, teilweise unter großen Entbehrungen, teilweise aber auch in deutlich besseren Verhältnissen, als erwartet, ihren Dienst versehen. Auch so manche Liebelei hat ihren Platz in dem Buch und sorgt für Abwechslung.

Das Leben in den verschiedenen Ländern wird schön geschildert. Es hat mich überrascht, als wie fortschrittlich Kairo während des 2. Weltkrieges beschrieben wird, welche Szenen es da im Untergrund bereits gab und welch ein Wohlstand dort offenbar herrschte - das hatte ich so nicht erwartet.

"Die Welt in unseren Händen" ist einerseits informativ, andererseits unterhaltsam. Eine gute Mischung für einen Roman, der auf der wahren Geschichte der Großmutter der Autorin basiert und den ich sehr gerne an alle historisch Interessierten weiter empfehle, die auch Spaß an Geschichten abseits des tragischen Kriegsgeschehens haben.

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Veröffentlicht am 18.03.2026

Und plötzlich war alles anders

Unter Wasser
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"Unter Wasser" ist die bewegende Geschichte der Freundschaft zwischen Marissa und Arielle. Seit ihrer Kindheit sind die beiden beste Freundinnen, sie wachsen mit viel Freiheit direkt am Meer auf und erleben ...

"Unter Wasser" ist die bewegende Geschichte der Freundschaft zwischen Marissa und Arielle. Seit ihrer Kindheit sind die beiden beste Freundinnen, sie wachsen mit viel Freiheit direkt am Meer auf und erleben eine unbeschwerte Zeit. Alles hätte so weitergehen können, wäre nicht 2004 der verheerende Tsunami über Asien hereingebrochen, der die beiden Freundinnen auf brutalste Weise entzweit hat. Während Marissa mit wenigen Narben davon kommt, wird Arielle von dem einst so geliebten Ozean mitgerissen.

In "Unter Wasser" schildert Tara Menon die besondere Freundschaft zwischen den beiden Mädchen aus der Sicht von Marissa. Jahre nach dem Unglück kehrt sie in ihre Heimatstadt New York zurück und versucht, sich fernab vom Unglücksort wieder niederzulassen. Zu tief ist jedoch die Trauer um die geliebte Freundin, als dass ihr das wirklich gelingt, zu sehr holen sie die Erinnerungen an Arielle in den unterschiedlichsten Situationen immer wieder ein.

Das Buch ist trotz seiner Tragik wirklich faszinierend. Geschickt jongliert Menon mit den beiden Zeitebenen, schildert das Leben vor und nach der Katastrophe und lässt Marissa den Raum, den sie braucht um zu trauern, auch wenn das von ihrer Umwelt nicht immer verstanden wird. Sind die beiden Handlungsstränge am Anfang noch getrennt in die Zeit in Thailand und die Zeit in New York, so fließen sie mit Fortgang des Buches immer mehr in einander über.

Die Geschichte ist tragisch, aber sie ist wunderschön erzählt, sie ist fesselnd und packend, sodass man das Buch nicht aus der Hand legen möchte. Man fiebert mit Marissa mit und auch wenn man ungefähr weiß, was passiert, so zittert man mit ihr dem Unglück entgegen. Die Verzweiflung der Menschen nach dem Tsunami werden eindrücklich geschildert und gleichzeitig wird man mitgerissen, von der gegenseitigen Hilfsbereitschaft und der Kraft, die die Leute aufbrachten, um nicht an ihrem Schicksal zu zerbrechen.

"Unter Wasser" ist ein erschütterndes und unglaublich berührendes Buch. Es ist gleichzeitig spannend und bestürzend und in seiner ganzen Tragik dennoch ein großes Lesevergnügen. Ich empfehle es sehr gerne weiter!

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Veröffentlicht am 15.03.2026

Das Moor gibt seine Geheimnisse preis

Spiegelland
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Eine Familiengeschichte in mehreren Zeitebenen, eingebettet in eine Moorlandschaft als zentraler Schauplatz - das ist der neue Roman von Rebekka Frank. Und er ist gelungen - sehr sogar.

Bildhaft und in ...

Eine Familiengeschichte in mehreren Zeitebenen, eingebettet in eine Moorlandschaft als zentraler Schauplatz - das ist der neue Roman von Rebekka Frank. Und er ist gelungen - sehr sogar.

Bildhaft und in schönster Sprache schildert Frank in "Spiegelland" die Geschichte einer Familie. Ausgehend davon, was vor 25 Jahren geschah, ziehen sich die Parallelen bis in die Gegenwart und der außergewöhnliche Fund von Moorleichen hat seine Wurzeln tief im 18. Jahrhundert.

Jede Zeitebene hat ihren eigenen Handlungsstrang und ihre Personen, die einen von Anfang an in den Bann ziehen. Sympathisiert man eingangs mit der einen Ebene, wechselt das Interesse während des Lesens immer wieder und von Anfang an fiebert man mit den Protagonisten mit. Während die Zusammenhänge im Verlauf immer klarer werden, bleiben dennoch die einzelnen Geschichten für sich auch spannend. Frank gelingt es aber sehr gut, sie mit einander zu verweben und schließlich zu einem Ganzen zusammen zu führen.

"Spiegelland" ist ein faszinierender Roman, der sowohl durch seinen Schauplatz im Moor überzeugt, als auch durch die handelnden Personen Tiefgang bekommt, die auf großartige Weise ihre Schicksale bewältigen. Es ist ein Roman voll Atmosphäre und Faszination, voll Sympathie und Spannung.

Ich habe "Spiegelland" mit großer Begeisterung gelesen und es hat Freude gemacht, das Moor aus unterschiedlichen Perspektiven kennenzulernen. Es war spannend, sich in die Situationen der Protagonisten der verschiedenen Zeiten hineinzuversetzen und mit ihnen mitzufiebern und ich empfehle das Buch sehr gerne an alle weiter, die Familiengeschichten mögen, für die das Drumherum aber ebenfalls faszinierend ist und die über oberflächliche Beziehungen hinaus eine Familie über Generationen begleiten möchten.

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