Profilbild von Snowcat

Snowcat

Lesejury Star
offline

Snowcat ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Snowcat über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.09.2025

Dranbleiben lohnt sich!

The Mother – Sie hat den Mord nicht begangen. Doch wie soll sie es beweisen?
0

Nach viel Alkohol und einem nächtlichen Ehestreit findet Heather ihren Mann am Morgen erstochen auf der Couch vor. Sie gilt schnell als die einzige ernstzunehmende Verdächtige und wird schließlich zu einer ...

Nach viel Alkohol und einem nächtlichen Ehestreit findet Heather ihren Mann am Morgen erstochen auf der Couch vor. Sie gilt schnell als die einzige ernstzunehmende Verdächtige und wird schließlich zu einer langen Gefängnisstrafe verurteilt. Als sie nach zehn Jahren vorzeitig auf Bewährung entlassen wird, steht sie vor einem Scherbenhaufen: sie wird, dank der sensationsheischenden Medienberichte seit ihrer Verhaftung bzw. erneut seit ihrer Entlassung, als eiskalte niederträchtige Mörderin betrachtet, sie darf ihre beiden Söhne nicht sehen und sie hat keinen Job. Doch dann hat sie immerhin ein bisschen Glück im Unglück ...

Heather hat nur ein Ziel: den Mord an ihrem Mann aufklären, um wieder gesellschaftsfähig zu sein und ihre Söhne sehen zu dürfen. Es gibt allerdings skrupellose Leute, die vor nichts zurückschrecken, um genau das zu verhindern – überraschenderweise gibt es einige Verbündete, die ihr tatkräftig zur Seite stehen, aber es ist kompliziert …

Das Geschehen wird ausdrucksstark und intensiv, auf zwei Zeitebenen aus Heathers Sicht, geschildert: Die Ohnmacht bzw. die Verzweiflung der Protagonistin kommt hautnah an! Sie wird direkt verdächtigt und festgenommen, man sucht nach Beweisen für ihre Schuld, ignoriert Hinweise, die in eine andere Richtung deuten. Die überwältigende Mehrheit wendet sich schnell gegen sie – einige Familienmitglieder, alle Freunde, sämtliche Ermittelnde sowie Medien. Die Stimmungsmache gegen sie scheußlich: Die traurige Tendenz, dass viele sich leicht aufhetzten lassen, es lieben ein Feindbild präsentiert zu bekommen, auf das sie ihren Frust projizieren können, und, dass es bequemer ist, eine naheliegende Lösung zu akzeptieren, statt nach Lücken in dieser zu suchen, wird bewegend dargestellt.

Die Charaktere sind interessant und verfügen über Tiefe. Die Handlung kommt für meinen Geschmack eher langsam in Gang - für mich wurde es erst nach gut hundert Seiten spannend, aber dann so richtig! Heathers Nachforschungen sind ereignis- sowie wendungsreich gestaltet – absolut packend!

“The Mother” ist ein emotionsgeladener, scharfsinniger und raffinierter Thriller voller entsetzlicher Erkenntnisse und erschütternder Enthüllungen - dranbleiben lohnt sich!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.09.2025

Bewegend!!!

Die einzige Frau im Raum
0

Die aufstrebende Schauspielerin Hedwig Kiesler, eine Österreicherin jüdischer Abstammung, dreht als einen Skandalfilm, der beinahe ihren Ruf ruiniert, und ihr wie ein Schatten folgt. Dann kommen die Bedrohungen ...

Die aufstrebende Schauspielerin Hedwig Kiesler, eine Österreicherin jüdischer Abstammung, dreht als einen Skandalfilm, der beinahe ihren Ruf ruiniert, und ihr wie ein Schatten folgt. Dann kommen die Bedrohungen durch die Nazis nach Österreich und sie geht eine Zweckehe mit einem mächtigen Waffenhändler ein, um sicher zu sein. Ihr Mann erwiest sich jedoch als kontrollierender Tyrann, sodass sie schließlich vor ihm flieht - über Umwege nach Hollywood. Dort wird sie Hedy Lamarr, eine berühmte Schauspielerin, die vor allem wegen ihrer verführerischen Schönheit verehrt wird.

Ich hatte den Eindruck, dass sie den Geist einer Wissenschaftlerin hatte und eher zufällig zur Schauspielerei kam. Eine Anekdote besagt, dass sie mit fünf Jahren ihre Spieluhr auseinander und wieder funktionsfähig zusammenbaute. Ihr Vater förderte ihren Intellekt, sie hatte zwar nie eine formale Ausbildung, forschte aber als Hobby-Wissenschaftlerin. Ich habe es so verstanden, dass sie maßgeblich an der Erfindung des Frequenzsprungverfahrens beteiligt war, was als Grundlage für Blue Tooth sowie Wi-Fi gilt. Sie und die Leute, mit denen sie daran arbeitete, ließen sich diese Kommunikationstechnologie patentieren und boten sie dem US-Militär im Kampf gegen die Nazis an, doch man nahm sie damals nicht ernst.

Ich kann nicht beurteilen, ob/wie sehr sich Fakten und Fiktion in dieser Biografie vermischen, “Die einzige Frau im Raum” bietet auf jeden Fall einen bewegenden, fesselnden Einblick in das turbulente Leben (beruflich wie privat) einer interessanten Frau. Hedy Lamarr galt als schwierig, weil sie den engen Rahmen, in dem man als (schöne, junge) Frau damals zu passen hatte, nicht akzeptierte: Sie betätigte sich nicht nur selbstbewusst mehrfach als Entwicklerin, sie nahm auch ihre Karriere selbst in die Hand, was sich als äußerst schwierig erwies …

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.09.2025

Meine Erwartungen wurden nicht erfüllt

Die Einladung – Mord nur für geladene Gäste
1

Die 76-jährige Mimi hat sich ein ruhiges Rentnerdasein eingerichtet - bis auf ihre Bridge-Runde meidet sie Menschen weitestgehend. Doch nun erhält sie eine “Einladung” zu einer Auktions-Party im herrschaftlichen ...

Die 76-jährige Mimi hat sich ein ruhiges Rentnerdasein eingerichtet - bis auf ihre Bridge-Runde meidet sie Menschen weitestgehend. Doch nun erhält sie eine “Einladung” zu einer Auktions-Party im herrschaftlichen Herrenhaus einer Nachbarin, die sie nicht leiden kann. Mimi muss allerdings hingehen, sonst wird ihr dunkelstes Geheimnis verraten! Sie bekommt es mit der Angst zu tun und bittet ihre Enkelin, sie zu begleiten.

Auf der Party sind noch weitere Gäste mit brisanten Geheimnissen, aber niemand weiß, dass die anderen auch erpresst werden, auf die Kunstgegenstände der Gastgeberin zu bieten. Während draußen ein heftiger Schneesturm aufzieht, wird drinnen jemand ermordet - die Gastgeberin! Ist Mimis Geheimnis nun sicher? Hat sich ein Gast für die Erpressung gerächt oder die Nerven verloren? Mimi und Addie beginnen zu ermitteln, es bleibt jedoch nicht bei einer Leiche …

Die Ausgangssituation hat mich neugierig gemacht, und die Leseprobe hat mir ein unterhaltsames, klassisches Whodunnit sowie Potenzial für Spannung mit überraschenden Wendungen vermittelt. Ich wollte das Buch wirklich mögen, aber Figuren(dynamik), Handlung und Humor entwickelten sich mehr und mehr in eine Richtung, die einfach nicht meinem Geschmack entsprach.

Mimi und Addie sind oft ziemlich direkt, Mimi empfand ich zudem nicht selten als unnötig schroff. Ich finde - wer austeilt muss auch einstecken können - und mMn reagieren beide empfindlich, wenn man ihnen gegenüber deutlich wird. Die Nebenfiguren sind durchaus interessant und/oder undurchsichtig gestaltet, sie bleiben meiner Ansicht nach allerdings eher blass. Außerdem fand ich einige Dynamiken ein bisschen irritierend, was ich nicht ausführen kann, um nicht zu spoilern.

Erzählstil, Atmosphäre sowie Setting haben mir grundsätzlich gefallen, einige Elemente empfand ich etwas demonstrativ und der Humor war nicht mein Fall. Manchmal wirkten die “Szenen-Übergänge” innerhalb eines Kapitels auf mich ein wenig abrupt und ich meine ein paar kleine Logiklücken entdeckt zu haben.

Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass „Die Einladung“ eine tolle Grundidee verfolgt, aber in der Umsetzung ein My Feinschliff vertragen könnte. Außerdem empfand ich den Spannungsaufbau als recht langsam. Was die Auflösung betrifft – ich weiß nicht, ob ich sie raffiniert oder konstruiert finden soll. Fans von klassischen Krimis mit eigentümlichen Charakteren und einem Hauch Gesellschaftssatire sollten sich das Buch definitiv anschauen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.09.2025

Das Waisenhaus des Grauens voller Geheimnisse

Coram House
0

1968, Neuengland: Ein Waisenjunge, der in Coram House lebt (in einem katholischen Kinderheim, in dem Ordensschwestern und Priester das Regiment führen) ertrinkt beim Schwimmunterricht im See. Ein Waisenmädchen ...

1968, Neuengland: Ein Waisenjunge, der in Coram House lebt (in einem katholischen Kinderheim, in dem Ordensschwestern und Priester das Regiment führen) ertrinkt beim Schwimmunterricht im See. Ein Waisenmädchen hat beobachtet, doch sie hat gute Gründe nichts zu tun, nichts zu sagen. Am nächsten Tag heißt es, der Junge sei weggelaufen, er wird offiziell als vermisst gemeldet.

Jetzt, Neuengland: Die 36-jährige New Yorkerin Alex, eine True-Crime-Autorin, hat (in mehrfacher Hinsicht) eine schwere Zeit hinter sich, weshalb sie einen Neustart braucht. Sie nimmt sie einen anonymen, weit entfernten Job an – sie zieht für sechs Monate nach Vermont, um zu recherchieren und als Ghostwriter zu schreiben - über Coram House. Der massive Machtmissbrauch dort wurde in später untersucht, doch man einigte sich außergerichtlich mit “Schmerzensgeldzahlungen”. Alex wühlt sich durch widersprüchliche Zeugenaussagen und seltsamerweise scheint ihr Auftraggeber nicht wirklich an der Wahrheit interessiert zu sein. Sie stößt sie auf irritierende Verbindungen zwischen Leuten, die mit dem Waisenhaus zu tun hatten, dann gibt es eine Leiche mit Bezug zu Coram House und schließlich wird es kompliziert und gefährlich …

Der atmosphärische, ausdrucksstarke Schreibstil, die tolle Protagonistin, mit der man gerne mitfiebert, die düstere Handlung sowie das unwirtliche Setting (Vermont, das unter Schnee und Eis begraben ist) sind absolut mitreißend!

Alex’ Recherchen sind packend gestaltet, zudem gibt es interessante Einblicke in ihre Vergangenheit. Man lernt die Cold Cases ihrer vorherigen True-Crime-Bücher kennen, genau wie Alex’ Fehler und Schwächen, die sie sehr menschlich machen, aber auch sympathisch, denn sie ist wirklich selbstkritisch!

Die spannende Handlung voller undurchsichtiger Nebenfiguren, überraschender Wendungen und entsetzlicher Enthüllungen machen “Coram House” zu einem fesselnden Leseerlebnis, das sich kein Thriller-Fan entgehen lassen sollte!

Das Nachwort ist leider lesenswert!!!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.09.2025

Ich bin zwiegespalten

Spookily Yours
0

Die junge Hexe Willow lebt in der idyllischen Kleinstadt Pleasant Grove, in der Magie nichts Ungewöhnliches ist! Sie arbeitet in dem Café ihrer Schwester, lebt ein unspektakuläres Leben, doch dann läuft ...

Die junge Hexe Willow lebt in der idyllischen Kleinstadt Pleasant Grove, in der Magie nichts Ungewöhnliches ist! Sie arbeitet in dem Café ihrer Schwester, lebt ein unspektakuläres Leben, doch dann läuft ihr der Kater Damien über den Weg, der ihre Hilfe braucht. Willow freut sich, dass endlich etwas Aufregendes passiert, weshalb sie einwilligt dem verfluchten Kater zu helfen: sie hebt den Fluch auf, sodass er wieder ein Mensch wird. Damien ist allerdings ein Dämon - ist das evtl. ein Problem?

Ich wollte das Buch wegen der herbstlichen cosy vibes und dem Thema Hexen bzw. Magie lesen: ich war neugierig, was hinter dem Fluch steckt bzw. was es mit dem Dämon auf sich hat – Liebesgeschichten interessieren mich generell kaum.

Das malerische Kleinstadtflair, die herbstliche Halloweenstimmung, das Thema Hexen bzw. Zauberei sind absolut gelungen! Die Charakterzeichnung sowie die Beziehung zwischen Willow und Damien konnten mich hingegen nicht wirklich überzeugen - ich empfand die beiden sowie ihre Entwicklung als eher oberflächlich, Stichwort “Insta Love”.

“Spookily Yours” ist ein stimmungsvoller, süßer, witziger Roman, der locker leicht daherkommt und auf mich wie ein unterhaltsames Jugendbuch wirkte, wären da nicht die spicy Szenen gewesen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere