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SofieWalden

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.11.2025

Wie fühlt man, was denkt man, nach so vielen gelebten Jahren, Auseinandersetzung und Aufarbeitung zugleich

Damentour
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Ruth und ihre Freundin Anna planen, eine ganz eigene Konstellation zu schaffen, eine Zusammenkunft einer Gruppe von Frauen, aufs Ruths Anwesen. Die Fünf, die dann anreisen, sind sehr verschieden, was ja ...

Ruth und ihre Freundin Anna planen, eine ganz eigene Konstellation zu schaffen, eine Zusammenkunft einer Gruppe von Frauen, aufs Ruths Anwesen. Die Fünf, die dann anreisen, sind sehr verschieden, was ja eigentlich auch nicht anders sein kann, denn alle sind schon ein paar Jahre mehr auf dieser Welt und haben ihren Anteil am Dasein erlebt. Das hat aus jeder Einzelnen der Protagonistinnen etwas gemacht und nun sind sie hier, um sich in diesem schönen Ambiente auseinanderzusetzen, mit dem Älterwerden, ja eigentlich dem Ältersein. Man geht in sich, soweit man das aushalten kann. Aber der Hauptaugenmerk ist auf ein Aufarbeiten in der Gemeinschaft, miteinander und manchmal auch in Konfrontation, ausgerichtet. Das ist spannungsreich und freundschaftlich zugleich, gespickt mit Wahrheiten, in allen Varianten, nicht immer schön und auch nicht immer sympathisch. Und beim Betrachter, dem Leser, der hier eingeladen wird, teilzuhaben, kommen nicht nur positive Gefühle auf. Aber das ist auch nicht gewollt. Denn hier soll sich niemand fügen, sich positiv verkaufen, sich nicht so verhalten, Altersentsprechend, den Erwartungen der Gesellschaft angepasst. Hier geht es um jeden Einzelnen als Mensch und noch ist das Leben nicht vorbei, nein, ist es nicht. Und als es zu Ende ist, dieses dreimonatige 'Experiment', ist viel geschehen, in jedem drin. Und für alle wird es nun, bewusst und fokussiert, weitergehen, selbstgewählt, hin zu einem selbstbestimmtes Sein.
Diese Geschichte, sie zu lesen, war interessant und spannend, gerade weil gleichzeitig nichts und doch so viel passiert. Und man bleibt zurück, nimmt 'sein ganz eigenes Ding davon mit', mit vielen Denkanstößen und Gelegenheit zur Selbstreflexion. Es geht gar nicht anders.

Veröffentlicht am 26.11.2025

Ein Gefühl von Verlust und ein schöner Vorschlag für einen Weg, damit umzugehen

Malte & Oßkar und der Lauf der Dinge
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Malte hat einen besten Freund, Oßkar, eine Taube. Als diese eines Tages durch Maltes Ungeschick verletzt wird, ist da plötzlich ein ganz komisches Gefühl in ihm drin. Es ist Angst, die Angst, dass er seinen ...

Malte hat einen besten Freund, Oßkar, eine Taube. Als diese eines Tages durch Maltes Ungeschick verletzt wird, ist da plötzlich ein ganz komisches Gefühl in ihm drin. Es ist Angst, die Angst, dass er seinen Freund verlieren wird. Aber da ist ja Phia, das Mädchen von nebenan. Auch sie ist für Malte die beste Freundin und sie hilft, damit es Oßkar ganz schnell wieder gut geht. Irgendwann wird der Lauf der Dinge dazu führen, dass seine Taube nicht mehr ist, aber nicht jetzt. Aber dieses Gefühl von Verlust, es lässt den Jungen nicht mehr los. Und Phia, sie hat sogar tatsächlich schon einmal Sterben und Trauer erlebt, mit ihrem Hund. Was dann kommt, ist ein wenig Traum und ganz viel Fantasy und es ermöglicht Osßar, mehr darüber zu erfahren, es gar zu fühlen, dass das Sterben zum Leben dazu gehört und den Trost kennenzulernen, der einem beim Trauern hilft. Hier ist dieser gar ganz konkret, sozusagen zum Anfassen, in Form eines freundlichen kuscheligen Traumwesens. Mit diesem geht es es auf eine Reise und man erlebt eine mögliche Vorstellung von dem, was danach kommt, für Phias Hund, dem es nun in dieser anderen Welt gut geht.
Dies ist eine schöne Geschichte, um Kindern dieses schwere Thema auf eine ganz besondere Art nahe zu bringen, ihnen Angst zu nehmen und den Umgang mit der Trauer, wenn man in eine solche Situation kommt, leichter zu machen. Und dann sind da noch die Bilder, die diese Geschichte nicht einfach nur begleiten, sondern ein ganz wichtiger Teil davon sind. Sie sind wunderbar gelungen, geradezu grandios ab dem Moment, wo man diese besondere andere Welt betritt, mit warmen, gar wärmenden Farben und sie tragen ganz entscheidend dazu bei, dass das ungute Gefühl vergeht und man die Nähe zulässt, die uns diese Geschichte vorschlägt, um damit umzugehen.

Veröffentlicht am 24.11.2025

Ein Wald, vier Katzenclans und der Versuch, die Macht an sich zu reißen

Warrior Cats - Die Prophezeiungen beginnen
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Vier Katzenclans und der Wald, der ihr Zuhause ist, damit fängt alles an. Es ist ein zunehmend fragiles Gebilde aus Regeln und Absprachen, das für alle ein weitgehend friedliches Leben möglich macht. Doch ...

Vier Katzenclans und der Wald, der ihr Zuhause ist, damit fängt alles an. Es ist ein zunehmend fragiles Gebilde aus Regeln und Absprachen, das für alle ein weitgehend friedliches Leben möglich macht. Doch immer wieder kommt es zu kämpferischen Auseinandersetzungen, die in jüngster Zeit für einen der Kriegerkatzen und zudem zweitem Mann des Donner-Clans, zum Tod führt. Das rührt am Machtgleichgewicht und auch der Nachwuchs an Kriegerschülern lässt zu wünschen übrig. In dieser Situation betritt der Hauskater Sammy den Wald und er nutzt das Angebot der Anführerin des Donner-Clans, verabschiedet sich von seinem ungeliebten Leben als domestizierter Katze und will ein Krieger werden. Er lernt schnell und macht seine Sache zur Überraschung einiger der Clanmitglieder gut. Er zeigt Fähigkeiten, die ihn zu Höherem berufen und die in der Luft liegende von einem der Clans anvisierte alleinige Machtübernahme im Wald, er wird sich für seine neue Familie dem entgegen stemmen, voller Entschlossenheit.
Die reinen Textbände der 'Warrior Cats' waren ein großer Erfolg. Und jetzt also die Umsetzung in Gestalt einer Comic-Version. Das Flair, das diese Fantasy-Geschichte aus der Katzenwelt umgibt, packend von Anfang an und die Nähe, gerade zu Sammy, der jetzt Feuerpfote heißt, ist sofort da. Die Spannung, ob und wie Feuerpfote seinen Weg geht, wie er zu einem Teil dieser auch für ihn anderen Welt wird und gar zu dem einen Krieger und Leittier aufsteigt, das ist ganz großes bildhaftes und atmosphärisches Kino, mit stehenden Bildern, die so lebendig daherkommen, das man gerne für eine Weile darin versinkt.

Veröffentlicht am 19.11.2025

Nach dem Rückzug wieder zurück ins Leben

Lass uns noch bleiben
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Anna lebt in Berlin und betreibt dort einen Pflanzenladen. Bis vor Kurzem hat sie sich sehr wohl gefühlt in ihrem Leben, bis es dann anders wurde. Denn ihre Freundin Vinka ist, von heute auf morgen, einfach ...

Anna lebt in Berlin und betreibt dort einen Pflanzenladen. Bis vor Kurzem hat sie sich sehr wohl gefühlt in ihrem Leben, bis es dann anders wurde. Denn ihre Freundin Vinka ist, von heute auf morgen, einfach gegangen. Kein Wort, warum. Und Anna, sie versucht, verletzt, unsicher und allein, einfach weiterzumachen. Die kleinen Rituale wie der morgendlichen Plausch mit dem benachbarten Antiquar helfen ihr dabei, aber die Trauer und die Frage, voran es lag, treiben sie um. Doch dann kommt Alex in ihren Laden und bittet darum, seine Wohnungsanzeige bei ihr aufhängen zu dürfen. Zögerlich bietet Anna ihm ein Zimmer in ihrer (zu) großen Wohnung an, für einen und er nimmt an. Man sieht sich kaum, denn Alex betreibt eine kleine Bar und arbeitet so nachts. Er drängt sich auch nicht auf. Aber er ist freundlich und bietet sich an, für eine Mahlzeit, für einen Besuch von ihr in seiner Bar. Und in Anna keimt ein erster kleiner Funken auf, dem Leben wieder offener zu begegnen. Schließlich macht man sich zusammen auf den Weg, Vinka zu suchen und endlich eine Antwort zu finden, warum ihre Freundin meinte, Anna so ohne Worte zurücklassen zu müssen.
Diese Geschichte, klein, aber fein. Auf eine sehr ruhige Weise wird hier ein Stück Leben erzählt, kein großes Drama oder in diesem Augenblick eben doch, für diesen einen Menschen Anna auf jeden Fall. Man liest es gern, dieses Buch und begleitet Anna auf ihrem Weg, raus aus dem Schneckenhaus, erlebt, wie sie langsam wieder Vertrauen fasst zu einem anderen Menschen, der auch eine Geschichte mit sich trägt. Und ja, es entwickelt sich etwas.
Hier erfährt man eine wirklich schöne Lesezeit.

Veröffentlicht am 16.11.2025

Eine Männerfreundschaft mit viel Gemeinsamkeit und intensivem Austausch

Dius
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Es ist Dius, der Kunststudent, der eines Tages an Anton, den Dozenten, der seinen Schülern die Kunstphilosophie näherzubringen versucht, herantritt und seine Freundschaft erbittet. Etwas befremdet von ...

Es ist Dius, der Kunststudent, der eines Tages an Anton, den Dozenten, der seinen Schülern die Kunstphilosophie näherzubringen versucht, herantritt und seine Freundschaft erbittet. Etwas befremdet von diesem Vorschlag, stimmt der ruhige zurückhaltende Mann dann dennoch zu und die beiden finden in langen Spaziergängen durch das gemeinsame Interesse an jeder Art von Kunst bald zu einer Nähe, die man tatsächlich Freundschaft nennen kann. Diese angenehme Vertrautheit geht auch über auf die Themen des Lebens. Und die Natur, die sie umgibt, auch sie spielt eine große Rolle in ihren Gedankengängen, mal direkt, mal in der Übertragung auf andere Bereiche. Doch dann kommt es zum Bruch, wegen einer Lüge. Viele Jahre später steht Dius erneut vor der Tür seines früheren Freundes und Anton lässt ihn ein.
Dieses Buch, es hat eine wunderbar ruhige Ausstrahlung. Der literarische Schreibstil, poetisch und es ist einfach ein Genuss, wie hier durch das Wort eine so besondere Atmosphäre geschaffen und Gedanken über Kunst so allumfassend vielschichtig an uns Leser herangetragen werden, ohne abstrakt und abgehoben zu erscheinen. Kunst ist einfach ein Teil vom großen Ganzen, das unser Leben schöner macht und einen Kontakt schafft, für ein Mehr für das eigene Sein.
Besonders und sehr anregend und eben auch sehr menschlich.