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Veröffentlicht am 13.03.2025

Wow - ein grandioser Roman über Freundschaft (und vieles mehr) in schwierigen Zeiten

Unser Buch der seltsamen Dinge
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Die jugendliche Protagonistin Miv lebt im England der 70er Jahre. Sie soll mit ihrer Familie umziehen, aber Miv möchte unter keinen Umständen ihre Freundin Sharon verlieren, die beiden sind unzertrennlich. ...

Die jugendliche Protagonistin Miv lebt im England der 70er Jahre. Sie soll mit ihrer Familie umziehen, aber Miv möchte unter keinen Umständen ihre Freundin Sharon verlieren, die beiden sind unzertrennlich. Ein Grund des Umzugs ist die Mordserie des Yorkshire Rippers, der in unmittelbarer Umgebung von Mivs Wohnort die Menschen in Angst versetzt. Miv und Sharon fassen den Plan, den Täter zu finden, damit ein Umzug verhindert werden kann - denn die Polizei tappt bisher komplett im Dunklen. Die beiden beginnen ihre Suche in ihrem Umfeld, irgendjemand wird sicherlich verdächtig sein. Die beiden decken während ihrer Ermittlungen einiges auf, was die kleine Stadt aufwühlen wird.

Ich kann zu dem Buch nur eins sagen: Wow! Der Klappentext verrät nicht annähernd, in welche Richtung die Geschichte gehen wird. Die Protagonistin Miv und ihre Freunde sind alle sehr viel jünger als das Zielpublikum, aber gerade das macht den Charme der Geschichte aus. Miv erzählt aus der Ich-Perspektive mit einer jugendlichen Naivität und trotzdem sehr reif für ihr Alter, was auch an ihrer Familiensituation liegen mag. Jennie Godfrey hat einen unglaublich tollen Erzählstil, der den Leser fesselt und eine Sogwirkung erzielt, mit der ich nicht gerechnet habe. Man schaut Miv und Sharon gerne bei ihren eher schlecht laufenden Ermittlungen über die Schulter.
Das Besondere am Buch, was ich vom Klappentext her nie erwartet hätte, ist die Vielfalt an Themen und auch Genres, die Godfrey hier aufgreift: im Zentrum stehen vor allem Freundschaft und Familie, aber auch Rassismus, Ausgrenzung, häusliche Gewalt und Trauer finden einen Platz, was das Buch absolut grandios vereint. Vor allem Mivs Entwicklung im Verlauf der Geschichte hat mich gerührt und auch die Entwicklung ihrer Freundschaft zu Sharon. Steht zu Beginn noch die Suche nach dem Yorkshire Ripper im Vordergrund, wird sie mehr und mehr in den Hintergrund gedrängt und andere Geheimnisse und Geschehnisse in der Kleinstadt kommen ans Licht.

Ich hatte zuvor noch nichts von dem Yorkshire Ripper gehört, umso spannender war für mich die Tatsache, dass sich die Mordserie genau so zugetragen hat und der damalige Täter Peter Sutcliffe ebenfalls ein ganz unscheinbarer Mensch war.
Vor allem gegen Ende hat mich das Buch nochmal richtig aufgewühlt. Es wird traurig, sehr traurig, aber gibt auch Hoffnung und zeigt, wie wichtig gerade Freundschaft, Familie, Zusammenhalt und Nachbarschaftshilfe in schwierigen Zeiten sind.

Für mich ein absolut grandioser Roman, der viele Themen vereint und aus einer ungewöhnlichen Perspektive erzählt wird. Das Buch wühlt einen auf, ist aber dennoch so fesselnd, dass es von mir volle fünf Sterne gibt und eine unbedingte Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 12.03.2025

Spannender Pageturner mit tollem Plot-Twist

Wenn sie wüsste
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Millie braucht dringend einen Job, überraschend erhält sie nach einem Vorstellungsgespräch in einer reichen Familie einen Job als Hausmädchen. Nina und Andrew Winchester sowie die Tochter Ceclila wohnen ...

Millie braucht dringend einen Job, überraschend erhält sie nach einem Vorstellungsgespräch in einer reichen Familie einen Job als Hausmädchen. Nina und Andrew Winchester sowie die Tochter Ceclila wohnen in einem großen Haus in Long Island. Millie wird in einer kleinen Kammer im Haus wohnen, doch bereits zu Beginn kommen ihr erste Zweifel sowohl an ihrem Zimmer als auch an dem Job selbst. War das Haus zu Beginn noch in tadellosem Zustand, gleicht es an Millies erstem Tag einem Schlachtfeld und auch die verwöhnte Cecilia macht ihr das Leben schwer. Es scheint, als hätte Nina zwei Gesichter, doch das ist erst der Anfang eines Albtraums...

Da das Buch so gehypt wurde, war ich zunächst erst skeptisch ob das Buch halten kann, was es verspricht - und ich wurde nicht enttäuscht!
Bereits zu Beginn wird man in die Geschichte gesogen als die Polizei im Haus ist und gerade wegen eines Leichenfunds ermittelt. Da keine Namen genannt werden, ist es direkt spannend, weil man nicht weiß, wer Täter und Opfer ist. Danach beginnt die Geschichte drei Monate zuvor. Es wird zum großen Teil aus Millies Sicht erzählt, was einem als Leser die Geschichte noch näher bringt. Wie Millie lernen wir als Leser zunächst die Winchesters und deren Eigenarten kennen. Der Schreibstil ist locker und gut zu lesen, man fliegt durch die Seiten. Dadurch, dass auch Millie komplett unwissend ist, was sich in der Familie abspielt, baut sich ein guter Spannungsbogen auf, der auch lange gehalten wird. Eine tolle Nebenfigur war für mich auch Enzo, der die Geschichte von Anfang an begleitet. Er unterstreicht das Unheimliche, das die Familie umgibt, nochmals.

"Wenn sie wüsste" ist ein spannungsreicher Pageturner und mit seinem lockeren Schreibstil und einem guten Spannungsbogen überzeugt. Einziger kleiner Kritikpunkt ist für mich, dass es irgendwann recht vorhersehbar war, was passiert und passieren wird. Nichtsdestotrotz ist Freida McFadden ein spannender Auftakt gelungen und ich bin auf die weiteren Teile gespannt!

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Veröffentlicht am 04.03.2025

Kommt nicht an den ersten Band heran - zu verworrene und komplizierte Handlung

Das Mörderarchiv: Der Tod, der am Dienstag kommt
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Annie lebt mittlerweile in Castle Knoll auf Gravesdown Hall. Sie hat sich mehr oder weniger in die Dorfgemeinschaft eingelebt, trotzdem fühlt sie sich oft alleine auf dem riesigen Anwesen. Zu Beginn der ...

Annie lebt mittlerweile in Castle Knoll auf Gravesdown Hall. Sie hat sich mehr oder weniger in die Dorfgemeinschaft eingelebt, trotzdem fühlt sie sich oft alleine auf dem riesigen Anwesen. Zu Beginn der Handlung begegnet sie Peony Lane, der Wahrsagerin, die auch einst Frances vorausgesagt hat, dass sie ermordet wird. Auch Annie bekommt einige kryptische Andeutungen, mit denen sie nichts anfangen kann. Kurz darauf wird Peony auf dem Anwesen in der Orangerie tot aufgefunden - mit einem Messer im Rücken, auf dem mehr als genug Fingerabdrücke von Annie sind. Annie ermittelt erneut und noch immer gibt es einige ungeklärte und nicht aufgedeckte Geheimnisse in Castle Knoll...

Ich wollte zunächst den zweiten Band in einer Leserunde lesen, konnte mich aber aufgrund der Vielzahl an Personen und Nebenhandlungen überhaupt nicht orientieren. Ein Personenverzeichnis oder Familienstammbaum fehlt auch im zweiten Band, was das Verständnis erheblich stört und für viel Verwirrung sorgt. Deshalb habe ich mir den ersten Band vorgenommen und fand die Geschichte gut - dementsprechend gespannt war ich auf den zweiten Band.
Ich musste mich beim Lesen noch mehr konzentrieren als im ersten Band um den Überblick zu behalten. Annie wirkt noch unstrukturierter, zerstreuter und verkopfter als im ersten Band. Es gibt so unzählig viele lose Enden in den Mordermittlungen, dass nur wenige davon aufgegriffen werden und man als Leser kaum noch hinterher kommt. Die Freude am Miträtseln und Kombinieren wurde mir beim Lesen immer mehr genommen und ich bin recht lustlos durch die Seiten geflogen.
Frances' Tagebucheinträge sind wieder mal recht spannend und geben Hinweise auf frühere Verstrickungen der Figuren und heutige Ermittlungen. Annie in der Gegenwart kann mich jedoch als Ermittlerin nicht überzeugen. Vor allem ihre Beziehung zu Detektive Crane ist mir irgendwann auf die Nerven gegangen, da Annies Freundin Jenny auch immer wieder darüber gekichert hat und Annie mit vielsagenden Blicken bedacht hat.

Für mich kann der zweite Band nicht mit dem ersten mithalten, es werden so viele falsche Fährten gelegt und lose Enden eingeflochten, dass für mich die Handlung zu verwirrend blieb. Schade!

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Veröffentlicht am 28.02.2025

Britischer Cozy Crime - trotz guter Ausgangslage bleibt die Handlung für mich verwirrend

Das Mörderarchiv
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Annie Adams bekommt einen Brief ihrer Großtante Frances: sie soll das Gesamtvermögen und Anwesen erben statt ihrer Mutter Laura. Annie fährt nach Castle Knoll, wo Tante Frances wohnt. Als sie ankommt, ...

Annie Adams bekommt einen Brief ihrer Großtante Frances: sie soll das Gesamtvermögen und Anwesen erben statt ihrer Mutter Laura. Annie fährt nach Castle Knoll, wo Tante Frances wohnt. Als sie ankommt, liegt diese jedoch tot in ihrer Bibliothek - und zwar ermordet! Frances bekam vor sechzig Jahren eine Weissagung, dass sie ermordet wird und das ist nun eingetreten. Laut Testament soll derjenige das Vermögen und Anwesen erben, der innerhalb einer Woche den Mord an Frances aufklärt. Neben Annie ist auch Saxon zugegen, der Neffe Frances'. Da Frances von ihrer Weissagung wie besessen war, hat sie in ihrem Haus ein Archiv angelegt, in dem sie jede Straftat wirklich jedes Einwohners dokumentiert hat. Gelingt es Annie, den Mord aufzuklären?

Das Cover ist sehr schön gestaltet, typisch britisch und mit hohem Wiedererkennungswert. Auch die Geschichte geht direkt gut los: mit der Weissagung, die Frances auf einem Jahrmarkt bekommt im Jahr 1965. Die Kapitel sind aus der Ich-Perspektive Annies geschrieben. Sie wirkt oft naiv und blauäugig, erkennt Zusammenhänge manchmal schwer und oft hatte ich das Gefühl, dass sie uns als Leser nicht an allen Geschehnissen teilhaben lässt. Sie erzählt nur das, was sie uns wissen lassen möchte. Durchbrochen werden die Kapitel mit Tagebucheinträgen, die Frances in der Zeit nach der Weissagung verfasst hat. Sie geben immer Hinweise auf die Zusammenhänge, die auch für die Mordermittlungen von Bedeutung sind. Außerdem gewinnt man als Leser so natürlich einige Eindrücke mehr, die Annie bei ihren Ermittlungen meist noch nicht hat.
Die Figuren bleiben jedoch oberflächlich und ohne Tiefe, was auch an der subjektiven Erzählweise liegt. Auch auf das angepriesene Mörderarchiv wird wenig eingegangen. Oft verzettelt sich Annie bei ihren Ermittlungen, sie geht meist unstrukturiert und vor allem unvorsichtig vor, was sie selbst in Gefahr bringt. Auch die gewöhnungsbedürftige Erzählzeit im Präsens wirkt oft langatmig und langweilig.
Ein großer Minuspunkt sind die vielen Figuren und Nebenfiguren, die sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart auftauchen. Ich musste mich beim Lesen sehr konzentrieren, alle Zusammenhänge und Beziehungen zu verfolgen und den Überblick zu behalten.

"Das Mörderarchiv" ist ein typischer Cozy Crime, der typisch britisch daher kommt und Fans von unblutigen Krimis vermutlich begeistern wird. Trotz einiger Schwächen lässt sich die Geschichte gut lesen und die beiden unterschiedlichen Erzählweisen und Zeiträume sind spannend verknüpft.

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Veröffentlicht am 17.02.2025

Zu bildhafte Sprache, zu poetisch - trotzdem ein interessantes Buch

Quallen haben keine Ohren
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Louise hört so gut wie nichts mehr, nur noch Rauschen und einzelne Wortfetzen dringen in ihr Gehör. Bisher konnte sie ganz gut unter dem Radar bleiben und durch das Lernen und Verbessern von Lippenlesen ...

Louise hört so gut wie nichts mehr, nur noch Rauschen und einzelne Wortfetzen dringen in ihr Gehör. Bisher konnte sie ganz gut unter dem Radar bleiben und durch das Lernen und Verbessern von Lippenlesen kommt sie halbwegs im Leben zurecht. Nun droht aber ihr Gehör ganz zu verschwinden, die Ärzte raten ihr dringend zu einem Cochlea-Implantat. Louise ist hin und her gerissen, ihr Leben lang schon schwebt sie in einer Art Zwischenwelt: sie gehört weder zu den Gehörlosen und kann Gebärdensprache noch zählt sie zur Welt der Hörenden. Wird sie sich für das Implantat entscheiden und was sagt ihr Umfeld dazu?

Mich hat die Thematik des Buches sehr interessiert und ich habe gehofft, mehr über ein mir unbekanntes Thema zu erfahren.
Das Buch ist aus der Ich-Perspektive Louises geschrieben. Dadurch erfährt man alles hautnah und kann sich gut in sie hinein fühlen. Als hörende Person konnte ich mir bis dahin nicht wirklich vorstellen, wie es ist, Menschen nicht zu verstehen, sich deshalb ausgeschlossen zu fühlen und nirgends zugehörig. Es sind die kleinen Dinge, die Louise beschreibt und die trotzdem so viel aus ihrem Leben erzählen: der Einkauf im Supermarkt oder der Besuch beim Arzt. Das alles wird gut aus ihrer Sicht beschrieben, jedoch ist die Sprache und der Erzählstil allgemein sehr bildhaft und poetisch. Es werden verschiedene Metaphern benutzt für verschiedene Gefühlszustände, die meinen Lesefluss öfters gestört haben. Wahrscheinlich ist es von der Autorin so gewollt, aber oft musste ich mich beim Lesen sehr konzentrieren um den Ganzen zu folgen. Man kann das Buch nicht einfach "weg lesen", es erfordert volle Konzentration und ist anspruchsvoll.
Ich habe nach dem Lesen ein Interview mit Adèle Rosenfeld gesehen, in dem sie von ihren eigenen Erfahrungen als Schwerhörige erzählt. Das macht einem das Buch nochmals begreiflicher, lebt es doch von den detaillierten Beschreibungen und der Geschichte Louises.

Für mich ist "Quallen haben keine Ohren" ein interessantes und ungewöhnliches Buch, das ein schwieriges Thema aufgreift, jedoch hat mich die Sprache nicht vollends überzeugen können.

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