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Sophie_Jahn

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.01.2020

"Wer Wind sät, wird Sturm ernten." (S. 255)

Die Spiegelreisende
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Wenn man nur flüchtig auf das Cover blickt, könnte man fast denken, das sich das Bild, die Arche darauf, gar nicht ändert, sondern nur die Farbe des Covers allgemein. Denn auch auf den vorherigen zwei ...

Wenn man nur flüchtig auf das Cover blickt, könnte man fast denken, das sich das Bild, die Arche darauf, gar nicht ändert, sondern nur die Farbe des Covers allgemein. Denn auch auf den vorherigen zwei Bänden ist immer eine Arche abgebildet bzw. ein Teil davon, die der Haupthandlungsort der Geschichte werden wird.
Doch eine Arche? Was soll das überhaupt sein?

In dieser Fantasyreihe von Christelle Dabos wurde die Welt zerrissen. Nur Bruchstücke, sogenannte Archen, sind zurückgeblieben, die von den Familiengeistern regiert werden. Je nach Familiengeist haben die dort lebenden Menschen auch unterschliedliche Fährigkeiten, sodass Ophelia, als sie nun nach Babel reist, eine seltene Fährigkeit als Leserin hat. Sie hat die Möglichkeit ergriffen, Anima zu verlassen und nun nach Thron zu suchen, von dem sie seit dessen Flucht nichts mehr gehört hat..
Umgeben von unbekannten Regeln, Zensoren und Virtuosen begibt sich sich auf die Suche, obwohl sie gar nicht weiß, wonach genau sie sucht. Nur eins erkennt sie recht schnell: um Thorn zu helfen, den Anderen aufzuhalten und zu sich selbst zu finden, ist vielleicht nur "die letzte Wahrheit" der richtige Schlüssel...

Gleich zu Beginn des Buches findet sich nicht nur wieder eine sehr schöne Karte, die alle Windrosen zwischen den Archen zeigt, sondern auch eine kleine Zusammenfassung, die es einem erleichtert, sich die vorherigen Ereignisse in Erinnerung zu rufen und so problemlos in die Geschichte einzusteigen. Einzig für Neulinge könnte diese etwas zu kurz sein, sodass ich empfehlen würde, immer zuerst die vorherigen Bücher zu lesen, um nicht vor lauter Fragen, die Lust am Lesen zu verlieren.

Ophelia kehrt hier so wieder, wie wir sie bereits kennengelernt haben: tollpatschig, liebenswürdig, ehrlich und nicht zuletzt auch unglaublich neugierig. Egal welches Hindernis sich ihr in den Weg stellt, um Wissen zu erlangen, ist ihr keine Hürde zu umständlich. Dabei beweist sie aber auch einen Gleichmut, der bei mir nur Staunen hervorgerufen hat. Sie erkennt, wenn eine Situation zu verfahren ist, um andere durch die Wahrheit zu überzeugen. Dabei fügt sich sich aber nicht kampflos in ihr Schickal, sondern ist so objektiv und ehrlich zu sich selbst, dass sie ihren inneren Widerstand zur rechten Zeit in Tatendrang transformiert. Da man aber nie weiß, wann sich die Gelegenheit dafür bietet und wie andere reagieren, ist es unglaublich spannend, Ophelia auf ihrem Weg zu begleiten.

Ich hätte auch nie gedacht, wie interessant ich es finden würde, diese neue Welt, die Arche Babel, zu erkunden. Kurz zeigt sich da auch die Kritik an unserer Gesellschaft, da man nur durch Äußerlichkeiten und die einem vererbten Gaben einer bestimmten Schicht zugeordnet wird. Man verbietet kriegerisches Vokabular und ersetzt dieses durch Euphemismen, auf das alles vergangene in Vergessenheit gerät und darum Frieden einkehren kann. Diese Illusion, die wir hier finden, sollte uns in unserem Alltag die Augen öffnen, uns sensibilisieren und nicht alles einfach nur hinnehmen lassen.

"Denk selbst nach, kleiner dummer Mensch, anstatt stumpf zu wiederholen, was man die vorsagt!" S. 250

Aber neben Ophelias neuem Antrieb hat auch Archibald eine neue Leidenschaft für sich entdeckt. Er ist fest entschlossen Erdenbogen, eine verborgene Arche, zu finden, sodass die Geschichte auch durch Perspektivwechsel aufgelockert wird, die einem Berenildes Situation zeigen. Dadurch ist ein Kapitel fesselnder als das andere und man kommt gar nicht umhin, die Zeit zu vergessen. Doch gerade diese Eigenschaft ist auch dem Schreibstil der Autorin geschuldet, da dieser zwar nüchtern scheint, letztlich aber von verschiedenen Emotionen durchdrungen ist, sodass man in die Figuren quasi "hineingesogen" wird. Man fühlt mir den Figuren mit, entwickelt Verständnis für ihr Handeln und möchte am Ende des Buches gerne bei ihnen, in ihrer Welt, verweilen.

Ich denke darum, dass 5 Sterne als Bewertung dem Buch fast gar nicht gerecht werden.. Erst im Nachhinein erkennt man, wie tiefgründig manche Darstellungen sind, sodass sicher erst nach mehrmaligem Lesen jede Facette der Geschichte entdeckt werden kann.

Eine fesselnde, nachdenklich stimmende und mitreißende Geschichte, die man einfach gelesen haben muss!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.12.2019

Eine lesenswerte Geschichte mit für mich falschem Sprecher (Mitch)

Sinking Ships
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Nach „Burning Bridges“ folgt nun dieser Roman Tami Fischers, der seinem Vorgänger in nichts nachsteht und vielleicht sogar diesen noch übertrifft! Da ich aber erst mit „Sinking Ships“ in die Reihe eingestiegen ...

Nach „Burning Bridges“ folgt nun dieser Roman Tami Fischers, der seinem Vorgänger in nichts nachsteht und vielleicht sogar diesen noch übertrifft! Da ich aber erst mit „Sinking Ships“ in die Reihe eingestiegen bin, kann ich es nicht mit letzter Gewissheit sagen. (; Denn auch als unwissender kann man problemlos hier einsteigen und sich voll und ganz auf Carlas und Mitchells Geschichte konzentrieren. (:

Mitchell hat schon länger nur Augen für Carla, was diese gar nicht zu bemerken scheint. Nein vielmehr glaubt sie ihn sogar zu hassen! Doch dann passiert es: Mitchell rettet sie vor dem Ertrinken. Was, wenn er all ihren Freunden davon erzählt und ihre Schwäche verrät? Carla hat vor nichts mehr Angst, als davor erneut verletzt zu werden, weswegen sie sich hinter ihrer kratzbürstigen Fassade versteckt, um für sich und ihre Brüder sorgen zu können. Aber Mitchell lässt sich davon nicht abschrecken, nein er versucht sogar gerade deswegen, dahinter zu blicken und die wahre Carla kennenzulernen. Ob ihm das gelingen wird?

Ich persönlich finde, dass Carla eine unglaublich beeindruckende Persönlichkeit ist. Sie kümmert sich um ihre beiden Brüder, geht nebenbei Arbeiten und hilft auch bei ihrer Tante ab und zu aus, während sie auch noch ihr Studium zu stemmen versucht. Da bleibt keine Zeit für viele Studentenpartys, sie bräuchte eigentlich zwei Leben: das einer Studentin und das einer liebevollen Schwester, um genug Zeit zum Leben zu haben. Glücklicherweise aber hilft ihre Tante ihr, wo sie nur kann. (: Das Temperament, durch welches Carla nie um eine schlagfertige Antwort verlegen scheint, liegt eindeutig in der Familie. Sodass alle Dialoge mit ihr nie langweilig werden konnten. (;

Mitchell hingegen scheint genau ihr Gegenpol zu sein. Ruhig, ausgeglichen, aus reicher Familie stammend und dann auch noch ausgezeichneter Schwimmer sowie Student. Er ist hilfsbereit, allseits beliebt, geduldig und schleicht sich so Stück für Stück immer mehr in Carlas Herz… <3 Er hat schnell alle Sympathien auf seiner Seite, sodass man nicht vergessen darf, sich auch in Carla hineinzuversetzen. Ohne empathisches Einfühlungsvermögen könnte man sonst vorschnell und zu Unrecht Carla verurteilen. ): Denn auch wenn Mitch‘ Leben anfangs so einfach scheint, mit der perfekten Familie, einem so perfekten, fehlerlosen Charakter, hat doch auch er ein echtes Leben hinter dem Schein, das er, so wie auch Carla, niemandem zuvor gezeigt hat…

Ich denke, dass gerade diese Gegensätzlichkeit die Ursache dafür ist, dass beide einander so anziehend finden. Sie zeigen dem anderen neue Blickwinkel, helfen sich, ihr Leben besser zu verstehen und fokussieren zusammen das, was wichtig ist. Vertrauen, Freundschaft, Familie, Verständnis… Wenn man nicht glaubt, dass es sowas gibt, wie kann man dann überhaupt richtig gelebt haben?

Diese schöne Geschichte verpackt in einem nicht weniger schönen Schreibstil. (: Denn als ich einmal angefangen hatte, wollte ich gar nicht mehr aufhören, da die Wortwahl der Autorin alles zu einem Textgeflecht zusammen gefügt hat, das einen nur fesseln konnte. Ab und zu bin ich an mancher Stelle mal ins Stocken gekommen, im Allgemeinen war ist es aber ein flüssiger, angenehmer Schreibstil, dem es vielleicht nur an der ein oder anderen Verzierung fehlt.

Da ich hier aber das Hörbuch rezensiere, möchte ich auch kurz ein paar Wörter über die Sprecher verlieren. Das Buch wird aus den Perspektiven beider Protagonisten erzählt, sodass es auch zwei Sprecher gibt. Während Carlas Stimme, gesprochen von Fanny Bechert, mir sehr gefallen hat, konnte ich mit Mitchells Stimme, gesprochen von Oliver Dupont, nur langsam warm werden. Fanny beweist ein Talent dafür, Carla eine ausdrucksvolle, emotionsgeladene Stimme zu geben, bei der auch ihre spanischen Ausrufe nicht ausgesetzt, sondern authentisch klingen. Mitchells Stimme passte leider überhaupt nicht zu meiner Vorstellung, da sie für mich etwas Linkisches, vielleicht sogar Hinterlistiges hatte, was viele eher an einen Bösewicht als an unseren Gutmensch Mitch erinnern könnte.

Insgesamt bewerte ich die Geschichte darum mit 4 von 5 Sternen. Man muss sich auch in Carla hereinversetzen wollen, da sie sonst gegen den herzgewinnenden Mitch sonst einfach nur verlieren kann. Und ich denke, dass ich auch eine Lehre, die man hier ziehen kann. Niemandes Leben ist perfekt und egal wie schwer man glaubt, dass das eigene sei, das anderer ist darum nicht weniger schwer, wenn vielleicht auch in anderem Ausmaß.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.12.2019

Mehr als nur ein Experiment... <3

180 Seconds - Und meine Welt ist deine
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Als ich den Titel zum ersten Mal las, musste ich sofort an dieses bekannte Experiment denken, aus dem der Mythos hervor ging, man würde sich nach 36 Fragen und einem anschließenden, intensiven Blickkontakt ...

Als ich den Titel zum ersten Mal las, musste ich sofort an dieses bekannte Experiment denken, aus dem der Mythos hervor ging, man würde sich nach 36 Fragen und einem anschließenden, intensiven Blickkontakt ineinander verlieben. Schnell wird hier allerdings klar, dass das Buch in keinem direkten Bezug dazu steht, da Esben mit seinem 180s-Experiment eine andere Absicht verfolgte..

Und es ist auch nicht Esbens erstes Eperiment, denn auf seinen Social-Media-Accounts versucht er regelmäßig solche Aktionen zu starten, um so auch die ein oder andere gute Tat zu vollbringen. Allison aber, die jede Aufmerksamkeit scheut, ist gar nicht begeistert, als sie sich mitten in einem solchen Internetauftritt wiederfindet. Doch welche Ausmaße #thiskiss annehmen wird, hätte nicht mal Esben geahnt...

Doch zuerst zu den einzelnen Charakteren. (: Allison hat es in ihrer Kindheit schwer gehabt, da sie von einer Pflegefamilie zur nächsten gewandert ist, bis sie dann bei Simon gelandet ist, der sie auch adoptierte. Doch trotz dieser eigentlich glücklichen Wendung will es ihr nicht gelingen, ihre Verlassensängste abzulegen und ein vertrauenvolles Verhältnis zu anderen aufzubauen. Einzig Steffi, ihre beste Freundin, dringt zu ihr durch, da sie eine ähnliche Vergangenheit teilen. So unterstützt diese sie auch bei ihrem Wunsch, dieses Defizit endlich auszumerzen. Kann sie sich überwinden und sich Esben öffnen? Vielleicht gerade wegen der intensiven, durch ihn verursachten Gefühle?

Mein Leben war bisher in jeder Hinsicht eine Ansammlung dysfunktionaler Puzzleteile, die niemals zusammenpassen werden. (Allison)

Ob Esben diese Teile wird zusammensetzen können? Bisher ist es ihm noch bei jedem gelungen, dem er helfen wollte. Regelmäßig veröffentlicht er die Schicksale einzelner Menschen, reagiert auf deren Hilferufe und zeigt so, dass niemandes Leben einfach ist und jeder von uns ein Held sein kann. (: Das es neben HassKommentaren, Hetzreden, Produktwerbung und rassistischen bzw. diskrimminierenden Beiträgen auch solche gemeinnützigen Ziele gibt, verliert man nur allzu schnell aus den Augen. Auch wenn ich bezweifle, dass dieses Konzept real umsetzbar ist, ist es doch eine hoffnungsvolle, erstrebsame Vorstellung, die uns allen zu denken geben sollte...

Doch neben seiner schillernden, hilfsbereiten Internetidentität, ist er auch im Alltag ein geduldiger, hilfsbereiter junger Mann, an den auch ich schnell mein Herz verloren habe. <3 Aber wo Licht ist, da ist immer auch ein Schatten... Welchen Esben wohl mit sich herumträgt?

Insgesamt empfand ich den Schreibstil hier als sehr angenehm. Man könnte meinen, dass 180s Blickkontakt schwierig zu erzählen sind, doch ich finde, der Autorin ist dies sehr gut gelungen. Diese ist auch meine Lieblingsstelle bis zum Buchende geblieben. <3
Ich kann ihn nicht hassen. [...] Wie kann ich jemanden dafür hassen, dass er glücklich ist?
Auch wird immer aus den Perspektiven der einzelnen Protagonisten abwechselnd erzählt, sodass man auch immer beide Sichtweisen sehr gut begreifen kann. Leider konnte mich das Buch nicht immer fesseln und emotional mitreißen, da der Schreibstil das für mich nicht hergab. Alles wirkte manchmal zu idealistisch, zu ausgedacht, sodass die Authentizität der Geschichte darunter litt.

Bewertet habe ich das Buch darum "nur" mit 4 von 5 Sternen, da ich mir mehr Realismus gewünscht hätte, die Idee an sich mir aber sehr imponierte. Das Buch ist definitiv einen zweiten Blick wert! Von Esben könnten wir uns ruhig mal eine Scheibe abschneiden. (;

  • Gefühl
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.11.2019

authentisch, emotional... einfach unvergleichlich <3

Bring Down the Stars
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For you, I would bring dowrn the stars, wreath their fire around your neck like diamonds, and watch them pulse to the beat of your heart.
Ich muss gestehen, dass ich Wes' Gedichte nicht lesen konnte, ohne ...

For you, I would bring dowrn the stars, wreath their fire around your neck like diamonds, and watch them pulse to the beat of your heart.
Ich muss gestehen, dass ich Wes' Gedichte nicht lesen konnte, ohne nicht sofort Tränen in den Augen zu haben. Interessanterweise waren die englischen Orgniale, die auch in der deutschen Ausgabe abgedruckt werden, für mich viel rührender als die deutsche Übersetzung. <3

Dieser Auftakt einer zweibändigen Reihe dreht sich größtenteils um Wes' Leben. Als er durch ein Stipendium auf eine noble Schule gehen darf, ist Connor der einzige, der ihm hilft. Seit jenem Moment sind sie beste Freunde, quasi unzertrennlich. Doch als Wes Autumn auf dem College kennenlernt, weiß er, dass er nichts lieber tun würde, als ihr die Welt zu Füßen zu legen. Aber kann er ihr wirklich das geben, was sie braucht? ...was, wenn Connor sie viel glücklicher machen könnte? Hat er dann das Recht, so egoistisch zu sein und sein eigenes Glück über alles zu stellen??

Und auch, wenn der Klappentext jetzt wie eine klischeehafte Schnulze klingt, ist dieses Buch doch viel mehr für mich. Weston will nicht bemitleidet werden, er wirft Connor nicht vor, dass er sich für Autumn interessiert und zu keinem Moment der Handlung hatte ich das Gefühl, dass er nicht das Beste für beide aus Liebe wollte. Er hat das Wohl, das Glück der beiden über sein eigenes gestellt, was ich einfach nur bewunderswert finde. Aber kann man sich selbst wirklich so zurücknehmen, dass von den eigenen Gefühlen nichts mehr übrig ist?

Ich denke, diese Frage war eine der Schwierigkeiten, die die Autorin in ihren Schreibstil einfließen lassen musste. Auf unglaublich authentische Art ist es ihr gelungen, mir das Gefühl zu vermitteln, die Charaktere verstehen zu können.
Die gesamte Geschichte wird aus Westons und Autumns Perspektive erzählt, sodass beide Figuren besonders detailiert betrachtet. Dennoch blieben aber Connors Gedanken nicht auf der Strecke, da die offene Kommunikation mit Wes hier ein umfassendes seiner Person vermittelte. Autumn, Connor und Wes sind mir immer mehr ans Herz gewachsen, sodass ich mir das schönste aller Happy Ends für sie gewünscht habe. Dabei blieb aber die Spannung nicht auf der Strecke, da die Figuren sich selbst weiterentwickelt haben und auch deren Lebenssituation öfters neue Hürden aufstellte, die es zu überwinden galt.

'Weißt du, warum die Morgendämmerung so schön ist, Autumn?', hatte Dad gefragt. 'Weil jeder Tag die Möglichkeit von etwas Wunderbarem birgt. Du musst nur bereit sein dafür.'

Autumns Liebe zu ihrer Familie ist während der gesamten Geschichte deutlich spürbar. Die Atmosphäre, die kreiiert wird, zeigt, dass es hier viel wichtiger ist, wie es in einem Menschen von innen aussieht, als sein Äußeres zu beurteilen. Dabei ist Autumn immer erfrischend ehrlich, einfühlsam und direkt. Sie kann nicht nur ein bisschen empfinden, denn wenn sie sich einer Sache hingibt, dass ganz oder gar nicht. Doch wenn ihr innere Werte wichtiger sind, als das Aussehen, warum lässt sie sich dann von Connors 100-Watt-Lächeln einwickeln? Könnte sie sich nicht auch in Westons Worte so verlieben, wie in das, was sie bei Connor zu finden hofft?

Ich kann dieses Buch nur mit 5 von 5 Sternen bewerten, da es mir gezeigt hat, dass nicht jede Geschichte mit einer Dreiecksbeziehung wie ein einziges, nerviges Klischee wirken muss. Ich habe jede Seite des Buches geliebt und kann es kaum erwarten, den 2. Band zu lesen!

Auch verlorene Liebe ist sinnvoll verschenkt.

  • Handlung
  • Charaktere
  • Cover
  • Erzählstil
  • Gefühl/Erotik
Veröffentlicht am 27.10.2019

Was empfindest du? Was sagt dir dein Gewissen?

TAKEN PRINCESS
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Als ich das Cover zum ersten Mal gesehen habe, dachte ich nicht an eine düstere Geschichte voller Gewalt oder Betrug am Rand der Gerechtigkeit. Einzig der Stacheldraht zwischen den farbenfrohen Blättern ...

Als ich das Cover zum ersten Mal gesehen habe, dachte ich nicht an eine düstere Geschichte voller Gewalt oder Betrug am Rand der Gerechtigkeit. Einzig der Stacheldraht zwischen den farbenfrohen Blättern sowie der schwarze Hintergrund ließ mich auf den zweiten Blick hellhörig werden. Was steckt dahinter und was hat es mit einer Prinzessin zu tun??

So direkt wie der Name des Buches, "Taken Princess" (genommene Prinzessin), so direkt ist auch der Einstieg in die Geschichte. Man muss sogleich feststellen, dass es nicht nur "schwarz" und "weiß" gibt, sondern vor allem die Motive einer Handlung entscheidend sind.
Wres, der männliche Protagonist (auch Nolan genannt), will sich an all jenen rächen, die an seinem "Scheintod" profitiert haben und trifft dabei unerwartet auf Saige, eine Bordellbesitzerin. Während er durch Selbstjustiz versucht Gerechtigkeit einkehren zu lassen, scheint sie ohne jede Spur von Mitgefühl für andere zu handeln. Nichtsdestotrotz bringen beide es nicht über sich, den jeweils anderen zu töten, sodass Wres sich kurzerhand entschließt, Saige zu entführen, damit sie ihn nicht verraten kann. Bald schon ist klar, dass sie die Verbindung zueinander nicht ewig ignorieren können... Doch wie passt Saige in Wres' Plan? Können sie trotz aller Unterschiede eine Beziehung aufbauen?

Obwohl diese Reihe einen Charakter der "Catching Beauty"-Reihe näher beleuchtet, kann sie doch unabhängig gelesen werden. Auch ohne Vorwissen konnte ich alles problemlos verstehen, auch wenn ich nicht immer alle Hintergründe kannte. (:

Dafür hatte ich den Vorteil, beide Charaktere völlig neu kennenzulernen. Über Wres gesamte Vergangenheit wusste ich immer nur so viel, wie er sich selbst gegenüber oder auch vor Saige preisgab, sodass es zunehmend spannender wurde, desto besser man beide Figuren verstand.

Saige, welche mir am Anfang wie ein von Nebel umgebenes Mysterium erschien, hat mich sofort fasziniert. Anfangs habe ich mich gefragt, ob sie ein Gewissen hat, wie sie diesem Leben so schonungslos ehrlich gegenüber stehen kann, denn nur weil sie ihre Vergangenheit verdrängt, ist sie noch lange keine Lügnerin. Was ließ sie zu der werden, die sie heute ist? Und was muss ein Mensch tun, um ihr etwas zu bedeuten? Um ihr zu zeigen, wie man fühlt?

Könnte Wres dieser jemand sein? Alles, was ihn anzutreiben scheint, ist sein Durst nach Gerechtigkeit. Obwohl durch ihn der Nebel um Saige sich langsam zu lichten beginnt, bleibt doch die Frage, ob das, was er offenlegt, ihm auch gefällt. Seine starke Präsenz schüchtert zwar anfangs ein, doch egal wie hart die Schale sein mag, diese eine Schwachstelle, jenen weichen Kern... Hat diesen nicht jeder?

"Leben ist so zerbrechlich wie Wörter, die gesagt werden. Kaum sind sie ausgesprochen, sind sie schon wieder verklungen. Wenn man sie nicht aufschreibt, sind sie vergessen. Nichts … einfach gar nichts ist beständig."

Aber egal, wie philosophisch das nun geklungen hat, ist dies natürlich nur eine Seite der Geschichte. Neben den facettenreichen Charakteren und der spannenden Geschichte gibt es natürlich auch erotische Szenen sowie direkt beschriebene Gewaltszenen. Und auch, wenn dies im ersten Moment wie ein Widerspruch in sich klingen mag, gelang es der Autorin doch, mittels eines flüssigen, anschaulichen Schreibstils alles so miteinander zu verweben, dass es passte. Wres drang zu dominieren und Saige' Wunsch die Kontrolle einmal - vielleicht auf Basis von Vertrauen?- abzugeben, erscheint fast schon natürlich. Und wirken die Intimszenen nicht überdramatisiert oder künstlich, sondern sind gezielt, wirkungsvoll platziert und das im genau richtig Maß. (;

Bewerten kann ich diesen ersten Teil eine Dilogie nur mit 4,5 von 5 Sternen, da er absolut gelungen in die Geschichte der beiden einführt, Lust auf mehr macht und die Frage offen lässt, was eigentlich Gerechtigkeit ist. Das, was Wres als solche wahrnimmt? Oder aber Saige verschoben scheinende Empfindungen?

Was empfindest du ? Was sagt dir dein Gewissen?