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Veröffentlicht am 07.10.2025

eine Frau stellt sich ihren Dämonen - wenig nachvollziehbar

Dem Sturm entgegen
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Gehypt von einem anderen Buch der Autorin habe ich das Hörbuch "Dem Sturm entgegen" von Cecelia Ahern gehört. Gelesen wurde es von Sandrine Mittelstädt, die eine sehr angenehme Stimme hat - passend zur ...

Gehypt von einem anderen Buch der Autorin habe ich das Hörbuch "Dem Sturm entgegen" von Cecelia Ahern gehört. Gelesen wurde es von Sandrine Mittelstädt, die eine sehr angenehme Stimme hat - passend zur Handlung.

Enyas Leben steht Kopf: Sie ist unglücklich in ihrer Ehe, hat als Ärztin viel zu tun, steht kurz vor ihrem 47. Geburtstag (älter ist ihre Mutter nicht geworden) und kommt dann mitten in der Nacht zu einem Unfall dazu. Gerade so kann sie das Leben eines Jungen retten, ein Klassenkamerad ihres Sohnes. Alles wird ihr zu viel und sie begibt sich als Landärztin aufs Land. Dort versucht sie alles zu verarbeiten, wird jedoch von Personen und Erinnerungen heimgesucht. Ist wirklich alles so harmlos, wie es zu Beginn scheint? Wer ist für den Unfall verantwortlich? Alle geraten ins Kreuzfeuer. Wen kann Enya beschützen?

Wie gewöhnlich für Cecelia Ahern, ist alles aus der Erzählperspektive geschrieben. Dadurch ist immer eine gewisse Distanz da. Die Gefühle und Emotionen werden beschrieben, sind für mich aber nicht ganz spürbar. Eine Abschnitte waren aus der Vergangenheiten, Situationen die Enya oder ihre Mutter erlebt haben. Das war

Enya als Charakter gefällt mir überhaupt nicht. Zu Beginn konnte ich noch Sympathie für sie aufbringen, aber besonders am Ende war ich perplex. Diese Verhaltensweisen hätte ich ihr so, wie sie vorher beschrieben war, nicht zugetraut. Für mich gab es hier auch einen Logikfehler in der Handlung. Enya wird als wenig selbstbewusst und fast schon krankhaft altruistisch dargestellt. Sie versucht zu helfen, ihren Sohn und andere zu schützen, bleibt dabei aber nicht konsequent. Sie wirkt klein, lässt sich beeinflussen und kann kaum für sich einstehen. Gegen Ende wird auch noch vermittelt, dass sie skrupellos und berechnend sei. Irgendwie ergibt das keinen Sinn.

Die Handlung war zu Beginn sehr spannend. Durch den Unfall und das stückweise Aufdecken der Geschehnisse hatte ich viel Spaß daran, zuzuhören. Auch Zwischendurch kam immer wieder Spannung auf, besonders durch verschiedene Nebenfiguren. Das konnte aber nicht durchgehend bestehen bleiben. Ich bin dann doch öfters abgeschweift.

Das Ende war überraschend, aber nicht positiv gemeint. Wie schon weiter oben beschrieben, wurde Enyas Charakter (meiner Meinung nach) einmal komplett über den Haufen geworfen. Es wirkte alles so kurz, überstürzt und planlos geschrieben. Erst dachte ich noch, dass Erinnerungen lange verdeckt wurden. Der Eindruck wurde dann aber wieder negiert und ich stehe mit vielen Fragezeichen über dem Kopf da.

Fazit: Für mich das schwächste Buch von Cecelia Ahern.

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Veröffentlicht am 07.10.2025

Ein bisschen von sich in der Welt lassen - gefühlvoll und ergreifend

Postscript - Was ich dir noch sagen möchte
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~ Zurückblicken, sich der Vergangenheit zu stellen, ist kein Zeichen von Schwäche.~

Cecelia Ahern war lange Zeit eine meiner Lieblingsautorinnen. Als ich jetzt den zweiten Band rund um Holly Kennedy und ...

~ Zurückblicken, sich der Vergangenheit zu stellen, ist kein Zeichen von Schwäche.~

Cecelia Ahern war lange Zeit eine meiner Lieblingsautorinnen. Als ich jetzt den zweiten Band rund um Holly Kennedy und den P.S. Ich liebe dich-Briefen in der Hand hatte, war ich skeptisch. Zweite Bände sind, meiner Erfahrung nach, meistens nicht so gut. Doch ich wurde eines besseren belehrt.

Ein paar Jahre nach dem Tod von Gerry hat Holly sich ein neues Leben aufgebaut: ein neuer Job, eine neue Liebe - doch irgendwie tritt sie immer noch auf der Stelle. Gerry ist noch überall, loslassen kann sie ihn nicht. So geschieht es, dass sie im Podcast ihrer Schwester von den Briefen erzählt. Ehe sie sich versieht, entsteht ein "P.S. Ich liebe dich"-Club. Menschen mit tödlichen Erkrankungen wollen ihren Liebsten etwas hinterlassen und Holly soll ihnen dabei helfen. Aufopferungsvoll steht sie allen bei, geht doch Höhen und Tiefen. Kann sie der Belastung standhalten und alle so unterstützen, wie sie es benötigen?

Die Thematisierung tödlicher Krankheiten und den Umgang mit Tod und Verlust hat die Autorin auch hier wieder sehr gefühlvoll und ergreifend beschrieben. so erscheint es manchmal als etwas ganz Normales. Ich finde es toll, dass ganz unterschiedlich beschrieben wird, wie Menschen damit umgehen. Der Schmerz über die in Zukunft verpassten Momente ist wirklich greifbar.

Holly als Protagonistin gefällt mir gut, sie ist menschlich und sehr angenehm. Manchmal fehlt mir etwas mehr Selbstbewusstsein, aber ich denke, genau so soll es sein. Sie kämpft sich weiter ins Leben zurück, ein Prozess, der lange dauert. Auch alle anderen Charaktere sind mit viel Tiefe, Hintergrundinformationen und Emotionen beschrieben. Ich finde es klasse, dass die Liebesgeschichte zwischen Holly und Gabriel nicht im Vordergrund steht. Gabriel war mir irgendwie nicht sympathisch.

Das Buch las sich allgemein sehr gut, auch weil die Kapitel recht kurz sind. Es war durchgehend spannend. Ich glaube, das lag auch daran, da jedes Clubmitglied nur begrenzt Zeit hatte. Ich habe förmlich mit gefiebert, ob es alle schaffe.

Der Epilog hat mir im Vergleich zum Rest des Buches überhaupt nicht gefallen. Ich fand ihn sinnlos und vollkommen unnötig. Dadurch hat das Buch für mich etwas den Zauber verloren.

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Veröffentlicht am 07.10.2025

Leonard und Paul - große Veränderungen in zwei Leben

Leonard und Paul
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~ Jemanden seine voll Aufmerksamkeit zu schenken, ist der größte Respekt, den man einem Menschen entgegenbringen kann. ~

Meinen ersten Roman von Rónán Hession habe ich auch Empfehlung eines Freundes gelesen. ...

~ Jemanden seine voll Aufmerksamkeit zu schenken, ist der größte Respekt, den man einem Menschen entgegenbringen kann. ~

Meinen ersten Roman von Rónán Hession habe ich auch Empfehlung eines Freundes gelesen. Die Geschichte in einem Satz zusammengefasst ist recht unspektakulär: Das Leben zweiter, recht spezieller Männer wird gezeigt und wie sich alles verändert. Dennoch wird auf eine sehr angenehme Art die Leben der zwei sonderbaren Protagonisten Leonard und Paul beschrieben.

Aus der Erzählperspektive wird die Handlung abwechselnd für Leonard und Paul erzählt. Leonard, ein ruhiger Mensch, der Sachbücher als eine Art Ghostwriter verfasst, muss seinen Lebenssinn nach dem Tod seiner Mutter finden. Paul, wohl behütet im Elternhaus lebend, liebt Gesellschaftsspiele und Routinen. Doch so einfach und erwartbar für die beiden bisher alles war, wird sich nun vieles ändern. Jeweils treten neue Menschen in den Vordergrund. Leonard lernt seine Kollegin kennen und Paul macht Bekanntschaft mit einem Pantomimenverein. Die erste Liebe und die eigene Selbstständigkeit sind Themen der weiteren Handlung.
Auch finde ich es schön, dass die Perspektive von Pauls Schwester Grace betrachtet wird und wie sie als "perfektes Kind" alles versucht zu managen. Der Dialog zwischen den Geschwistern relativ am Ende war großartig.

Beide Protagonisten sind mir sehr sympathisch, doch Leonard ist für mich etwas greifbarer. Ich finde es toll, wie unerfahren er im Umgang mit Frauen dargestellt wird und wie gewissenhaft und ehrlich dabei ist. Das lässt ihn für mich als weich und lieb darstellten. Paul hingegen erweckt in mir den Eindruck, nervig zu sein. Er denkt vor allem an sich, das aber aus keiner bösen Absicht.

Allgemein bin ich begeistert, wie viel Tiefe die Handlung hat. Es gibt viele Zitate, die ich mir aufgeschrieben habe. Trotz Diskrepanzen und Beziehungsproblemen ist in diesem Buch nichts boshaft oder gemein. Es ist toll, dass beide so akzeptiert werden, wie sie sind.

Fazit: Obwohl augenscheinlich nicht viel passiert, geschieht gleichzeitig so viel. Leise und für andere unmerklich können sich Leben ändern. Einen einzigen Kritikpunkt habe ich: Das letzte Kapitel hat mir gar nicht gefallen. Der Sinn dahinter ist mir noch nicht ganz klar.

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Veröffentlicht am 27.08.2025

"Unerwarte es" - ein wundervoller Roman über den Tod und das Danach

Das unglaubliche Leben des Wallace Price
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Nachdem mich das Hörbuch "Aus Sternen und Staub" von T.J. Klune so begeistert hatte, habe ich nun dieses Hörbuch gehört. Wallace Price ist ein Anwalt ohne Moral und Empathie. Ehe er sich versieht, ist ...

Nachdem mich das Hörbuch "Aus Sternen und Staub" von T.J. Klune so begeistert hatte, habe ich nun dieses Hörbuch gehört. Wallace Price ist ein Anwalt ohne Moral und Empathie. Ehe er sich versieht, ist er tot und landet im Teehaus von Hugo, dem Fährmann. Mit dabei sind Mei, der Sensenmann, Nelson, Hugos Opa und Apollo, sein Hund. Eigentlich sollte er nur kurz bleiben und "durch die Tür gehen". Doch wie es mit dem plötzlichen Tod ist, Wallace akzeptiert es nicht und versucht in sein altes Leben zurückzukommen. Doch so langsam fängt er an zu hinterfragen, Dinge anders zu betrachten und wertzuschätzen.

Gelesen wird das Hörbuch von Julian Horeyseck. Er hat eine ganz angenehme Stimme und gibt jeder Figur eine eigene Note. Es hat mir viel Freude bereitet seiner Stimme zu lauschen, für diese Thematik wirklich ganz toll und passend.

Die Themen Tod und Sterben sind recht schwer, mit viel Schmerz und negativen Gefühlen verbunden. T.J. Klune schafft es, eine Leichtigkeit einzubringen, die nicht nur die Figuren, sondern auch mit als Zuhörer zum Lächeln bringen und wie ich finde, die Angst davor nehmen kann. Alle Facetten werden betrachtet: Leugnung, Wut und Aggression, Trauer,... - dabei bleibt er in seiner Erzählweise authentisch, offen und gleichzeitig mitfühlend. Es ist schön, sich vorzustellen, dass es so sein könnte. Auch die Art und Weise, wie der Fährmann und der Sensenmann damit umgehen wirkt so menschlich und gefühlvoll - einfach toll.

Mit über 15 Stunden ging das Hörbuch doch recht lang und ich hatte mich zu Beginn gefragt, was denn alles passieren wird. Irgendwie "plätscherte" es so dahin. Es ist wahnsinnig viel passiert, aber gleichzeitig auch irgendwie nicht. Das ist für mich gar kein Kritikpunkt, da ich der Handlung aufmerksam folgen konnte, immer mit der Frage, wie es denn ausgehen wird. Es gab einige Spannungsbögen, die aber nicht extrem ausgeprägt waren. Dennoch haben sie Abwechslung eingebracht.

Wallace Price war für mich als Figur zu Beginn schrecklich unangenehm. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich ihn mögen könnte. Da habe ich mich aber getäuscht. Am Ende ist mir sein Charakter sehr sympathisch geworden. Er hat eine große Veränderung durchlebt (Wortwitz). Von dem kalten, berechnenden Mann war nichts mehr übrig. Seine menschliche, mitfühlende und weiche Seite ist hervorgekommen, die von Anfang bis Ende authentisch wirkte. Die Entwicklung war schön mitzubekommen und es war auch toll, dass ein weiterer "Gast" mit einem ähnlichen Ausgangspunkt ins Teehaus kam.
Den Fährmann Hugo habe ich von Beginn an ins Herz geschlossen. Er wurde als mitfühlend und sehr freundliche beschrieben. Trotz einer Beschreibung seiner Erscheinung, habe ich ihn mir die ganze Zeit anders vorgestellt. Das hat mich aber gar nicht gestört. Es war toll, dass er sich Stück für Stück mehr geöffnet hat und den Lesern mehr und mehr bewusst wurde, was in seinem Inneren vorgeht. Die zwischen Hugo und Wallace aufkeimenden Gefühle haben den Anflug einer tragischen Liebe vermittelt. Die unausgesprochenen Worte haben die Spannung zwischen den beiden aufrechterhalten, was mich auch nicht losgelassen hat. Die Charaktere sind alle wunderbar sympathisch und authentisch. Es ist schön, wie liebevoll sie miteinander agieren.

Das Ende war für mich anfangs etwas ernüchternd. Ich hätte es mir etwas dramatischer vorgestellt. Nach dem Epilog war ich dann aber anderer Meinung. Es hat gut gepasst - ein Abschluss und Neubeginn. Irgendwie war es schlimm und schön zugleich. So wurde mir am Ende auch nochmal eindrücklich deutlich, dass der Tod auch als etwas Schönes angesehen werden kann (man trifft Menschen aus seinem Leben wieder).

Fazit: Ich kann das Hörbuch wirklich empfehlen. Es ist sehr tiefsinnig und lädt zum Nachdenken ein.

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Veröffentlicht am 27.08.2025

ein Ort kämpft für seine Bibliothek - authentisch und mitreißend

Die letzte Bibliothek der Welt
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Durch Zufall bin ich auf das Buch von Freya Sampson gestoßen. June Jones, Bibliothekarin in einer kleinen Ortschaft lebt ein tristes Leben. Nur in ihrer Bibliothek hat sie Abwechslung, trifft Leute und ...

Durch Zufall bin ich auf das Buch von Freya Sampson gestoßen. June Jones, Bibliothekarin in einer kleinen Ortschaft lebt ein tristes Leben. Nur in ihrer Bibliothek hat sie Abwechslung, trifft Leute und hilft anderen. Nun soll diese Bücherei geschlossen werden. Eine Ortschaft stellt sich der Kreisverwaltung entgegen, besonders die Rentner protestieren. Wird June aus ihrem Schneckenhaus herauskommen und ihre Stimme erheben?

Schon der Anfang des Buchs hat mich mitgerissen: June überlegt sich zu den ausgeliehenen Büchern Geschichten und Charakterzüge der einzelnen Menschen. Das finde ich toll. June als Hauptcharakter war mir schon von da an sympathisch, was sich auch durch das ganze Buch durchzog. Sie ist eine "graue Maus", die ihr langweiliges Leben lebt. Eigentlich möchte sie ausbrechen, kann aber keine ausreichende Motivation und Kraft aufbringen, viel lieber zieht sie sich zurück. Ihre Entwicklung hin zu einer selbstbewussteren Frau erschien mir durch und durch glaubhaft und nachvollziehbar.
Alle Nebencharaktere habe ich sofort ins Herz geschlossen, besonders Stanley. Alle Figuren wurden mit viel Tiefe beschrieben, jede war anders, aber für sich stimmig. Obwohl es viele offene Inhalte rund um deren Vergangenheit gab, hatte ich nicht das Bedürfnis weitere Infos haben zu wollen.

Freya Sampson hat einen sehr schönen Schreibstil. Obwohl alles aus der Erzählperspektive geschrieben wurde, hatte ich das Gefühl dabei zu sein und in die Handlung eintauchen zu können. Es hat sich einfach schön gelesen und ich habe mit Freude Seite für Seite umgeblättert. Vieles von der Geschichte war vorhersehbar, aber das fand ich gar nicht so schlimm. Es hat einfach gepasst.

Es hat mir gut gefallen, dass es kein allumfängliches Happy End gab. Das spiegelt für mich die Realität wider. Dadurch die die Authentizität beibehalten. Die Entschlossenheit von June am Ende hat mir sehr gut gefallen, sie hat sich aus ihren "Ketten herausgekämpft" und genießt die Freiheit - einfach toll.

Vor allem gefällt mir bei dem Buch der Gemeinschaftsgedanke. Eine Dorfgemeinschaft steht füreinander ein, egal welche Konsequenzen drohen und was das Ergebnis ist. Dieser Zusammenhalt hat in mir das Herz aufgehen lassen. Jung und alt stehen für dieselben Werte ein. Wenn man genauer darüber nachdenkt, vermittelt das Buch wahnsinnig viel und das, obwohl es recht unscheinbar und einfach wirkt.

Fazit: Das Buch ist ein ganz wundervoller Roman, der sich wahnsinnig gut gelesen hat. Die Handlung hat viele "Aufs und Abs", ist teilweise vorhersehbar, aber dennoch schön. Es gibt ein paar Twists und Spannungsbögen, das Lesen wurde mir nicht langweilig.

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